mini|Stabkirche Borgund (2013) Die Stabkirche Borgund (Bokmål: Borgund stavkirke, Nynorsk: Borgund stavkyrkje) ist eine Stabkirche in der Kommune Lærdal in der norwegischen Provinz Vestland. Sie gehört zu den herausragendsten Beispielen der norwegischen Stabbaukunst und ist ein touristischer Anziehungspunkt. Die Kirche ist dem Apostel Andreas geweiht visitnorway.com; abgerufen am 2. April 2007. und gehört heute dem Altertumsverein Fortidsminneforeningen.

Lage Die Kirche befindet sich an der Europastraße 16 zwischen Fagernes und Sogndal im Lærdal am Fluss Lærdalselva auf 345 m ü. NN etwa 30 Kilometer östlich des Ortes Lærdalsøyri. Sie liegt abseits von Siedlungen und war Sammelpunkt für die Bauern aus der weiteren Umgebung.

In der Nähe der Kirche soll sich schon vor der Christianisierung ein Opferplatz befunden haben, was durch Knochenfunde bestätigt wurde.

Geschichte und religiöse Bedeutung mini|Aufnahme zwischen 1880 und 1890 Von den über 1000 Stabkirchen in Norwegen sind heute nur noch 28 in einem authentischen mittelalterlichen Zustand erhalten. Die Kirche Borgund gilt neben derjenigen von Heddal als diejenige Stabkirche bei der noch die Dachaufbauten und andere Details, wie zum Beispiel der Laubengang, weitestgehend im Originalzustand erhalten geblieben sind.

Das Gebäude wurde erstmals 1342 in schriftlichen Quellen erwähnt, wahrscheinlich stammt sie aber aus der Zeit gegen Ende des 12. Jahrhunderts. Dendrochronologische Untersuchungen haben ergeben, dass das Holz, mit dem die Kirche gebaut wurde, im Winter 1180/81 gefällt wurde. Auch stilistische Vergleiche mit der gleichaltrigen Stabkirche Høre stützen diese Datierung zusätzlich. Bei archäologischen Untersuchungen fand man 1969 und 1985 unter dem Boden der Kirche Spuren eines älteren Gebäudes, wobei jedoch nicht geklärt werden konnte, ob diese nicht von einer früheren in Teilen zurückgebauten Bauphase stammen. Die dabei gefundenen Kapitelle weisen Ähnlichkeiten mit denen in der Stabkirche Urnes auf. Außerdem wurden Reste der Chorschranke gefunden, die vermutlich ein gestuftes Portal mit zwei Halbsäulen besaß.

Runeninschriften auf dem Bauholz der Kirche zeugen von dem Nebeneinander der bereits dominanten christlichen Religion und der noch alten nordischen Religion im Bewusstsein vieler Menschen. Eine dieser Inschriften lautet: „Ich ritt hier vorbei am St. Olavstag. Die Nornen taten mir viel Böses, als ich vorbeiritt.“ Der St. Olavstag ist der Gedenktag des Todes von dem heiliggesprochenen Olav II. Haraldsson am 29. Juli. Die Nornen sind Schicksalsgöttinnen aus der alten heidnischen Religion. Eine weitere Inschrift lautet: „Gott helfe jedem, der mir zur Reise verhilft.“Ola Storsletten, Yasuo Sakuma: Die Stabkirchen Norwegens: Meisterwerke nordischer Baukunst. Luzern, Motovun 1993, ISBN 3-86047-239-9. mini|Zeichnung von J. C. C. Dahl im Jahr 1837 zeigt noch diverse spätere Anbauten. Man findet an der Kirche weniger Elemente der Götterwelt des Nordens, sondern mehr alte animistische Vorstellungen, wie Schutzzauber gegen böse Geister und sonstige magische Symbolik. Zum Beispiel sieht man das an der häufigen Wiederholung des christlichen Kreuzes auf den Giebeln und Spitzen der Dächer. Die nach Osten und Westen angeordneten Drachenköpfe haben dieselbe Bedeutung wie Wasserspeier an Kirchengebäuden der Romanik bis Renaissance und sollen durch ihr schreckliches Äußeres gleichartige böse Kräfte fernhalten.Erich Burger, Norwegische Stabkirchen – Bauweise, Geschichte, Schmuck. DuMont Buchverlag, Köln 1978, ISBN 3-7701-1080-3.

Zur Zeit der Reformation wurden mehrere Fenster eingebaut und weitere Anbauten vorgenommen. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts fanden weitere Umbauten statt, wobei unter anderem das Dach neu eingedeckt und die Kirche neu bestuhlt wurde. Die Umbauten wurden Ende des 19. Jahrhunderts zurückgebaut. Dabei wurde unter anderem eine Sakristei auf der Südseite, sowie die Emporen aus dem 17. Jahrhundert abgerissen. Balustraden, die im 17. Jahrhundert anstelle der Chorschranke errichtet wurden, waren, ebenso wie die barocken Rosen-Malereien im Innenraum, zwischenzeitlich wieder entfernt worden. Ein Tonnengewölbe im Kirchenschiff, das vermutlich selbst noch aus dem Mittelalter stammte, allerdings etwas jünger als die Kirche war, wurde zudem 1870 abgerissen um die Dachkonstruktion freizulegen. Dieses war vermutlich auch bemalt, wie ein Bericht aus dem Jahr 1722 vermuten lässt. Derartige Tonnengewölbe sind aus den Stabkirchen Torpo, Ål, Urnes und Wang bekannt. Um den mittelalterlichen Zustand wiederherzustellen, wurde außerdem die nachträglich eingebauten Kirchenbänke demontiert. Verantwortlich für diese Maßnahmen war Christian Christie.

Architektur Grundriss mini|Grundriss der KircheDie besondere Gestaltung der Kirche führte dazu, dass eine ganze Gruppe von Stabkirchen, die nach diesem Muster gebaut wurde, zum sogenannten Borgund-Typ gezählt wird.

Die Kirche ist eine 14-Mast-Stabkirche, wobei jeweils der dritte Mast jeder Längsseite schwebend ist, das heißt auf der untersten Balkenzange endet. Das Satteldach des erhöhten Hauptschiffs wird also durch zwölf Masten getragen, welche in einem steinernen Fundament eingelassen wurden. Im Osten schließt sich ein Chorraum an, der eine halbrunde Apsis besitzt. Um das Hauptschiff herum gibt es ein Seitenschiff. Das Kirchenschiff ist innen 7,35 Meter lang und 6,10 Meter breit. Die Länge und Breite des quadratischen Chorraums hingegen beträgt 3,4 Meter, während die Apsis 1,88 Meter tief und 2,98 Meter breit ist.

Anders als bei einer klassischen Aufteilung eines Kirchenraumes in Haupt- und Seitenschiff muss dieser Gesamtraum aber eher als Zentralbau angesehen werden, denn das Hauptschiff ist durch eine umlaufende Stabreihe baulich von den Seitenschiffen abgetrennt. Zudem verlaufen die mittelalterlichen Kirchenbänke entlang der Wände der Seitenschiffe, weshalb der Pfarrer vermutlich in der Raummitte stand. Zwischen den Stäben befinden sich Andreaskreuze, über und unter denen sich ein hölzerner Bogen befindet. Die Andreaskreuze sind mit Blattmotiven versehen. Ein Balken auf Höhe des unteren Bogens verbindet die Stäbe. Leicht abgeschrägte Balken verbinden zusätzlich die Stäbe mit den Außenwänden. An jeder der vier Ecke des Seitenschiffs und auch am Chor befindet sich ein weiterer Stab. Die Bohlen der Seitenwände werden durch ein weiteres Andreaskreuz, auf dem sie aufliegen, verbunden. Die Grundschwellen verbinden das Hauptschiff außerdem mit den Seitenschiffen und eine weitere Grundschwelle hält den Chor zusammen. Dieser ist kürzer und schmaler als das Hauptschiff Auch der Chorraum hat, ähnlich wie das das Kirchenschiff, von Außen einen zweistufigen Aufbau. Im Gegensatz zum Kirchenschiff ist dieser allerdings nur Schein, da die Stäbe nicht bis zur Erde reichen und die dritte Stufe von den Dächern der zweiten Stufe getragen wird. Das Dach der Apsis ist kegelförmig und hat einen kurzen Turm mit einem kegelförmigen Dach und einem Kreuz (analog zu den Giebeln). mini|Schnitzereien an den Enden der Masten (2010) Das Innere der Kirche ist nur etwa 40 Quadratmeter groß. Lediglich das große Westfenster sowie mehrere kreisrunde Fenster im Norden und Süden des Hauptschiffs fungieren als Lichtquelle. Die Stäbe des Hauptschiffs zwischen den Eckbalken weisen Schnitzereien in Form von nach unten zeigende Dreiecke auf und sind mit geschnitzten heidnischen Tierköpfen abgeschlossen. Solche geschnitzten Tierköpfe finden sich auch an Steinkirchen derselben Zeit, wie der Kirche von Værnes, der Kirche von Mære und der Kirche von Hustad.

Um die Kirche (einschließlich Chorraum) verläuft ein Laubengang, in dem sich die Menschen nach den Gottesdiensten versammeln konnten und in dem in früheren Zeiten die Waffen vor Betreten der Kirche niedergelegt wurden. Den Laubengang sowie die Seitenschiffe überdecken Pultdächer. Der zur Hälfte geöffnete Laubengang besitzt eine niedrige Arkadenreihe. Nur am Chor ist dieser vollständig geschlossen. Die Portale im Norden, Süden und Westen sind mit Giebeln überbaut, die sie sich auf jeweils zwei Pfosten stützen. Der Laubengang verläuft entsprechend um sie herum.

Der Laubengang war nicht nur als Aufenthaltsraum gedacht, sondern schützt das Gebäude zusätzlich von Regen und Schnee. Bei vielen Stabkirchen, wie der Stabkirche Lom, der Stabkirche Urnes oder der Stabkirche Ringebu, wurde dieser später abgerissen, da die späteren Generationen diesen anscheinend nicht mehr gebraucht haben. Auch die Dachaufbauten wurden häufig abgerissen oder durch andere Konstruktionen ersetzt. Möglicherweise war der Laubengang ursprünglich, ähnlich wie der an der Westseite der Stabkirche Urnes, geöffnet.

Aufbau mini|links|Dachrückseite mit neuen Holznägeln bei kürzlich ersetzen Dachschindeln mini|Blick unter das Dach des Schiffes Die Stabkirche hat einen sechsstufigen Aufbau. Das Hauptschiff sowie der rechteckige Chorraum werden von Giebeldächern bedeckt. Über dem Dach des Hauptschiffes befindet sich der Dachreiter mit Wetterfahne. An den Giebelecken der Dächer des Hauptschiffs recken sich Drachenköpfe gegen den Himmel, die (in heidnischer Tradition) der Kirche symbolisch Schutz verleihen. Bis zum Dachfirst des Hauptschiffs ist die Kirche etwa 11 Meter hoch.

Der Dachreiter der Kirche besitzt Satteldach, auf dem sich eine zweistufige Turmspitze erhebt, die mit einem Walmdach abgeschlossen ist. Die nördliche und südliche Wand des Dachreiters ist jeweils mit einer Schnitzerei aus vier durchlöcherten Kreisen verziert. Es handelt sich dabei um Drachen, die in den benachbarten Kreis beißen mit beißen. Die beiden unteren und die beiden oberen Kreise liegen jeweils dichter aneinander. In der fünften Stufe der Stabkirche befindet sich ein weiterer durchlöcherter Kreis, der einen Baum darstellt. Alle Schnitzereien sind heute stark verwittert und zudem stark geteert. Der Dachreiter diente im 19. Jahrhundert häufig als Vorbild für die Rekonstruktion von den Dachreitern anderer Stabkirchen. Aus dem Mittelalter ist nur ein einziger gleichartiger Dachreiter an der Stabkirche Høre überliefert, der heute Teil des Friedhofstors ist. mini|Dachdeckung mit alten und neuen Holzschindeln (2010) 1738 wurden Teile des Dachfirstes, die Drachenköpfe und andere Teile der Dachdekoration ausgetauscht. Ein originaler Drachenkopf aus dem Mittelalter wurde allerdings aufgehoben und befindet sich heute im Besucherzentrum. Bei dieses Ausbesserungen wurde die Jahreszahl in den östlichen Firstkamm des Hauptschiffs eingearbeitet. Ein ähnlicher Drachenkopf ist von der Stabkirche Lom bekannt. Die Gestaltung der Drachenköpfe geht vermutlich auf den Urnes-Stil, benannt nach der Stabkirche Urnes, zurück. Die Giebelecken der Seitenschiffe und die kleinen Giebel des Laubengangs zieren dagegen Kreuze, die in ihrer Vielzahl als magische Schutzzeichen angesehen werden können.

Mitunter wurde argumentiert, dass Laubengang, Apsis und Dachaufbauten nicht aus der Erbauungszeit der Kirche stammen sollen, jedoch sprechen stilistische Ähnlichkeiten mit den Portalen dagegen. Wenn der Laubengang erst später hinzugefügt worden wäre, würden zudem die Portale und die Außenwände stärkere Witterungsspuren aufweisen.

Die Dächer sind mit Holzschindeln bedeckt, die mit Holznägeln befestigt wurden. Ob das Dach erst mit einer späteren Ergänzung verschindelt wurde, oder das Dach von vornherein mit Schindeln gedeckt war, ist umstritten. Die Dachkonstruktion besteht aus zusammenlaufende Sparren, die durch eine Kopfstrebe und einen Spannriegel verbunden sind. Zwischen den Sparren befinden sich jeweils zwei Querbalken. Der untere Verbindungsbalken stellt einen umgedrehten Bogen dar.

Portale mini|Blick unter das Dach des Chors Es gibt ein westliches und ein südliches Portal, die beide mit Archivolten eingefasst, von Halbsäulen flankiert und mit Tierornamenten und Blattranken geschmückt sind. Der Chorraum besitzt ebenfalls ein Portal nach Süden, das jedoch stark beschädigt ist. Die beiden Säulen und der untere Teil der Archivolte fehlen.