mini|Portrait des Ignaz Perner

Johann Ignaz Perner (* 3. Juli 1796 in Ebersberg; † 16. Februar 1867 in München) war ein bayerischer Jurist und gilt als einer der wichtigsten Pioniere der deutschen Tierschutzbewegung.

Leben Perner entstammte einfachen ländlichen Verhältnissen: Der begabte Junge kam als zehntes Kind eines Gerichtsdieners auf die Welt, schaffte es dennoch auf das heutige Wilhelmsgymnasium München (Abschluss 1812)Leitschuh, Max: Die Matrikeln der Oberklassen des Wilhelmsgymnasiums in München, 4 Bde., München 1970–1976; Bd. 3, S. 237. und dann auf die Landshuter Universität, wo er Jura und Philosophie studierte und sich das Studium teilweise selbst verdiente. Er trat der Verbindung Corps Bavaria beiKösener Corpslisten von 1960, 104, 45. und verbrachte zwei Mal je 24 Stunden im Karzer, aus dem ihn sein Corpsbruder Rektor Mittermaier entließ.Sebastian Sigler: Freundschaft und Toleranz, S. 95–103.

Nach den Promotionen (Dr. phil. und Dr. jur.) machte er – nach eigener Aussage – Praktika bei zahlreichen „Justiz-, Polizei- und Administrativbehörden“, wurde mit 23 Jahren erstmals festangestellt und arbeitete 14 Jahre lang als Sekretär, „Assessor, Stadt- und Kreisgerichts-, Wechsel- und Merkantilgerichtsrath bei verschiedenen Ämtern, endlich als Advokat in … München.“ Seine Kanzlei „war eine der ausgebreitetsten des Königreiches Bayern.“ In fünf Jahren schloss er über 1200 Vergleiche, „war Anwalt von Reichen und Armen, von Prinzen und von Bettlern, von Adligen und Bürgerlichen“. Dabei verdiente er so gut, dass er sich mit 36 Jahren ins Privatleben zurückziehen und eine ausgedehnte Reise in eine Vielzahl europäischer Länder machen konnte.

Mit seinem Geld unterstützte er seine ausgedehnte arme Verwandtschaft; er selbst blieb ledig. Vor allem aber nutzte er sein Vermögen und seine Energie dazu, innerhalb weniger Jahre den größten Tierschutzverein Europas aufzubauen und zu leiten.

1864, drei Jahre vor seinem Tod, veranlasste Perner die Auflösung des Vereins und verschenkte, treu seiner überregionalen Orientierung, erhebliche Geldbeträge an andere Tierschutzvereine. So erhielt der Württembergische Tierschutzverein 500 Gulden.Mittheilungen des Württembergischen Thierschutzvereins, Stuttgart 1865, S. 74. In seinem Testament bedachte er 1867 noch einmal zahlreiche Tierschutzvereine mit großzügigen Legaten.Berthold Neff: „Aufrecht und streitbar“. In: Süddeutsche Zeitung, 12. Februar 2016. Noch im gleichen Jahr wurde auf den Fundamenten der alten Organisation der „Münchner Tierschutzverein“ ins Leben gerufen, einschließlich zahlreicher Filialvereine und unter Verstärkung der Arbeit vor Ort.Miriam Zerbel: Tierschutz im Kaiserreich. Ein Beitrag zur Geschichte des Vereinswesens, Frankfurt a.M. 1993, S. 58. Auch Schriften Perners wurden wieder aufgelegt.

Ignaz Perner starb 1867 im Alter von 70 Jahren in München.

Grabstätte

mini|Die vom Bildhauer Michael Wagmüller modellierte Bronzebüste auf Perners Grab

mini|Grab von Ignaz Perner auf dem Alten Südlichen Friedhof in München

Perners Grabstelle mit einer vom Bildhauer Michael Wagmüller modellierten Bronzebüste befindet sich auf dem Alten Südlichen Friedhof in München (Gräberfeld 37 – Reihe 13 – Platz 34)..Reiner Kaltenegger, Gräber des Alten Südfriedhofs München - Inschriften · Biographien , 1. Auflage 2019, PDF-Ausgabe, S. 5776

Namensgeber für Straße

Nach Ignaz Perner wurde 1926 in München im Stadtteil Nymphenburg (Stadtbezirk 9 - Neuhausen-Nymphenburg) die Ignaz-Perner-Straße benannt .Ignaz-Perner-Straße auf Stadtgeschichte-Muenchen Auch in seiner Geburtsstadt Ebersberg, erinnert eine Ignaz-Perner-Straße an ihn, in Ebersberg außerdem ein Brunnen mit Gedenktafel am Schloßplatz.

Tierschutz Wie Perner zum aktiven Tierschützer wurde, beschrieb er nicht. Sehr wahrscheinlich spielte zumindest indirekt die erste deutsche Tierschutzbewegung in Württemberg von 1837 bis 1840 eine Rolle, unter deren Einfluss 1839 der „Verein gegen Tierquälerei“ in Nürnberg entstand.Schlenker, Wolfram: Tierschutz und Tierrechte im Königreich Württemberg. Die erste deutsche Tierschutz- und Tierrechtsbewegung 1837, die drei württembergischen Tierschutzvereine ab 1862 und ihre Tiere, Wiesbaden 2022, S. 159. Zunächst sammelte Perner „für den schon bestehenden Nürnberger-Verein Mitglieder …, (lud) bald aber zum Eintritt in einen eigenen Verein in München ein(…).“ Der „Münchner Verein gegen Thierquälerei“ wurde, nachdem sich schon 266 Interessenten gemeldet hatten, am 10. März 1842 auf einer Generalversammlung formell gegründet.„5. Anhang. Ursprung und allmählige Ausbildung des Münchner Vereins“. In: Pflichten gegen die Thiere, von J. J. Zagler, und Jahresbericht des Münchener Vereins gegen Thierquälerei für das Jahr 1843 von Hofrath Dr. Perner, München 1844, S. 155 u. 158. Aufgrund der Dynamik, die Perner in Bewegung setzte, ging der Nürnberger Verein noch im selben Jahr als Filialverein im Münchner Verein auf. Dieser war von Anfang an als überregionale Organisation geplant, was Perner sehr schnell gelang. Ein Jahr nach der Gründung zählte der Verein 1000 Mitglieder in München und in zehn Filialvereinen; 1848 waren es 5200 Mitglieder und 158 Filialen.Miriam Zerbel: Tierschutz im Kaiserreich. Ein Beitrag zur Geschichte des Vereinswesens, Frankfurt a.M. 1993, S. 64. mini|Gedenktafel für Ignaz Perner in seiner Geburtsstadt Ebersberg, 2021 Grundlage des Erfolgs waren neben Perners Engagement zwei Faktoren:

ein persönliches Netzwerk, das sich rasch über die Grenzen Bayerns hinaus ausdehnte: Perner stand „persönliche Bekanntschaft mit unzähligen Landrichtern, Cameralbeamten, Assessoren, Patrimonialbeamten, Bürgermeistern und Magistratsräthen, Advokaten, Offizieren, Pfarrern …, Geistlichen, Lehrern, Studenten, Bürgern, Gewerbsleuten, Oekonomen … etc. hülfreich zur Seite.“ Darüber hinaus zählten (Stand 1851) 27 einflussreiche und reiche Angehörige des Adels und Hochadels nicht nur aus Bayern zu den Mitgliedern; seit 1843 war Prinz Eduard von Sachsen-Altenburg, ein Onkel des bayerischen Königs, Vorsitzender des Vereins. Zur Pflege und Ausdehnung des Netzwerks war eine Korrespondenz riesigen Umfangs nötig (bis 1851 ca. 11000 Briefe allein von Perner). hier S. 43f., 50 und 56. eine Publikationstätigkeit in großem Umfang, die im Wesentlichen von Perner finanziert und teilweise von eigenen Texten getragen war. Ein Beispiel ist der erwähnte Rechenschaftsbericht für 1843 mit einer Auflage von 30.000 Exemplaren, der (wie auch die späteren Berichte) zwei Ziele verfolgte: Aufklärung über die Lage der Tiere und Beschreibung der Organisationsentwicklung als Beispiel für andere Vereine. Dem eigentlichen Bericht von 1843 stellte Perner einen langen Aufsatz des Lehrers und späteren Ausschussmitglieds J. J. Zagler mit dem Titel Pflichten gegen die Thiere voraus. Dieser Text wurde noch einmal getrennt mit 100.000 Exemplaren aufgelegt. Neben den umfangreichen Jahresberichten wurden Artikel in Tageszeitungen lanciert und kleinere Aufklärungsschriften kostenlos verteilt, vor allem für Schüler. 1846 waren bereits 1,2 Millionen „Pfennig-Bilder mit Geschichten für Kinder“ veröffentlicht, denen viele andere Kinder- und Jugendschriften gegen die Tierquälerei folgten.Schlenker S. 161 und Zerbel S. 69. Die meisten Publikationen wurden kostenlos verteilt. Eine Zeitschrift verlegte Perner dagegen nicht.

Um die umfangreiche Aufklärungstätigkeit des Vereins immer gezielter und weitreichender zu machen, versuchte er, möglichst viele Mitglieder und Filialvereine zu rekrutieren, um über Multiplikatoren zunehmenden Einfluss zu gewinnen. Besonderer Wert wurde auf „die Mitwirkung von Geistlichen, Lehrern, Erziehern, Institutsvorständen etc.“ gelegt, die auch durch ihre vorgesetzten Behörden auf Trab gebracht werden sollten. Dafür waren Perners gute Beziehungen in den Staatsapparat nützlich. Die „einschlägigen Behörden und Stellen“ waren ihrerseits eine Zielgruppe des Vereins, die zum „Erlaß und Vollzug der nöthigen und der schon bestehenden Gesetze und Verordnungen“ angeregt werden sollten.Der Münchner Verein …, S. 59.

Neben der Initiierung von Filialvereinen unterstützte er auch selbstständige Neugründungen wie 1862 die des ebenfalls überregionalen Württembergischen Tierschutzvereins, dessen Ehrenmitglied er zum Dank wurde.Perner stellte den Württembergern bspw. 1900 Exemplare populärer Tierschutzschriften zur Verfügung. Vgl. Schlenker S. 184. Noch zu seinen Lebzeiten wurde vom Hamburger Tierschutzverein eine goldene „Perner-Medaille“ kreiert, die in den folgenden Jahrzehnten an verdiente Persönlichkeiten der Tierschutzbewegung verliehen wurde, z. B. 1866 an Theodor Plieninger vom Württembergischen Tierschutzverein.Schlenker S. 301.

Tierethische Auffassungen Angetrieben wurde Perner bei seiner Aktivität von einer Mitleidsethik, die teilweise an Arthur Schopenhauer erinnert. Mit ihm, einem aktiven Mitglied des Frankfurter Tierschutzvereins, hatte er Kontakt; die beiden schätzten einander. Perner hielt „Mangel an Mitleid“ für „das wichtigste … Grund- und Cardinalübel des Menschengeschlechtes, … weil aus ihm direkt und unmittelbar die unheilvollsten Folgen entspringen.“ Wie andere Tierschützer seiner Zeit glaubte er, dass kindliche Tierquälerei oder die Wahrnehmung alltäglicher Misshandlungen von Tieren eine moralische Abwärtsspirale in Bewegung setzen. Dieses seit der Antike bekannte anthropozentrische Verrohungsargument stellte Perner stets in den Vordergrund der Vereinsarbeit.„Unsere Haupttendenz ist, Mitleid in die Herzen der Menschen, besonders der Jugend, zu pflanzen, Mitleid, die Quelle fast aller übrigen Tugenden, Mitleid, nicht bloß mit den Thieren, wie manche anfangs, uns mißverstehend, glaubten, sondern mehr noch mit den Menschen. … Je tiefer und je beharrlicher man in der Geschichte, in der Kenntniß der Menschen und in der Erfahrung den Hauptquellen des menschlichen Elends nachspürt, desto klarer und lebendiger wird die Ueberzeugung, daß Mangel an Mitleid die allertiefste, die allerreichhaltigste jener menschlichen Unglücksquellen ist. Der Einzelne gegen den Einzelnen, der Stärkere gegen den Schwächern, der kalt herzlose Reiche gegen den verzweifelnden Armen, die gewaltige Mehrheit gegen die mindermächtige Minorität, die brutale Grausamkeit des Despoten, des Fanatismus, des wahnsinnigen Ehrgeizes … wie wäre es möglich, wie wäre es denkbar, … wenn von jeher der Hauptgesichtspunkt der Erziehung das Mitleid gewesen wäre?"Der Münchner Verein …, S. 51 u. 60.Als Beleg bringt er in seinen Texten unzählige Beispiele aus der Geschichte (Dschingis Khan, Nero, Caligula, König Karl IX. von Frankreich, usw. – „bis in unsere eigene Zeit herauf“Ignaz Perner: Vortrag des Hofraths Dr. Perner bei der allgemeinen Versammlung der deutschen Thierschutzvereine in Dresden, den 31. Juli 1860, München o. J., S. 6.) und aus eigenen Erfahrungen mit Kriminalfällen als Rechtsanwalt.