mini|Baden in Wien mini|Baden erlaubt

Zum Baden und Schwimmen in Wien stehen Hallen- und Freibäder ebenso zur Verfügung wie Naturbadeplätze, Kurbäder, Volksbäder oder religiöse Bäder. Sie dienen der sportlichen Ertüchtigung und körperlichen Gesundheit ebenso wie hygienischer oder geistiger Reinigung.

Freiluftschwimmen Vor 1875 Freies Baden wurde in den zahlreichen Donauarmen bei Wien und in der Wien wohl immer schon praktiziert, wobei auffällig ist, dass die verschiedensten Quellen immer wieder darauf hinweisen, dass die Zahl derer, die schwimmen konnten, sehr gering war. Daher ist die hohe Zahl der Ertrunkenen nicht verwunderlich.

Im Buch „Colymbetes“, das 1538 in Ingolstadt erschien, berichtet der Autor Nicolaus Wynmannus in Dialogform über Badegewohnheiten. In zwei Geschichten werden auch Wien und das Schwimmen in der Donau behandelt.

1633 wurden von der Regierung Niederösterreichs die Richter der Vorstädte Wiens – Wien war damals noch Bestandteil von Niederösterreich – angewiesen, das freie und öffentliche Baden in der Donau abzustellen. Die Obrigkeit sah darin etwas Unsittliches, Schreckliches, Sündhaftes, Krankmachendes und so weiter und dagegen musste etwas unternommen werden. Die Wirkung dieses Verbotes war offensichtlich gering, denn in rascher, fast jährlicher Folge wurden neue Erlässe, Dekrete, Verfügungen, Kundmachungen, Verordnungen und so weiter vom Bürgermeister und Magistrat der Stadt Wien, der niederösterreichischen Regierung, der jeweiligen Grundherrschaft und später auch der Polizei veröffentlicht oder alte wiederholt zur Kenntnis gebracht.

Im Jahr 1717 lässt die niederösterreichische Landesregierung in einem „Rueff“ – einem von einem Ausrufer veröffentlichten Erlass – kundmachen, dass Personen, die öffentlich in der Donau oder der Wien nackt badend angetroffen werden, die Kleidung weggenommen (beschlagnahmt) werden soll. Einerseits als Beweis dafür, dass die aufgegriffene Person tatsächlich unbekleidet war und vor allem auf dem Weg zur vorgesetzten Dienststelle vor der Bevölkerung bloßgestellt und damit als (inoffizieller) Teil der eigentlichen Strafe der Lächerlichkeit preisgegeben werden soll.

An die Richter der Bezirksgerichte „unter denen Weißgärbern“, „Laimgruben“, „an der Wienn“ und „zu Erdberg“ erging am 16. Juli 1726 ein Dekret, das ihnen Unnachgiebigkeit einschärft. Am 7. Juli 1728 wurde dieses Dekret erneuert.

Elf Jahre später, am 7. Juli 1728, erließ die niederösterreichische Landesregierung eine weitere Verordnung. Diesmal drohte denjenigen, die verbotenerweise badeten, die Zuchthausstrafe.

Einem Schreiben der niederösterreichischen Regierung vom 21. Juni 1734 zufolge kam es beim kaiserlichen Waschhaus am heutigen Donaukanal in der Leopoldstadt zu übermütigen Unverschämtheiten von (illegal) Badenden den dort tätigen kaiserlichen Waschweibern gegenüber, die sich diese nicht gefallen ließen. Bei deren resolutem Vorgehen soll es zu Körper- und Sachschäden (auch an kaiserlichem Eigentum!) gekommen sein.

1752 wurde zusätzlich zur Zuchthausstrafe auch noch die Prügelstrafe oder eine Auspeitschung angedroht. Diese körperlichen Strafen hatten häufig Verkrüppelungen zur Folge.

Ein erstmals am 1. November 1769 im Erzherzogtum Österreich unter der Enns verfasstes Zirkular (Wenzel von und zu Ankenstein: „Wie einem Erstickten das Leben erhalten werden könnte.“, 22. Juni 1792), das bis ins Biedermeier immer wieder wiederholt und modifiziert wurde, wollte Anleitungen und Richtlinien geben über die Art und Weise, wie Ertrunkenen, Erhängten, durch Gärgase erstickte und auf ähnliche Art und Weise in Lebensgefahr geratenen Erste Hilfe zu leisten ist. Die in diesem Schreiben angeführten Hilfsmaßnahmen sind allerdings – gemessen am heutigen Wissen und Standard über Wiederbelebungs- und Erste-Hilfe-Maßnahmen – hochgradig wirr und abstrus.

mini|Wiener Freiwillige Rettungsgesellschaft: Geräte zur Rettung Ertrinkender Ab 1803 gab es in Wien die „Rettungsanstalt für Scheintote“. Diese verfügte zwar über keinen Hauptsitz, wohl aber über an verschiedenen Orten (wundärztliche Offizinien, in Häusern von Richtern und Polizeidirektoren der Vorstädte sowie weiteren verschiedenen Plätzen entlang der Donau in Wien und den Vorstädten) gelagerten Geräten zur Lebensrettung. Zusätzlich mussten angehende Ärzte ebenso wie alle, die aufgrund ihres Berufs auf oder am Wasser arbeiteten (Fischer, Schiffer, Fährleute und Schwimmlehrer) in Erster Hilfe und Rettungspraxis Unterricht nehmen, wenn sie das Meisterpatent in ihrem Beruf erlangen wollen. Außerdem sollten gelungene Wiederbelebungen als „moralische Spitzenleistung“ gefeiert, in Zeitungen publiziert und mit 25 Gulden belohnt werden. Aus Anlass des 20-jährigen Bestandsjubiläums der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft wurde im Jahr 1901 an neun Orten an der Donau und dem Donaukanal Rettungsgerät zur Rettung Ertrinkender installiert. Zusätzlich wurden an Häusern Blechtafeln mit Instruktionen zur Wiederbelebung Ertrinkender angebracht.

Völlig anders war das Verhalten der Obrigkeit gegenüber Denjenigen, die die für diesen Zweck erbauten Freibäder benutzten. Zum Teil wurden diese sogar von der Obrigkeit selbst erbaut und betrieben.

Diese Freibäder bestanden zumeist aus Schwimmkörpern, die Umkleidekabinen trugen und in deren Mitte ein Schwimmbecken, das einem Korb glich und so vom Donauwasser durchspült wurde, besaßen. Vorteil dieser Bäder war für die Obrigkeit, dass man hier die Badenden unter Kontrolle hatte. Die Geschlechter waren getrennt, sittsam gekleidet und durch die Konstruktion der Schwimmbecken war das Risiko zu ertrinken minimiert und es konnte dadurch niemand dem Staat als Arbeitskraft oder als Soldat verloren gehen.

Beispiele für Bäder dieser Epoche:Hauptliteratur: Wilhelm Seledec, Helmut Kretschmer, Herbert Lauscha: Baden und Bäder in Wien Schüttelbad: Das Schüttelbad wurde 1717 vom Chirurgen Zehmayer am Schüttel, einer ehemaligen Schuttdeponie, errichtet. Das Bad wurde mittels einer Rohrleitung vom Donaukanal aus mit Frischwasser versorgt. Angeboten wurden in dem Freibad außerdem Mineral- und Meersalzbäder, weiters gehörte zu diesem Bad ein Gasthaus mit Gastgarten.

Ferro-Bad: Das Ferro-Bad wurde von Pascal Joseph de Ferro, der kalte Bäder heftig propagierte, am 13. Mai 1781 (oder 1780, wie manche Quellen vermelden) nahe dem Augarten in einem Donauarm eröffnet. Wegen des großen Erfolgs musste bereits 1783 ein Zubau errichtet werden. Später aber ließ das Interesse an dem Bad nach, so dass es mehrere Male verkauft und schließlich an seiner Stelle die Armenbäder am Tabor errichtet wurden.

Armenbäder am Tabor: Für die Armen, die sich einen Badbesuch nicht leisten konnten, errichtete die niederösterreichische Regierung, die Wildbader so heftig verfolgte, 1799 im so genannten Fahnenstangenwasser Badeflöße. Der Besuch war ebenso kostenlos wie die Badetücher, die man sich beim Aufseher ausleihen konnte.

mini|Militärschwimmschule oder auch Männer-Schwimmschule – Lageplan Frey-Bad: Das ebenfalls von der k.k. Niederösterreichischen Regierung 1810 errichtete Frey-Bad war im Gegensatz zu den meisten anderen Bädern nicht auf einem Schwimmkörper situiert, sondern eines der ersten Strandbäder in Wien und befand sich in der Nähe der Armenbäder. 1870 besaß das nur für Männer zugängliche Bad 300 Umkleidekästchen und war damit das größte Freiluftbad Wiens. Nach Abschluss der Donauregulierung wurde es oberhalb der damaligen Kronprinz-Rudolf-Brücke (heute: Reichsbrücke) neu angelegt. Bis zur Eröffnung des Gänsehäufels war es das einzige echte Strandbad im Raum Wien.

k.k. Militär-Schwimmschule: Die k.k. Militär-Schwimmschule wurde mit privatem Aktienkapital im unteren Kaiserwasser, wie der Hauptstrom der Donau im Raum Wien genannt wurde, errichtet und am 6. Juni 1813 als zweite Militär-Schwimmschule nach der in Prag eröffnet. Mit ein Grund für die Errichtung dieser Schwimmschule war der Umstand, dass unter der großen Zahl an Toten bei den Kämpfen gegen Napoleon 1809 in der Lobau ein hoher Anteil ertrunkener österreichischer Soldaten war.Unter anderem Referenz für gesamte Kapitel „1918 bis 1938 (Freiluft Schwimmen)“ und „1938 bis 1945 (Freiluft Schwimmen)“: Hauptliteratur: Ernst Gerhard Eder: Bade- und Schwimmkultur in Wien Unterrichtet wurden hier Heeresangehörige, die als Abschlussprüfung den Hauptarm der Donau zu durchschwimmen hatten. Sie stand aber auch Zivilisten zur Verfügung und sonntags durften Frauen gegen Eintritt den Schwimmern zusehen. Dieser Umstand ließ den Verdacht unmoralischer Aktivitäten aufkommen und es wurde sogar die Forderung laut, ein Polizeiorgan zur Kontrolle der sittlichen Vorgänge abzustellen. 1815 fertigte Jakob Alt ein Aquarell der Anlage an, die 1874 infolge der Donauregulierung abgebrochen wurde.

Ferdinand-Marienbad: Der offizielle Name lautete „Ferdinand-Marien-Donau-Schwimm- und Badeanstalt am Tabor nächst dem k.k. Augarten“ und benannt wurde es nach dem Thronfolgerpaar. Erbaut wurde es, nachdem 1831 auch Frauen die Genehmigung zum Schwimmen erhalten hatten, aus öffentlichen Mitteln als Frauenbad. Von den Schwimmschülerinnen wurde ein ärztliches Zeugnis verlangt und diese hatten vom Hals bis zum halben Schenkel bekleidet zu sein. 1832 wurde auch eine eigene Männerabteilung errichtet. 1848 brannte das Bad, welches angeblich auch von Mitgliedern des Kaiserhauses besucht wurde, ab und wurde als Marienbad neu aufgebaut und während der Donauregulierung endgültig abgebrochen.

Holzersches Strombad: Das 1863 erstmals erwähnte Holzersche Strombad befand sich bis 1876 im Kaiserwasser und wurde der Donauregulierung wegen an das linke Ufer der neuen Donau unterhalb der Kronprinz-Rudolf-Brücke verlegt. 1908 wurde es geschlossen, die Konkurrenz durch das neue Gänsehäufel war zu stark.

1875 bis 1918 Wegen der Donauregulierung 1870–1875 veränderten sich die Lage der Gewässer und das Bäderangebot stark (siehe auch Alte Donau). Einige Bäder verschwanden und wurden an anderen Uferabschnitten durch Neubauten ersetzt.

Beispiele für Bäder dieser Epoche: mini|Städtisches Donaustrombad (Kommunalbad)

Kommunalbad: Das am 15. Mai 1876 eröffnete und bis zum Kriegsbeginn 1914 betriebene Kommunalbad lag wenige Meter stromaufwärts der Kronprinz-Rudolf-Brücke (heute: Reichsbrücke) am rechten Donauufer am Erzherzog-Karl-Platz 4 (heute: Mexikoplatz); es besaß eine eigene Haltestelle der Donauuferbahn, Kommunalbad-Reichsbrücke, und war für 1.200 Besucher ausgelegt. In dem von einem Pächter betriebenen Bad wurde (aus Anlass des 50-Jahre-Regierungsjubiläums von Franz Joseph I.) im August 1898 vom Ersten Wiener Amateur-Schwimm-Club ein Internationales Kaiser-Franz-Joseph-Jubiläums-Wettschwimmen abgehalten, bei dem C. Ruberl vom Wiener Schwimmklub Austria in 100 m Freistil (Meisterschwimmer von Europa 1898) und O. Wahle vom gleichen Schwimmklub über 1609 m (Meisterschwimmer von Österreich 1898) siegten. Alle Bewerbe waren international, aber vom Ausland wenig nachgefragt.Allgemeine Sportzeitung, Wien, 24. Juli 1898, S. 857, AusschreibungenAllgemeine Sportzeitung, Wien, 14. August 1898, S. 955, Schwimmen, Resultate

Städtisches Freibad: Ursprünglich war das Städtische Freibad – dem Kommunalbad gegenüber am linken Donauufer gelegen – nur für Männer gedacht, doch 1877 wurde es um ein Frauenbad erweitert. Auch dieses von einem Pächter betriebene Bad wurde 1914 aufgelassen.

K.k. Militär-Schwimmschule (neu): Nach dem Abbruch der alten Militär-Schwimmschule wurde in der Krieau (Handelskai 337) eine neue, am 18. August 1875 eröffnete Schwimmschule betrieben, die nicht direkt an der Donau lag und bis zum Zweiten Weltkrieg von der Wiener Garnison genutzt wurde. Das dem betonierten Bassin zugeleitete Wasser wurde erwärmt. mini|Kabanen im Gänsehäufel