Gerhard Maria Wagner (* 17. Juli 1954 in LinzEigenaussage auf der Website der Pfarre St. Jakob in Windischgarsten. ) ist römisch-katholischer Priester und seit 1988 Pfarrer in Windischgarsten. Wagner war 2009 für kurze Zeit als Weihbischof in Linz nominiert,Kathpress, 31. Jänner 2009: Gerhard Wagner neuer Weihbischof für Linz verzichtete aber aufgrund massiver Proteste auf die Übernahme des Amtes.
Leben Wagner wuchs in der Marktgemeinde Wartberg ob der Aist im Bezirk Freistadt auf. Nach der Matura im Jahre 1972 am Kollegium Petrinum studierte Gerhard Wagner in Linz und Rom Katholische Theologie und Philosophie. Am 10. Oktober 1978 empfing er in Rom durch den Erzbischof von Esztergom und Primas von Ungarn, László Kardinal Lékai, die Priesterweihe. Bis 1979 war Wagner Kaplan in Bad Zell und von 1979 bis 1984 Kaplan in Bad Ischl. Anschließend wurde er zum Kooperator in Marchtrenk ernannt und für ein Doktoratsstudium im Fach Dogmatik an der Päpstlichen Universität Gregoriana freigestellt, welches er 1988 summa cum laudeDer Standard: Treu dem Papst, offen nur für Konflikte: abschloss. Am 11. September 1988 wurde er Pfarrer in Windischgarsten.
Papst Benedikt XVI. ernannte ihn am 31. Jänner 2009 zum Titularbischof von Zuri und zum Weihbischof in Linz. Angesichts der Kontroversen um seine Person im Zuge der Ernennung, ersuchte er am 16. Februar 2009 den Papst um Rücknahme seiner Nominierung. Der Vatikan willigte nach Angaben der Diözese Linz noch am selben Abend ein.Gerhard Wagner wird nicht Weihbischof von Linz!, kath.net, 15. Februar 2009 Am 2. März 2009 teilte das vatikanische Presseamt mit, dass Papst Benedikt XVI. Wagner eine Dispens von der Annahme des Amtes des Weihbischofs von Linz erteilt habe.Dispensa del Santo Padre, in: Presseamt des Heiligen Stuhls: Tägliches Bulletin vom 2. März 2009. Wagner unterstützte das Engelwerk sowie dessen Orden Regularkanoniker vom Heiligen Kreuz und gehörte dem konservativen Linzer Priesterkreis an.Heiner Boberski: Das Engelwerk. Theorie und Praxis des Opus Angelorum. Otto Müller Verlag, Salzburg 1993, ISBN 3-7013-0854-3, S. 275 f.Thomas M. Hofer: Gottes rechte Kirche. Katholische Fundamentalisten auf dem Vormarsch. Ueberreuter Verlag, Wien 1998, ISBN 3800036754. S. 137
Kontroversen Wagners geplante Ernennung zum Weihbischof durch den Papst stieß auf scharfe KritikDer Standard, 1. Februar 2009: Kaum zum Linzer Auxiliar-Bischof ernannt, sieht sich Gerhard Maria Wagner mit einer Welle der Empörung konfrontiert. und Unverständnis.Der Standard: Der neue Linzer Weihbischof fiel bisher hauptsächlich durch skurril anmutende Aussagen zu "Harry Potter"-Romanen und Naturkatastrophen auf. Der Spiegel, vom 31. Jänner 2009: Papst ernennt Ultrakonservativen zum Bischof. Die Nominierung erfolgte entgegen den Erwartungen des Linzer Domkapitels und nach Medienberichten auch ohne Absprache mit dem Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz und dem Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, dem Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn.Netzeitung vom 1. Februar 2009: Der Landeshauptmann Oberösterreichs Josef Pühringer sagte in einem Radiointerview, dass offensichtlich eine Entscheidung getroffen worden sei, die nicht dem Dreiervorschlag der Diözese entspreche. „Das deutet darauf hin, dass in Rom von der Diözese ein Bild herrscht, das meines Erachtens nicht der Realität entspricht. Mit dem Windischgarstner Pfarrer wurde ein sehr konservativer Geistlicher berufen.“Der Standard vom 1. Februar 2009: Entscheidung entspricht nicht Dreiervorschlag der Diözese. Gerade auch unter den betroffenen Katholiken der Diözese Linz führte Wagners Berufung zu heftigen Diskussionen sowie einer Welle von Kirchenaustritten.Diözese Linz: Kirchenaustritte schnellen nach oben, DiePresse.com, 10. Februar 2009 Bei einer Versammlung der Dechantenkonferenz der Diözese Linz am 10. Februar 2009 lehnten 31 der 35 anwesenden (von insgesamt 39) Dechanten die Ernennung von Gerhard Wagner zum Weihbischof ab. Dieses Votum hatte kirchenrechtlich zwar keinen bindenden Charakter, sollte aber laut Dechant Arno Jungreithmayr ein deutliches Signal sein. Auch der Bischof von Innsbruck Manfred Scheuer distanzierte sich von seinem Studienkollegen Wagner mit den Worten, sie seien sich „in den vergangenen Jahren fremd geworden“, und der Bischof von Eisenstadt Paul Iby nannte Wagners vorgesehene Ernennung „unerklärlich“.Diözesanbischof Iby kritisiert Bestellung Wagners, DiePresse.com, 14. Februar 2009
Es gab allerdings auch Befürworter von Wagners geplanter Ernennung wie beispielsweise Friedrich Engelmann, den langjährigen Herausgeber der Monatszeitschrift Der 13., der erklärte: „Deshalb werde ich meinen jahrelangen Kirchensteuerboykott aus Dankbarkeit gegenüber Bischof Schwarz aufgeben und wieder meinen Kirchenbeitrag zahlen.“Der Standard, 10. Februar 2009: Wenn der Katholik am Geldhahn dreht.
Der als konservativ geltende Wagner ist Mitglied des Linzer Priesterkreises. Die Harry-Potter-Romane sieht er als mögliches Einfallstor für Okkultismus und Satanismus. Er hat in seiner Pfarre in Windischgarsten nur männliche Ministranten. In einem ZIB2-Interview stellte Wagner klar, dass für ihn die bestehende kirchliche Hierarchie eine „heilige Ordnung“ sei, weshalb Laien in der Diskussion um Glaubensfragen keine Mitsprache hätten: „Die Wahrheitsfindung des Glaubens wird nicht von unten gefunden.“ Reformen seien ausschließlich von oben durch den Papst und die Bischöfe durchzuführen.
In derselben ZIB2-Sendung bezeichnete der Pastoraltheologe Paul Zulehner von der Universität Wien Wagner als Ultrakonservativen, der die katholische Kirche in eine problematische Situation bringe. Er halte die Bestellung Wagners für eine „kirchenpolitisch schädliche und falsche Entscheidung“. Zulehner vermutet, dass Wagner zum Bischof von Linz aufgebaut werden soll, was er als Irrtum des Papstes darstellt, dem er auch die volle Verantwortung dafür anlastet. So stellte Zulehner die Bestellung Wagners in eine Reihe von seiner Meinung nach falschen Personalentscheidungen in der österreichischen Kirche wie etwa der Bestellung Hans Hermann Groërs.ZIB 2 vom 2. Februar 2009 ORFonDemand, vgl. auch: Paul Michael Zulehner, Rückzug ins Ghetto, Die Presse, 3. Februar 2009 Der Professor für Theologische Ethik an der Theologischen Hochschule Chur Hanspeter Schmitt bezweifelte in der Schweizerischen Kirchenzeitung grundsätzlich Wagners Qualifikation: „Darf es inzwischen sein, dass ein solcher Abgrund an menschlicher Ignoranz und theologischer Inkompetenz ins bischöfliche Amt gehoben wird?“
Wagner nannte in seinem Pfarrbrief als möglichen Grund für den Hurrikan Katrina 2005 in New Orleans „geistige Umweltverschmutzung“ und stellte Überlegungen über eine mögliche Deutung als göttliche Strafe an, u. a. mit Hinweis darauf, dass zwei Tage später im French Quarter ein Gay Pride hätte stattfinden sollen.religion.orf.at, 1. Dezember 2005: Hurrikan und Tsunami als Strafe Gottes? Die umstrittene Passage lautet:Pfarrbrief St. Jakob, Windischgarsten, Nr. 137 (S. 10), November 2005,Nachlese zum Hurrikan in New Orleans ( ) Diese Deutung Wagners wurde von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien in einer offiziellen Stellungnahme als „theologisch unhaltbare Kommentierung von Naturereignissen“Erklärung der Katholisch-Theologischen Fakultät zu Bischof Williamson und Weihbischof Wagner, in: Der Papst im Kreuzfeuer. Zurück zu Pius oder das Konzil fortschreiben?. S. 245 ff., ISBN 978-3-643-10128-0. verurteilt.
Gerhard Maria Wagner hält entgegen der allgemeinen Haltung psychologischer Fachverbände und der heutigen Erkenntnisse in Psychologie und PsychotherapieBT-Drs. 16/8022 Bundestag:Stellungnahme der Bundesregierung zu Antihomosexuelle Seminare und pseudowissenschaftliche Therapieangebote religiöser Fundamentalisten (PDF; 108 kB) Homosexualität für eine Krankheit und tritt für eine „Behandlung“ Homosexueller ein. Auf die Frage, ob Homosexualität heilbar sei und Homosexuelle behandelt werden sollten: „Dafür gibt es genügend Beispiele, nur davon spricht man nicht.“ Der Bischof von Feldkirch Elmar Fischer, der sich diesbezüglich zunächst hinter Wagner gestellt hatte,Bischof Fischer: "Homosexualität ist heilbar", DiePresse.com, 12. Februar 2009 entschuldigte sich kurz darauf öffentlich für seine Aussagen und zog sie zurück: „Ich ging von einem offenkundig nicht mehr letztaktuellen wissenschaftlichen Stand der Literatur aus.“"Homosexualität heilbar": Bischof Fischer entschuldigt sich, DiePresse.com, 13. Februar 2009
Über die Zukunft der Kirche angesichts steigender Kirchenaustritte sagte Wagner in einem Interview: „Vielleicht müssen wir erst wieder eine kleine Gruppe werden, um dann stärker hinaus zu wirken. Und dann werden die Wenigen mehr bewegen als die Vielen, die sich nicht bewegen.“. Der designierte neue Weihbischof von Linz, Gerhard Wagner, im KURIER-Interview über Gottesstrafe, Gier und die Gefahr des Islam, Kurier, 7. Februar 2009 Dieser Vorstellung widersprach deutlich der Salzburger Erzbischof Alois Kothgasser: „Das ist eine Grundfrage: Soll die Katholische Kirche ‚gesundgeschrumpft‘ werden gleichsam auf eine ‚Sekte‘, wo nur wenige, aber dafür linientreue Mitglieder dabei sind, oder soll die Katholische Kirche Kirche Jesu Christi bleiben, die Raum für Vielfalt bietet, offen ist und Gesellschaft von innen her prägt.“ Auch der Bischof von Graz-Seckau Egon Kapellari lehnte Wagners ekklesiologischen Entwurf als unrealistisch ab: „Auch wenn Blödheiten passieren, wir werden sicher keine Sekte. Jeder, der die Kirche verlässt, ist einer zu viel, aber 70 Prozent der Österreicher sind immer noch Katholiken.“Bischöfe und Rom bremsen Wagner. Vorgabe, Konfrontationskurs zu beenden - Kapellari: „Werden sicher keine Sekte“ - Angst um Zahlungsmoral der Gläubigen, Der Standard, 13. Februar 2009
Um zu verhindern, dass der designierte Weihbischof sich in weitere Debatten verstricke und zu neuerlicher Kritik Anlass gebe, wurde ihm im Februar 2009 von der Kirchenleitung untersagt, weitere Interviews zu geben.Maulkorb für Linzer Weihbischof, DiePresse.com, 10. Februar 2009 Außerdem wurde Wagner aufgefordert, sich zu mäßigen und nicht für weitere Konfrontationen zu sorgen, um sich so als seines neuen Amtes würdig zu erweisen.Bischöfe und Rom bremsen Wagner. Vorgabe, Konfrontationskurs zu beenden - Kapellari: „Werden sicher keine Sekte“ - Angst um Zahlungsmoral der Gläubigen, Der Standard, 13. Februar 2009 Ungeachtet aller in erster Linie theologisch begründeten Kritik an ihm beharrte Wagner auch im Rückblick auf seinen umstrittenen, aber seiner Meinung nach „katholischen“ Positionen und machte in einem Interview im April 2009 nicht diese, sondern ein „Komplott“ gegen ihn sowie die mangelnde Standfestigkeit des österreichischen Episkopats für das Scheitern seiner Weihbischofsernennung verantwortlich.Vgl.: