mini|hochkant|Wendelinskirche in Eschenau mini|Blick zum Chorbereich mini|Blick zur Orgelempore mini|Orgel Die Wendelinskirche ist die evangelische Pfarrkirche in Eschenau, einem Ortsteil der Gemeinde Obersulm im Landkreis Heilbronn im nördlichen Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde Eschenau gehört zur Evangelischen Verbundkirchengemeinde Obersulm See im Kirchenbezirk Weinsberg-NeuenstadtWebsite des Evangelischen Kirchenbezirks Weinsberg-Neuenstadt der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Geschichte und Baubeschreibung Der ursprünglich mittelalterliche Kirchenbau mit seinem quadratischen Chorturmsockel und dem 1591 fertiggestellten Turmaufbau in Form eines Oktogons erhielt seine heutige Gestalt durch Um- und Neubauten im 16. und 18. Jahrhundert. Bis 1573 war Eschenau eine Filiale von Affaltrach. Von dem mittelalterlichen Bau zeugt jedoch nur noch die Ausmalung des 15. Jahrhunderts im Sockelgeschoss des Turms. 1565/85 sind Baumaßnahmen genannt, die vermutlich vor allem dem mittelalterlichen Kirchenschiff galten und mit dem seit der Reformation gestiegenen Sitzplatzbedarf (Emporen?) für die neue Form des Predigtgottesdienstes in Verbindung standen. Nach dem entsprechenden Inschriftenstein waren diese Maßnahmen 1591 beendet. 1756 wurde das Langhaus durch den Baumeister Johann Michael Krauß aus Windsheim, vermutlich nach Plänen von Philippe de la Guêpière (württembergischer Hofarchitekt), in barockem Stil und mit wesentlicher Vergrößerung neu gebaut. Der Neubau ersetzte das mittelalterliche Kirchenschiff, dem das massige Sockelgeschoss der in der Region typischen Chorturmkirche als Turmchor gedient hatte. Über genaue Abmessungen und das Aussehen dieses sicher wesentlich kleineren Kirchenschiffs ist nichts bekannt. Abbruchmaterial wird für den Neubau verwendet worden sein. Der Turmchor wurde zum neuen Kirchenschiff hin geschlossen, in der wenig tiefen Chornische ein (mittlerweile moderner) Altar gestellt und darüber eine Barockkanzel mit Schalldeckel errichtet, die aus der Sakristei im ehemaligen Turmchor direkt erreichbar ist. Im hohen Innenraum fanden doppelstöckige Emporen an den Längsseiten und im Westen Platz. Damit ergab sich die konsequente Innenraumgestalt einer Predigtkirche.Ulrich Zimmermann: Die Predigtkirche und die Querkirche. Protestantischer Kirchenbau in Württemberg. Eine Studie zur Geschichte und Theologie des Kirchenraums und zur Entstehung zweier Kirchenbautypen. Verlag Regionalkultur, Ubstadt-Weiher 2025, ISBN 978-3-95505-592-9. Für eine gute Sicht zur Kanzel, von der aus bis 1931 der Pfarrer den gesamten Gottesdienst zu halten hatte (außer bei Taufen und Abendmahl), wurde auf Emporenstützen verzichtet. In seltener Konstruktion werden die Emporen von weit auskragenden Balken getragen, die Balkenköpfe mit Voluten verziert. Zwei Steininschriften von 1591 und 1756 in der Ostwand und eine Inschrift im Konsolstein des Westportals verweisen auf diese Baumaßnahmen und auf eine Renovierung von 1790 unter der Ortsherrschaft der Freiherren von Killinger. Jene Ortsherren haben unter dem Sockelgeschoss des Turms auch eine Gruft einrichten lassen, die jedoch nur für wenige Jahrzehnte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts für Beisetzungen genutzt wurde.

Unter der Leitung von Hannes Mayer wurde die Kirche 1959 renoviert, wobei ihr barocker Bauschmuck größtenteils verlorenging. In jüngerer Zeit wurden die lange Zeit verschlossene Gruft wieder zugänglich gemacht und 2006/08 der Westgiebel der Kirche saniert.

Ausstattung Die ältesten Kunstwerke der Kirche sind die Fresken aus der Zeit um 1420 in dem als Sakristei genutzten Turmsockel.

Aus dem späten 15. Jahrhundert stammen drei farbig gefasste Standfiguren aus Lindenholz: eine Madonna mit Kind sowie die Heiligen Leonhard und Wendelin. Urkundlich belegt ist eine weitere solche Figur des hl. Bartholomäus, über deren Verbleib jedoch nichts bekannt ist. Die Figuren zierten wohl einst den ehemaligen Wendelinsaltar der Kirche. Eine Besonderheit der Figuren ist deren motivische Abhängigkeit. Der Unterkörper der Leonhard-Figur entspricht dem Unterkörper der Madonnenfigur. Das Gesicht von Wendelin entspricht dem Gesicht Leonhards.

Eine ehemals in der Eschenauer Kirche befindliche Hochrelieftafel mit der Legende der hl. Ursula, vermutlich aus dem Schrein eines kleineren Altars um 1500, wurde 1885 an die Stuttgarter Altertümersammlung verkauft und befindet sich heute im Württembergischen Landesmuseum.

An der Ostwand des Langhauses rechts vom Chor befinden sich die Grabplatten von Johann Dietrich von Gemmingen-Fürfeld († 1597) und seiner Ehefrau Dorothea Agatha von Gemmingen-Bürg († 1601). Das Paar hatte seinen Wohnsitz in Eschenau und wurde in der Wendelinskirche beigesetzt.

Das hölzerne Taufbecken von 1706 sowie ein stilistisch übereinstimmender großer Kerzenständer erinnern mit ihrer Farbigkeit und Ornamentik noch an die frühere barocke Ausstattung der Kirche.

Zu den weiteren bemerkenswerten Ausstattungsgegenständen der Kirche gehören eine Plastik des harfespielenden Königs David an der Brüstung der Orgelempore sowie eine große Luther-Plakette am Emporenaufgang. Die Empore selbst ist auf drei Seiten umlaufend und an den Längswänden der Kirche zweistöckig. Auch die Altar-Kerzenleuchter aus Messing sind bemerkenswert. An ihrem Boden ist eingraviert eine Gedenkwidmung an Pfarrer Gustav Beyer, Heilbronn, welcher der Gemeinde Eschenau in schwerer Kriegszeit […] als Pfarrer diente. Gefertigt von Flaschnermeister Friedrich Württemberger 1946. Pfarrer Beyer war am 6. April 1945 vom abrückenden Volkssturm erschossen worden, weil an seinem Haus eine weiße Fahne als Zeichen für die anrückenden Amerikaner hing. Von im Kampfgebiet gesammelten Granathülsen stammt das damals rare Messing für die Leuchter, ein Beispiel für die biblische Verheißung Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen. ( und ).Otto Friedrich: Evangelische Kirchen im Dekanat Weinsberg – Bilder-Lese-Buch. Hrsg. Ev. Dekanatamt Weinsberg, 2003, S. 14.

Die Orgel wurde 1879 von Karl Schäfer erbautGustav Döttling: Tanzschuhe für die Pedale. stimme.de, 19. August 2010, abgerufen am 15. Juni 2026..

Literatur Hartmut Gräf: Unterländer Altäre 1350–1540. Eine Bestandsaufnahme (= Heilbronner Museumsheft. Nr. 2). Städtische Museen Heilbronn, Heilbronn 1983, S. 162–163, Nr. B 49 und S. 170–171, Nr. B 55. Julius Fekete: Kunst- und Kulturdenkmale in Stadt- und Landkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart 1991, ISBN 3-8062-0556-6, S. 275. Obersulm. Sechs Dörfer – eine Gemeinde. Gemeinde Obersulm, Obersulm 1997. Otto Friedrich: Evangelische Kirchen im Dekanat Weinsberg – Bilder-Lese-Buch. (Hrsg.) Evangelisches Dekanatamt Weinsberg, 2003, S. 14 f. Martin Ritter und Kinder aus Eschenau: Die evangelische Wendelinskirche in Eschenau - Entdecken, Wissen, Glauben. Ein Führer durch die Wendelinskirche. Eschenau 2006.

Weblinks

Die Kirchengemeinde Eschenau auf der Website der Verbundkirchengemeinde Obersulm See Obersulm-Rundgänge: Wendelinskirche Eschenau

Einzelnachweise

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