Die Automobili Lamborghini S.p.A. [] () ist ein italienischer Automobilhersteller von Sportwagen mit Sitz in Sant’Agata Bolognese (Emilia-Romagna). Seit 1998 gehört das Unternehmen als Teil der Audi AG zum Volkswagen-Konzern. Die ursprüngliche Traktorenmarke Lamborghini Trattori gehört seit 1973 zu Same Trattori.
Geschichte Traktorhersteller
Ferruccio Lamborghini begann 1948 mit der Herstellung von Nutzfahrzeugen. Das Unternehmen Lamborghini Trattori wurde 1948 in Cento, Ferrara gegründet. Es baute anfänglich Traktoren, die seinerzeit dringend benötigt wurden und aus obsoleten Militärfahrzeugen umgebaut wurden. Abgerufen am 29. November 2011. 1959 wurde die Produktion um Brenner und Klimaanlagen erweitert.
Ferruccio Lamborghini und Enzo Ferrari mini|Erster Lamborghini-Sportwagen: 350 GTV 1963 gründete Ferruccio Lamborghini die Firma Automobili Lamborghini, als Markensymbol wählte er Murciélago, den legendären Stier, der am 5. Oktober 1879 einen Stierkampf mit 24 Lanzenstößen überlebte und daraufhin begnadigt wurde, als Symbol für Stärke; außerdem war der Stier sein Sternzeichen. In diesem Jahr wurde mit der Entwicklung von Sportwagen begonnen.
Die Entscheidung dazu fiel einer weit verbreiteten Legende zufolge nach einer Auseinandersetzung zwischen dem Sportwagen-Liebhaber Ferruccio Lamborghini und Enzo Ferrari. Lamborghini hatte häufig Probleme mit seinem Ferrari und beschwerte sich beim Firmenchef Enzo Ferrari. Dieser antwortete, Lamborghini könne nur Traktoren richtig bauen und keine Sportwagen, worauf Lamborghini seinem Widersacher das Gegenteil beweisen wollte und einen schnelleren Sportwagen baute. Nach anderen Quellen soll sich Enzo Ferrari geweigert haben, einen Sportwagen nach Lamborghinis Vorstellungen zu bauenSchrader/Lillywhite: Klassische Automobile, S. 260. oder Ferruccio Lamborghini zu einem Gespräch zu empfangen.Oleski/Lehbrink: Seriensportwagen von 1945 bis 1980, S. 278. Der Wahrheitsgehalt dieser Geschichten wird allerdings vielfach bezweifelt. Nach anderen Darstellungen habe Ferruccio Lamborghini Enzo Ferrari nie persönlich kennengelernt und die Sportwagenproduktion in erster Linie aufgenommen, um seinen Traktorbetrieb zu bewerben.Wolfgang Blaube: Grüner Star. 50 Jahre Lamborghini. In: Oldtimer Markt, Heft 7/2013, S. 246 ff.
Zehn- und Zwölfzylinder-Sportwagen mini|Zwei Jahrzehnte lang produziert: Lamborghini Countach mit Scherentüren 1963 wurde mit dem Lamborghini 350 GTV der erste Prototyp eines Lamborghini-Sportwagens vorgestellt. Das Fahrzeug ging in dieser Version nicht in Serie. Sowohl der Motor als auch die Karosserie wurden vor Beginn der Serienproduktion modifiziert. 1964 entstanden schließlich die ersten Exemplare des Modells 350 GT. Die Leistung des Zwölfzylinders übertraf die der zeitgenössischen Ferrari-Modelle deutlich. Großes Aufsehen erregte Lamborghini aber erst mit dem 1966 vorgestellten Miura, der sich – je nach Quelle – mit seinen 385 PS in der stärksten Version der 300-km/h-Marke näherte. Seit dem Miura tragen nahezu alle Sportwagen-Modelle die Namen von berühmten spanischen Kampfstier-Zuchten oder einzelnen Kampfstieren, somit auch der neuere allradgetriebene Murciélago sowie der Gallardo. Es gab nur vier Ausnahmen – den Countach, den Silhouette, den Espada und 2019 den Sián. Nachdem der Countach fertiggestellt worden war, fand sich kein passender Stiername, um ihn zu benennen. Der Legende nach stellte man den Wagen nun auf den Fabrikhof und rief die Belegschaft zusammen. Einer der Mitarbeiter rief beim Anblick des Wagens „Countach“ (auf Deutsch: „Donnerwetter“), und somit hatte der Wagen seinen Namen. Der Silhouette verwies mit seinem von der Kampfstier-Tradition abweichenden Modellnamen auf die Formel Silhouette, eine zwischen 1976 und 1980 ausgetragene Gruppe 5-Meisterschaft der FIA für Seriensportwagen; der Espada wurde nach dem Stoßdegen des Matadors benannt. Die Zusatzbezeichnung „LP“, die bei vielen Modellen im Namen enthalten ist, steht für longitudinale posteriore (= „hinten in Längsrichtung“) und bezeichnet die Einbaulage des längs eingebauten Motors.
Der Countach war der erste Lamborghini mit Scherentüren, einer Bauart, die charakteristisch für weitere Modelle wurde.
Wirtschaftliche Krise und Eigentümerwechsel mini|Wirtschaftlich enttäuschend: Lamborghini Urraco
Zu Beginn der 1970er-Jahre verbreiterte Lamborghini die Modellpalette. Der viersitzige Espada und der 2+2-sitzige Jarama gehörten zu den teuersten italienischen Sportwagen. Zugleich versuchte das Unternehmen, mit kleineren und günstigeren Achtzylindermodellen wie dem Urraco, der mit dem Porsche 911 konkurrieren sollte, neue Kundenkreise zu erschließen. Dieses Vorhaben scheiterte. Der Urraco, in dessen Entwicklung Lamborghini viel Geld investiert hatte, ließ sich nicht in den geplanten Stückzahlen absetzen. Deshalb geriet das Unternehmen 1972 in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die erste Ölpreiskrise und deren Folgen verschärften die Schwierigkeiten. Ferruccio Lamborghini verkaufte den Traktorenteil an die Same Group (heute Same Deutz-Fahr). Der Sportwagenteil wechselte seit den 1970er Jahren mehrmals den Eigentümer: Von 1972 bis 1977 waren die Schweizer Unternehmer Georges-Henri Rossetti und René Leimer Betriebsinhaber. Nach einer Phase der Insolvenz übernahm Patrick Mimran das Unternehmen (1980 bis 1987). Er nahm den Urraco (nunmehr: Jalpa) wieder in die Produktion auf und stellte den Aufsehen erregenden Geländewagen LM002 vor, der auf einem Entwicklungsauftrag für die US Army beruhte. 1987 kaufte der US-Autobauer Chrysler Lamborghini. In diese Ära, die bis 1994 andauerte, fällt auch ein Formel-1-Engagement Lamborghinis. Von 1994 bis 1998 gehörte Lamborghini zum indonesischen MegaTech-Konzern.
Lamborghini und Audi mini|Lamborghini Gallardo 1998 übernahm die Volkswagen-Tochter Audi AG das Unternehmen und ist bis heute Eigentümerin. Seitdem bietet Lamborghini wieder eine breitere Modellpalette an und zeigt wieder eine große Anzahl an Studien und Kleinstserienfahrzeugen. Mit dem etwa drei Millionen Euro kostenden Kleinseriensportwagen Veneno präsentierte Lamborghini auf dem Genfer Auto-Salon 2013 das damals teuerste straßentaugliche Serienauto der Welt.Stefan Grundhoff: Kampfstier aus dem Endzeitfilm. In: sueddeutsche.de, 5. März 2013Thomas Geiger: Lamborghini Veneno – Das teuerste Auto der Welt. In: welt.de, 4. März 2013
Im September 2000 wurde die Volkswagen Group Italia S.p.A. zu 100 % in die Automobili Lamborghini Holding S.p.A. integriert. Abgerufen am 29. November 2011. Fahrzeuge Serienmodelle Die derzeitige Modellpalette umfasst drei Grundmodelle: den Temerario als Einstiegsmodell, den Revuelto als Top-Modell sowie das 2018 in Serie gegangene SUV Urus.
Bauzeit Modell Untermodelle Leistung(kW (PS)) vmax(km/h) Zeit (s)0–100 km/h Foto 1964–1967 Lamborghini350 GT 135 206(280) 250–280 6,8 100px 1966–1968 Lamborghini400 GT 23250 als 2 + 2 235(320) 270 6,4 100px 1966–1973 LamborghiniMiura 275338 als S150 als SV 235–309(320–420) 274–295 5,5–6,8 100px 1968–1970 LamborghiniIslero 155 als 400 GT75 als 400 GTS 235–257(320–350) 260–265 6,2 100px 1968–1978 LamborghiniEspada 176 als S1578 als S2472 als S3 257(350) 245 6,5 100px 1970–1976 LamborghiniJarama 177 als 400 GT150 als 400 GTS 257–268(350–365) 245–270 5,9–6,8 100px 1974–1990 LamborghiniCountach 1 als LP 500157 als LP400237 als LP 400S321 als 5000S610 als 5000SQV657 als 25°Anniversario 260–335(353–455) 275–330 4,2–5,9 100px 1975–1979 LamborghiniUrraco 21 als P11166 als P200520 als P250205 als P300 134–195(182–265) 215–260 5,5–7,1 100px 1976–1981 LamborghiniSilhouette 55 als P118 189(260) 250 7,0 100px 1981–1988 LamborghiniJalpa 420 als P350 187(255) 248 6,5 100px 1982–1993 LamborghiniLM002 301 335(455) 223 8,2 100px 1990–2001 LamborghiniDiablo 873 als 2wd140 als GT30 als GTR466 als VT Roadster150 als SE30 und 17 als Jota346 als SV31 als SVR529 als VT260 als 6.042 als 6.0 SE 362–434(492–590) 325–338 3,5–4,1 107x107px 2001–2010 LamborghiniMurciélago MurciélagoMurciélago RoadsterMurciélago LP 640Murciélago LP 640 RoadsterReventónMurciélago LP 670-4 SV 426–493(580–670) 320–342 3,2–3,8 108x108px 2003–2013 LamborghiniGallardo GallardoGallardo SpyderGallardo SuperleggeraGallardo NeraGallardo LP 560-4Gallardo LP 560-4 SpyderGallardo LP 550-2 Valentino BalboniGallardo LP 570-4 SuperleggeraGallardo LP 570-4 Spyder Performante Gallardo LP 570-4 Super Trofeo Stradale 368–419(500–570) 309–325 3,4–4,3 107x107px 2011–2022 LamborghiniAventador AventadorAventador Roadster Aventador J Aventador SV Aventador S Aventador SVJ 515–566(700–770) 350 2,8–2,9 105x105px 2013 LamborghiniVeneno 3 als Coupé9 als Roadster 550(750) 355 2,8 105x105px 2014–2024 LamborghiniHuracán Huracán LP 610-4Huracán SpyderHuracán LP 580-2Huracán LP 640-4 Performante 427–471(580–640) 320–325 2,9–3,4 105x105px 2016–2018 LamborghiniCentenario Centenario LP 770-4Centenario Roadster LP 770-4 566(770) 350 2,8–2,9 rahmenlos|109x109px seit 2018 LamborghiniUrus Urus Urus S Urus Performante SE 478–597(650–812) 305–312 3,3–3,6 rahmenlos|109x109px 2019–2022 LamborghiniSián FKP 37 als CoupéRoadster 602(819) 350 2,8 105x105px seit 2020 LamborghiniEssenza SCV12 40 610(829) 305 105x105px 2022–2023 LamborghiniCountach LPI 800-4 112 602(819) 355 2,8 105x105px seit 2023 LamborghiniRevuelto RevueltoRevuelto SV 747–783(1015–1065) 345–350 2,4–2,5 105x105px seit 2024 LamborghiniTemerario 677(920) 343 2,7 105x105px seit 2025 LamborghiniFenomeno 30 als Coupé15 als Roadster 795(1080) 350 2,4 105x105px
Prototypen und Einzelstücke Neben den Serienmodellen gab es auch eine ganze Reihe von Prototypen und Einzelstücken wie den Veneno und Egoista.
Sportwagen und Coupés Lamborghini 350 GTV (1963, Turin Motor Show, Design von Franco Scaglione) 3500 GTZ Zagato (1965, London Motor Show, von Zagato) 350 GTS (1965, Pariser Salon, von Touring) 400 GTS (1966, von Touring) Monza 400 (1966, von Neri e Bonacini) Flying Star II (1966, von Carrozzeria Touring) P400 Stuardi Sonata (1966, von Enzo Stuardi) Marzal (1967, Turin Motor Show, von Bertone) Miura Roadster (1968, von Bertone) Jota (1970) Miura SVJ (nach 1971, von Lamborghini und externen Karosseriebauern) Jarama Sport (1972) Bravo (1974, Turin Auto Show) Urraco Bob (1974) Miura SVR (1974) mini|Lamborghini Faena Faena (1978, Turin Auto Show, von Frua) Athon (1980, Turin Motor Show, von Bertone) Marco Polo (1982, Bologna Motor Show, von Italdesign Giugiaro) Der Countach Turbo S (1984, Franz Albert Tuning) Der Countach Evoluzione (1986) Portofino (1987, IAA Frankfurt) Genesis (1988, Turin Auto Show, von Bertone) P140 (1987/1993, von Marcello Gandini und Luigi Marmiroli) Cala (1995, Genfer Auto-Salon, von Italdesign Giugiaro) Zagato Raptor (1996, Genfer Auto-Salon, von Zagato) Canto P147 (1997, von Zagato) Acosta P147 (1998, von Marcello Gandini) Heuliez Pregunta (1998, Auto Salon Paris) Concept S (2005, Genfer Auto-Salon) Miura Concept (2006, Los Angeles Auto Show) Estoque Concept (2008, Auto Salon Paris) Sesto Elemento (2010, Auto Salon Paris) Aventador J (2012, Genfer Autosalon) Veneno (2013, Genfer Autosalon) Egoista (2013, Grande Giro Lamborghini) Asterion (2014, Auto Salon Paris) Centenario (2016, Genfer Autosalon) Terzo Millennio (2018, Genfer Autosalon) SC18 Alston (2018) Invencible (2023) Autentica (2023)
Offroader und SUVs mini|Lamborghini Lanzador Cheetah (1977, Geneva Auto Show) LM001 (1981, Geneva Auto Show, SUV) LM002 (1982, Geneva Auto Show) LM003 (SUV 1983) LM004 (SUV 1984 Studie mit Schiffsmotor) LM005 Lagartijo (SUV) Urus (SUV) Lanzador (2023, Monterey Car Week)
Lamborghini in der Formel 1 mini|Formel-1-Motor Lamborghini 3512