Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk ist eine vom ORF und ZDF produzierte Fernsehserie des Regisseurs Wolfgang Liebeneiner, die auf dem Roman „Der brave Soldat Schwejk“ von Jaroslav Hašek und dessen Fortsetzung „Die Abenteuer des braven Soldaten Schwejk in russischer Gefangenschaft“ von Karel Vaněk basiert. Die erste Staffel wurde 1972 erstausgestrahlt, die zweite Staffel 1977. Die Hauptrolle spielt Fritz Muliar.

Inhalt Der böhmische Hundehändler Josef Schwejk im Prag der österreich-ungarischen K.u.k. Monarchie zu Beginn des 20. Jahrhunderts – als man Weltkriege noch nicht nummerierte – ist ein Lebenskünstler, der sich durch das Leben mogelt. Amtlich gilt er als „Idiot“, der sich beim absehbar drohenden Ausbruch eines Krieges zum Dienst als Soldat meldet. Hier erlebt er oft haarsträubende Abenteuer, die so manche, denen er dabei begegnet, in die Verzweiflung treiben.

Hintergrund Der Regisseur Wolfgang Liebeneiner führte auch beim Adventsvierteiler „Die Schatzinsel“ Regie. Durch den Erfolg „der Schatzinsel“ und weil er schon „Schwejks Flegeljahre“ (mit Peter Alexander in der Titelrolle) verfilmte, wurde er zur Herstellung der Serie ermutigt.

Für die Rolle des Schwejk stand von vornherein Fritz Muliar fest. Für seine Rolle wurde ihm sogar von Heinz Rühmann, der den Schwejk bereits im gleichnamigen Spielfilm verkörperte, große Anerkennung ausgesprochen. Muliar selbst war ebenfalls in dieser früheren Verfilmung zu sehen, er spielte einen russischen Soldaten, der sich mit Schwejk anfreundet und die Uniformen mit ihm tauscht.

Die erste Staffel mit sechs Episoden wurde bereits 1972 ein sehr großer Erfolg. Trotzdem vergingen drei Jahre bis zur zweiten Staffel mit sieben neuen Folgen, da nicht alle Beteiligten zur Verfügung standen.

Gedreht wurde unter anderem in Wien und Umgebung, vor allem in Krems an der Donau (welches in der Serie Prag darstellt), auf der Schiffswerft Korneuburg (als „Marinemunitionslager Triest“), sowie im Weinviertel (unter anderem an den Bahnhöfen Karnabrunn und Niederleis an der Lokalbahn Korneuburg–Hohenau). Weitere Eisenbahnszenen drehte man zwischen 13. und 21. April 1971 in Gramatneusiedl, Bruck an der Leitha, Parndorf und Kittsee. Dafür wurde eigens ein Zug der Graz-Köflacherbahn mit der Dampflok 56.3190, einer alten Güterzugslok aus der Kaiserzeit, und alten Waggons aus der Steiermark zugeführt.

Teilweise merkt man der Serie jedoch eine gewisse Schludrigkeit der Produktion, speziell bei Außenaufnahmen an. Zuweilen sieht man bei Eisenbahnszenen unpassende moderne Bahnsteiglampen, hier und da ein Auto, oder bei einer Szene am Exerzierplatz ein unpassendes modernes Fußballtor im Hintergrund. Bei den in Korneuburg auf der dortigen Schiffswerft gedrehten Aufnahmen sieht man die Darsteller in k.u.k Uniformen vor einer modernen Halle agieren. Auch kamen, wahrscheinlich dem geringen Budget geschuldet, in den ersten Folgen keinerlei Kamerafahrten zum Einsatz, Kameramann Götz Neumann nützte stets nur den Zoom.

Besetzung und Charakter

Darsteller Charakter Auftritt in Episoden 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 Fritz Muliar Josef Schwejk Helli Servi Frau Müller Rudolf Rössner Palivec Heinrich Schweiger Bretschneider Bibiana Zeller Frau Palivec Brigitte Swoboda Marie Kurt Sowinetz Feldkurat Otto Katz Heinz Petters Oberleutnant Lukasch Kurt Jaggberg Feldwebel Wanek Heinz Marecek Marek Franz Gary Woditschka Herbert Prikopa Baloun Rainer von Artenfels Leutnant Dub Robert Dietl Polizeichef Harry Hornisch Zwerschina Harald Serafin Fedor Gerda Prott Nina Lieselotte Plauensteiner Dunja Liane Pech Natascha Ludwig Hirsch Horschin Gerhard Steffen Krakor

Schöpfer der Fernsehserie Regie – Wolfgang Liebeneiner Drehbuch – Eckart Hachfeld nach dem Roman von Jaroslav Hasek (in der Übersetzung von Grete Reiner) Produzenten – F. K. Wittich, Werner Swossil Redaktion – Jörg Mauthe Kamera – Götz Neumann, Siegfried Hold Musik – Johannes Martin Dürr Bauten – Wolf Witzemann Kostüme – Edith Almoslino Schnitt – Annemarie Rokoss, Karl Aulitzky

Episodenliste Staffel 1 № in der serie № in der saison Regisseur Drehbuchautor Datum der Premiere11Wolfgang LiebeneinerEckart Hachfeld, Jaroslav Hašek, Grete Reiner6.02.1972Nach dem Roman „Der brave Soldat Schwejk“ von Jaroslav Hašek: In Prag, wo Josef Schwejk lebt, herrscht Vorkriegsstimmung. Diese Stimmung ist auch im Gasthof „Kelch“ zu merken, wo die Gäste schweigen, wenn ein gewisser Bretschneider das Lokal betritt. Auch das Zusammentreffen von Schwejk mit Bretschneider verläuft nicht ganz reibungslos. Ein paar unbedachte Äußerungen und Schwejk wird verhaftet, der Wirt wird auch gleich mitgenommen. Auf der Polizeistation findet man bald, dass Schwejk unbedingt in ein Irrenhaus eingewiesen werden müsste. Doch selbst die Irrenanstalt weiß sich mit Schwejk nicht zu helfen, so wird er wieder „ausgewiesen“. Nun geht er wieder seiner Leidenschaft, dem Hundeverkauf nach. Bei einem neuerlichen Zusammentreffen mit Bretschneider versteht es Schwejk, diesem einen fürchterlichen „Rausch“ anzubinden und verkauft ihm bei dieser Gelegenheit vier riesige Hunde. Bretschneider bleibt seiner Verzweiflung allein überlassen.22Wolfgang LiebeneinerEckart Hachfeld, Jaroslav Hašek, Grete Reiner9.02.1972Nach dem Roman „Der brave Soldat Schwejk“ von Jaroslav Hašek: Obwohl Schwejk an Rheuma leidet, hat er sich freiwillig als Soldat gemeldet. Da ihm das Gehen Schwierigkeiten bereitet, erscheint er zur Musterung mit Krücken. Wie alle Simulanten – denn dafür hält man ihn – wird Schwejk in eine Krankenanstalt eingewiesen, wo man ihn mit vielen anderen durch Pulver und Klistier zu kurieren versucht. Doch auch dort bringt Schwejk mit seinem unschuldig blickenden Gesicht und den naiv blöden Antworten sämtliche Ärzte zur Räson und sich selbst damit ins Gefängnis. Feldkurat Katz, der einen neuen Putzer braucht, wird anlässlich einer Messe für die „Unterhosen“ auf Schwejk aufmerksam und lässt ihn zu sich abkommandieren. Nun bricht für Schwejk eine Zeit des aufopfernden Dienens aus, wobei er des Öfteren arg ins Fettnäpfchen tritt und somit seinen Herrn von einer Unannehmlichkeit in die andere bringt.33Wolfgang LiebeneinerEckart Hachfeld, Jaroslav Hašek, Grete Reiner13.02.1972Schwejk ist noch immer Putzer beim Feldkuraten Katz, der ein notorischer Spieler und Trinker ist und ihn eines Tages an den jungen Oberleutnant Lukasch verliert. So wird Schwejk der Putzer von Lukasch und dient ihm ebenso in aufopfernder Treue und Ergebenheit. Der Oberleutnant hat bald konstatiert, dass Schwejk tatsächlich ein seltener „Trottel“ ist, wird aber doch immer wieder versöhnt. So etwa, als ihm dieser eine lästige Freundin vom Hals schafft und, zur Freude des Oberleutnants, einen edlen Stallpinscher ins Haus bringt. Unglücklicherweise gehört der Hund Lukasch' Vorgesetzten, dem Oberst Kraus.44Wolfgang LiebeneinerEckart Hachfeld, Jaroslav Hašek, Grete Reiner16.02.1972Zu seiner tiefsten Verbitterung muss der Oberst und Regimentskommandeur von Zillergut feststellen, dass sein Hund gestohlen wurde. Als er ihn allerdings im Besitz des Oberleutnants Lukasch wiederfindet und als sich herausstellt, dass Schwejk den Hund zwar nicht gestohlen, aber über einen Mittelsmann für seinen Oberleutnant besorgt hat, reißt dem Herrn Oberst der Geduldsfaden: Oberleutnant Lukasch und sein Bursche werden zu einem Marschbataillon an die Front versetzt. Im Zug nach Budweis wird Schwejk in einen neuerlichen Unglücksfall verwickelt: Man behauptet, er habe die Notbremse gezogen und so muss er – zur großen Erleichterung seines Oberleutnants – den Zug in Tabor verlassen. Von dort wird er zu Fuß nach Budweis geschickt, verläuft sich, ein Polizeiposten greift ihn auf und er wird als Spion verhaftet. Auf dem zuständigen Militärkommando hält man ihn jedoch für einen Volltrottel und schickt ihn zu seiner Einheit nach Budweis zurück, wo er zunächst einmal zu einer Arreststrafe verdonnert wird.55Wolfgang LiebeneinerEckart Hachfeld, Jaroslav Hašek, Grete Reiner20.02.1972Schwejks Marschbataillon wird in einem kleinen ungarischen Garnisonsort ausgeladen und liegt dort vorläufig in der Etappe. Oberleutnant Lukasch benützt seinen Burschen als Postillon d’amour und führt damit einen spektakulären Skandal herbei, in dessen Verlauf eine Straßenschlacht zwischen ungarischen und tschechischen Soldaten geschlichtet werden muss, Schwejk arrestiert wird und das corpus delikti – einen Liebesbrief seines Oberleutnants – kurzerhand verspeist. Trotzdem sind beide in der Garnison unmöglich geworden und werden mit dem nächsten Transport an die Front abgeschickt. Schwejk stößt ständig mit Leutnant Dub zusammen, einem Reserveoffizier, der alle seine Pflichten 150-prozentig zu erfüllen bestrebt ist und fällt schließlich – auf der Latrine – wegen seiner militärischen Akkuratesse einem General so angenehm auf, dass der alsbald seine baldige Beförderung befiehlt.66Wolfgang LiebeneinerEckart Hachfeld, Jaroslav Hašek, Grete Reiner23.02.1972Schwejk nimmt eine späte, aber fürchterliche Rache an Leutnant Dub: sein Bataillon wird alarmiert und nahe der Front ausgeladen. Zusammen mit Feldwebel Wanek wird er zum Quartiermachen geschickt, trennt sich von dem Feldwebel, verirrt sich, findet die Uniform eines russischen Soldaten, probiert sie an und wird von einer österreichischen Streife gefasst. Vor Gericht gestellt, plädiert der General Fink von Finkenstein – ein urteilsfreudiger Mann – für sofortiges Aufhängen des russischen Spions. Aber bevor es dazu kommt, trifft ein Telegramm seines Bataillons ein, das Schwejk als vermisst angibt und ihn anfordert. So kann sich der brave Soldat Schwejk bei seinem Oberleutnant Lukasch zurückmelden, in den Krieg ziehen und schließlich sogar die Verabredung mit seinem Kameraden Woditschka einhalten: nach dem Krieg, um sechs Uhr, in der Wirtschaft „Zum Kelch“ in Prag trifft man sich wieder. Inzwischen ist die Republik ausgerufen worden, aber – meint Schwejk – auch in Zukunft wird man auf Leute wie ihn nicht verzichten können.

Staffel 2