mini|250px|Oskar II. auf einem Gemälde von Oscar Björck. Auf dem Porträt trägt er die Erikskrone in der Gestalt wie sie zwischen 1818 und 1909 existierte. Er trägt auch mit Brillanten verzierte Orden, die im Prinzip nicht zu den Reichsregalien gehören, aber dennoch in der Schatzkammer des Stockholmer Schlosses verwahrt werden.

Schwedens Reichsregalien sind die Regalien des Königreich Schweden, die bei Krönungen und feierlichen Zeremonien als äußere Zeichen der Königswürde in Schweden benutzt wurden.När Var Hur 1953, S. 152. Seit dem Regierungsantritt von Gustav V. 1905 werden diese Objekte nicht mehr für die Krönung verwendet, da er und seine Nachfolger darauf verzichteten. auf der Website des schwedischen Königshauses Die Regalien sind seit 1970 in der Schatzkammer des Stockholmer Schlosses ausgestellt (genaueres dazu im Abschnitt Aufbewahrung und Pflege der Regalien).

Historische Hintergründe

Im Prinzip haben Herrscher in allen Zeiten äußere Zeichen ihrer Würde getragen. Die Nutzung von Prachtstücken hatte ihren Ursprung unter anderem im Orient, wo die persischen Herrscher eine Tiara trugen. Ähnliche Symbole wurden auch von den ägyptischen Pharaonen (helmartige Pschent), den römischen Kaisern (Lorbeerkranz) und den Päpsten (Tiara) benutzt. Diese Symbole entwickelten sich mit der Zeit zu einer Reihe spezieller Attribute, wobei jedes für sich einen bestimmten Bereich der herrschaftlichen Aufgaben bezeichnete. Die gesamte Einheit der Herrschaftszeichen erhielt die Bezeichnung Regalien. Als Beispiel kann hier der Reichsapfel genannt werden, der seinen Ursprung in den Globen der römischen Kaiser hatte, die damit ihre angestrebte Weltherrschaft verdeutlichten.När Var Hur 1953, Stockholm 1952, S. 154. Anfänglich waren goldene Kränze, die als Kronen bezeichnet wurden, Eigentum des Herrschers, doch im Laufe der Jahre bildete sich in vielen Ländern die Meinung heraus, dass die Regalien die Größe des Staates darstellten und damit Staatseigentum sind. Die Könige übernahmen so die Rolle des Verwalters und Trägers der Symbole.

Krönungen in Schweden

Im Mittelalter erfolgten die Krönungen schwedischer Staatsoberhäupter in unterschiedlichen Kathedralen und Kirchen Schwedens. Die Übergabe der Reichsinsignien wurde im Prinzip seit der Krönung Erik XIV. nach der gleichen Zeremonie durchgeführt. Nach dem Mittelalter ließen sich die schwedischen Könige und Königinnen überwiegend im Dom zu Uppsala krönen, mit Ausnahme von Christina, die in der Nikolaikirche von Stockholm gekrönt wurde. Von der Thronbesteigung Friedrichs I. bis zur Krönung von Oskar II. erfolgten die Zeremonien durchgehend in der Stockholmer Nikolaikirche, nur unterbrochen durch Gustav IV. Adolfs Krönung, die in Norrköping stattfand. Da Oskar II. der letzte schwedische König war, der sich krönen ließ, war seine Krönung am 12. Mai 1873 das letzte derartige Ritual in Schweden.

Weiter neuzeitliche Nutzung der Regalien Solange die Verfassung von 1809 in Kraft war, also bis zum 1. Januar 1975, wurden die Regalien bei der jährlichen feierlichen Eröffnung des Schwedischen Reichstages benutzt. Nach 1907, also mit Gustavs V. Regierungsantritt, trug der König die Regalien nicht mehr am Körper. Die Krone und das Zepter lagen auf kunstvoll gestickten Kissen auf einem kleinen Tisch neben dem Thron, wo sie über den Zeitraum des Reichstages von Kammerherren bewacht wurden. Oskar II. Mantel aus Hermelinpelz lag feierlich drapiert auf dem Thron und der davor befindlichen Treppe.När Var Hur 1953, S. 157. Inwieweit der Mantel als Reichsregalie zu bezeichnen ist, ist eine Definitionsfrage, zumindest ist er neben den anderen Objekten in der Schatzkammer zu sehen.

Die Kissen wurden anfänglich für den Reichsapfel und später auch für das Zepter benutzt. Diese trug der König auf seinem Gang zum Thron, bevor er sie aus der Hand legte, um seine Rede vorzutragen. Oskar II. trug wie vorgegeben Krone, Zepter und Mantel bei den Eröffnungen der Reichstage. Kurz vor den Eröffnungen der Reichstage im Januar wurden die Regalien von einem Zeremonienmeister des Hofes und einem Kammerherr aus der Reichsbank bzw. später der Schatzkammer des Schlosses geholt und nach Abschluss des Rituals zurückgebracht.

Die Regalien wurden auch bei anderen schwedischen Zeremonien benutzt, wie z. B. bei königlichen Hochzeiten und Taufen. Auch nach dem Außerkrafttreten der Verfassung von 1809 waren sie präsent. Ein Beispiel ist die königliche Hochzeit von 1976, wo die Königs- und die Königinnenkrone zu beiden Seiten des Altars postiert waren. Genau so wurde bei den letzten königlichen Taufen verfahren.

Übersicht zu Schwedens Reichsregalien

Die eigentlichen Reichsregalien bestehen in traditioneller Rangordnung aus Krone, Zepter, Apfel, Schwert und Schlüssel. Diese Rangordnung der wichtigsten Insignien wurde 1617 bei der Krönung Gustav II. Adolf festgelegt. Im Einzelnen entspricht dies folgenden Objekten, die in der Schatzkammer ausgestellt sind:

die Krone von Erik XIV. das Zepter von Erik XIV. der Reichsapfel von Erik XIV. Gustav Wasas Reichsschwert der Reichsschlüssel von Erik XIV.

Die Krone wurde erst mit Erik XIV. zur wichtigsten Regalie, oder zum vornehmsten Kronjuwel, davor hatte das Schwert diesen Platz. Als Gustav Wasa 1560 im Dom zu Uppsala begraben wurde (in einem Chor im östlichen Teil des Doms, direkt östlich des Hochaltars) erhielt Erik das Schwert überreicht, womit formal die Königsmacht wechselte. Die feierliche Krönung erfolgte ein Jahr später mit den neuen Insignien, die in teilweise geänderter Form bis heute bestehen. Der Schlüssel war kein Bestandteil von Königsinsignien in anderen Ländern, sondern wurde erstmals bei Erik XIV. Krönung eingeführt.

Andere hoheitliche rituelle Gegenstände

Zu gewissen Zeiten wurden andere Objekte zu den Reichsregalien gezählt. Diese waren das Salbungshorn mit dem heiligen Öl, das bei Krönungen zur Salbung des Königs verwendet wurde (als Anlehnung an König David, der laut Bibel zum König gesalbt wurde), der Mantel, der Ring (entsprechend dem päpstlichen Fischerring), die Ordenskette (als Zeichen des königlichen Ritterordens) und der Siegelstempel als Original für Abschläge des Reichssiegels (bezeichnet als secretet oder riksens stora klämma).När Var Hur 1953, S. 152 und S. 156. Das Reichsbanner wird in den vorhandenen Quellen nicht als Reichsregalie bezeichnet, war aber genau wie die traditionellen Regalien ein wichtiges äußeres Zeichen der Würde des Königs und des Reiches.

Zeremonielle Bedeutung der Regalien

Mit Ausnahme des Schlüssels sind alle Regalien alte königliche Würdezeichen und Sinnbilder der weltlichen Macht. Ihre unterschiedliche zeremonielle Funktion geht aus den Beschreibungen von Krönungsfeierlichkeiten zu verschiedenen Zeiten hervor. Laut der Schilderung von Erik XIV. Krönung bedeutete die Krone königliche Ehre und Würde (Konungzlich ähra och würdighez), das Zepter Rechtschaffenheit und der Apfel ein christliches Königreich (Christeligit Konungarijke). Mit dem Schwert sollte der König die Guten beschützen und die Bösen bekämpfen.

Bei der Zeremonie zu Karl IX. Krönung wurde die Symbolik der weiteren Objekte wie folgt beschrieben:

Mit dem Schlüssel schließt er die Pforten des Reiches für alle Ketzer, Feinde sowie Ungläubige und öffnet sie für die Armen und Notleidenden. Der Ring bedeutet eine Freundschaftsverbindung gleich einer Verlobung zwischen König und Volk. Die Ordenskette kennzeichnete den König als den Höchsten einer Gemeinschaft. Der Siegelstempel verdeutlichte die Gesetzmäßigkeit des königlichen Werkes.

Die einzelnen Reichsregalien und Kronjuwelen

Die Nummern in den einzelnen Abschnitten beziehen sich auf ein Verzeichnis der Schatzkammerverwaltung.Skattkammaren: Rikets regalier och dyrbarheter, 1987.

Kronen Erik XIV. Krone (Schatzkammer Nr. 1) mini|Die Erikskrone in ihrer Gestalt vor 1970. Die Diamanten an den oberen Spitzen waren nach ihrer erstmaligen Anbringung 1818 zeitweilig durch die ursprünglichen Perlen ersetzt, um den Originalzustand der Krone zu zeigen. Die Krone ist auf diesem Bild gefüttert mit einer goldbestickten und mit Perlen besetzten Haube von 1778. Anstelle dieser Haube erhielt die Krone 1970 eine Fütterung aus rotem Samt, die besser der ursprünglichen Haube entspricht.

Die so genannte Erikskrone ist die Krone, die von den schwedischen Monarchen als Königskrone benutzt wurde. Sie wurde bei feierlichen Ereignissen wie Krönungen, königlichen Taufen und Hochzeiten eingesetzt. Laut einer Quittung von 1561 wurde sie vom flämischen Goldschmied Cornelis ver Weiden in Stockholm geschaffen, der auch für die Gestaltung des Reichsapfels verantwortlich ist.Angaben laut Skattkammaren: Rikets regalier och dyrbarheter, 1987. Angaben zu beispielsweise Hersteller und Herstellungsjahr finden sich auch in Slott och herresäten i Sverige. De kungliga slotten I. 1971, S. 98–101 und S. 102–103 und in När Var Hur 1953, Stockholm 1952, S. 152–153.

Die Krone besteht aus einem Reif, über dem acht blattartige Verzierungen angebracht sind. Von den vier Hauptblättern laufen zwei Bänder kreuzförmig über den Kopf, wo sie im Scheitelpunkt von einem Kreuzglobus überragt werden. Die ursprüngliche Krone war mit Monogrammen von Erik XIV. versehen. Nachdem Johann III. seinen älteren Bruder 1568 als König absetzen konnte, ließ er die Monogramme mit acht Kartuschen verdecken, in denen jeweils zwei Perlen übereinander angebracht waren.När Var Hur 1953, S. 153.

Karl XIV. Johann ließ vor seiner Krönung 1818 einige entscheidende Veränderungen vornehmen. So wurde der ursprüngliche Kreuzglobus aus Gold durch einen Globus aus blauer, mit Sternen verzierter, Emaille ersetzt. Den Globus schmückten Bänder aus Brillanten und auch das große Kreuz darüber war mit eindrucksvollen Brillanten versehen (vgl. Foto rechts). Weiterhin wurden die acht Perlenkartuschen mit Diamantrosetten ersetzt und die Blätter über diese gesetzt, so dass die Smaragde und Rubine direkt unter den kleinen Spitzen zwischen den Blättern positioniert waren (vgl. Gemälde am Beginn des Artikels). Die Originalkrone hatte große Perlen an den oberen Spitzen der Blätter, die ebenso 1818 durch Brillanten ersetzt wurden.

1909 wurden die Diamantrosetten wieder entfernt und die ursprünglichen Perlenkartuschen zurückgesetzt. Für die Ausstellung in der Schatzkammer ist eine Kartusche herausgenommen und neben die Krone gelegt, um das darunter befindliche Monogramm von Erik XIV. zu zeigen. Des Weiteren wurde vor Eröffnung der permanenten Ausstellung 1970 der blaue Kreuzglobus abgenommen und der ursprüngliche wieder aufgesetzt. Auch Ersterer liegt nun neben der Krone.

Die Krone hat ein Gewicht von 1.715 gWert aus När Var Hur 1953, Bild II zwischen S. 152 und 153. und in ihrer größten Form 1818 war sie 23,7 cm hoch. Es wird vermutet, dass Teile der Krone wie Edelsteine und Gold schon vorher bei anderen Schmuckstücken Verwendung fanden.

Maria-Eleonora-Krone (Schatzkammer Nr. 2)

Die Krone wurde 1620 in Stockholm vom deutschen Goldschmied Ruprecht MillerAngaben aus Skattkammaren: Rikets regalier och dyrbarheter 1987. Angaben über Hersteller und Herstellungsjahr finden sich auch in Slott och herresäten i Sverige. De kungliga slotten I 1971, S. 98–101 und s. 102–103, sowie in När Var Hur 1953, S. 154. für die Hochzeit von König Gustav II. Adolf mit Maria Eleonora von Brandenburg gefertigt. Von den Ausstattungsstücken der Hochzeit von Gunilla Bielke mit Johann III. am 21. Februar 1585 existieren nur noch Gunillas Zepter und Reichsapfel (siehe weiter unten). Die genannten Stücke waren 1620 noch im Besitz von Christine von Holstein-Gottorp, der Witwe von Karl IX. und Mutter von Gustav II. Adolf. Christine besaß auch eine eigene Königinnenkrone, die später zur Kronprinzenkrone wurde. Gunillas Krone war schon 1592 im Zusammenhang mit Johann III. Tod als „zerschlagen“ verzeichnet, sie hatte also die letzten fünf Jahre keine eigene Krone mehr.