Internationaler Naturschutz ist ein Eigenbegriff, der Maßnahmen zur Analyse, Bewertung, Management und politische Instrumente zum Schutz von Natur auf internationaler Ebene zusammenfasst. Der Begriff wird sowohl in Politik- und Sozialwissenschaften, als auch in der biologischen Ökologie, der Naturschutzbiologie und dem Naturschutzmanagement gebraucht. Internationaler Naturschutz ist heute ein Bestandteil Globaler Umweltpolitik, wie sie vom UNEP betrieben wird. An Bedeutung hat dieses Feld durch die Auswirkungen des Klimawandels gewonnen, der unter anderem den Verlust an biologischer Vielfalt beschleunigt. Politisch hat der Internationale Naturschutz an Bedeutung gewonnen, als integrierter Teil des Konzepts einer nachhaltigen Entwicklung. Seit der UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio ist der Verlust von biologischer Vielfalt als Faktum globaler Bedrohung menschlicher Lebensgrundlagen anerkannt worden. Internationaler Naturschutz ist notwendig, weil Natur Grenzen überschreitet und Naturzerstörung längst globales Ausmaß erreicht hat. Deshalb kann dem nicht allein mit lokalen oder nationalen Aktivitäten begegnet werden.Martin Uppenbrink in: K.-H. Erdmann (Hrsg.): Internationaler Naturschutz. Springer Verlag 1997, ISBN 3-540-62432-5, S. 327 ff. miniatur|Lebensräume für Wasservögel wie Austernfischer sind durch Internationale Abkommen geschützt
Während in Deutschland das Bundesnaturschutzgesetz und die Ländergesetze allen Naturschutzaktivitäten einen juristischen Rahmen geben, sind Umweltgesetze in vielen Ländern des Südens unbekannt, oder es werden gesetzliche Regelungen nicht durchgesetzt. Felder des internationalen Naturschutzes sind der Schutz von biologischer Vielfalt (auch Biodiversitätsschutz genannt), internationaler Meeres- und Küstenschutz, Naturschutz in der Entwicklungszusammenarbeit. Informationsaustausch (Clearing-House-Mechanismus) und partizipative Beteiligung der Nutzer von Natur (Access and Benefit Sharing).
In Deutschland ist von staatlicher Seite das Bundesumweltministerium und in der Umsetzung das ihm nachgeordnete Bundesamt für Naturschutz (BfN) für internationalen Naturschutz zuständig.
Ziele des internationalen Naturschutzes Nach Erdmann (2003) sind Ziele des internationalen Naturschutzes:
Sicherung der Funktions-, Leistungs- und Regenerationsfähigkeit des Naturhaushaltes und seiner Naturgüter, Schutz der wildlebenden Tiere und Pflanzen in ihren natürlichen Lebensgemeinschaften, Erhaltung und behutsame Entwicklung von Eigenart, Vielfalt und Schönheit von Natur und Landschaft.
Der Begriff Internationaler Naturschutz deckt Aktivitäten von Akteuren aus verschiedenen Ländern der Erde mit dem gemeinsamen Ziel der Erhaltung einer Art, eines Ökosystems oder der Biodiversität allgemein ab. Nach der Zahl der beteiligten Staaten gibt es bilaterale (zwei Staaten), multilaterale (mehrere Staaten einer bestimmten Region) und internationale Zusammenarbeit im Naturschutz (für alle Staaten offen). Spezielle Naturschutzziele sind zum einen die Natur durch gemeinsame Aktivitäten wirksamer zu schützen, als dies einem Staat alleine möglich wäre. Zum anderen die Natur in ihrer globalen Vielfalt sowie Funktionsfähigkeit des Naturhaushaltes in der gesamten Biosphäre zu erhalten.
Geschichtliche Entwicklung und Strategien Die erste Vernetzung nationaler Anstrengung des Naturschutzes gab es schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den Grenzregionen einzelner Länder. Zur Institutionalisierung des Naturschutzes auf Internationaler Ebene kam es 1948 mit der Gründung der IUCN.
Über 20 Jahre später kamen weitere wirksame Anstrengungen zum internationalen Naturschutz aus dem maritimen Naturschutz, infolge der UN-Seerechtskonferenz von 1974. Die Seerechtsaktivistin Elisabeth Mann-Borgese mobilisierte eine Lobby für den internationalen Meeresschutz und brachte den Themenkomplex erstmals in international relevante politische Gremien. K.-H. Erdmann bezeichnet den folgenden Zeitraum von 1970 bis 1990 als „Konsolidierungsphase“ im Internationalen Naturschutz.K.-H. Erdmann (Hrsg.): Internationaler Naturschutz. Springer Verlag 1997, S. 2 f. Wichtige Impulse für den Naturschutz folgten durch die Konferenz für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen (UNCED) 1992. Mit der Einführung des Begriffes Sustainability (Nachhaltigkeit) trat die Nutzung von (v. a. nachhaltigen) Naturgütern ins Blickfeld. In der weiteren Entwicklung geht es bei dem Schutz von Natur zunehmend um Ressourcenschutz.
Dies führte teilweise auch zu einer Veränderung der Idee von Naturschutz: ging es bisher stärker um den Erhalt und die Bewahrung von Natur („Konservierender Naturschutz“), trat zunehmend der Begriff der „Naturentwicklung“ und des „Lebensraums aus zweiter Hand“ins Blickfeld. Wohin sich die Natur unter Einfluss des Menschen entwickelt ist Diskussionspunkt. In der Praxis ist das Konzept einer „nachhaltigen Entwicklung“ (und damit auch eines Konsums) nicht immer mit dem Ziel „Schutz von Biozönosen“ vereinbar. Der Naturschutz rückte seit der Konferenz von Rio zunehmend ins Zentrum politischer- und gesellschaftlicher Diskussionen über Konzepte einer angestrebten zukünftigen Entwicklung der Erde. Vor dem Hintergrund der globalen Erwärmung wird von einem grundlegenden Wandel der Mechanismen innerhalb von Biozönosen und einer starken Beeinflussung der natürlichen Stoffkreisläufe (z. B. das Versiegen des Golfstromes oder die verminderte Funktion der Ozeane als CO2-Senke) ausgegangen. Internationale Naturschutzaktivitäten beziehen diesen globalen Wandel der natürlichen Lebensgrundlagen vieler Organismen mittlerweile mit in ihre Schutzüberlegungen ein.
Globale Problemfelder (nach K.-H. Erdmann) sind:
Abtragung fruchtbarer Böden als Folge von Bodenerosion (Desertifikation) Gewässerverschmutzung (limnische und marine Systeme) Luftverschmutzung durch diverse Schadstoffe Rückgang der Artenvielfalt (Biodiversität)
Die Akteure des angewandten Naturschutzes verfolgen teilweise sehr unterschiedliche Zielsetzungen.
Die amerikanische Naturschutzorganisation Conservation International geht davon aus, dass ein umfassender Schutz der globalen Biodiversität nötig wäre. Aber heute gehe es primär um den Erhalt sogenannter Biodiversität-Hotspots. Deshalb arbeitet sie weltweit in Regionen mit einer besonders großen Artenvielfalt mit dem Ziel langfristig stabile Populationen und seltene Biozönosen zu erhalten.
Instrumente des Internationalen Naturschutzes nach Uppenbrink 1997 Weltweite Übereinkommen, Programme und Richtlinien Regionale Übereinkommen und Programme für einzelne Kontinente oder Regionen Bilaterale Übereinkommen zwischen zwei Staaten Projekte der Entwicklungszusammenarbeit und Naturschutzprojekte zur Sicherung von Schutzgebieten und gefährdeten Arten Schutzgebietspartnerschaften, Personalaustausch, grenzübergreifende nachbarschaftliche Aktivitäten, Ausbildungsprogramme, internationale Lobbyarbeit
Internationale Organisationen IUCN United Nations Environment Programme (UNEP) UNEP World Conservation Monitoring Centre
International arbeitende NGOs: BirdLife International Friends of the Earth International Fund for Animal Welfare (IFAW) Greenpeace WWF Zoologische Gesellschaften
Internationale Abkommen International geschlossene Abkommen im Naturschutz gliedern sich meist in passivere und aktivere zwischenstaatliche Verträge. Zum einen geben manche Abkommen rechtliche Standards vor. Diese haben einen eher passiv regulierenden Charakter, wie zum Beispiel das Internationale Übereinkommen zur Regelung des Walfangs. Dagegen sind beispielsweise durch die Konvention über die biologische Vielfalt (CBD) die Mitglieder aufgerufen, aktiv für den Erhalt ihrer Biodiversität zu sorgen.
Seit Ende der 80er Jahre zeichnet sich bei den Abkommen auf internationaler Ebene eine stärker holistisch geprägte Denkweise ab. Davor wurden Abkommen für einzelne Bereiche (Tierarten, bestimmte Lebensräume, Handel von bedrohten Arten etc.) geschlossen.
Beispiele internationaler Abkommen:
Konvention über die biologische Vielfalt (CBD). Die CBD ist das derzeit umfassendste und weitreichendste Regelwerk im Internationalen Naturschutz. Ziel dieser Selbstverpflichtung der Mitgliedsstaaten ist es, ihre Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten, sowie Lebensräumen zu erhalten. Zurzeit haben sich 197 Staaten dazu vertraglich verpflichtet und kooperieren in der Umsetzung der Konvention teilweise miteinander. Wie der Begriff „Konvention“ (lat. conventio „Übereinkunft, Zusammenkunft“) schon nahelegt, folgen bei Nichteinhaltung der Vereinbarung keine Restriktionen oder Strafen gegen die Mitgliedsländer. Dennoch ist die CBD das derzeit bedeutendste politische Instrument des internationalen Biodiversitätsschutzes.
Wichtige Elemente der CBD sind die Identifizierung und Überwachung der jeweiligen Biodiversität (Monitoringprogramme und „Frühwarnsysteme“); Schutz der Biodiversität (in situ, also im Ökosystem und ex situ z. B. in entsprechenden Einrichtungen zur Speicherung von Saatgut (Genbanken)); Forschung, Bildung und Öffentlichkeitsarbeit; Regelung des Zugangs zu genetischen Ressourcen und des gerechten Vorteilsausgleichs bei deren Nutzung (Access and Benefit Sharing, ABS), meist über Inwertsetzung der genetischen Ressourcen; Technologietransfer, wissenschaftliche Zusammenarbeit und Informationsaustausch.
Die Länder des Abkommens verpflichteten sich nationale Strategien zu Erhaltung ihrer biologischen Vielfalt zu entwickeln und umzusetzen. Deutschland arbeitete über 10 Jahre an einer Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt und ist seit 2010 mit der Umsetzung beschäftigt.
MARPOL, das Internationale Übereinkommen zur Verhütung der Meeresverschmutzung durch Schiffe wurde 1973 durch die IMO (International Maritime Organization) verabschiedet und 1978 ergänzt. Zunächst sollte damit vor allem die Verschmutzung der Meere durch Öl verhindert werden. Heute ist MARPOL das wichtigste internationale Abkommen für Meeresumweltschutz in der kommerziellen Seefahrt. MARPOL soll grundsätzlich von dem Staat durchgesetzt werden, unter dessen Flagge das Schiff fährt. Da sich aber die Ausflaggung von Handelsschiffen heute als gängige Praxis erweist und diese Schiffe zum Teil nie einen Hafen ihres Flaggenlandes anlaufen, dürfen Behörden des Hafenlandes ebenfalls die Einhaltung der Regelungen kontrollieren und durchsetzen.
Internationales Übereinkommen zur Regelung des Walfangs, das Abkommen regelt die weltweiten Fangquoten und damit auch den Schutz dieser Gattung von Meeressäugern. Ständiges Gremium ist die Internationale Walfangkommission (IWC).
Übereinkommen zur Erhaltung der wandernden wild lebenden Tierarten (Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals (CMS)). Ziel ist der Schutz aller wandernden Tiere, wie z. B. ziehender Vögel. Das Sekretariat des Übereinkommens ist in Bonn angesiedelt und wird vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) getragen.
Zu einer der wirksamsten ständigen internationalen Kooperationen zählt das Common Wadden Sea Secretariat (Trilaterales Wattenmeersekretariat). Zum nachhaltigen Schutz des übernationalen Lebensraumes Wattenmeer schlossen die Anrainer Dänemark, Deutschland (hier die Bundesländer Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein) und Dänemark das Trilaterale Wattenmeerabkommen. Durch das ständige Sekretariat des Abkommens in Wilhelmshaven gibt es einen regen Austausch über Aktivitäten und Monitoring zum Naturschutz in allen beteiligten Ländern. Während es bei vielen transnationalstaatlichen Abkommen bei gemeinsamen Konferenzen und Absichtserklärungen bleibt, werden mittels des Common Wadden Sea Secretariat wissenschaftliche (biologische und geografische) Daten ausgetauscht und gemeinsame Strategien entwickelt.
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