Die Expedition zur Befreiung Perus (span. Expedición Libertadora del Perú) war ein von 1820 bis 1822 durchgeführtes argentinisch-chilenisches Eroberungsunterfangen, das von der neuen chilenischen Regierung zur Befreiung des Vizekönigreichs Peru von der spanischen Kolonialherrschaft während der südamerikanischen Unabhängigkeitskriege finanziert wurde.Gleich nach der Unabhängigkeit verfiel Argentinien, damals noch Vereinigte Provinzen des Rio de la Plata, in die Anarquie und trotz eines Vertrages zur Teilung der Kriegskosten musste Chile diese alleine tragen. Siehe Robert L. Scheina: Latin America's wars. Brassey's, 2003, ISBN 1-57488-450-6, S. 64: O'Higgins decided that Chile would assume the costs of the expedition. Zu Grenzen und Bevölkerung siehe Bevölkerung der iberischen Kolonien in Südamerika am Ende der Kolonialzeit.

Weitergehendes Ziel war es, die Macht des kolonialen Mutterlandes Spanien im Süden und Westen Südamerikas endgültig zu brechen. Dieser Versuch scheiterte nach anfänglichen Erfolgen, zu denen auch die Eroberung Limas zählte, an der Stärke der spanischen Kolonialtruppen und an internen Streitigkeiten der Verbündeten, die daher rührten, dass José de San Martín seine geschickt erarbeiteten strategischen Vorteile ungenutzt ließ und in Verhandlungen den Spaniern zu weit entgegenkam.

miniatur|300px|Bernardo O’Higgins (li.) umarmt José de San Martín (mi.) nach der Schlacht von Maipú. Die Expedition nach Peru wurde ihr nächstes gemeinsames Unternehmen

Vorgeschichte Durch die umsichtige und durchgreifende Politik des Vizekönigs in Peru José Fernando Abascal y Sousa, Herzog von la Concordia, gab es bis zum Ende seiner Amtszeit 1816 nur wenige separatistische Aufstände. Nachfolger wurde Joaquín de la Pezuela. Dieser hatte zuvor Oberperu, im heutigen Bolivien, erfolgreich gegen eine argentinische Expedition verteidigen können und einen Feldzug in die nordargentinische Provinz Salta geführt.

Die relative Stabilität in Peru nutzte der designierte Vizekönig nun dazu, einen Feldzug zur Rückeroberung Chiles durchzuführen. Aber beide Einfälle in die Republiken Chile und Argentinien konnten 1816 und 1817 von den Patrioten abgewehrt werden. Da den Machthabern in Buenos Aires und Santiago de Chile die von einem spanisch kontrollierten Vizekönigreich Peru ausgehende Gefahr bewusst war, beschlossen beide Regierungen, die Eroberung des Vizekönigreichs Peru erneut zu versuchen.

Dazu griffen die Regierungen auf den bereits Ende 1814 von José de San Martín gefassten Plan einer Landungsoperation an der peruanischen Küste zurück. Gemeinsam mit dem chilenischen Director Supremo Bernardo O’Higgins, mit dem San Martín Chile befreit hatte, erarbeitete er 1818 einen Feldzugsplan, der im Februar 1819 von beiden Regierungen unterzeichnet wurde, aber auf Grund der Anarchie von Argentinien nicht ratifiziert wurde.

Seit Mitte Januar 1819 patrouillierte der englische Kapitän Thomas Alexander Lord Cochrane in der Funktion eines chilenischen Admirals mit einer kleinen chilenischen Flotte entlang der südamerikanischen Westküste, um die Spanier zu bekämpfen und die Befreiung Perus vorzubereiten. In zwei Feindfahrten erfüllte er seine Mission, auch wenn er die von den Chilenen als Hauptziel bezeichnete Einnahme Callaos, des Hafens von Lima, nicht erreichte.

Anlandung in Peru Die Expedition begann am 21. August 1820, als sich 2300 argentinische und 2100 chilenische Soldaten in Valparaíso an der chilenischen Pazifikküste einschifften, dazu deren Artillerie: 31 Kanonen, 2 Haubitzen und 2 Mörser. Es war eine binationale Armee, die schon für die Unabhängigkeit Chiles gekämpft hatte, gegliedert in das „Ejercito de los Andes“ () und eine chilenische Division.

Die Schiffe der Expedition zur Befreiung PerusSiehe , retrieved 20. Mai 2009.Schiffstyp SchiffsnameVerdrängung (Tonnen)Kommandant des SchiffesBewaffnung (Kanonen)Fregatte O’Higgins1.220Tomas Sackville Crosbie50Schiff San Martín1.350Guillermo Wilkinson64Freggate Lautaro850Martín Jorge Guise50Korvette Independencia830Robert Forster28Brigg Galvarino398Juan Tooker Spry18Brigg Araucano270Tomás Carter16Brigg Pueyrredón220Casey16Schoner Moctezuma200Casey8

Die Expeditionsflotte unter Kommando von Lord Cochrane bestand aus 24 Schiffen, von denen sechs Kriegsschiffe waren.ejercito.mil.ar Diese Seite gibt 8 Kriegsschiffe an. Die Stärke der Flotte betrug nach Angaben dieser Seite 1600 Mann. Davon 1100 Chilenen und der Rest Engländer, in der Mehrheit Offiziere Nach Ankunft an der peruanischen Küste ließ San Martín, der den Oberbefehl über die Landstreitkräfte und die gesamte Expedition innehatte, am 8. September drei Bataillone zur Erkundung in der Bucht von Paracas anlanden. Angesichts der numerischen Überlegenheit der Republikaner verteidigten die Spanier den Hafenort Pisco, gut 200 Kilometer südöstlich von Lima, nicht. San Martín, dem der chilenische Kongress strikte Auflagen für seine Expedition erteilt hatte, erließ strenge Verhaltensregeln an seine Truppen für den Umgang mit der peruanischen Bevölkerung. Die Peruaner sollten den Plänen zufolge bei der Befreiung Perus unterstützend mitwirken. Während der nächsten Tage beschränkten sich beide Seiten auf Erkundungen, so dass San Martín seine restlichen Soldaten an Land setzen konnte.

Zwei Tage nach der Landung des Expeditionsheeres erhielt Joaquín de la Pezuela, Vizekönig in Peru, von den Vorgängen Nachricht. Der Vizekönig, der an die Verfassung von Cádiz gebunden war, begann Ende September Verhandlungen mit den Republikanern in Miraflores, einem heutigen Stadtteil Limas. Aufgrund der zu unterschiedlichen Standpunkte wurden die Verhandlungen schon nach wenigen Tagen abgebrochen.

Feldzug ins peruanische Hochland Nach den gescheiterten Verhandlungen schickte San Martín Juan Antonio Álvarez de Arenales mit zwei Bataillonen, einigen Jägern und berittenen Grenadieren sowie zwei Gebirgsgeschützen, insgesamt knapp 1250 Soldaten,ejercito.mil.ar. Die Bataillone Nº 11 de los Andes und das chilenische Bataillon Nº 2. Die Gesamtstärke wird auf dieser Website mit 1240 Mann angegeben am 5. Oktober ins peruanische Hochland. Sein Auftrag war es, die dortigen Kolonialtruppen zu vertreiben, die einheimische Bevölkerung zum Widerstand zu motivieren und diese gegebenenfalls mit Waffen auszurüsten. Sein Weg war halbkreisförmig gewählt, um Lima vom Hochland und den dort stationierten Soldaten des Königs abzuschneiden.

Die etwa 800 Mann starken spanischen Truppen an der Küste zogen sich vor den vorrückenden Republikanern zurück. Dennoch konnte die Vorhut die Spanier am 15. Oktober bei Nazca stellen und sie in die Flucht schlagen. Bereits am folgenden Tag gelang es den Patrioten, den Tross einzuholen und die mitgeführte Ausrüstung der Spanier zu erbeuten.

Über Ica bewegte sich das Befreiungsheer schnell nach Huamanga (heute Ayacucho). Auf dem Weg war wieder eine Vorhut in einem Gefecht einige Dutzend Kilometer südlich der Stadt erfolgreich, was den Auszug der Offiziellen zur Folge hatte. Am 29. zogen die Chilenen und Argentinier in der Stadt ein, die auf Drängen von Álvarez de Arenales am 8. November ihre Unabhängigkeit erklärte. Er bewaffnete überall entlang seines Weges Freiwillige, die später montoneros (etwa Plänkler) genannt wurden, zum Guerillakrieg, da die Spanier nicht untätig bleiben würden.

Der Vizekönig beauftragte dem mit Pablo Morillo 1815 gekommenen Mariano Ricafort Palacín y Abarca, der sich in Arequipa aufhielt, mit einem Gegenfeldzug, der die befreiten Gebiete zurück unter spanische Kontrolle bringen sollte. Dazu verfügte Ricafort über eine den Republikanern ebenbürtige Truppe. Während Álvarez de Arenales nach Norden abbog und dem Tal des Río Mantaro folgte, wobei er die Soldaten des Gouverneurs von Huancavelica, den de la Pezuela beauftragt hatte, geschickt umging. Während dieser sich nach Norden zurückzog, rückten die Separatisten weiter vor und besetzten am 20. November Jauja, und eine Vorhut besiegte am 23. bei Tarma die Spanier endgültig. In den folgenden Tagen erklärten einige der befreiten Orte ihre Unabhängigkeit, aber am 29. war Ricafort in Huamanga, wo er die peruanischen Patrioten besiegte und anschließend blutig Strafgericht hielt. Die montoneros im Umland besiegte er am 2. Dezember und ließ diesmal sogar den Ort, der am heftigsten Widerstand geleistet hatte, exemplarisch niederbrennen.

Álvarez de Arenales war inzwischen weiter nach Norden marschiert, um dem dritten Hindernis des Vizekönigs zu begegnen. In Cerro de Pasco, auf über 4300 Metern, schlug er eine numerisch leicht überlegene spanische Truppe am 6. Dezember und hielt damit seinen Auftrag für erledigt, da er ungeschlagen einen Feldzug durchs Hochland geführt und die Orte entlang seines Weges befreit und zum Widerstand angestachelt hatte. Auch wenn San Martín selbst zu spät den Befehl zur Umkehr gab, angesichts der Erfolge von Ricafort, hätte Álvarez de Arenales umkehren müssen, um sich dem Spanier zu stellen, da dieser große Teile seines Erfolges zunichtemachte.

San Martíns Landung an der Nordküste San Martín hatte inzwischen die Südküste mit dem Heer verlassen und war planmäßig knapp hundert Kilometer nördlich von Lima angelandet, nachdem Lord Cochrane die beste der spanischen Fregatten in einem nächtlichen Handstreich im Hafen von Callao gekapert hatte und einzelne kleinere Landungen im November an der Nordküste erfolgreich verlaufen waren. San Martín hatte am 19. November sein Hauptquartier etwas abseits der Küste aufgeschlagen und erwartete hier Álvarez de Arenales.

Inzwischen hatten es Abgesandte von San Martín verstanden, das beste spanische Bataillon, Numancia, das aus Venezolanern und Kolumbianern bestand, zum Überlaufen zu überreden, da Simón Bolívar Neu-Granada befreit hatte und Venezuela dicht davor war, ebenfalls unabhängig zu werden. Angesichts dieser Erfolge für San Martín und der Tatsache, dass die Ecuadorianer von Guayaquil aus ebenfalls den Krieg gegen die Spanier begonnen hatten (vgl. die Schlacht am Pichincha), begann der Norden im Dezember mit lokalen Aufständen, die Anfang 1821 dazu führten, dass der Norden Perus weitgehend unter der Kontrolle der Republikaner stand. Zwei Feldzüge der Königstreuen von Ecuador im Amazonastiefland und am Ostabhang der Anden konnten abgewehrt werden. Im Süden jedoch saßen die Spanier immer noch fest im Sattel, und im zentralen Hochland wütete Ricafort unter montoneros und Zivilisten, um die koloniale Ordnung wiederherzustellen. Er eroberte das Mantarotal zwischen Huancayo, wo er später sein Hauptquartier aufschlug, und eroberte Tama zurück. Wegen des anhaltenden Widerstands der patriotischen Guerilla im Hochland, der ihn im Februar nach Süden auf Huancavelica zu trieb, erhielt Ricafort Ende März aus Lima Unterstützung. Jerónimo Valdés kam mit zweitausend Soldaten, schlug die montoneros zwar in offenen Feldschlachten, musste aber Verluste bei Hinterhalten hinnehmen und vereinigte Anfang April seine Truppen mit denen Ricaforts. Gemeinsam erreichten sie die Sicherung des zentralen Hochlands für die spanische Krone.

Machtwechsel bei den Spaniern und Verhandlungen San Martín war Anfang Januar 1821 einige Kilometer nach Süden marschiert, aber die Spanier in Lima schickten ihm ein Heer unter José de Canterac entgegen, vor dem er sich etwas zurückzog, um in eine bessere Verteidigungsposition zu gelangen. Daraufhin setzten auch die Spanier ihren Marsch aus. So konnten sie sich unbehelligt von San Martín, aber nicht von den montoneros, mit sich selbst beschäftigen: Die Offiziere de la Pezuelas, allem voran José de la Serna, Valdés und Canterac konspirierten am 21. gegen den Vizekönig in Aznapuquio, etwa 20 Kilometer nördlich des Zentrums von Lima, mit einer Anklageschrift, die ihm Versagen im Bezug auf die Expedition San Martíns und mangelnde Königstreue vorwarf. De la Serna trat dabei nicht offen auf, sondern überzeugte mit dieser Anklageschrift de la Pezuela, zurückzutreten. Daraufhin wurde Serna, von Ferdinand VII. in Spanien bestätigt, Pezuelas Nachfolger als Vizekönig.