Franz Bruno Vondenhoff (* 16. Mai 1902 in Köln; † 7. Juli 1982 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Dirigent, Intendant, Musikwissenschaftler und Hochschullehrer. Er war Generalmusikdirektor an den Theatern in Halle (Saale) (1935–1937), Freiburg im Breisgau (1938–1944) und Frankfurt am Main (1945–1952). Nach dem Zweiten Weltkrieg machte sich Vondenhoff um den organisatorischen Wiederaufbau der Oper Frankfurt verdient. Überdies baute er die Opernschule an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Frankfurt am Main auf. Früh in seiner Dirigentenkarriere setzte er sich für Neue Musik ein (Alban Berg, Paul Hindemith u. a.). Gemeinsam mit seiner Frau Eleonore Vondenhoff forschte er in seinen späten Jahren intensiv zu Gustav Mahler. Außerdem trat er als Übersetzer und Moderator in Erscheinung.
Leben Musikstudium in Köln Bruno Vondenhoff wurde 1902 als Sohn des RestaurateursStandesamt Danzig I (Heiratsregister 450/1927). Joseph Vondenhoff (geb. 1867) und dessen Frau Katharina, geborene Urban (geb. 1873), in Köln am Rhein geboren.Erich H. Müller (Hrsg.): Deutsches Musiker-Lexikon. W. Limpert-Verlag, Dresden 1929. Ebenda besuchte er das Kreuzgassengymnasium.
Nach dem Abitur studierte er von 1919 bis 1922 Musikwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität zu Köln und für zwei SemesterAmtliches Personal-Verzeichnis der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn und der Landwirtschaftl. Hochschule Bonn-Poppelsdorf für das Sommer-Halbjahr 1920. Carl Georgi, Bonn 1920, S. 139; Amtliches Personal-Verzeichnis der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn und der Landwirtschaftl. Hochschule Bonn-Poppelsdorf für das Winter-Halbjahr 1920/21. Carl Georgi, Bonn 1920, S. 130. an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Zusätzlich nahm er 1920 ein Musikstudium am Conservatorium der Musik in Coeln auf, wo Peter Dahms in Klavier, August von Othegraven und Franz Bölsche in Theorie sowie Hermann Abendroth in Dirigieren zu seinen Lehrern gehörten. Weiteren Einfluss übte auf ihn der Opernkapellmeister und spätere Generalmusikdirektor Otto Klemperer aus.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 7f.
Dirigierverpflichtungen Nach seinem Musikstudium 1922 trat er seine erste Stelle als Kapellmeister am Landestheater Coburg in Bayern an; eine begonnene Dissertation über die Klaviersonaten des italienischen Komponisten Muzio Clementi beendete er nicht. Nach einer Saison wechselte er in gleicher Position an das Städtische Lortzing-Theater in Münster in Westfalen.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 15.
1925 ging er als Erster Kapellmeister an das Stadttheater Danzig.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 26. Hier stand er „eher für traditionelle Stoffe und handwerklich gute Inszenierungen. Er setzte hauptsächlich auf Zugpferde, die beim Publikum uneingeschränkt ankamen, und hatte teilweise auch durchaus Erfolg damit“, wie Stephan Wolting ausführte.Stephan Wolting: Bretter, die Kulturkulissen markierten. Das Danziger Theater am Kohlenmarkt, die Zoppoter Waldoper und andere Theaterinstitutionen im Danziger Kulturkosmos zur Zeit der Freien Stadt und in den Jahren des Zweiten Weltkriegs (= Acta Universitatis Wratislaviensis. No. 2518). Wydawn. Uniwersytetu Wrocławskiego, Wrocław 2003, ISBN 83-229-2377-5, S. 246. Erfolg hatte Vondenhoff vor allem mit Verdis „Aida“.Stephan Wolting: Bretter, die Kulturkulissen markierten. Das Danziger Theater am Kohlenmarkt, die Zoppoter Waldoper und andere Theaterinstitutionen im Danziger Kulturkosmos zur Zeit der Freien Stadt und in den Jahren des Zweiten Weltkriegs (= Acta Universitatis Wratislaviensis. No. 2518). Wydawn. Uniwersytetu Wrocławskiego, Wrocław 2003, ISBN 83-229-2377-5, S. 247. Dennoch blieb er im Schatten von Cornelius Kun, der immer noch allseits geschätzt war.Stephan Wolting: Bretter, die Kulturkulissen markierten. Das Danziger Theater am Kohlenmarkt, die Zoppoter Waldoper und andere Theaterinstitutionen im Danziger Kulturkosmos zur Zeit der Freien Stadt und in den Jahren des Zweiten Weltkriegs (= Acta Universitatis Wratislaviensis. No. 2518). Wydawn. Uniwersytetu Wrocławskiego, Wrocław 2003, ISBN 83-229-2377-5, S. 248.
Im Jahr 1928 wurde er Erster Kapellmeister bzw. 1929 musikalischer Oberleiter am Reußischen Theater in Gera.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 39. Ebendort setzte er sich für zeitgenössische Musik ein. So verantwortete er hier die Uraufführungen von Rudolf Wagner-Régenys „Moschopulos“ (1928), „Der nackte König“ (1928) und „Esau und Jacob“ (1930), von Tibor Harsányis „Häusliches Glück“ (1930) und von Eugene Zádors „x-mal Rembrandt“ (1930). Erstaufführungen von Werken Béla Bartóks, Paul Hindemiths, Darius Milhauds und anderen standen in Gera ebenso auf dem Programm.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 70f. Hervorzuheben ist vor allem die mitteldeutsche Erstaufführung von Alban Bergs „Wozzeck“.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 45ff. Beide Musiker pflegten eine freundschaftliche Beziehung.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 430.
Mit seinem Wechsel nach Königsberg i. Pr. wurde er ab 1931 in der Nachfolge von Werner Ladwig Operndirektor. Außerdem übernahm er von Hermann Scherchen die städtischen Sinfoniekonzerte, wurde Dirigent beim Ostmarken Rundfunk und Leiter des Konzertchors Musikalische Akademie. Gleichzeitig leitete er ab 1932 eine Dirigentenklasse am dortigen Konservatorium.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 53. 1932 brachte er die Bearbeitung von Johann Friedrich Reichardts „Claudine von Villa Bella“ durch Joseph Müller-Blattau zur Uraufführung.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 457. Auch in Königsberg gab es zahlreiche Erstaufführungen von Komponisten wie Alban Berg, Paul Hindemith, Arthur Honegger, Darius Milhaud, Dmitri Schostakowitsch, Igor Strawinsky und Rudolf Wagner-Régeny. Des Weiteren wurde die Oper „Die Bürgschaft“ von Kurt Weill einstudiert.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 459. Einen durch die Nationalsozialisten geforderten Abbruch lehnte er ab;Fred K. Prieberg: Handbuch Deutsche Musiker 1933–1945. 2. Ed., Kopf, Kiel 2009, ISBN 978-3-00-037705-1, S. 7931. das Stück wurde verboten.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 70f. Wegen seines Einsatzes für die als jüdisch-entartet diffamierte Musik und damit verbundener „politischer Unzuverlässigkeit“ wurde er im März 1933 kurzzeitig zwangsbeurlaubt.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 71f. Noch im Frühjahr verließ er Königsberg in Preußen Richtung Köln.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 73.
Generalmusikdirektor Halle (Saale) mini|Ehemalige Wohnung der Familie Vondenhoff in Halle/Saale (2016) Nach erfolglosen Anläufen u. a. beim Landestheater Oldenburg wurde er im Juni 1933 musikalischer Oberleiter am Stadttheater in Halle (Saale) und Dirigent der Sinfoniekonzerte des Städtischen Orchesters.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 75f. Hier bezog er in der Altstadt eine Jugendstilwohnung des Pianohändlers Balthasar Döll (Große Ulrichstraße 33/34: 2. Stock mit Blick auf die Kleine Ullrichstraße).Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 95. 1935 wurde er zum Generalmusikdirektor ernannt.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 82f. Als Gastdirigenten holte er u. a. den Komponisten Hans Pfitzner nach Halle. Weiterhin trat er in freundschaftlichen Kontakt mit Werner Egk.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 84f. Unter Vondenhoffs Konzertdirigaten waren in jener Zeit auch zwei Uraufführungen: Hans Kleemanns „Die vier Temperamente“ und Heinz Schuberts „Die Seele“. Die ursprünglich geplante Uraufführung der Oper „Der Günstling“ von Rudolf Wagner-Régeny konnte nicht realisiert werden.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 85ff. Eva Zander (2005) kommentierte, dass „Uraufführungen von Rang [...] praktisch nur an die namhaftesten und bestausgestatteten Institute unter prominenter, wohl auch politisch einwandfreier Leitung, allen voran Berlin, Dresden und München“ vergeben wurden.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 91. Darüber hinaus wirkte Vondenhoff mit Händels „Otto und Theophano“ an den Händel-Festspielen mit.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 92f. 1935Peter Muck: Einhundert Jahre Berliner Philharmonisches Orchester. Band 3: Die Mitglieder des Orchesters, die Programme, die Konzertreisen, Erst- und Uraufführungen. Schneider, Tutzing 1982, ISBN 3-7952-0341-4, S. 267. war er Gastdirigent beim Beethoven-Zyklus des Berliner Philharmonischen Orchesters. Zwei Jahre nach der Ernennung zum Generalmusikdirektor wurde er wegen seiner Ehe mit einer „Halbjüdin“ entlassen; sein Abschiedskonzert gab er im April 1937.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 106. In der Öffentlichkeit breitete sich nun ein „Mantel des Schweigens“ über seine Person aus.Eva Zander: Im Rhythmus der verwirrten Welt. Der Dirigent Bruno Vondenhoff. Mainz 2005, S. 106.
Freiburg im Breisgau mini|Zerstörte Arbeitsstätte, Stadttheater von Freiburg im Breisgau (1944–1948)