mini|Waldschäden – die Ursachen sind vielfältig Waldschäden ist eine Bezeichnung für die Schädigung und Gefährdung von Baumbeständen durch Veränderungen der Standortbedingungen oder Schadensereignisse, welche die Widerstandskraft und Anpassungsfähigkeit der Bäume überfordern. Sie fördern die Anfälligkeit von Krankheiten und können zum Absterben der Bäume bis hin zur großflächigen Entwaldung führen.
Diese überwiegend im Ökosystem Wald ablaufenden Vorgänge werden aus ökonomischer Sicht als Schäden bezeichnet, wenn sie den Holzertrag schmälern, die Bewirtschaftung des Waldes, die Funktionen des Waldes oder andere, vornehmlich anthropozentrische Bewertungen wie Landschaftsbild und Naturästhetik beeinträchtigen. Als letzte Folge von Waldschäden treten Großkahlflächen in Erscheinung.Peter Burschel, Jürgen Huss: Grundriß des Waldbaus. Ein Leitfaden für Studium und Praxis. 2., neubearbeitete und erweiterte Auflage. Parey, Berlin 1999, ISBN 3-8263-3045-5, S. 92. (Übersicht) Je mehr ein Wald unter menschlichem Einfluss steht (Monokulturen, Altersklassenwald, nicht standortgerechte Artenwahl, Übernutzung u. ä.), desto geringer ist in der Regel die Biodiversität und Widerstandskraft des Ökosystems, sodass die Risiken von Waldschäden deutlich größer werden. Urwälder und naturnah bewirtschaftete Wälder sind vielfach weniger anfälligWerner Härdtle, Jörg Ewald, Norbert Hölzel: Wälder des Tieflandes und der Mittelgebirge (= Ökosysteme Mitteleuropas aus geobotanischer Sicht.). Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2008, ISBN 978-3-8001-5639-9, . S. 215–224. (wenngleich etwa Immissionsschäden oder Bodenveränderungen auch Naturwälder gleichermaßen oder zum Teil sogar stärker schädigen) S. 247. als Forste. Daher spricht man auch von Forstschäden.
Mit dem Begriff Waldkrankheiten werden im engeren Sinne Baumkrankheiten bezeichnet. Häufig wird er aber auch als Synonym für Waldschäden benutzt. Fritz Schwerdtfeger begründet in seinem Standardwerk WaldkrankheitenFritz Schwerdtfeger: Die Waldkrankheiten. Lehrbuch der Forstpathologie und des Forstschutzes. 4., neubearbeitete Auflage. Parey, Hamburg / Berlin 1981, ISBN 3-490-09116-7. die Gleichsetzung damit, dass dieses der Fall wäre, „wenn wir den Krankheitsbegriff ökologisch auffassen und ihn auf die Lebensgemeinschaft beziehen. Die Daseinsbedrohung besteht dann in einer Störung des Beziehungsgefüges.“ Ein Schaden an der Ökologie ist unter anderem die Eliminierung einer Art aus einem Ökosystem, wie beispielsweise die der Ulmen im Zuge des „Ulmensterbens“. Die wirtschaftliche Bewertung solcher Schäden kann nur indirekt und mit großen Unsicherheiten hergeleitet werden.
Erscheinungsformen Waldschäden werden danach unterschieden, ob sie natürlichen Ursprungs sind (Waldschäden im traditionellen Sinn), oder direkt oder indirekt durch den Menschen verursacht werden. Es gibt auch neuartige Waldschäden, die seit Ende der 1970er Jahre in Erscheinung traten, und die man – vermutlich – als Komplexerkrankung auf unterschiedliche Ursachen zurückführen kann („Waldsterben“). Siehe auch: Baumbruch – Sichtweise auf den einzelnen Baum, nicht das Waldgefüge
Natürliche Waldschäden Unterschieden wird zwischen abiotischen und biotischen Waldschäden. Die wichtigsten abiotischen Belastungsgrößen für Wälder sind die physikalisch wirksamen Verursacher Sturm, Schnee und Feuer. Auf gleiche Weise wirken Trockenheit (Wassermangel), mechanische Verletzungen, Erdrutsche und Lawinen, Elektrizität und Radioaktivität. Chemisch wirken Bodenversauerung und Schwermetalle, Stoffeinträge, Sauerstoffmangel (Wasserüberschuss) und Mangel an Nährelementen.
Abiotische Ursachen Der Ausgangspunkt für abiotische Waldschäden ist in der Regel eine Wetter- oder Witterungsanomalie, die ihrerseits jedoch oft erst die Voraussetzungen für das großflächige Auftreten biotischer Schäden schaffen. Orkane brechen Bäume ab (Windbruch) oder entwurzeln diese (Windwurf) – in der Folge kann es zur Massenvermehrung von Insekten kommen. Dürre schwächt die Vegetation und erhöht die Brandgefährdung von Wäldern, was auch erhebliche Schäden verursachen kann. In selteneren Fällen kommt es zu Überschwemmung in Wäldern, deren Bäume auf solchen Umweltstress nicht angepasst sind.
Frost Frost gefährdet einige Baumarten besonders nach Beginn der Vegetationsperiode: Solche „Spätfröste“ zerstören an jungen Bäumen das Zellgewebe von Blättern beziehungsweise von neugebildeten Nadeln immergrüner Koniferen, weshalb Nadeln und Triebe welken und oft absterben. Durch Spätfrost bedingte Nadelverluste bezeichnet man als „Frostschütte“. Gefährdet sind Bäume an tiefgelegenen Standorten, bei denen es keine Abflussmöglichkeiten für Kaltluft gibt; man spricht dann von „Frostlöchern“ oder „Kaltluftseen“. Dieses Risiko ist (auf der Nordhalbkugel) an Hanglagen mit Ausrichtung nach Süden und Südwesten infolge der erhöhten Sonneneinstrahlung besonders hoch: Die Bäume treiben dort nach dem Winter früher aus. Unter den besonders durch Spätfrost gefährdeten Baumarten finden sich unter anderem die Rotbuche und die Weißtanne, die aus diesem Grund in der Regel nur unter Schirm verjüngt werden. Baumarten fremdländischer Herkunft wie die Douglasie sind stärker betroffen, sofern diese früher austreiben.
In Analogie dazu kann es zum Ende der Vegetationsperiode zu „Frühfrösten“ kommen, die allgemein als weniger schädlich gelten.
mini|hochkant|Frostriss an einem Obstbaum
Auch Winterfrost kann sich negativ auf den Gesundheitszustand von Bäumen auswirken; bei Baumarten die an ihre jeweiligen Standorte angepasst sind, kommt es jedoch selten zu Schäden durch Winterfröste. Ein Mangel an Kalium erhöht die Schaddisposition, da dieses Element wichtig für die Frostresistenz der Nadelbäume im Winter ist. An klaren Wintertagen kann Frosttrocknis in Erscheinung treten, die Nadelverfärbungen und -verluste im Laufe des Sommers bewirkt. Frosttrocknis wird dadurch ausgelöst, dass die winterliche Sonneneinstrahlung Assimilationsprozesse in den Koniferennadeln stimuliert. Das zu einer erfolgreichen Photosynthese erforderliche Wasser steht den Bäumen jedoch nicht zur Verfügung, weil es gefroren im Boden gebunden und somit nicht mobilisierbar ist. Verschärft wird der Wassermangelstress noch durch Wind, der die Transpiration erhöht. Frosttrocknis bedingt unter anderem die Höhe der Waldgrenze, also die Höhe über dem Meeresspiegel, ab der das Wachstum von Bäumen nachlässt.
Weitere Frostschäden sind „Frostplatten“: Sonnenstrahlung erwärmt die Rinde von Buchen, Fichten und anderen dünnrindigen Baumarten, die durch Temperaturunterschiede, aufgrund der Kälte im Inneren des Stammes, strapaziert wird und in Längsrichtung aufreißt. Später hebt sich die Rinde beiderseits eines Risses ab. Das Schadbild erinnert an Sonnen-, beziehungsweise Rindenbrand.
Frostrisse sind Längsrisse im Stamm, die an meist freistehenden Laubbäumen bei einem plötzlichen Temperaturabfall durch Spannungen entstehen, die durch die mit der Gefriertrocknung verbundenen Schwindvorgänge der Cellulose im Holz ausgelöst werden (Die früher gängige Bezeichnung „Eiskluft“ ist irreführend, weil die Spaltbildung entgegen damaligen Annahmen nicht durch den mit einer Volumenzunahme verbundenen Übergang von flüssigem Wasser in Eis bewirkt wird). Besonders ringporige Laubhölzer wie Eichen und Ulmen sind durch diese Art der abiotischen Schädigung gefährdet. Ähnliche Risse werden durch Blitzeinschlag verursacht.
Hitze Neben dem allgemeinen Wassermangelstress, der die Abwehrkräfte von Bäumen gegenüber biotischen Schadursachen schwächt (Bildung von Harz und hemmenden Stoffen), kann es zu physikalischen Spannungen im Holz kommen. Hitzerisse können bei Trockenstress auftreten, besonders an jüngeren Nadelbäumen. Auch bei Laubbäumen (Buchen) können neben vorzeitigem Laubfall Äste durch plötzlichen Astbruch (Sommerbruch) abfallen. Wassermangel und das damit verbundene Baumwasserdefizit löst starke Spannungen im Holz aus.Wie der Wald unter der Trockenheit leidet, Neue Zürcher Zeitung, 2. August 2018. Der Stamm reißt etwa einen Meter über dem Boden auf; dieser kann sich bis zur Krone fortsetzen und dient anderen, vor allem pilzlichen Pathogenen wie dem Blutenden Nadelholz-Schichtpilz als Eintrittspforte in den Holzkörper.
Werden dünnrindige Bäume wie die Rotbuche plötzlich freigestellt und am Stamm direkt von der sommerlichen Sonne beschienen, kann es zu „Sonnenbrand“ kommen: Die Rinde platzt an der am stärksten besonnten Seite auf und blättert ab. Darauffolgende Infektionen durch Wundfäule sind nicht ungewöhnlich.
Schnee und Eis Schnee, insbesondere Nassschnee, kann sich negativ auswirken durch den Druck, den er auf Bäume ausübt. Sehr anfällig für Schneebruch (also Astabbrüche) sind nicht standortgerechte Nadelbäume (beispielsweise Borstenfichten) und die Äste begrünter Laubbäume. Schneeschub entsteht in Hanglagen durch die talwärtige Fließbewegung der Schneedecke, die junge Bäume aus der Vertikalen drückt und Säbelwuchs bedingt, oder Bäumchen aus dem Boden hebelt. Nadelbäume sind aufgrund ihrer immergrünen Natur stärker gefährdet als Laubbäume.
Eiszapfen („Eis-“ und „Duftanhang“) können an Bäumen entstehen. Wie auch Nassschneeauflagen können sie die Tragkraft von Ästen und Zweigen überlasten. Hagelkörner zerschlagen durch ihre kinetische Energie das Geäst.
Sturm Stürme führen entweder zu Windbruch (Baumkronen oder Äste brechen ab) oder zu Windwurf (der Baum wird entwurzelt). Schaden entsteht durch die ungeplante und vorzeitige Nutzung des entsprechenden Baumes, durch die Beschädigung anderer Bäume beim Umstürzen, die hohen Kosten zur Aufarbeitung der Schäden (dabei sind tödliche Unfälle nicht unüblich) und die Schäden an anderen Bäumen, die bei der Aufarbeitung entstehen. Unterbleibt die Aufarbeitung, steigt im Falle von Nadelholz die Gefahr einer Massenvermehrung rinden- und holzbrütender Insekten. Oft sind für die darauffolgende Kulturbegründung weitgehende vorbereitende Maßnahmen notwendig.
Feuer Waldbestände werden von Kronenfeuern vernichtet; andere Arten des Waldbrandes sind weniger schädlich. Bodenfeuer verbrennen nur die organische Auflage des Waldbodens. Verheerend sind jedoch Torfbrände, die schwer zu löschen sind, im Untergrund lange schwelen und die Wurzeln von Bäumen töten.N. M. Nabatow: Lesowodstwo. Utschebnoe Posobie. Isdatelstwo Moskowskogo Gosudarstvennogo Universiteta Lesa, Moskau 2002, S. 171 ff. Waldbrände sind jedoch auch Teil der natürlichen Dynamik einiger Waldtypen der borealen Zone.
Ernährungsstörungen Als abiotische Schadursachen kommen außerdem Ernährungsstörungen in Frage. Diese manifestieren sich an Blättern oder Nadeln bei Mangel an bestimmten Nährelementen wie Eisen und Mangan („Kalkchlorose“), Phosphor, Kalium, Kupfer oder Magnesium als Verfärbungen. Stickstoffmangel führt zu Kümmerwuchs, und eine Übersättigung mit Stickstoff schwächt Bäume ebenso (es zeigen sich häufig Magnesiummangelerscheinungen). Stoffeinträge können toxisch wirken, so beispielsweise Streusalz. Chloridionen senken das osmotische Potenzial.
Sauerstoffmangel kann durch Überschwemmungen herbeigeführt werden. Viele Bäume der gemäßigten Zone können in Abhängigkeit von Spezies und Vitalität etwa 15 bis 25 Tage ohne Folgen überdauern. Sauerstoffmangel kann jedoch auch durch Bodenverdichtungen bedingt sein.
Weitere abiotische Ursachen Elektrizität kann in Form von Blitzeinschlägen Bäume schädigen. Der Stamm reißt dann längsseitig auf. Diese Risse werden vom Baum überwallt. Sie sind an leistenförmigen Verdickungen entlang des Rissverlaufs aber noch Jahrzehnte später deutlich zu erkennen, die ihrer Ursache entsprechend „Blitzleisten“ genannt werden. Sie unterscheiden sich äußerlich kaum von den Überwallungen von Rissen, die durch Frost oder Hitze verursacht werden.