Die ehemalige Prioratskirche Notre-Dame-de-l’Assomption (ehemals Sainte-Trinité) ist heute die Pfarrkirche der französischen Gemeinde Anzy-le-Duc im Département Saône-et-Loire, in der Landschaft des Brionnais, etwa 16 Kilometer südlich von Paray-le-Monial und vier Kilometer östlich der Loire. Sie ist der Trinität geweiht sowie dem heiligen Kreuz und der Gottesmutter gewidmet. Der Kirchenbau wurde bereits im Jahre 1851 als Monument historique unter Schutz gestellt.

Die romanische Kirche ist eine Basilika, aus einem dreischiffigen und fünfjochigen Langhaus, einem deutlich vortretenden Querhaus mit ausgeschiedener Vierung, einem Staffelchor mit fünf Apsiden und einem oktogonalen Vierungsglockenturm mit drei freien Geschossen. Sie grenzt an das mauerumwehrte Gelände des ehemaligen Priorats, von dem noch Gebäudereste erhalten sind. Das Kirchengebäude wurde wahrscheinlich zwischen 1090 und 1130 errichtet, hingegen stammt die Krypta aus dem frühen 11. Jahrhundert. Von besonderer künstlerischer Bedeutung sind der figürliche Kapitellzyklus im Langhaus, die Skulpturen des Hauptportals und ganz besonders die des südlichen Portals innerhalb der Klostereinfriedung. mini|hochkant=1.7|Kirche Notre-Dame-de-l’Assomption in Anzy-le-Duc, von Südwesten

Geschichte Die Ursprünge der Kirche reichen bis in spätkarolingische Zeit zurück. So erfolgte bereits 847 die Gründung eines Priorats, das von der längst aufgegebenen Abtei Saint-Martin d’Autun abhängig war. Der erste Abt war der heilige Hugo von Poitiers († 930), ein FreundRolf Tomann (Hrsg.): Burgund. Architektur, Kunst, Landschaft. Text von Ulrike Laule. Fotografien von Achim Bednorz. Könemann, Köln 2000, ISBN 3-8290-2707-9, S. 232. von Berno, dem ersten Abt von Cluny.

Die Krypta stammt aus der Zeit um 1000 bis 1030 und trug vermutlich ein wesentlich kleineres Kirchenbauwerk mit Staffelchor, dem Vorgänger der heutigen Kirche. In ihr wurden die Reliquien des heiligen Hugo aufbewahrt, zu denen sich im 11. Jh. eine Wallfahrt entwickelte, die in der 2. Jahrhunderthälfte einen Kirchenneubau erforderlich machte. Dieser ist vermutlich zwischen 1090 und 1130 errichtet worden, wobei das Langhaus jünger als das Querhaus ist, wie man am Unterschied des Mauerwerks deutlich erkennen kann. mini|hochkant|Vézelay, Schiff, Wandaufbau nach Viollet-Le-Duc, 1856 Der Staffelchor über einer gleichgestalteten Krypta ist direkt vergleichbar mit dem der nur etwa 25 Kilometer entfernten Kirche der Abtei Saint-Fortunat de Charlieu aus dem 11. Jahrhundert, was eine gemeinsame Planung nahelegt. Die dreischiffige Anlage mit vortretendem Querhaus und fünfteiligem Staffelchor ist ebenso von ihrer Mutterkirche von Autun übernommen worden, die sich an dem Vorbild der 1088 zerstörten Abteikirche Cluny II orientiert. Zuletzt wurde der oktogonale Vierungsturm errichtet, angeregt durch die Kirche Cluny III, wie er bei vielen Wallfahrtskirchen des Jakobswegs anzutreffen ist.

Notre-Dame-de-l’Assomption ist auch ein Dokument für die Wölbungsversuche der burgundischen Baumeister im 11. Jahrhundert. Das Problem breiter Wölbungen des Hauptschiffs, an dem zuvor die Baumeister der nördlich gelegenen Kirche Saint-Philibert (Tournus) noch gescheitert waren, wurde hier durch den Verzicht auf ein Tonnengewölbe gelöst. Stattdessen ist das Mittelschiff wie bei den Seitenschiffen gratgewölbt, was auch höhere Fenster ermöglichte.

Auffällig sind auch die Ähnlichkeiten zu der – allerdings deutlich größeren – Wallfahrtskirche Ste-Marie-Madeleine von Vézelay, die von 1120 bis 1140 erbaut wurde. Das einheitlich wirkende Langhaus von Notre-Dame-de-l’Assomption lässt sich durchaus als eine verkleinerte Version von Ste-Marie-Madelaine bezeichnen.

Das Hauptportal ist zwei unterschiedlichen Zeiten zuzuordnen. Das Tympanon und der Architrav zeigen einen flächigen Stil, wie er etwa für 1100 charakteristisch ist. Die beiden Archivolten dagegen sind mit ihrer deutlichen Plastizität später, etwa um 1130 zu datieren.Thorsten Droste: Burgund. 3., aktualisierte Auflage. DuMont Reiseverlag, Köln 2003, ISBN 3-7701-4166-0, S. 162: Portal.

Die Skulptur des Kapitellzyklus ist für das 11. Jahrhundert ungewöhnlich. Der hier ausgebreitete Bilderreichtum und seine Plastizität stellen einen Meilenstein auf dem Weg der Kunst in das 12. Jahrhundert dar. Allein die recht grobschlächtige Formung der Menschen- und Tiergestalten lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass sie bereits im 11. Jahrhundert geschaffen worden sind.Thorsten Droste: Burgund. 3., aktualisierte Auflage. DuMont Reiseverlag, Köln 2003, ISBN 3-7701-4166-0, S. 163: Kapitellzyklus.

Die Fertigstellung der Kirche von Anzy-le-Duc fiel zusammen mit der Blütezeit der Wallfahrten zum Grab des Apostels Jakobus des Älteren in Santiago de Compostela in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts, in der die Pilger jährlich zu Hunderttausenden über die Pyrenäen nach Süden zogen. In dieser Zeit organisierten vor allem Mönchsgemeinschaften die Abwicklung der Wallfahrt. Es formierten sich vier Hauptrouten und ein Netz von Nebenrouten, an denen Kirchen, Klöster, Hospize, Herbergen und auch Friedhöfe entstanden.Julia Droste-Hennings, Thorsten Droste: Frankreich. Der Südwesten. Die Landschaften zwischen Zentralmassiv, Atlantik und Pyrenäen (= DuMont-Kunst-Reiseführer). DuMont-Reiseverlag, Ostfildern 2007, ISBN 978-3-7701-6618-3.

So war auch Anzy-le-Duc eine recht bedeutende Station des Jakobsweges an einer Nebenroute der Via Lemovicensis, mit dem Ausgangsort Vezelay und das Priorat konnte mit seinem Kirchenneubau und dessen Reliquien an der Spendenwilligkeit der Jakobspilger teilhaben.

Als die Streitigkeiten um Aquitanien zwischen England und Frankreich nach Mitte des 12. Jahrhunderts anhoben, gingen die Pilgerbewegungen zurück und die Kriege des 13. / 14. Jahrhunderts, vor allem der Hundertjährige Krieg (1339–1453), brachten einen dramatischen Einbruch. Anzy-le-Duc musste sich wieder auf die Pilger zu ihren eigenen Reliquien beschränken.

In der Folgezeit blieb das Kirchenbauwerk weitestgehend unverändert.

In der Revolution (1789 und Folgejahre) wurde das Kloster aufgehoben und seine Konventsgebäude als Allgemeingut zum Abbruch verkauft und dadurch in wesentlichem Umfang zerstört. Auch die Kirche wurde verkauft. Sie erlitt allerdings damals „nur“ den Einriss des ehemaligen steinernen und steilen Helms ihres Vierungsturms und einige Beschädigungen der Skulptur des Hauptportals. mini|hochkant=1.6 mini|hochkant=1.6 Im Jahr 1818 wurde Notre-Dame-de-l’Assomption zur Pfarrkirche erhoben.

1852 begann eine erste Restaurierung, die, wie so oft, den heutigen Ansprüchen nicht mehr genügt.

Bauwerk Äußere Erscheinung mini|Langhaus von S mini|Langhaus von NO Das Mauerwerk der meisten Bauteile, das in der Nachmittagssonne gülden leuchtet, besteht aus klein- bis mittelformatigen Bruchsteinen in einem unregelmäßigen Schichtenverband aus hellbeigem, orangefarbenem bis bräunlichem Sandstein. Bauteilkanten, Laibungskanten, Strebepfeiler und die ganze Fassade sind aus glatten, mittel- bis großformatigen Werksteinquadern des gleichen Materials gemauert, die überwiegend Verwitterungsspuren in grauen Tönen aufweisen.

Langhaus und Fassade

Die vertikale Teilung der Längswände des Langhauses entspricht der inneren Querteilung in fünf Joche. Ebenso zeigt die Staffelung der Langhausdächer die innere Längsteilung in drei Schiffe. Mit ihrer Obergadendurchfensterung präsentiert sich die Kirche als echte Basilika.

Das hoch über die Seitenschiffdächer aufragende Mittelschiff wird von einem flach geneigten Satteldach überdeckt, das mit roten Hohlziegeln im römischen Format eingedeckt ist, die auch Mönch-Nonnenziegel genannt werden. Die Seitenschiffe werden von ebenso flach geneigten Pultdächern mit derselben Eindeckung überdeckt. Die Traufen auf den Längsseiten bestehen aus kräftigen Gesimsplatten mit mehrfach profilierten Sichtkanten, die auf vielfältig skulptierten Kragsteinen aufliegen: Sie sind nach innen ausgerundet und zeigen überwiegend menschliche und tierische Figuren, Porträts, Masken, teils auch pflanzliche Motive.

Die unteren Reihen der Ziegeleindeckung liegen auf den Gesimsplatten auf und kragen leicht aus, so dass das Regenwasser dort frei abtropfen kann.

Die im Grundriss rechteckigen Strebepfeiler, die über die ganze Höhe in gleicher Dimension bleiben, reichen mit ihren steil abgeschrägten Oberseiten bis knapp unter die Kragsteine. In der Mitte der Wandfelder zwischen den Pfeilern der Seitenschiffe und des Mittelschiffs ist je ein schlankes rundbogiges Fenster ausgespart, das nach außen aufgeweitete Laibungen aufweist. Im ersten Joch des Mittelschiffs ist auf beiden Seiten dieses Fenster deutlich größer als die anderen.

Die Wand der Fassade wird vertikal von zwei Strebepfeilern unterteilt, die in Verlängerung der Mittelschiffwände stehen und mit ihrer oberen Abschrägung so hoch reichen wie die Pfeiler der Obergadenzone. Etwa in halber Pfeilerhöhe springen die Pfeiler noch einmal auf die doppelte Tiefe vor. Der mittlere Abschnitt bildet die westliche Kopfwand des Mittelschiffs und die seitlichen schließen in deren Verlängerung die Seitenschiffe ab. Ihre um etwa 30 Grad geneigten Oberseiten überragen die flacher geneigten Dachflächen deutlich und sind mit flachen Platten, die geringfügig auskragen, abgedeckt. Das Hauptportal (siehe nächster Absatz) nimmt nahezu die gesamte Wandbreite zwischen den Pfeilern ein und der Scheitel seines äußeren Archivoltenbogens reicht etwa bis in die halbe Wandhöhe hinauf. Unmittelbar darüber sitzt die Unterkante der steil geneigten Brüstung eines großen rundbogigen Fensters auf, das in den späten Nachmittagsstunden das Mittelschiff mit goldenem Licht der untergehenden Sonne erhellt. In die Rückversätze seiner senkrechten Laibungskanten sind Säulchen eingestellt, mit skulptierten Kapitellen, profilierten Kämpfern und Basen. Sie tragen einen Bogen aus einem Rundstab, der ebenfalls in einen Rückversatz der gerundeten Laibungskanten eingefügt ist. Die noch hinter der Archivolte verbliebenen Laibungen sind auswärts aufgeweitet. Kurz über dem Fensterscheitel ist eine kleine rechteckige Öffnung eingelassen, die der Belüftung des Dachraums oberhalb des Gewölbes dient. Die seitlichen Kopfwände der Seitenschiffe werden außen von je einem Strebepfeiler abgeschlossen, der denen der Längswände entspricht. mini|Fassade von Westen mini|hochkant|Hauptportal Die Skulptur des Hauptportals, ein so genanntes Stufenportal, ist in zwei Abschnitten entstanden, das eher flächige Relief des Tympanon wird um etwa 1100 datiert, die es umschließenden Archivoltenbögen zeigen tiefgründigere Plastizität und sollen etwa 30 Jahre später geformt worden sein, zusammen mit den letzten Arbeiten am Kirchenbauwerk.Thorsten Droste: Burgund. 3., aktualisierte Auflage. DuMont Reiseverlag, Köln 2003, ISBN 3-7701-4166-0, S. 162. mini|Hauptportal, Tympanon u. Architrav Das zweistufige Archivoltenportal wird dreiseitig von doppelten Wandrückversätzen umschlossen, in die zwei Archivoltenbögen eingefügt sind, die jeweils auf zwei Säulen stehen, die mit skulptierten Kapitellen, mehrfach profilierten Kämpfern und skulptierten Basen, auf kantigen Plinthen ausgerüstet sind. Die Kämpferprofile markieren die Bogenansätze und werden seitwärts über die schmalen Reststücke der Wand bis gegen die Strebepfeiler geführt. Die Kapitelle sind stark beschädigt. Es lassen sich noch geringe Reste von figürlicher und pflanzlicher Plastik erkennen. Die Skulptur der Basen zeigt pflanzliche Strukturen.