Die Geschichte der Deutschen in den Vereinigten Staaten beginnt im 17. Jahrhundert mit der Gründung der ersten europäischen Kolonie auf dem späteren Staatsgebiet der USA. An der europäischen Besiedelung des nordamerikanischen Festlandes waren Deutsche von Anfang an beteiligt, und bis ins 20. Jahrhundert hinein bildeten sie – noch vor den Briten, Iren, Italienern und Juden – sogar die stärkste Einwanderergruppe. Der größte Teil der deutschsprachigen Einwanderer kam in der Zeit zwischen der deutschen Revolution 1848 und dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918. Ihren Höhepunkt erreichte die Migration im Jahre 1882, als etwa 250.000 Deutsche einwanderten.
Die deutschen Einwanderer haben das gesellschaftliche, geistige und kulturelle Leben der Vereinigten Staaten, etwa in der Presse und der Religion, in starkem Maße mitgeprägt. Bis ins 20. Jahrhundert waren die Deutschen eine der am besten organisierten und am höchsten angesehenen Einwanderergruppen des Landes, ihre Mitglieder machten zum Teil große wirtschaftliche und gesellschaftliche Karrieren. Im Laufe des 20. Jahrhunderts zerfiel ihre kulturelle Eigenständigkeit jedoch fast vollständig. Hintergrund dieser jähen Assimilation waren die Beteiligungen der USA am Ersten und am Zweiten Weltkrieg. Abgesehen von einigen Minderheiten wie den Texasdeutschen und den Amischen, die Teile ihrer Kultur bis in die Gegenwart bewahrt haben, beschränkt sich die Pflege des kulturellen Erbes bei den meisten Deutschamerikanern heute auf folkloristische Elemente. Der Druck zur Assimilation hat die deutsch-amerikanische Migration jedoch niemals beeinträchtigt, und als Arbeitsmigration von Akademikern besteht sie bis in die Gegenwart fort.
Kolonialzeit (1607–1776) mini|Deutscher Unterricht in einer Mennonitengemeinde in Pennsylvania (1942)Library of Congress
Vereinzelt befanden sich Deutsche bereits unter den Pionieren, die die britischen Kolonien in Nordamerika mitbegründeten und besiedelten. In größerer Zahl kamen deutsche Einwanderer jedoch erst seit den 1680er Jahren nach Amerika. Ihr Ziel war manchmal Upstate New York (dort u. a. das Mohawk-Tal) oder New Jersey, noch öfter aber Pennsylvania, dessen für seinen Liberalismus bekannter Gründer William Penn in den 1670er Jahren zweimal nach Deutschland kam, um dort für die Besiedelung der Kolonie zu werben. Auch Reiseberichte wie das 1756 veröffentlichte Buch Gottlieb Mittelbergers Reise nach Pennsylvanien im Jahr 1750. und Rückreise nach Teutschland im Jahr 1754Google Bücher regten die Migration an.
Die deutschen Auswanderer verließen ihre Heimat aus unterschiedlichen Gründen. Viele kamen aus wirtschaftlichen Gründen, weil die Landwirtschaft ihnen kein Auskommen mehr ermöglichte. Mennoniten, Amische, Herrnhuter Brüder und Tunker wurden wegen ihres Glaubens verfolgt; wieder anderen drohte eine Einberufung zum Wehrdienst. Die nordamerikanischen Kolonien verhießen bessere wirtschaftliche Bedingungen als Mitteleuropa, insbesondere boten sie die Aussicht auf Landbesitz. Um die Überseepassage, die etwa einem Jahreseinkommen entsprach, zu finanzieren, verpflichteten sich fast 60 % der deutschen Auswanderer als Schuldknechte. Diese wurden oft im Hudson Valley angesiedelt, wo sie, bis sie ihre Schuld abgeleistet hatten, für die britische Krone Teer herstellen oder Hanf anbauen mussten.; History of the Palatine Immigration to Pennsylvania
Jamestown Als erster Deutscher, der sich auf dem späteren Staatsgebiet der Vereinigten Staaten niederließ, gilt der aus Breslau stammende Arzt Johannes Fleischer, der 1607 mit der ersten Siedlergeneration in der späteren britischen Kolonie Jamestown eintraf, aber bereits im folgenden Jahr starb. Im September 1608 folgten drei deutsche Glaser, die ebenfalls bald ums Leben kamen.Jeffrey Miller: Where there’s life, there’s lawsuits: not altogether serious ruminations on law and life. 2003, S. 91.(Google Bücher);
Deutsche Siedlungen in Pennsylvania Germantown mini|Mennonitenkirche in Germantown (fotografiert um 1903).
Die erste dauerhafte deutsche Siedlung, Germantown, lag in der Province of Pennsylvania. Gegründet wurde der Ort von dem Gelehrten Franz Daniel Pastorius, der hier 1683 gemeinsam mit 13 Familien aus dem Krefelder und Kriegsheimer Raum, den sogenannten „Original 13“, eintraf.First German Settlers in America; Die Pfalz – ein Auswanderungsland Obwohl Pastorius die Siedlung als Germantown gründete, war der größte Teil der 13 ursprünglichen ausgewanderten Quäker- und Mennonitenfamilien niederländischer und Schweizer Herkunft, die zuvor vom Theologen Pastorius mit dem Versprechen der Religionsfreiheit für die Überfahrt in das von William Penn gegründete Pennsylvania geworben wurden.Stadt Krefeld: Die Schweizer und Niederländer waren, bevor sie nach Amerika auswanderten, nach dem heutigen Deutschland umgesiedelt wegen religiöser Verfolgung des mennonitischen Glaubens in der Schweiz und den Niederlanden. Die Schweizer Mennoniten waren vor ihrer Auswanderung wohnhaft in Kriegsheim, Rheinland-Pfalz, wohingegen die größere Gruppe Niederländer aus Krefeld auswanderte. Zwischen 1683 und 1709 stellten Niederländischsprachige die Bevölkerungsmehrheit Germantowns, danach wurden die Ureinwohner schnell von späteren und größeren deutschen Emigrationswellen assimiliert.the-independent-friend.de, rp-online: „Krefelder Protest gegen Sklaverei“, 24. Juni 2009, von Olaf Radicke, Online-ArtikelWilliam Hull: William Penn and the Dutch Quaker Migration to Pennsylvania, Pickle Partners Publishing, Auckland, 2018. Viele dieser Siedler waren Weber.
Im Jahre 1688 wurde von vier Einwohnern Germantowns – Franz Daniel Pastorius, Abraham Isacks op den Graeff, Herman Isacks op den Graeff sowie Gerrit Henderich – ausgehend, der erste Protest gegen die Sklaverei in Amerika verfasst.(en) Protest against slavery Zwei Jahre später richtete der Deutsche William Rittenhouse am Rande des Ortes die erste Papiermühle auf dem späteren Staatsgebiet der USA ein.; 1743 druckte Johann Christoph Sauer in Germantown die ersten Bibeln der Kolonien – in deutscher Sprache.www.dhm.de German Language Printing in the American Colonies up to the Declaration of Independence.
Einwanderung aus der Pfalz Eine der bedeutendsten deutschen Auswanderungsregionen war die von Kriegen und religiösen Spannungen besonders heimgesuchte Pfalz. Die ersten Pfälzer, die nach Übersee gingen, waren religiös Verfolgte. So siedelte bereits 1675 eine Gruppe französischer Hugenotten, die in der Pfalz vorübergehend Zuflucht gefunden hatten, am Hudson River und gründeten dort 1677, in Erinnerung an ihre gastfreundliche Zwischenheimat, den Ort New Paltz. Auch in Germantown ließen sich schon im 17. Jahrhundert viele Pfälzer nieder. Eine Massenauswanderung begann jedoch erst nach dem sehr harten Winter von 1708/09; die meisten Betroffenen waren Bauern. Obwohl die britische Königin in der Pfalz für die Besiedelung ihrer Provinz Carolina werben ließ,History of the Palatine Immigration to Pennsylvania strebte die Mehrzahl der Pfälzer Pennsylvania an. Die Reise führte über Rotterdam und London und war äußerst beschwerlich. Zehntausende von Auswanderungswilligen starben, bevor sie Amerika erreichten; andere wurden zwangsweise in Irland angesiedelt oder mussten aus England nach Deutschland zurückkehren. Dennoch landeten in Philadelphia bis 1727 ca. 15.000 Pfälzer; bis 1775 folgten rund 70.000 weitere.Die Pfalz – ein Auswanderungsland; History of the Palatine Immigration to Pennsylvania
Während die Pennsylvaniendeutschen zunächst nur die Küstenregion bewohnt hatten, stieg die deutsche Einwanderung nach Pennsylvania von 1727 an deutlich an und das Siedlungsgebiet begann sich über den Susquehanna River hinaus nach Westen auszudehnen. Erst in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts verebbte die pfälzisch-amerikanische Migration allmählich, als sich den Pfälzern alternative Auswanderungsziele im Osten und Südosten Europas erschlossen. Die deutschen Einwanderer machten zum Zeitpunkt des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges ein Drittel der Bevölkerung von Pennsylvania aus.; Benjamin B. Ringer: We the People and Others, New York, 1983, ISBN 0-422-78180-0, S. 74 (Google Bücher) Die Pennsylvaniendeutschen, unter denen neben reformierten und lutherischen Christen viele Mennoniten und Amische waren, führten oft ein abgeschlossenes Leben, sodass ihre Mundart, das aus dem Pfälzischen entstandene Pennsylvania Dutch, sich bis heute weitgehend erhalten hat.
Religiöse Minderheiten Pennsylvania hatte in der Kolonialzeit eine besonders liberale Verfassung und zog damit Einwanderer an, die in ihrer Heimat aufgrund ihres Glaubens verfolgt oder bedrängt wurden. Das betraf nicht nur die Quäker, deren Versammlungen in England seit 1662 verboten waren, sondern auch viele religiöse Minderheiten im deutschsprachigen Raum.
1731 kamen die ersten Schwenkfelder nach Pennsylvania, Angehörige freikirchlicher Gemeinden, die in Schlesien nach der Lehre von Kaspar Schwenckfeld gelebt hatten, schließlich aber unter den Druck der Jesuiten geraten waren. Die Schwenkfelder wanderten bis 1737 in sechs Schüben ein und siedelten verstreut.
1732 gründete der aus der Gruppe der Schwarzenau Brethren kommende Conrad Beissel im Gebiet des heutigen Lancaster County das Ephrata Cloister, eine halb-klösterliche religiöse Gemeinschaft, die nach urchristlichen Vorstellungen lebte. Am Urchristentum orientiert war die Siedlung Harmony (Pennsylvania), die der aus Württemberg eingewanderte radikale Pietist Johann Georg Rapp im frühen 19. Jahrhundert im Westen von Pennsylvania errichtete.Johann Georg Rapp
Herrnhuter Brüder gründeten in Pennsylvania die Orte Nazareth (1740), Bethlehem (1741) und Lititz (1756). Viele Deutsche in Pennsylvania verweigerten ihren Kindern den Besuch englischsprachiger Schulen. Ab Mitte der 1750er Jahre reagierten Verwaltung und Kirche in Pennsylvanien immer stärker auf diese gefürchtete Tendenz der Deutschen zur Integrationsverweigerung. Sie forderten Zwangsehen, ein Verbot der deutschsprachigen Presse und der deutschen Sprache in der Öffentlichkeit, was von Benjamin Franklin als überzogen kritisiert wurde.Simon Schama, The American Future: A History from the Founding Fathers to Barack Obama, 2. Auflage. Vintage, London 2009, S. 241. Auch Thomas Jefferson und James Madison fürchteten die Illiberalität der religiösen deutschen Einwanderer und ihrer Prägung durch die undemokratischen absolutistischen Regierungsformen ihrer Heimatländer.Schama 2009, S. 242.
Deutsche Siedlungen in den südlichen Kolonien Zu den frühesten deutschsprachigen Siedlungen in den südlichen Kolonien zählt der Ort New Bern, der 1710 von einer Gruppe Schweizer und pfälzischer Siedler in der Provinz Carolina gegründet wurde. In der Kolonie Virginia, nahe der heutigen Stadt Culpeper, errichteten 42 Auswanderer aus dem Siegerland im Jahre 1714 eine Siedlung, die den Namen Germanna erhielt. 1717 kamen etwa 80 Auswanderer aus der Pfalz und dem Gebiet von Baden-Württemberg hinzu und es folgten weitere. Die Bewohner von Germanna waren Schuldknechte, die für den Gouverneur Alexander Spotswood nach Silber und Eisen gruben. Die meisten von ihnen verließen den Ort im folgenden Jahrzehnt und zogen weiter süd- oder westwärts.History of Germanna
In der französischen Kolonie Louisiana siedelte John Law für die Compagnie di Mississippi im Jahre 1721 deutschsprachige Auswanderer aus dem Elsass, Lothringen und der Schweiz an, die nach dem Bankrott des Unternehmens (1721) unabhängige Landbesitzer wurden. Die Zeitgenossen bezeichneten diese bei New Orleans gelegene Region als German Coast oder französisch als Côte des Allemands.The German Coast of Louisiana;