mini|Der chinesische Küchengott

Das chinesische Neujahrsfest, Chunjie (; auch bzw. ), gilt als der wichtigste traditionelle chinesische Feiertag und ist eines der asiatischen Mond-Neujahre. Der Neujahrstag, dessen Termin nach dem traditionellen chinesischen Lunisolarkalender berechnet wird, fällt auf einen Neumond zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar. Am 17. Februar 2026 begann das Jahr des Feuer-Pferds, das bis zum 5. Februar 2027 dauert.

Verbreitung Gefeiert wird das Neujahrsfest vor allem in Ostasien im chinesischen Kulturkreis (Korea, Mongolei, Okinawa (Ryūkyū-Inseln), Vietnam, Japan – bis zur Kalenderumstellung 1873 zum gleichen Datum), zusätzlich jedoch auch weltweit in Gebieten mit großen Anteilen an Auslandschinesen in den chinesischen Diasporagemeinden in Indonesien, Malaysia, Philippinen, Singapur und Thailand oder in der Übersee im Westen (Abendland). Dabei handelt es sich vor allem um spezielle Stadtviertel, die Chinatowns, die oft im Rahmen ihrer politischen, geographischen wie auch kulturellen Entfernung von China, insbesondere durch die Folgen der Kulturrevolution, eine eigene Neujahrstradition entwickelt haben.

Auch andere ethnische Gruppen wie Mongolen, Koreaner, Miao, Vietnamesen, Bhutaner und einige Volksgruppen in Nepal, welche durch China in kultureller, religiöser oder sprachlicher Hinsicht beeinflusst wurden, haben bestimmte Elemente bzw. den Termin des chinesischen Neujahrsfestes übernommen. Das Brauchtum kann sich daher als regional sehr unterschiedlich erweisen. In Tibet wird das Neujahrsfest meist einen Neumond später als im Rest Chinas gefeiert. Da das Fest in verschiedensten Ländern gefeiert wird und sich am Lunisolarkalender orientiert, wird es auch Mond-Neujahr genannt, wie der ursprüngliche Name im Chinesischen lautet.

Das chinesische Neujahr ist ein Clan- und Familienfest. Aufgrund der hohen Anzahl von Arbeitsmigranten innerhalb Chinas im Rahmen des Arbeitskräftebedarfs in den verschiedenen Großstädten leben immer öfter Familienmitglieder von ihren Familien getrennt, insbesondere die einfachen Wanderarbeiter in den südchinesischen Küstengebieten sowie ein Teil der Auslandschinesen, die zum Neujahrsfest die Verwandten und Familien in den Heimatorten besuchen und mit ihnen zusammen feiern. Anlässlich dieses Festes setzt jedes Jahr die größte regelmäßige Migrationsbewegung der Welt ein.

Die abseits ihrer Heimatgebiete arbeitenden Chinesen sparen in der Regel ihren gesamten Jahres-Urlaubsanspruch, um zum chinesischen Neujahrsfest mindestens zwei, wenn nicht mehr Wochen der Arbeit fernbleiben zu können. Dass in der Heimat dann Clan-Interessen besprochen werden und teils auch andere Arbeitsmöglichkeiten angeboten werden, ist ein Nebeneffekt dieser Migration. Dies ist ein fester Kalkulationsfaktor, z. B. bei Baustellen im gesamten südostasiatischen Raum.

Datum Datum Neujahrstag Bezeichnung des Jahres 22. Januar 2023 Jahr des Wasser-Hasen ( 40) 10. Februar 2024 Jahr des Holz-Drachen ( 41) 29. Januar 2025 Jahr der Holz-Schlange ( 42) 17. Februar 2026 Jahr des Feuer-Pferds ( 43) 6. Februar 2027 Jahr des Feuer-Schafes ( 44) 26. Januar 2028 Jahr des Erde-Affen ( 45) 13. Februar 2029 Jahr des Erde-Hahns ( 46) 3. Februar 2030 Jahr des Metall-Hundes ( 47) 23. Januar 2031 Jahr des Metall-Schweins ( 48) 11. Februar 2032 Jahr der Wasser-Ratte ( 49) 31. Januar 2033 Jahr des Wasser-Büffels ( 50) 19. Februar 2034 Jahr des Holz-Tigers ( 51) 8. Februar 2035 Jahr des Holz-Hasen ( 52)

Da der chinesische Kalender im Gegensatz zum gregorianischen Kalender ein Lunisolarkalender ist, fällt das chinesische Neujahr jeweils auf unterschiedliche Tage. Ihm steht das am gregorianischen Kalender orientierte westliche Neujahrsfest () gegenüber.

Das chinesische und auch vietnamesische Neujahrsfest findet zwischen dem 21. Januar und dem 21. Februar statt, am zweiten (sehr selten am dritten) Neumond nach der Wintersonnenwende.Infos von der Website der Nationalen Universität von Singapur – NUS: und In: math.nus.edu.sg (englisch). Der Neujahrstag verschiebt sich von Jahr zu Jahr um ca. 11 Tage auf einen früheren Termin; wenn sich dadurch ein Termin vor dem 21. Januar ergäbe, wird ein Schaltmonat eingeschoben und der Termin verschiebt sich stattdessen um ca. 19 Tage nach hinten.

Mit dem Neujahrsfest ist nach der chinesischen Astrologie der zyklische Wechsel zwischen den zwölf verschiedenen Erdzweigen verbunden: Ab dem chinesischen Neujahr von beginnt das Jahr . Zusätzlich wird durch eine Kombination mit den zehn Himmelsstämmen ein Sechzigjahrzyklus durchlaufen. Mit dem Himmelsstamm „ und “, ergibt sich daraus das Jahr (Nummer ) des . Sechzigjahreszyklus des chinesischen Kalenders.

Eine umfangreiche Liste der Termine aller Neujahrstage zwischen 1900 und 2080 und ihrer Zuordnung zu Tierkreiszeichen und Element steht unter Chinesische Neujahrstermine zur Verfügung, wobei die zeitnahen Termine in der Tabelle aufgelistet sind.

Mythologie mini|Löwentanz zum Neujahr in Dili (Osttimor)

Eine alte Legende besagt, dass ein menschenfressendes Monster jährlich aus den Bergen (oder, je nach Quelle, aus dem Meer) kam, um seinen Hunger nach dem Tiefschlaf zu stillen. Um sich vor dem „Jahresmonster“ () zu schützen, machten die Menschen Lärm und Feuer und färbten alles rot und gold, da das Monster angeblich sensibel auf Lärm und die Farben Rot und Gold reagieren würde. Die Vertreibung des Monsters wird „Guònián“ genannt, Gehen des „Nian- oder Jahresmonsters“ (), womit das Gehen des alten Jahres gemeint ist, also das Neujahrsfest.

Die Legende vom Löwentanz () beruft sich auf den damaligen Kaiser der Qing-Dynastie, Qianlong (Ch'ien Lung). Eines Nachts hatte dieser einen merkwürdigen Traum. Er träumte von einem mythischen Wesen, aus dessen Kopfmitte ein Horn ragte und das ihm gegenüberstand. Der Kaiser fühlte sich beängstigt, die Kreatur jedoch schaute ihn lediglich an und war mit einem Funkeln in den Augen wieder verschwunden. Der Kaiser ließ sofort am nächsten Morgen seine Gelehrten und Diener rufen und begann mit der Untersuchung der Bedeutung des Traumes und des Wesens. Seine Untergebenen kamen schließlich zu der Lösung, dass es sich bei dem Wesen um einen Löwen handeln könne und dass dieser dem Kaiser zu verstehen geben wollte, dass er dem Kaiser rangmäßig gleichgestellt sei. Fortan nannte der Kaiser diesen Löwen Ruishi () Einige Zeit später schufen die Bewohner der Stadt Lingnan in der Provinz Guangdong einen neuen Löwen, den sie jedoch Fushan Shi nannten. Um diesen Löwen nun mit Leben zu erfüllen, experimentierten verschiedene Kampfkunst­vertreter mit verschiedenen Choreografien von Tanzschritten, um diese Aufgabe zu erfüllen. So entstand nach einiger Zeit eine eigenständige Form des Tanzes, die noch heute als „Löwentanz“ bekannt ist.

Grußformeln mini|

Zum Neujahr werden verschiedene Grußformeln benutzt:

steht für „Neues Jahr“. steht für „glücklich / fröhlich“.

ist ein anderer Ausdruck für und steht für „Glückwunsch bzw. Gratulation“ und bedeutet „monetärisch erfolgreich“ bzw. „zum Wohlstand und Reichtum kommen“. Zusammen also „Glückwunsch für Erfolg und Wohlstand im neuen Jahr“. Diese Grußformel wird genutzt, wenn man anderen ein erfolgreiches Jahr und Glück wünschen möchte; sie ist mehr im südwestlichen China und speziell im Raum Kanton und Taiwan gebräuchlich.

Verlauf und Traditionen mini|Rote Laternen als Symbol für Glück

Die Vorbereitungen für das Neujahrsfest beginnen bereits lange vor dessen Termin, meist in einem Zeitraum von zwei Wochen. In der Volksrepublik China umfasst das Neujahrsfest drei gesetzliche Feiertage, traditionell sind es jedoch fünfzehn, und in der Regel werden fünf bis acht Tage frei genommen. Der Abschluss wird am 15. Tag des neuen Jahres mit dem Laternenfest begangen. Das Neujahr wird mit Feuerwerk, Drachen- und Löwentänzen begangen sowie typischerweise durch Mah-Jongg-Spiele begleitet.

Vorbereitungen mini|Traditionelle Opfergaben an Gottheiten zum Neujahr in China

Traditionell am 20. Tag des elften Monats steht die Reinigung des Hauses mit Bambuszweigen und dessen anschließende Dekoration an, wobei die zahlreichen Lampen und Papierbänder (duilian) meist rot gefärbt sind sowie mittels schwarzer Tinte durch allerlei Neujahrssprüche beschriftet wurden. Rot steht in China für Glück, Freude und Wohlstand. Auch in Bezug auf den Jahresdämonen nian spielt Rot eine Rolle, denn dieser soll der Legende nach an jedem Neujahrstag ein Dorf terrorisiert haben und schließlich durch rote Farbe, Lampen und Lärm vertrieben worden sein. Auf den Wänden bringt man zudem goldfarbene Glückszeichen an. Die Spruchbänder werden an die Tür gehängt und dabei umgedreht. Allgemein wird vor dem Neujahr alles erneuert: man streicht Wände neu, kauft sich neue Kleidung, besucht den Friseur und geht vorbereitenden Einkäufen nach.

Zu den vielen meist regionalen Ritualen gehört auch die Opferung von meist süß-klebrigem Reis an den Küchengott (). Dieser verlässt das Haus der Legende nach sieben Tage vor dem Neujahrsfest, um dem himmlischen Jadekaiser über die Vorkommnisse des letzten Jahres Bericht zu erstatten. Durch den süßen Reis soll er nur noch Positives berichten können, und er kehrt schließlich vier Tage nach dem Neujahrsfest wieder in das Haus, wo er mit Früchten und Tee empfangen wird.

Am Neujahrstag selbst darf auch kein Brunnenwasser geschöpft werden, um dem Brunnengott Ruhe zu gewähren. Diese Tradition ist jedoch aufgrund der zunehmenden Modernisierung der Wasserversorgung rückläufig.

Letzter Tag des Jahres mini|„Hungbao“ – Geldgeschenke in roten Umschlägen (hier in Malaysia als Angpow / Ang Pow)

Spätestens am Vorabend des Neujahrsfestes () kommt die Familie zu einem reichhaltigen Festessen zusammen, traditionell mit Hühnchen und Fisch, dieser wird jedoch nicht vollständig aufgegessen. Das Wort für „Fisch“: yú ist homophon zum Wort für „Überfluss“: yú , was letztlich „Wohlstand“ impliziert – dieser soll entsprechend nicht aufgebraucht werden. Es werden dabei in rote Umschläge verpackte Geldgeschenke, im Hochchinesischen hóngbāo genannt (kantonesisch laisi / lai si, Hokkien angpow / ang pow), an die Kinder verteilt, wobei die Höhe des Geldbetrages von großer Bedeutung ist. Auch jiǎozi müssen für den nächsten Tag vorbereitet werden. Vor Beginn des neuen Jahres zwischen 23 Uhr und Mitternacht verlässt man daraufhin das Haus und nimmt dabei die Spuren des alten Jahres mit sich ins Freie, kehrt jedoch anschließend zurück, um die Fenster zu öffnen und auf diese Weise das Glück des neuen Jahres hereinzulassen. Nach 23 Uhr setzt auch das Feuerwerk ein und hält bis spät in den nächsten Morgen an. In vielen Städten ist es aufgrund der Brandgefahr verboten.

Neujahrstag mini|Teil eines Spruchpaars zum chinesischen Neujahr (Chunlian) in Hongkong

Der erste Tag des neuen Jahres () wird ebenfalls im Kreise der Familie begangen. Man trifft sich am Morgen, grüßt seine Eltern mit einem Neujahressegen und einem Kompliment. Im Anschluss werden rote Umschläge an unverheiratete Mitglieder der Familie, seltener auch an unverheiratete Gäste, verteilt, soweit dies nicht am Vorabend schon geschehen ist. Wichtig hierbei ist das Gedenken und die Respekterweisung gegenüber den Ahnen.

Des Weiteren wird der Tag zum Neujahrsshoppen und zum Besuch von Freunden und Verwandten genutzt, denen ein gesegnetes Neujahr gewünscht wird. ()

Zweiter Tag Der zweite Tag () ist die Rückkehr verheirateter Töchter mit ihrem Ehemann in ihre Familien ( oder ), er wird meist mit einem umfangreichen Festmahl gefeiert.

Dritter und vierter Tag Am dritten Tag () und vierten Tag () des neuen Jahres werden die Verwandten besucht. Oft ist dies mit gemeinsamen kleinen Reisen der Großfamilien verbunden. Dieser Tag wird auch „Chìkǒu“ () genannt, da man sich leichter bei Familienfesten mit Mitgliedern der Großfamilie streitet.