Friedrich Wagner (* 16. November 1943 in Pfaffenhofen, häufig als Fritz Wagner abgekürzt) ist ein deutscher Physiker und emeritierter Hochschullehrer. Sein Spezialgebiet ist die Plasmaphysik. Er war zuletzt ordentlicher Professor an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald sowie Direktor am Max-Planck-Institut für Plasmaphysik.
Werdegang Wagner studierte an der Technischen Universität in München. Seine Promotion schloss er ebenfalls an der TU München im Jahr 1972 ab. Anschließend arbeitete er von 1973 bis 1974 als Post-Doc an der Ohio State University. Während seiner Ausbildung beschäftigte er sich mit Tieftemperaturphysik, wechselte aber unter dem Eindruck der damaligen Energiekrise zur Fusionsforschung in die Plasmaphysik. Im Jahr 1975 begann er seine Tätigkeit für das Max-Planck-Institut für Plasmaphysik. 1988 wurde er zum Wissenschaftlichen Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Direktor am IPP ernannt. Von 1993 bis 2005 war er Mitglied des Direktoriums des IPP und von 1999 bis 2007 Sprecher des Teilinstituts des IPP in Greifswald. Ende 2008 wurde er emeritiert. Seither befasst sich Wagner mit allgemeinen Energiefragen.
Von 1986 bis 1990 leitete Wagner das Tokamakexperiment ASDEX, von 1990 bis 1998 das Stellaratorexperiment Wendelstein 7-AS, von 2003 bis 2005 das Projekt Wendelstein 7-X in Greifswald. 2012–2013 war er „Leading Scientist“ des Research Laboratory „Physics of Advanced Tokamaks“ (RLPAT) an der Polytechnischen Peter-der-Große-Universität Sankt Petersburg.
1988 habilitierte sich Wagner an der Universität Heidelberg und erhielt dort einen Lehrauftrag. Anschließend wurde er zum Honorarprofessor der Technischen Universität München berufen und 1999 zum Ordentlichen Professor an die Universität Greifswald. Von 2010 bis 2025 war er „Visiting Scholar“ an der Kyushu University, Fukuoka, Japan und von 2012 bis 2020 Co-director of the Joint EPS-SIF International School on Energy.
Mitgliedschaften (Auswahl) Wagner war Mitglied des JET Scientific Councils, des Research Council of the National Institute for Fusion Studies, Japan, des NCSX advisory committees, Princeton, des International Advisory Committee of ASIPP, Hefei, China, des Fusion Advisory Board (FAB), des Engineering and Physical Sciences Research Council (EPSRC), UK, sowie Vorsitzender des International Advisory Committee des MAST Tokamak Projekts, UKAEA, Culham (UK) und des External Advisory Board of FISICA-N, Portugal. Von 1996 bis 2004 war Wagner Vorsitzender der Plasma Physics Division der Europäischen Physikalischen Gesellschaft (EPS) Europäischen Physikalischen Gesellschaft, er war Mitglied des Executive Committees der EPS und von 2007 bis 2009 ihr Präsident.
Ehrungen (Auswahl) 1987 wurde Wagner mit dem Preis der Plasma Physics Division der American Physical Society für „Excellency in Plasma Physics“ geehrt. Er ist Fellow of the Institute of Physics, UK, der American Physical Society, der Europäischen Physikalischen Gesellschaft, sowie Auswärtiges Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften. und Ehrenmitglied des Ioffe-Instituts in Sankt Petersburg. 2007 erhielt er den Hannes-Alfvén-Preis der Europäischen Physikalischen Gesellschaft, 2009 die Stern-Gerlach-Medaille für seine Verdienste um die Plasma- und Fusionsforschung, vor allem für die Entdeckung selbstorganisierter Transportbarrieren in Hochtemperaturplasmen, die H-Mode. Sie ist wichtig für den Einschluss von Fusionsplasmen. Die Stern-Gerlach-Medaille ist die höchste Auszeichnung für experimentelle Physik der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.Pressemitteilung der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (20. November 2008) 2009 erhielt Wagner die Ehrendoktorwürde der Belgian Royal-Military Academy und 2013 die der Kyushu University, Japan.
Veröffentlichungen (Auswahl) Auf den Wegen zum Fusionskraftwerk : Organisierter und selbst-organisierter magnetischer Einschluss. In: Physik Journal Bd. 8, 2009, Nr. 8/9, Seite 35–41 (Vortrag zur Verleihung der Stern-Gerlach-Medaille) F. Wagner et al.: A Regime of Improved Confinement and High Beta in Neutral Beam Heated Divertor Discharges of ASDEX. In: Physical Review Letters 49 (1982) 1408. F. Wagner et al.: Evidence for an Edge Thermal Barrier Causing the H-Mode of ASDEX. In: Physical Review Letters 53 (1984) 1453. F. Wagner et al.: Experimental Study of the Principles Governing Tokamak Transport. In: Physical Review Letters 56 (1986) 2187. F. Wagner, U. Stroth: Transport in Toroidal Devices - The Experimentalist's View. In: Plasma Phys. Control. Fusion 35 (1993) 1321. F. Wagner: A Quarter-Century of H-Mode Studies. In: Plasma Phys. Control. Fusion 49 (2007) B1. F. Wagner et al.: W7-AS: One step of the Wendelstein stellarator line. In: Physics of Plasmas 12 (2005) 072509. F. Wagner: Zwischenbilanz der Energiewende. In: Physik Journal, Ausgabe 10 (2019) 43. F. Wagner: Sicher mit Strom versorgt? Analyse der Folgen einer wetterabhängigen Stromversorgung. In: Physik Journal, Heft 11/2025, 28. Weblinks
Publikationen Friedrich Wagner Homepage von Wagner am MPI für Plasmaphysik
Einzelnachweise
Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Physiker (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Greifswald) Kategorie:Hochschullehrer (Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg) Kategorie:Hochschullehrer (Technische Universität München) Kategorie:Wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft Kategorie:Fellow der American Physical Society Kategorie:Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1943 Kategorie:Mann