Motael (ehemals 20 Maio) (PDF; 1,2 MB) ist ein osttimoresischer Suco, der einen Stadtteil der Landeshauptstadt Dili bildet. Seit 2004 gehört Motael zum Verwaltungsamt Vera Cruz, davor zu Dom Aleixo.

Name mini|links|Albino Ribeiro, Liurai von Motael und seine Familie (1903)

Den Namen erhielt der Stadtteil vom timoresischen Reich, das im 18. Jahrhundert über die Region von Dili herrschte. Der Name leitet sich von „Mota Ain“ ab, was „Flussmündung“ bedeutet und wohl auf den Rio Comoro Bezug nimmt.Geoffrey C. Gunn: Historical Dictionary of East Timor, 2010, .

Geographie

Der Suco gehört zum Zentrum der Hauptstadt. An der Stelle, wo sich die Bucht von Dili noch einmal etwas in das Land hineinschiebt, liegt Motael am westlichen Ende der kleinen Bucht. Südlich liegen die Sucos Colmera und Vila Verde und westlich die Sucos Bairro Pite und Kampung Alor, die zum Verwaltungsamt Dom Aleixo gehören. Der Westgrenze folgt in der Regenzeit der Fluss Maloa. Vor der Gebietsreform 2015 hatte Motael eine Fläche von 0,55 km². (Zensus 2010; PDF; 22,6 MB) Nun sind es 0,77 km². Von Colmera und Vila Verde erhielt Motael das Gebiet zwischen der Avenida Nicolau Lobato im Norden, dem Fluss Maloa im Westen, der Rua da Catedral im Osten und der Avenida Dom Ricardo da Silva.Ministerium für Staatsverwaltung und Territorialmanagement: , abgerufen am 1. April 2017.

Administrativ ist Motael in vier Aldeias aufgeteilt. Lirio im Nordosten, Halibur im Nordwesten und südliche der Avenida Nicolau Lobato Bee Dalan, Boa Morena und Hura. (portugiesisch; PDF; 323 kB)Direcção-Geral de Estatística: .

Traditionell teilt sich Motael in fünf Stadtviertel: Aitarak im Nordwesten, Palapaso im Nordosten, Bebora im Südwesten und Farol im Südosten. Südlich kamen 2015 noch Bairo Alto und der Norden von Vila Verde dazu, der eigentlich der Namensgeber des Nachbarsucos ist. (PDF; 448 kB)

Einwohner mini|links|Fischhändler beim Leuchtturm

In Motael leben 4.720 Einwohner (2022), davon sind 2.370 Männer und 2.350 Frauen. 3.781 von ihnen wohnen in einer urbanen Umgebung, 939 im ländlichen Teil des Sucos. Im Suco gibt es 840 Haushalte. Fast 92 % der Einwohner geben Tetum Prasa als ihre Muttersprache an. Minderheiten sprechen Resuk, Rahesuk, Makasae, Makalero, Idaté, Fataluku oder Tetum Terik.Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Motael (tetum; PDF; 8,1 MB) Der Ortsname „Motaél“ stammt aus dem Mambai und bedeutet „Flussmündung“. Er ist ein Beleg dafür, dass in der Region von Dili ursprünglich Mambai statt Tetum gesprochen wurde.Geoffrey Hull: abgerufen am 28. September 2014.

Geschichte mini|Der Hof des Herrschers von Motael (1903) mini|Der Liurai überwacht Bauarbeiten der Kirche von Motael (1903)Diözese Dili: , abgerufen am 4. Oktober 2020. mini|Karte von 1908, auf der nachträglich Motael eingezeichnet wurde

Das Reich von Motael herrschte über die Region, als die Portugiesen die Hauptstadt ihrer Kolonie 1769 hierher verlegten. Schon vorher hatten hier Jesuiten erfolgreich Kinder zum Christentum bekehrt und dem Liurai von Motael christianisierte Soldaten aus Larantuka überlassen, zum Schutz vor muslimischen Überfällen. Als treuer Verbündeter stellte Dom Alexandre, der Liurai von Motael, den Portugiesen das nötige Land und Bauholz für die Gründung Dilis zur Verfügung. Zudem sicherte er ihnen auch Männer und Pferde zur Verteidigung zu. Mit der Zeit wurde Motael zu einer starken Macht innerhalb der Kolonie Portugiesisch-Timor.

1810 bis 1812 war der Liurai von Motael sogar einer der führenden Mitglieder des Conselho Governativo, die anstelle des fehlenden Gouverneurs die Kolonie regierten. In dieser Zeit hatten Weiler im Königreich Motael durchschnittlich siebzehn Feuerstellen und eine Bevölkerung von einhundert Personen.

António da Costa Pereira regierte Motael bereits vor 1832 als Liurai. Von den Portugiesen hatte er den Rang eines Generalleutnants verliehen bekommen. Als er 1856 verstarb, kam zu einem Streit über die Mitgift, die seine Frau, Dona Ludovina da Costa, eine Moradora aus Dili, mitgebracht hatte. 1857 wurde Maria da Costa Mendes neue Herrscherin von Motael. Ludovinas Familie wurde mit Bargeld und Schmuck ausgezahlt, der Großteil der Mitgift blieb aber im Besitz der Herrscherfamilie.Douglas Kammen: Queens of Timor, In: Archipel. Band 84, Nr. 1, 2012, S. 149–173, .

1867 half Motael den Portugiesen die Rebellion von Vemasse niederzuschlagen.

Als der neue Gouverneur Alfredo de Lacerda Maia 1885 auf Timor eintraf, herrschte in Motael Aufruhr wegen überhöhter Steuerforderungen des kolonialen Schatzamtes.Katharine Davidson: The Portuguese colonisation of Timor: the final stage, 1850-1912, S. 162ff., Sydney 1994. Die Führer von Motael sollten ihren Tribut von 100 Rupien, beziehungsweise 70 picos Mais bezahlen, doch der korrupte Verwalter der Staatskasse behauptete, die Steuer wäre um zusätzliche 300 Rupien erhöht worden. Die Timoresen waren daraufhin in die Berge geflohen.Davidson 1994, S. 101. Maia setzte deswegen Lucas Barreto Martins als neuen Liurai ein. Martins hatte zuvor in der Kolonialverwaltung gearbeitet.

1887 kam es in Dili zur Revolte der Moradores bei der Maia ermordet wurde. Eigentliches Ziel des Attentats war Unterleutnant Francisco Ferreira, der mit seinem Gebaren als Sekretär des Gouverneurs den Hass der Moradores auf sich gezogen hatte. So hatte Ferreira unter anderem Martins persönlich angegriffen und bedroht, was von den Timoresen als schwere Beleidigung des Herrschers empfunden wurde. Maia geriet nur aufgrund unglücklicher Umstände in den Hinterhalt, der für Ferreira bestimmt gewesen war.René Pélissier: Éditions Pélissier, Orgeval 2010.

Nach der Revolte wurde Martins verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, einer der Verantwortlichen der Rebellion gewesen zu sein. Die Beteiligung des Liurais an dem Komplott beruhte nur auf Vermutungen, konnte aber nicht bewiesen werden. Es war durchaus üblich, dass die Liurais ihren Kriegern erlaubten, Beleidigungen gegen sie zu rächen, und zwar angeblich aus eigenem Antrieb, während die Herrscher sich scheinbar abseits hielten. Pater João Gomes Ferreira, der Pfarrer von Dili, versuchte Martins zu entlasten, indem er behauptete, dass der Herrscher von der Ermordung Maias noch nicht erfahren hatte, als der Pater mit der Nachricht zu ihm kam. Der wenig brillante Verteidigung des Paters verdankte Martins schließlich, dass er in Goa vor Gericht landete. Immerhin wurde Martins von jeglicher Verantwortung freigesprochen und blieb weiterhin Liurai von Motael und damit einer der mächtigsten Timoresen der portugiesischen Kolonie. Die Historikerin Katharine Davidson kommentierte diesen Umstand damit, dass dies ein Beweis sei, „dass ein lebender, mächtiger Liurai für die portugiesische Verwaltung in Dili wichtiger blieb als ein toter, schlecht beratener Gouverneur.“

Das Haus des Herrschers stand im heutigen Stadtviertel von Motael, nahe dem heutigen Hafen. Südöstlich befand sich der Regierungssitz des Gouverneurs, wo heute der Jardim 5 de Maio liegt.Architectural Heritage of Portuguese Origin, Karte auf S. 16, abgerufen am 3. Juni 2016. Farol () war am Ende der Kolonialzeit das Wohnviertel der europäischstämmigen Bevölkerung Dilis.

mini|Blick auf Motael in den späten 1950er-Jahren

Im Bürgerkrieg in Osttimor 1975 besetzten beide Parteien den Hafen. Die portugiesische Verwaltung verließ von hier aus die Kolonialhauptstadt in Richtung der vorgelagerten Insel Atauro. Am 7. Dezember desselben Jahres landeten indonesische Truppen in Dili. Nach der Eroberung der Stadt führten die Indonesier Chinesen, Mitglieder der FRETILIN und andere Gefangene zum Hafengelände, erschossen sie und warfen die Leichen ins Meer. Zu den Opfern gehörten die Frauenrechtlerin Rosa Bonaparte, ihr Bruder Bernardino Bonaparte Soares, Isabel Lobato (die Ehefrau des Premierministers Nicolau dos Reis Lobato) und Roger East, der letzte ausländische Reporter in Dili. Zeugen sprechen von Dutzenden Leichen.„Part 3: The History of the Conflict“ (PDF; 1,4 MB) aus dem „Chega!“-Report der CAVR (englisch)„Chega!“: „Chapter 7.2 Unlawful Killings and Enforced Disappearances“, Dili wharf on 8 December 1975, S. 40–43.ABC: Australia received East Timor 'hit list' before Indonesian invasion, 27. November 2015, abgerufen am 19. Dezember 2016.ABC News: East Timor's latest attempt to find the body of its first prime minister Nicolau dos Reis Lobato, 21. Februar 2018, abgerufen am 21. Februar 2018.Frédéric Durand: Three centuries of violence and struggle in East Timor (1726–2008), 2011. Die Gesamtzahl der in der Werft Hingerichteten wird auf 150 Personen geschätzt.Peter Carey: East Timor under Indonesian Occupation, 1975-99, S. 14ff., abgerufen am 6. Dezember 2018.

Am 27. Oktober 1991 wurde der Osttimorese Sebastião Gomes von indonesischen Sicherheitskräften angeschossen und verblutete in der Kirche Santo António de Motael. Bei seinem Begräbnis kam es zu einer Demonstration für die Unabhängigkeit Osttimors. Folge war ein Massaker an den Demonstranten durch indonesische Sicherheitskräften, das sogenannte Santa-Cruz-Massaker.

2006 wurde bei der Kirche von Motael und an ein paar weiteren Stellen im Suco Lager aufgebaut, um Flüchtlingen nach den Unruhen in Osttimor 2006 eine Unterkunft zu bieten.

Herrscher von MotaelBelo, Dom Carlos Filipe Ximenes (2011) Os antigos reinos de Timor-Leste (Reys de Lorosay e Reys de Lorotoba, Coronéis e Datos), S. 112–117 Baucau: Tipografia Diocesana Baucau. mini|Luís Claco, Sohn des Liurais, wahrscheinlich von Gregorio Rodrigues Pereira II. (Bild von J. Alphonse Pellion, 1820)

Dom Gregorio Rodrigues Pereira I. (1726–1732, Oberst) Dom Alexandre Rodrigues Pereira (1763–1769, Oberstleutnant) Dom Jose Rodrigues Pereira (1766, Capitão-mor der Provinzen von Belu) Dom Cosme Rodrigues Pereira (1789) Dom Gregorio Rodrigues Pereira II. (vor 1810 bis 1820, Brigadegeneral) Dom António da Costa Pereira (vor 1832 bis 1856, Generalleutnant) Dona Maria da Costa Mendes (1857–1864) Piatru (1869) Dona Engracia Rodrigues Pereira (1871–1874) Dom Manuel Delgado Ximenes (1879–1881) Dom Tomás Suriano Pereira (1879–1889, Oberst) Dom João da Costa Pereira (1882–1891) Dom Lucas Barreto Martins (1885–1895) Dom Albino Morais Dom Manuel de Ataíde (etwa 1900) Dom António Ataíde (bis 1912) (Sohn)

Die Liste von Carlos Filipe Ximenes Belo zeigt einige Unklarheiten und Widersprüche, auch zu anderen Quellen. So gibt die Historikerin Katharine Davidson den Namen der Königin, die 1864 starb mit Engracia Rodrigues Pereira an. Nach ihrem Tod kam es in Motael zum Streit um die Nachfolge. Verwandte der Königin hatten die Aufstände 1861 in Ulmera und Laclo unterstützt, weswegen die Portugiesen diese als Herrscher von Motael nicht anerkennen wollten. Der Historiker Douglas Kammen berichtet, dass eine Königin von Motael durch von Portugal organisierte Wahlen abgesetzt wurde. Es ist dabei unklar, ob diese Wahlen 1854 stattfanden. Als Quelle nennt Kammen ein Buch des ehemaligen Gouverneurs Afonso de Castro (1859–1863) von 1867. Kammen beschreibt aber im selben Artikel den Amtsantritt von Maria da Costa Mendes als erste namentlich bekannte Königin 1857.

Politik mini|links|Cornelio de Aráujo Lopes (2017)

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Cornelio de Aráujo Lopes zum Chefe de Suco gewählt und 2009 und 2016 in seinem Amt bestätigt.

Bauwerke und Einrichtungen mini|Der Leuchtturm von Motael an der Av. de Motael