Alfred Greven (* 9. Oktober 1897 in Elberfeld; † 9. Februar 1973 in Köln) war ein deutscher Filmproduzent.
Leben Der Sohn des Kaufmanns Franz Joseph Greven und seiner Ehefrau Augusta Minna Emilie, geborene Freytag besuchte die Oberrealschule und das Reformgymnasium in Düsseldorf, Stuttgart und Leipzig. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges meldete er sich im September 1914 freiwillig zur Infanterie. 1914 und 1915 wurde er schwer verwundet. Seit Juli 1917 flog er Einsätze für das Jagdgeschwader II. Leutnant Greven wurde mit dem Eisernen Kreuz II. und I. Klasse ausgezeichnet.
Seit 1920 arbeitete er für den Film im Verleih- und Vertriebswesen. So leitete er zwischen 1922 und 1924 die Leipziger Filiale der Film- und Lichtspiel AG und war Ende der 1920er Jahre als Geschäftsführer bei verschiedenen Berliner und anderen Kinos aktiv. Zum 1. Dezember 1931 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 861.517).Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/11881662
Abgesehen von einer Produktionsassistenz bei dem Film Trenck 1932 begann Grevens Karriere als Filmproduzent erst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Im März 1933 beteiligte er sich als Aktionär an der Gründung der Interton Internationale Schmaltonfilm AG.Handelsregister Berlin HRB Nr. 48031 Von 1933 bis 1934 war er Leiter der Fachgruppe Produktionsleiter in der Reichsfachschaft Film, anschließend Vorsitzender des Fachausschusses Filmherstellung der Reichsfilmkammer. Als am 26. Juni 1937 in Berlin die Terra Filmkunst GmbH gegründet wurde, übernahm er die Position eines Produktionschefs. Gelegentlich produzierte er weiterhin selbst, darunter die Detektivfilm-Parodie Der Mann, der Sherlock Holmes war.
Am 1. März 1939 wurde er von Joseph Goebbels zum Produktionschef der UFA als Nachfolger von Ernst Hugo Correll bestellt.HRB Nr. 15204, Einträge im Berliner Handelsregister am 3. April 1939 und 29. April 1940 Am 1. Oktober 1940 ernannte ihn Goebbels zum Geschäftsführer der neu gegründeten, offiziell französischen Produktionsgesellschaft Continental Films S.A. Sein unmittelbarer Vorgesetzter war Max Winkler.
Greven erwarb für die Continental Films mehrere europäische Filmfirmen und wandelte sie in Tochtergesellschaften um. Seine Continental Films wurde zum beherrschenden französischen Filmunternehmen. Unter seiner Ägide entstanden verschiedene von der Kritik gelobte Produktionen, darunter der Thriller Der Rabe von Regisseur Henri-Georges Clouzot. Im Sommer 1944 setzte er sich aus Paris in Richtung Düsseldorf ab.
Nach dem Krieg sagte Greven im März 1949 als vereidigter Zeuge in Hamburg beim Prozess gegen Veit Harlan aus. Er erklärte, Alf Teichs habe die Idee zu dem Film Jud Süß entwickelt und zu dessen Realisierung gedrängt. Über seine Entnazifizierung ist nichts bekannt. Er betätigte sich im Nachkriegsdeutschland zunächst als Bankberater und beteiligte sich 1950 maßgeblich an der Gründung einer Filmfinanzierungsgesellschaft. Ende 1952 kandidierte er für den Posten eines Produktionschefs im Norddeutschen Filmkontor, doch es erhob sich wegen seiner Vergangenheit Kritik. Ende Mai 1953 scheiterte das Projekt nicht zuletzt wegen der ungelösten Besetzung einer Schlüsselposition.
Im Oktober 1953 gründete er in Düsseldorf die Alfred Greven Film GmbH, die 1958 ihren Sitz nach Köln verlegte. 1959 inszenierte er selbst einen Werbefilm für die NATO mit dem Titel Alarm im Mittelmeer. Danach war er bis kurz vor seinem Tod nur noch mit der Herstellung von Fernsehserien beschäftigt.
Filmografie 1933: Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt 1933: Schwarzwaldmädel 1934: Die Welt ohne Maske 1934: Abenteuer eines jungen Herrn in Polen 1934: Gern hab’ ich die Frau’n geküßt 1934: Der alte und der junge König 1935: Der grüne Domino 1936: Heißes Blut 1936: Stadt Anatol 1936: Ritt in die Freiheit 1937: Der Mann, der Sherlock Holmes war 1938: Spuk im Museum 1938: Kriminalfall Erich Lemke (Kurzfilm) 1938: Kameraden auf See 1938: Eine Frau kommt in die Tropen 1938: Schwarzfahrt ins Glück 1938: Wochenendfriede 1938: Der Skarabäus 1938: Fracht von Baltimore 1938: Nanu, Sie kennen Korff noch nicht? 1938: Spiel im Sommerwind 1938: Lauter Lügen 1939: Ziel in den Wolken 1939: Fräulein 1939: Der Vorhang fällt 1939: Sensationsprozeß Casilla 1939: Heimatland 1939: 12 Minuten nach 12 1939: Das Lied der Wüste 1939: Männer müssen so sein 1939: Der Schritt vom Wege 1939/41: Kadetten 1941: Sie waren Sechs! (Le dernier des six) 1941: Der goldene Schmetterling (Le club des soupirants) 1941: Mord am Weihnachtsabend (L’Assassinat du Pere Noël) 1941: Einmal im Jahr (Caprices) 1941: Annette und die blonde Dame (Annette et la dame blonde) 1941: Symphonie der Liebe (La symphonie fantastique) 1941: Das unheimliche Haus (Les inconnus dans la maison) 1941: Ihr erstes Rendezvous (Premier rendezvous) 1941: Der Mörder wohnt Nr. 21 (L'Assassin habite au 21) 1942: Die falsche Geliebte (La fausse maîtresse) 1942: Liebe im Süden (Simplet) 1942: Die Teufelshand (La main du diable) 1943: Der Rabe (Le corbeau) 1943: La vie de plaisir 1943: Le val d'enfer 1943: Adrien 1943: La ferme aux loups 1944: Les caves du 'Majestic' 1955: Du darfst nicht länger schweigen 1956: Bonjour Kathrin 1957: Die Freundin meines Mannes 1959: Alarm im Mittelmeer (Dokumentarfilm, auch Regie) 1967: Till, der Junge von nebenan (Serie 13 Folgen) 1968: Alles dreht sich um Michael (Serie 8 Folgen) 1970: Tommy Tulpe (Serie 13 Folgen) 1971: Doppelgänger (Serie 13 Folgen) 1972: Peter ist der Boss (Serie, 13 Folgen) 1972: Die Pulvermänner (Serie, 13 Folgen)
Literatur ULD [= Ulrich Döge]: Alfred Greven. In: Hans-Michael Bock (Hg.): CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film. LG 34, D 1-15. Edition Text + Kritik, München 2000. Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 3: F – H. Barry Fitzgerald – Ernst Hofbauer. Schwarzkopf & Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 392.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmproduzent Kategorie:Filmregisseur Kategorie:Person der NS-Propaganda Kategorie:Person (deutsche Besetzung Frankreichs 1940–1945) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1897 Kategorie:Gestorben 1973 Kategorie:Mann