Ebsdorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Ebsdorfergrund im Osten des mittelhessischen Landkreises Marburg-Biedenkopf.

Geographische Lage Das Haufendorf grenzt im Süden an Leidenhofen, im Osten an Mölln, im Westen an Hachborn und im Norden an Beltershausen. Ebsdorf liegt zwischen den Lahnbergen und den Ausläufern des Vogelsberges. Durch den Ort verlaufen die Landesstraßen 3048 und 3089. Die Zwester Ohm fließt durch Ebsdorf.

Geschichte mini|hochkant|Die Wehrkirche in Ebsdorf

Ortsgeschichte Die ältesten bekannten schriftlichen Erwähnungen von Ebsdorf erfolgte in Urkunden des Klosters Fulda unter den Namen Ebilizdorf; Eulizedorf; Ebilezdorf, sie werden in die Zeit 750–779 datiert. Im Ort gab es die Burg Ebsdorf die erstmals 1054 erwähnt wurde. Die evangelische Wehrkirche wurde um 1200 erbaut. Während der Zeit des napoleonischen Königreichs Westphalen 1806 bis 1813 war Ebsdorf Verwaltungssitz des Kantons Ebsdorf im Distrikt Marburg des Departement der Werra.

Juden sind seit dem 18. Jahrhundert in Ebsdorf nachweisbar. 1885 lebten 8 jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger im Dorf, was 1 % der Ortsbevölkerung entsprach. Sie gehörten zur jüdischen Gemeinde in Nordeck und gingen in die dortige Synagoge. Ihre Toten bestatteten sie auf dem jüdischen Friedhof Rauischholzhausen. 1932 lebten in Ebsdorf noch sieben jüdische Bewohnerinnen und Bewohner. Am 31. Mai 1942 wurden Moses Walldorf und seine Frau Dina (Thekla) geb. Theisebach in der 2. Deportation vom Hauptbahnhof Marburg nach Kassel und von dort ins Vernichtungslager Sobibor verschleppt und ermordet. Zum Gedenken für die Familien Walldorf und Lion wurden in Ebsdorf 2014 sieben Stolpersteine verlegt.

Von 1905 bis 1972 war in Ebsdorf ein Bahnhof der Marburger Kreisbahn; die Gleise lagen bis nach Dreihausen. Am 28. Mai 1944 wurde an den Gleisen der Kreisbahn zwischen Ebsdorf und Heskem ein deutsches Jagdflugzeug von amerikanischen P-51 "Mustang" abgeschossen. Der Flugzeugführer des Messerschmitt-Jagdflugzeugs kam beim Aufschlag seiner Maschine ums Leben. Der Leichnam des gefallenen Flugzeugführers, Oberfeldwebel Fritz Timm vom Jagdgeschwader 1, wurde in seine Heimat nach Chemnitz überführt.

Nach mehreren Teilnahmen konnte Ebsdorf im Jahre 2001 die Bronzemedaille auf Bundesebene im Wettbewerb Unser Dorf hat Zukunft erreichen, nachdem schon vorher im Bezirks- und Landeswettbewerb die Gold- und Silbermedaillen errungen worden waren.

Hessische Gebietsreform (1970–1977)

Zum 1. Juli 1974 wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen die vorher selbständigen Gemeinden Ebsdorfergrund, Beltershausen, Ebsdorf, Hachborn, Ilschhausen, Leidenhofen und Rauischholzhausen kraft Landesgesetz zur neuen Großgemeinde Ebsdorfergrund zusammengeschlossen. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden von Ebsdorfergrund wurden Ortsbezirke gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Ebsdorf angehört(e):

vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Gericht Ebsdorf (Gericht Ebsdorf bestand aus den Orten: Ebsdorf, Leidenhofen, Hachborn, Erbenhausen, Hassenhausen, Ilschhausen, Roßberg, Dreihausen, Möln und Heskem) ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Marburg Die Zugehörigkeit des Amtes Marburg anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg), Amt Marburg, Gericht Ebsdorf ab 1648: Heiliges Römisches Reich (bis 1806), Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Marburg ab 1786: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Treis an der Lumbde ab 1806: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Treis an der Lumbda 1807–1813: Königreich Westphalen,Infolge des Friedens von Tilsit. Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Ebsdorf ab 1815: Kurfürstentum Hessen,Infolge der Beschlüsse des Wiener Kongresses. Oberhessen, Amt Treis an der Lumbda ab 1821/22: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis MarburgTrennung von Justiz (Landgericht Marburg) und Verwaltung: Verordnung vom 30sten August 1821, die neue Gebiets-Eintheilung betreffend, Anlage: Übersicht der neuen Abtheilung des Kurfürstenthums Hessen nach Provinzen, Kreisen und Gerichtsbezirken. Sammlung von Gesetzen etc. für die kurhessischen Staaten. Jahr 1821 – Nr. XV. – August. (kurhess GS 1821) S. 73 f.Trennung zwischen Justiz (Assistenzamt Treis) und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Marburg ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Marburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde EbsdorfergrundAm 1. Juli 1974 als Ortsbezirk zur Gemeinde Ebsdorfergrund. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Ebsdorfergrund

Gerichte seit 1821 Mit Edikt vom 29. Juni 1821 wurden in Kurhessen Verwaltung und Justiz getrennt. In Marburg wurde der Kreis Marburg für die Verwaltung eingerichtet und das Landgericht Marburg war als Gericht in erster Instanz für Ebsdorf zuständig. 1850 wurde das Landgericht in Justizamt Marburg umbenannt. Mit dem Gesetz über die Neugliederung von Untergerichtsbezirken vom 13. Juli 1833KurhessGesSamml. 1833, S. 129 (online) wurde Ebsdorf dem Justizamt Treis an der Lumda zugewiesen. Nach der Annexion Kurhessens durch Preußen wurde durch einen Gebietstausch Treis an das Großherzogtum Hessen abgetreten und Ebsdorf wurde dem Justizamt Marburg zugeordnet. Am 1. September 1867 erfolgte die Umbenennung des bisherigen Justizamtes in Amtsgericht Marburg.Verordnung über die Gerichtsverfassung in vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf vom 19. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1085–1094)Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 19. Juni d. J. in dem vormaligen Kurfürstentum Hessen und den vormals Königlich Bayerischen Gebietstheilen mit Ausschluß der Enklave Kaulsdorf, zu bildenden Gerichte () Auch mit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes von 1879 blieb das Amtsgericht unter seinem Namen bestehen.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Ebsdorf 993 Einwohner. Darunter waren 15 (1,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 186 Einwohner unter 18 Jahren, 411 zwischen 18 und 49, 213 zwischen 50 und 64 und 180 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 378 Haushalten. Davon waren 78 Singlehaushalte, 99 Paare ohne Kinder und 162 Paare mit Kindern, sowie 33 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 60 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 252 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.

Einwohnerzahlen Quelle: Historisches Ortslexikon • 1467: 45 Hausgesesse • 1577: 50 Hausgesesse • 1630: 44 Hausgesessene (6 vierspännige, 5 dreispännige, 7 zweispännige, 6 einspännige Ackerleute, 21 Einläuftige), 7 Witwen, von denen 5 keinen eigenen Haushalt haben. • 1681: 41 hausgesessene Mannschaften • 1838: 562 Einwohner (58 nutzungsberechtigte, 25 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 10 Beisassen).

Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1861: 638 lutheranische, 4 jüdische Einwohner, 19 Mitglieder abweichender Sekten • 1885: 613 evangelische (= 93,73 %), ein katholischer (= 0,15 %), 32 andere Christen (= 4,89 %), 8 Juden (= 1,22 %) • 1961: 792 evangelische (= 91,45 %), 73 katholische (= 8,43 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1778: Erwerbspersonen: vier Schmiede, drei Maurer, zwei Schreiner, zwei Wagner, drei Krämer (Juden), 6 Schneider, ein Leineweber, drei Faßbinder, zwei Branntweinbrenner, ein Branntweinschenker, ein Viehhändler (Jude), ein Ziegelbrenner, 10 Tagelöhner. • 1838: Familien: 41 Ackerbau, 34 Gewerbe, 18 Tagelöhner • 1961: Erwerbspersonen: 198 Land- und Forstwirtschaft, 140 Produzierendes Gewerbe, 37 Handel und Verkehr, 51 Dienstleistungen und Sonstiges.

Politik Für Ebsdorf besteht ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Er umfasst das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Ebsdorf. Der Ortsbeirat Ebsdorf besteht aus fünf Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 60,83 %. Alle Mitglieder gehörten der „Gemeinsamen Bürgerliste Ebsdorf“ an. Der Ortsbeirat wählte Mario Luther zum Ortsvorsteher.

Infrastruktur mini|Heckrinder an der Aue der Zwester Ohm auf Ebsdorfer Gemarkung, unmittelbar oberhalb Hachborns, siehe Zwester Ohm#Heckrinder

Im Ort gibt es ein Bürgerhaus, die evangelische Kindertagesstätte Pusteblume und die Regenbogenschule, eine Grundschule

Auf der zu einem Fahrradweg umgebauten ehemaligen Trasse der Marburger Kreisbahn – letztes Teilstück fertiggestellt und eingeweiht im Mai 2010 – kann man Ebsdorf nun per Radweg erreichen."Geschafft!", Festschrift der Gemeinde 2010

Literatur

Weblinks

Historische Fotos aus Ebsdorf. In: Deutsches Dokumentationszentrum für Kunstgeschichte – Bildarchiv Foto Marburg.

Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen

Einzelnachweise , abgerufen im August 2015

Kategorie:Ortsbezirk von Ebsdorfergrund Kategorie:Ort im Landkreis Marburg-Biedenkopf Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Marburg-Biedenkopf) Kategorie:Gemeindeauflösung 1974