miniatur|Wappen der Stadt Perg Perg ist eine oberösterreichische Kleinstadt im Unteren Mühlviertel, deren Entwicklung eng mit der Geschichte des Machlandes, des Mühlviertels und des Landes Oberösterreich verbunden ist.
Die geschichtlichen Angaben betreffend Perg und Umgebung wurden bereits sehr umfassend aufgearbeitet und vom Heimatverein Perg im Heimathaus-Stadtmuseum für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. In zahlreichen Publikationen, Festschriften, Zeitungsartikeln wird ebenso auf das dort gesammelte Wissen zurückgegriffen wie in nachstehender Chronologie, die ausgehend von der Urzeit und Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit die wesentlichen Ereignisse aufzählt. Der Chronologie vorangestellt sind Verweise zu einzelnen Teilaspekten, die ausführlicher dargestellt wurden oder für die eigenen Hauptartikel erstellt wurden.
Geschichte Urzeit, Antike miniatur| Illyricum – Die Unteren Donauländer zur Römerzeit: In der linken oberen Ecke sind die Donau (Danuvius), Ennsmündung (Anisus) und Lorch (Lauriacum) in der römischen Provinz Noricum erkennbar In der Ortschaft Weinzierl wurde in den 1990er-Jahren eine eiszeitliche Jägerstation aus der späten Altsteinzeit (vor rund 30.000 Jahren, Aurignacien) festgemacht. Die Anwesenheit von Menschen in der Jungsteinzeit ist durch diverse Funde von Steinbeilen und deren Bruchstücke aus der Zeit zwischen 5000 und 1500 vor Christus in den Ortschaften Auhof, Dörfl, Lanzenberg, Lehenbrunn, Pergkirchen, Tobra und Weinzierl belegt. Bedeutsam ist der Fund von Wohngruben und eines Töpferofens aus der Hallstattzeit (750 bis 450 vor Christus) auf dem Hausberg des Klammbauernhofes in der Ortschaft Auhof. Einige Jahrhunderte später, um 300 vor Christus, machten sich keltische Boier von Norden kommend, hier ansässig. Sie wurden um das Jahr 9 nach Christus durch die germanischen Markomannen aus Böhmen zur Donau gedrängt.Rudolf Zach: Die vor- und frühgeschichtliche Zeit. In: Perg, Stadterhebung 1969. Herausgeber Stadtgemeinde Perg, Linz 1969, S. 65.
Während der Römerzeit (ab etwa 15 vor Christus) lag die Gegend um Perg nördlich der Nordgrenze der Provinz Noricum am Limes des Römischen Reiches, der damals in diesem Bereich von der Donau (Danuvius) gebildet wurde, innerhalb einer 7,5 Kilometer breiten Pufferzone zwischen Römern und Barbaren. Das römische Kleinkastell Adjuvense (Wallsee), die römische Militärlager, zunächst das Legionslager Albing bei St. Pantaleon (175 nach Christus), wenig später (190 nach Christus) Lauriacum (Enns/Lorch) und die Ennsmündung in die Donau (Anisus) lagen in Sichtweite (siehe auch Karte Illyricum – Die Unteren Donauländer zur Römerzeit). Fast wäre das östliche Mühlviertel Ende des 2. Jahrhunderts nach Christus ein Teil des Römischen Reichs geworden. Kaiser Mark Aurel wollte die Grenze durch Errichtung der nördlich der Donau gelegenen Provinz Markomannia sichern. Doch schloss sein Sohn Commodus Frieden mit den Markomannen und verzichtete auf die Gebietserweiterung. Die Römer musste schließlich die Lager und Kastelle im Alpenraum aufgeben.Leopold Josef Mayböck: Ur- und Frühgeschichte. In: Unsere Heimat, der Bezirk Perg. Herausgeber: Verein zur Herausgabe eines Bezirksheimatbuches Perg – Gemeinden des Bezirkes Perg. Linz 1995, S. 29f. Einzige Funde aus der Römerzeit im Gemeindegebiet sind eine Großbronze des Kaisers Commodus (2. Jahrhundert nach Christus, gefunden zwischen Naarn und Perg) und drei Münzen (gefunden 1992 beim Straßenbau in der Ortschaft Pasching). Siedlungsspuren aus dieser Zeit sind auf dem Gebiet der Gemeinde Perg nicht nachweisbar.Rudolf Zach: Die vor- und frühgeschichtliche Zeit. In: Perg, Stadterhebung 1969. Herausgeber Stadtgemeinde Perg, Linz 1969, S. 65.
6. bis. 8. Jahrhundert miniatur|Awarenmark unter Kaiser Karl dem Großen Besiedelung durch Slawen und Baiern Nach der Völkerwanderungszeit lag das Gebiet um Perg im Grenzraum zu den Awaren, die immer wieder Raubzüge Richtung Westen unternahmen. In den Ebenen nördlich der Donau siedelten um das Jahr 600 Baiern aus dem Traungau und etwa 100 Jahre später Slawen. Beide Völker hinterließen Spuren in den Orts- und Hausbezeichnungen. Bis heute verwendete Namen wie Tobra (= Eichenwald), Preschnitzer (breza=Birke), auch Preschmitzer, geben davon Zeugnis für slawische Bezeichnungen, während sogenannte echte -ing-Namen auf einen bairischen Personennamen (z. B. Pasching von Pasko, Karlingberg von Karl) hinweisen. Auch Orts- und Hausnamen, die auf -hofen lauten sind bairischen Ursprungs (z. B. Aisthofen). Funde von Grabbeigaben wie zum Beispiel eine Kreuzfibel aus Bronze oder Broschen mit Heiligendarstellungen aus dem bei Auhof entdeckten Gräberfeld aus dem 7. und 8. Jahrhundert nach Christus belegen den in dieser Zeit dort erfolgten Übergang vom Heidentum zum Christentum. König Karl der Große führte 791 bis 796 Krieg gegen die Awaren und gründete als Bollwerk gegen die Awareneinfälle die erste oder karolingische Ostmark (Awarenmark), die nördlich der Donau bis zur Großen Mühl reichte, während sie nach Osten offen war. Das Land gehörte, soweit es noch nicht besiedelt war, dem späteren Kaiser, der es an Adelige, die ihm treue Dienste geleistet hatten, sowie an Kirchen und Klöster verlieh.Konrad und Florian Eibensteiner: Besiedlung. In: Perg, Oberösterreich, Illustriertes Heimatbuch. Selbstverlag 1933, Linz 1933, S. 27ff.Leopold Josef Mayböck: Ur- und Frühgeschichte. In: Unsere Heimat, der Bezirk Perg. Herausgeber Verein zur Herausgabe eines Bezirksheimatbuches Perg, Gemeinden des Bezirkes Perg. Linz 1995, S. 30. Auf dem Gebiet der Gemeinde Perg sind aus dieser Kolonisationszeit die Errichtung von Herrenhöfen durch den Hochadel in Pergkirchen und Aisthofen zu vermuten, während sich im Umland besser gestellte Vasallen und Freibauern Sitze und Höfe errichteten (beispielsweise Lanzenberg, Hainbuchen, Klambauer, Heindelbauer, Aubauer, Aigner).Leopold Josef Mayböck: Der Raum Perg im ausgehenden Frühmittelalter. In: Heimatbuch der Stadt Perg 2009. Herausgeber Heimatverein Perg und Stadtgemeinde Perg, Linz 2009, S. 48ff.
9. bis 12. Jahrhundert Markgrafen und Schutzvögte, die Herren von Perg und Machland, Pfarrgründung in Pergkirchen links|miniatur|Grabplatte aus der Zeit der Herren von Perg miniatur|Bis 976 gehörte das österreichische Kernland zum Herzogtum Bayern miniatur|Markgrafschaft Ostarrichi ab 976, Nardina miniatur|Wappen der Herren von Perg Am 18. Jänner 853 schenkte Grenzgraf Wilhelm I. (Markgraf der Awarenmark, Marcha orientalis) dem Kloster Sankt Emmeram in Regensburg seine Gebiete zwischen den Flüssen Aist und Naarn. Der Herrensitz in der Ortschaft Aisthofen auf dem Gebiet der Katastralgemeinde Weinzierl war Mittelpunkt und Verwaltungssitz des jahrhundertelang so genannten Regensburger Luß, dem zwischen Aist und Naarn gelegene Teil der Riedmark. Auch der westliche Teil des Perger Gemeindegebietes mit den Ortschaften Perg, Zeitling, Lanzenberg, Weinzierl und Aisthofen gehörte zu diesem Gebiet. Als kirchliches Zentrum diente die karolingische Kirche zum Heiligen Michael im Dorf Naarn. In der Ebene zwischen Perg, Naarn und Mauthausen wurden um 900 die vordringenden Magyaren von Markgraf Liutpold in einer Reiterschlacht besiegt.Leopold Josef Mayböck: Der Raum Perg im ausgehenden Frühmittelalter. In: Heimatbuch der Stadt Perg 2009. Herausgeber Heimatverein Perg und Stadtgemeinde Perg, Linz 2009, S. 52f.
Wenige Jahre später, im Jahr 907, fand Markgraf Luitpold im Kampf gegen die Magyaren bei Pressburg den Tod und die Ungarn rückten bis zum Traunfluss vor. Das Machland und die Riedmark kamen vorübergehend unter die Oberhoheit der Ungarn. Die dort ansässige Bevölkerung zog sich in die zum Teil noch menschenleeren Gebiete des Nordwaldes zurück. Aus dieser Zeit stammen die sogenannten Erdställe, wie zum Beispiel der Erdstall Ratgöbluckn in Perg. Erst der Sieg König Ottos I. auf dem Lechfeld bei Augsburg 955 bannte die ungarische Bedrohung dauerhaft.Leopold Josef Mayböck: Der Raum Perg im ausgehenden Frühmittelalter. In: Heimatbuch der Stadt Perg 2009. Herausgeber Heimatverein Perg und Stadtgemeinde Perg, Linz 2009, S. 53.
Leopold I. wurde in den 960er-Jahren mit der Befriedung der Mark an der Donau betraut und 976 zum Markgrafen ernannt. Die Mark gilt als Kernland Österreichs und reichte vom Erlabach östlich der Enns beiderseits der Donau bis vor den Wienerwald im Osten. Auch Teile der Riedmark, zu der damals auch das Machland gehörte, gehörten dazu. 985 wurde auf einer Synode des Bistums Passau Nardina (Naarn) als Zehentort für das Besiedlungsgebiet zwischen Aist und Naarn festgelegt. Die Markgrafschaft gehörte zum Herzogtum Bayern, das Teil des deutschen Reiches unter König Otto I. und Otto II. war. Es war dies eine Zeit der Gebietszuwächse u. a. auch in der Riedmark, wo sich Kolonisten ansiedelten. 996 ist erstmals beurkundet, dass die Gegend vom Volk Ostarrichi (Österreich) genannt wurde.
Die schriftlich belegbare Geschichte der heutigen Ortschaft und Katastralgemeinde Pergkirchen begann mit dem Auftreten der Herren von Perg und Machland etwa ab 1050. Perg und Pergkirchen verdanken ihren Namen diesem hochfreien und adeligen Geschlecht, das um etwa 1000 aus dem Chiemgau in diese Gegend gezogen war. Ein Ahnherr der Perger mit Vornamen Pero (1030–1060) hatte seine Burg neben der Eigenkirche Perokirchen, die mit dem heutigen Pfarrhof von Pergkirchen ident sein dürfte, errichtet. Seine Erben waren Rudolf und Walchun von Perg. Sie sollen eine Vogtburg Perg oberhalb von Perg errichtet und die Verwaltung ihrer Vogteien von Aisthofen dorthin verlegt haben. Herzog Leopold III., der Heilige, war um 1100 in erster Ehe mit einer Tochter der Herren von Perg verheiratet und gebar diesem zwei Söhne, wobei einer früh starb und der andere, Adalbert, lange Zeit als logischer Nachfolger seines Vaters als Markgraf galt.Leopold Josef Mayböck: Die Zeit der Herren von Perg/Machland, Klam/Velburg, Das hochmittelalterliche Österreich unter den Babenbergern. In: Heimatbuch der Stadt Perg 2009. Linz 2009, S. 56ff.
Am 24. April 1088 weihte Bischof Altmann von Passau die Kirche in Pergkirchen dem Hl. Martin. Der Urkunde sind jene Güter, Wälder und Weingärten zu entnehmen, die Rudolfus de Perge und seine Gattin Gysela sowie zahlreiche ihrer Gefolgsleute an die neue Kirche gaben. Am 25. März 1142 weihte Reginbert von Hagenau, Bischof von Passau, die Kirche zu Pergenkirchen und gestattete, dass alle eigenen Leute des Edlen Adalramus de Perge zwischen Naarnfluss und Tobrabach in dieser die Taufe empfangen und im dortigen Friedhof begraben werden. Dies gilt als Gründungsjahr der Pfarre Pergkirchen. Der letzte Vogt von Perg, Friedrich II., starb am 15. Juli 1191 in Antiochia auf dem 3. Kreuzzug.Rudolf Zach: Die Geschichte der Pfarren Perg und Pergkirchen. In: Perg, Stadterhebung 1969. Herausgeber: Stadtgemeinde Perg, Linz 1969, S. 77.
13. bis 17. Jahrhundert Perg wird Markt und Pfarre, Beginn der Perger Mühlsteinindustrie miniatur|Wappen der Stadt Perg miniatur|Stadtpfarrkirche Perg miniatur|Seifensiederhaus aus 1563 Ende des 12. oder in die erste Hälfte des 13. Jahrhunderts erfolgte die Gründung von Perg, das über einen rechteckigen Hauptplatz als Charakteristikum babenbergischer Markt- und Stadtgründungen verfügt.
Die wahrscheinlich von den Herren von Perg erbaute Burg Mitterberg auf dem Ortsgebiet von Pergkirchen fiel nach deren Aussterben spätestens 1218 an die Babenberger und wurde zur größten Burganlage des Mühlviertels ausgebaut. Sie war nach der Burg Schaunburg (Gemeinde Hartkirchen) die zweitgrößte Burg im Gebiet des heutigen Oberösterreich. Von 1277 bis 1491 war die Burg Mitterberg der Sitz des Landgerichtes Machland. Lehensnehmer waren in dieser Zeit die Kapeller, die Liechtensteiner, die Prager und die Prüschenk.Leopold Josef Mayböck: Die Burgherrschaft Mitterberg. In: Heimatbuch der Stadt Perg 2009. Linz 2009, S. 167ff.