rechts|mini|200px|Neuere technische Entwicklungen erlaubten die Herausbildung des gotischen Baustils Die Renaissance des 12. Jahrhunderts war ein Zeitabschnitt des Hochmittelalters, der von großen Veränderungen sozialer, politischer und wirtschaftlicher Art geprägt war. Damit einher ging eine in Philosophie und Wissenschaften verwurzelte intellektuelle Wiederbelebung Europas. Diese Veränderungen ebneten den Weg für die eigentliche Renaissance, die im Laufe des 14. Jahrhunderts in Italien ihren Anfang nahm.
Begriffsgeschichte mini|Charles Homer Haskins, Pionier der Forschung zur hochmittelalterlichen „Renaissance“
Der Mediävist Charles Homer Haskins war der erste Historiker, der ausführlich über eine „Renaissance“ schrieb, die um 1070 begonnen und das Hochmittelalter eingeläutet habe. 1927 schrieb er:Charles Homer Haskins: The Renaissance of the Twelfth Century. Cambridge: Harvard University Press, 1927, p. viii.
Die Renaissance des 12. Jahrhunderts Wirtschaft miniatur|Über das Fondaco dei Tedeschi (Haus der Deutschen) war die Wirtschaftsmacht Venedig mit dem Norden verbunden In Nordeuropa entwickelte sich ab dem 12. Jahrhundert nach der Gründung Lübecks der Städtebund der Düdeschen Hanse. Viele Städte innerhalb des Heiligen Römischen Reiches wie Hamburg, Stettin, Bremen und Rostock, aber auch außerhalb, wie Wisby (Gotland) und Reval (Estland) wurden zu Hansestädten. Gleichzeitig begannen die Deutschen mit der Ostsiedlung, aus der später Preußen und Schlesien entstanden.
In Südeuropa waren die italienischen Seerepubliken Venedig, Genua und Pisa die herausragenden Handelsmächte, aber z. B. auch Marseille (Provence) oder Barcelona (Fürstentum Katalonien) profitierten vom Levantehandel.
Die Verbreitung des Bankwesens ist hauptsächlich mit der Geldwirtschaft der „Lombarden“ verbunden. Bedeutende Waren- und Finanzmärkte waren die Messen in der Champagne und die Städte in Flandern. Besonders Brügge wurde zum „Stapel der Christenheit“.Handwörterbuch der Wirtschaftswissenschaft. Band 9, 1977, S. 71
Wissenschaft
rechts|mini|Mittelalterliche Universitäten
Die philosophischen und wissenschaftliche Lehren des Frühmittelalters basierten im Wesentlichen auf einigen wenigen Exemplaren altgriechischer Texte nebst Kommentaren, die nach dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches in Westeuropa erhalten geblieben waren. Europa hatte weitgehend die Verbindung zum Wissen der Antike verloren. Dies änderte sich während der Renaissance des 12. Jahrhunderts. Der zunehmende Kontakt mit der islamischen Welt in Andalusien und Sizilien sowie durch Kreuzzüge und Reconquista einerseits, mit Byzanz andererseits, gab den Europäern auch Zugang zu den Werken griechischer und arabischer Philosophen und Wissenschaftler wie Aristoteles, Euklid, Ptolemäus, Plotin, Avicenna und anderen. Die Entstehung von Universitäten förderte die Übersetzung und Verbreitung dieser Texte.
rechts|mini|150px|Mittelalterliche Forscher versuchten geometrische und harmonische Prinzipien zu erkennen, nach denen Gott das Universum erschuf.Der Zirkel in diesem Manuskript aus dem 13. Jahrhundert ist ein Symbol für den göttlichen Schöpfungsakt. Vgl. Thomas Woods: How the Catholic Church Built Western Civilization. Regnery, Washington 2005, ISBN 0-89526-038-7, S. 75–76.
Gegen Anfang des 13. Jahrhunderts lagen recht genaue lateinische Übersetzungen der wichtigsten Werke fast aller bedeutenden Autoren der Antike vor. Dadurch kam ein verlässlicher Austausch wissenschaftlicher Ideen zustande, der sowohl von Universitäten als auch Klöstern geleistet wurde. Zu diesem Zeitpunkt erweiterten Scholastiker wie Robert Grosseteste, Roger Bacon, Albertus Magnus und Duns Scotus die naturwissenschaftlichen Erkenntnisse dieser Texte. Grossetestes Einsatz der Mathematik als Weg zum Verstehen der Natur kann bereits als ein Vorläufer wissenschaftlicher Methodik angesehen werden.
Literatur Haskins, Charles Homer. The Renaissance of the Twelfth Century. Cambridge: Harvard University Press, 1927.
Weblinks Fidora, A./Niederberger, A.: Der Streit um die Renaissance des 12. Jahrhunderts
Einzelnachweise
Kategorie:Renaissance Kategorie:Kultur (Mittelalter) Kategorie:Kultur (12. Jahrhundert)