Willi Alfred Kalender (* 1. August 1949 in Elsdorf-Thorr; † 21. Oktober 2024 in Erlangen) war ein deutscher Physiker und Professor. Bis 2018 war er Direktor des Institutes für Medizinische Physik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Er gilt als der Erfinder der Spiral- sowie der Brust-Computertomographie. Zudem war er Fellow der American Association of Physicists in Medizin und ehrenamtlicher Fellow des britischen Instituts für Radiologie.

Leben und Wirken Kalender studierte Mathematik und Physik in Bonn und Medizinische Physik an der Universität von Wisconsin, wo er 1974 den Master erlangte und 1979 promovierte. Er habilitierte im Jahre 1988 in Tübingen. Von 1976 bis 1995 war er bei der Siemens AG in Erlangen tätig, danach leitete er den Lehrstuhl für Medizinische Physik an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Ab 1991 lehrte Kalender außerdem als Associate Professor an der Universität von Wisconsin sowie von 1993 bis 1995 als Privatdozent an der TU München. Er war Mitglied des „Board of Directors“ der Amerikanischen Gesellschaft für Medizinische Physik. Daneben war er Geschäftsführer der PET-Net GmbH, die Radiopharmaka für die Positronen-Emissions-Tomographie herstellte. Kalender hielt 15 Patente; er publizierte über 700 wissenschaftliche Arbeiten.

Karriere Von 1979 bis 1995 arbeitete Kalender in einem Forschungslabor von Siemens Medical Systems in Erlangen, Deutschland. In den Jahren 1988 bis 1995 wurde er als Leiter der Medizinischen Physik Abteilung eingesetzt. Ab 1992 war er Gastprofessor der Medizinischen Physik in der Universität von Wisconsin. 1995 wurde er dann Professor und Lehrstuhlinhaber an dem neu gegründeten Institut für Medizinische Physik der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Deutschland. 1999 wurde er zum Gastprofessor des Departments Radiologie in der Stanford-Universität, Stanford, Kalifornien, USA ernannt.

Willi A. Kalender betrieb hauptsächlich Forschung auf dem Gebiet der diagnostischen Bildgebung. Die Entwicklung und Einführung der volumetrischen Spiral-Computertomographie war der Fokus in seiner Arbeit. Die Kombination mit Schleifringübertragern, die eine Dauerrotation ermöglichten, erlaubte eine beachtliche Verringerung der Untersuchungszeit und führte zur Entwicklung von neuen Applikationen, wie zum Beispiel der herzphasen-spezifischen Darstellung, wie sie bei der Computertomographie des Herzens bis heute zum Einsatz kommt. Die Entwicklung des weltweit ersten Dual Energy CT (DECT) 1983, Metal Artefakt Reduktion (MAR) 1987 und eine Vielzahl von Dosis reduzierenden Herangehensweisen sind weitere Beispiele seiner Forschungsergebnisse.

Andere Forschungsfelder waren der Strahlenschutz und die Entwicklung von quantitativen diagnostischen Prozeduren, zum Beispiel die Beurteilung von Osteoporose, Lungen- und Herzerkrankungen. Seit 2008 fokussierte sich Willi Kalenders Forschungsarbeit auf die Entwicklung eines effizienten Brustscanner-Systems (Brust-Computertomographen, auch als Mamma-Computertomograph bezeichnet), um die Erkennung von Brustkrebs im frühen Stadium zu verbessern.

Willi Kalender gründete einige universitäre Spinoffs, um wissenschaftliche Ergebnisse in Produkte und kleine Unternehmen zu überführen.

Willi Kalender verstarb am 20. Oktober 2024 im Alter von 75 Jahren.

Ausgewählte Ehrungen und Preise Kalender wurde u. a. von der Europäischen Wissenschaftsstiftung mit dem Europäischen Latsis-Preis ausgezeichnet. Im Jahr 2008 erhielt er die Röntgen-Plakette der Stadt Remscheid (W. C. Röntgens Geburtsort). Im Jahre 2009 wurde ihm von der RWTH Aachen die Ehrendoktorwürde und von der Bayerischen Röntgengesellschaft die Grashey-Medaille verliehen. Ebenfalls seit 2009 ist er Mitglied der Leopoldina. 2016 wurde er in die National Academy of Engineering gewählt.

2002: FAAPM, Ehrenamtliche Mitgliedschaft in der American Association of Physicists in Medizin (AAPM) 2004: Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland 2007: Europäischer Latsis-Preis 2007 der European Science Foundation (ESF) 2008: Röntgen-Plakette der Stadt Remscheid 2009: Dr. med. h. c. (Ehrendoktor) der RWTH Aachen 2009: Ehrenmitglied in der European Society of Radiology (ESR) 2009: Mitglied der Deutschen Akademie der Wissenschaften Leopoldina 2009: William D. Coolidge Award der American Association of Physicists in Medicine (AAPM) 2010: Ziedses des Plantes-Medaille der Deutschen Gesellschaft für Neuroradiologie 2011: Dr. med. h. c. (Ehrendoktor) der Universität Zürich 2012: FBIR, Ehrenamtliche Mitgliedschaft im British Institute of Radiology (BIR) 2013: Pauwels-Medaille der DGOOC 2016: Mitglied der National Academy of Engineering (NAE), USA

Veröffentlichungen (Auswahl)

Computed tomography. Fundamentals, System Technology, Image Quality, Applications. 3., überarb. Auflage. Publicis, Erlangen 2011, ISBN 978-3-89578-317-3. Er war Autor oder Ko-Autor von 954 Publikationen, darunter 283 originale wissenschaftliche Arbeiten; mit einem h-Index von 65 / ISI-Web of Knowledge.

Weblinks

Ehrenpromotion für Willi A. Kalender

Nachruf auf der Website der DGMP: In Memoriam Prof. Dr. Willi Kalender

Einzelnachweise

Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Physiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Standort Erlangen) Kategorie:Mitglied der Leopoldina (21. Jahrhundert) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande Kategorie:Ehrendoktor der RWTH Aachen Kategorie:Ehrendoktor der Universität Zürich Kategorie:Mitglied der National Academy of Engineering Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1949 Kategorie:Gestorben 2024 Kategorie:Mann