Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Reutlingen Gemeindeglieder: 53.122 (31. Dezember 2016) Adresse desDekanatamtes: Bahnhofstr. 10478532 Tuttlingen Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Tuttlingen innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg

Der Evangelische Kirchenbezirk Tuttlingen war einer der 43 Kirchenbezirke bzw. Kirchenkreise der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Tuttlingen.

Seit dem 1. Januar 2025 ist der ehemalige Kirchenbezirk Tuttlingen Teil des neu gegründeten Kirchenbezirk Rottweil.

Geografie Der Kirchenbezirk Tuttlingen lag im Südwesten der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste fast den gesamten Landkreis Tuttlingen, also die Städte und Gemeinden Aldingen, Bärenthal, Balgheim, Böttingen, Bubsheim, Buchheim, Deilingen, Denkingen, Dürbheim, Durchhausen, Egesheim, Emmingen-Liptingen (nur Ortsteil Emmingen ab Egg), Fridingen an der Donau, Frittlingen, Geisingen, Gosheim, Gunningen, Hausen ob Verena, Immendingen, Irndorf, Königsheim, Kolbingen, Mahlstetten, Neuhausen ob Eck, Reichenbach am Heuberg, Renquishausen, Rietheim-Weilheim, Seitingen-Oberflacht, Spaichingen, Talheim, Trossingen, Tuttlingen, Wehingen und Wurmlingen, die Städte und Gemeinden Deißlingen, Dietingen (nur Hauptort), Rottweil, Wellendingen und Zimmern ob Rottweil des Landkreises Rottweil sowie die Stadtteile Schwenningen am Neckar und Weigheim der Stadt Villingen-Schwenningen im Schwarzwald-Baar-Kreis und die Gemeinde Beuron (ohne den Ortsteil Hausen im Tal) des Landkreises Sigmaringen.

Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Tuttlingen grenzte im Norden an den ehemaligen Kirchenbezirk Sulz am Neckar und im Nordosten an den Kirchenbezirk Balingen (beide Prälatur Reutlingen). Im Süden und Westen hatte er eine Grenze zur Evangelischen Landeskirche in Baden.

Geschichte Das Gebiet des ehemaligen Dekanats bzw. Kirchenbezirks Tuttlingen ist infolge der früheren Zugehörigkeit zu Vorderösterreich, zur Reichsstadt Rottweil und zum Fürstentum Fürstenberg sowie zu kleineren Herrschaften überwiegend katholisch geprägt. Nur Tuttlingen selbst, Schwenningen a. N., Trossingen mit Schura, Aldingen, Tuningen, Talheim, Rietheim, Hausen ob Verena und Neuhausen ob Eck gehörten zum alten Kernland Württembergs, wo ab 1534 die Reformation eingeführt wurde. In die meisten anderen Orte zogen überwiegend erst seit dem 19. Jahrhundert evangelische Bewohner zu und es wurden evangelische Kirchengemeinden gegründet.

Tuttlingen wurde nach Einführung der Reformation 1535 Sitz einer Spezialsuperintendentur, die zunächst zum Generalat Bebenhausen gehörte. 1810 kam das Dekanat Tuttlingen zum Generalat Tübingen, 1823 zum Generalat Reutlingen und 1913 zum Generalat Ulm, aus dem 1924 die heutige Prälatur Ulm hervorging. Seit 1956 gehört es zur Prälatur Reutlingen.

Am 1. Januar 1977 wurden die Kirchengemeinden Geisingen, Immendingen und Möhringen sowie die Bewohner aus Eßlingen von der Evangelischen Landeskirche in Baden in die württembergische Landeskirche umgegliedert.

Zum 1. Januar 2025 fusionierte der Kirchenbezirk Tuttlingen mit dem Kirchenbezirk Sulz am Neckar zum neu gegründeten Kirchenbezirk Rottweil.

Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks oblag der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Ordentlichen Stellvertreter im Dekanatamt Ulrich Dewitz, der zugleich Pfarrer der Kirchengemeinde Aldingen ist.

Dekane des Kirchenbezirks Tuttlingen seit 1781 mini|Die Stadtkirche Tuttlingen war Sitz der Dekane des Kirchenbezirkes Tuttlingen noch nicht komplett 1781–1803 Johann Samuel Heller 1804–1819 Johann Immanuel Schmid 1819–1838 Karl Friedrich Kapff 1839–1842 Christian Gottlob von Moser 1842–1850 Friedrich Jakob Philipp Heim 1851–1879 Julius Hartmann 1880–1897 Karl Friedrich Jäger (1825–1903) 1898–1908 Friedrich Fischer (1853–1933) 1909–1920 Joseph Haller 1921–1933 Paul Hinderer (1870–1937) 1933–1934 ? Fircher (?) 1934–1935 ?? kommissarisch 1935–1948 Manfred Ebbinghaus 1948–1953 Ernst Lachenmann 1953–1965 Friedrich Stichler (1900–1996) 1965–1975 Erhard John (1920–2007) 1975–1987 Walter Schlenker (1928–2018) 1988–1997 Martin Mayer (1935–2013) 1998–2012 Frank Morlock (* 1952) 2012–2022 Sebastian Berghaus (* 1963) Ab Februar 2023 war Pfarrer Ulrich Dewitz als Administrator und Ordentlicher Stellvertreter im Dekanatamt eingesetzt. Er leitete den Kirchenbezirk interimsmäßig bis zur Fusion in den neugegründeten Kirchenbezirk Rottweil am 1. Januar 2025.

Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Tuttlingen hatte insgesamt 21 Kirchengemeinden, von denen sich vier zur Gesamtkirchengemeinde Tuttlingen zusammengeschlossen haben, aber weiterhin eigenständige Körperschaften des öffentlichen Rechts bleiben. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2005 und sind gerundet.

Das Gebiet des Kirchenbezirks Tuttlingen ist im Süden überwiegend evangelisch, im Norden jedoch überwiegend katholisch geprägt. Alte evangelische Kirchen bzw. Kirchengemeinden gibt es daher nur in den Orten, die schon früh die Reformation eingeführt haben, also überwiegend im altwürttembergischen Teil. In den mehrheitlich katholischen Orten der Reichsstadt Rottweil zogen evangelische Bewohner erst seit dem 19. Jahrhundert bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg zu, so dass es dort meist jüngere evangelische Kirchengemeinden gibt.

Kirchengemeinde Aldingen Die Kirchengemeinde Aldingen (ca. 3.550) umfasst die Gemeinden Aldingen (mit Aixheim), Denkingen und Frittlingen. 1258 wurde in Aldingen bereits ein Pleban an der Pfarrkirche St. Mauritius erwähnt. Über die Herren von Blumberg gelangte der Kirchensatz an die Johanniterkommende Rottweil. Nach der Reformation wurde Aldingen evangelisch und 1549 wurde die Kirche erneuert. Weitere Veränderungen gab es 1593 und 1720. 1887 wurde sie renoviert.

Die Nachbarorte Aixheim, Denkingen und Frittlingen blieben nach der Reformation katholisch. Die überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogenen evangelischen Bewohner wurden der Kirchengemeinde Aldingen zugeordnet. 1968 wurde in Denkingen im Wohngebiet Lachen eine eigene evangelische Kirche erbaut.

Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 18. März 1949 wurde die Kirchengemeinde Aldingen um die Orte Egesheim (mit Bärental/Hammer), Königsheim und Reichenbach am Heuberg (ohne Holzwiesen), die bis dahin zur Kirchengemeinde Oberdigisheim (Kirchenbezirk Balingen) gehörten, vergrößert. In diese Orte waren evangelische Bewohner überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zugezogen. Durch Bekanntmachung vom 14. April 1953 wurden diese Orte (wieder) von der Kirchengemeinde Aldingen abgetrennt und zusammen mit den bereits zuvor zu Aldingen gehörigen Orten Wehingen, Gosheim und Deilingen zur neuen Kirchengemeinde Wehingen zusammengeschlossen. Dieser neuen Kirchengemeinde wurde darüber hinaus noch Bubsheim (bisher zur Kirchengemeinde Rietheim gehörig) zugeordnet.

Kirchengemeinde Deißlingen Die Kirchengemeinde Deißlingen (ca. 1.430) umfasst die Gemeinde Deißlingen (einschließlich des Ortsteils Lauffen ob Rottweil) sowie den Ortsteil Wildenstein der Gemeinde Zimmern ob Rottweil und den Weiler Unterrotenstein des Rottweiler Stadtteils Hausen ob Rottweil. Deißlingen sowie das Umland blieb nach der Reformation katholisch. Überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zogen auch evangelische Bewohner zu. 1957/58 wurde eine eigene Kirche in Deißlingen (Pauluskirche) erbaut und später auch eine eigene Kirchengemeinde gegründet. Ihr wurden später auch Lauffen ob Rottweil sowie durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 4. Juni 1974 auch Unterrotenstein und Wildenstein (beide zuvor zur Kirchengemeinde Flözlingen gehörig) zugeordnet. 1987 wurde ein Gemeindehaus errichtet. Die Pauluskirche wurde 2024 mit einem Anbau erweitert.

Kirchengemeinde Flözlingen-Zimmern mini|Evangelische Kirche Flözlingen Die Kirchengemeinde Flözlingen-Zimmern (ca. 1.600) umfasst die Gemeinde Zimmern ob Rottweil (ohne Ortsteil Wildenstein). Sitz der Kirchengemeinde ist der Ortsteil Flözlingen, weshalb die Kirchengemeinde bis 1995 nur nach Flözlingen benannt war. Mit Wirkung vom 5. September 1995 wurde die Kirchengemeinde Flözlingen in Flözlingen-Zimmern umbenannt.

Flözlingen wurde 1360/70 als Filialort von Stetten genannt. Das Patronat der Kirche hatten die Herren von Falkenstein, die es an Württemberg abtraten. Nach der Reformation wurde Flözlingen evangelische Pfarrei. Die gotische Kirche mit Chorturm wurde 1717 erneuert. Baumeister war Heinrich Arnold von Rosenfeld.

Die evangelischen Bewohner der überwiegend katholischen Nachbarorte und heutigen Ortsteile von Zimmern ob Rottweil (Horgen, Stetten ob Rottweil und Zimmern ob Rottweil), die überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zuzogen, gehörten zunächst zur Kirchengemeinde Rottweil. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 30. Juni 1975 wurden diese Orte der Kirchengemeinde und Pfarrei Flözlingen zugeordnet. Der Ortsteil Wildenstein der Gemeinde Zimmern ob Rottweil wurde hingegen durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 4. Juni 1974 der Kirchengemeinde Deißlingen zugeordnet.

Kirchengemeinde Geisingen Die Kirchengemeinde Geisingen (ca. 1.250) umfasst die Stadt Geisingen. Das Gebiet der Stadt Geisingen blieb nach der Reformation als Teil des Fürstentums Fürstenberg katholisch. 1806 kam das Gebiet an Baden. Überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zogen auch evangelische Bewohner zu. Sie gehörten zunächst zur Kirchengemeinde Immendingen. 1957 wurde in Geisingen eine eigene Kirche erbaut und später auch eine Kirchengemeinde gegründet. Ihr wurden auch die evangelischen Bewohner des heutigen Stadtteils Aulfingen zugeordnet. Am 1. Januar 1977 wechselte die Kirchengemeinde Geisingen von der Evangelischen Landeskirche in Baden in die württembergische Landeskirche. Gleichzeitig wurden die Geisinger Stadtteile Gutmadingen, Kirchen-Hausen und Leipferdingen, die bis dahin zur Kirchengemeinde Immendingen gehörten, der Kirchengemeinde Geisingen zugeordnet.

Kirchengemeinde Hausen ob Verena Die Kirchengemeinde Hausen ob Verena (ca. 950 Gemeindeglieder) umfasst heute die Gemeinden Hausen ob Verena und Seitingen-Oberflacht. Eine Kirche und Pfarrei in Hausen ob Verena wurde 1275 erstmals erwähnt. Im Spätmittelalter war die Pfarrei mit Gunningen vereinigt. Das Dorf selbst gehörte – gemeinsam mit Rietheim – zur Herrschaft Hohenkarpfen. Hans III. von Karpfen, ein Urenkel des württembergischen Herzogs Eberhard im Bart, entließ 1563 den altgläubigen Pfarrer und führte die Reformation in seinem kleinen Herrschaftsgebiet ein. 1565 zog der erste evangelische Pfarrer im Hausener Pfarrhaus ein. Auch nach dem Aussterben des Hauses von Hohenkarpfen im ausgehenden 17. Jh. blieb Hausen ob Verena gemeinsam mit Rietheim württembergisch und damit evangelisch. 1846 wurde in Rietheim eine Pfarrverweserei und 1895 eine eigene Pfarrei errichtet. Zur selben Zeit erlangte auch die bisherige Filiale Spaichingen ihre Selbstständigkeit mit eigener Pfarrei. Das Patronat der Hausener Kirche oblag im Spätmittelalter der Herrschaft Karpfen und dem Kloster St. Georgen. Die ursprünglich spätgotische Kirche St. Stephanus wurde im 18. Jahrhundert umgebaut.