Der Landessportbund Berlin (LSB Berlin) ist der – 1949 gegründete – freie und unabhängige Zusammenschluss der Fachverbände des Amateursports, der Bezirkssportbünde, der dem Sport dienenden sonstigen Institutionen im Land Berlin und der Sportvereine, die bei ihm Mitglied sind.
Mit rund 780.000 Mitgliedschaften im Jahr 2024 ist der LSB Berlin die größte gemeinnützige Organisation im Land Berlin. Der Landessportbund Berlin ist darüber hinaus einer von 16 regionalen Verbänden im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB).
Der LSB Berlin ist Partner des Publikumspreises „CHAMPIONS – Berlins Sportler des Jahres“, der seit 1979 vergeben wird. Seit 1986 wird der Preis in den vier Kategorien Sportlerin, Sportler, Mannschaft und Trainer/Managerin des Jahres ausgelobt.
Organisation Struktur Im LSB sind 80 Sportverbände, davon zwölf Bezirkssportbünde, mit etwa 2.300 Vereinen zusammengeschlossen, in denen rund 781.000 Mitgliedschaften (Stichtag 1. Januar 2024) registriert sind. In Berlin unterstützen etwa 60.000 ehrenamtliche Helfer den Landessportbund und helfen bei der Gestaltung gesunder Freizeitbeschäftigungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Sie übernehmen Aufgaben in der pädagogischen Betreuung, leisten Helferdienste und Organisationsarbeiten oder stellen sich für Führungspositionen in den Sportorganisationen zur Verfügung.
Präsident des LSB ist seit 23. November 2018 Thomas Härtel.
Aufgaben
Der LSB wirkt als Dachverband des Berliner Sports und koordiniert sämtliche Aktivitäten im Freizeit-, Breiten- und Leistungssport in enger Verbindung zum Sport an Schulen und Hochschulen sowie zu den Sportwissenschaften. Nach dem Gesetz über die Förderung des Sports im Lande Berlin (Sportförderungsgesetz – SportFG) vom 6. Januar 1989, zuletzt geändert durch Gesetz vom 25. Mai 2006 wird jedoch nicht nur der Landessportbund, sondern alle gemeinnützigen Sportvereine gefördert.
Zu den weiteren Aufgaben des LSB zählen:
die Förderung des Sportstättenbaus (Renovierungen und Instandsetzung, Neubauten); die Aus- und Weiterbildung von Übungsleitern, Jugendleitern, Sportlehrern etc. (Sportschule des LSB); die Jugendarbeit und Jugendpflege; die Öffentlichkeitsarbeit (Werbeaufgaben, Redaktion und Herausgabe der Monatszeitschrift „Sport in Berlin“); die Verwaltung im Bereich der Finanzen und der Organisation (Zuschüsse, Rechtsfragen, Versicherungsfragen etc.); die Unterstützung von sozialen und kulturellen Einrichtungen und Vorhaben im Bereich des Sports; die Interessenvertretung des Sports gegenüber der kommunalen Verwaltung, dem Abgeordnetenhaus sowie dem Senat und der Öffentlichkeit; die Vermittlung des Versicherungsschutzes für die Sporttreibenden.
Mitgliederentwicklung
Mitgliedsorganisationen Folgende 80 Verbände und Bezirkssportbünde waren im Jahr 2024 Mitglieder des Landessportbundes Berlin:
Nr. Name Nr. Name Nr. Name 1 Aikido-Verband Berlin-Brandenburg 28 Berliner Sportärztebund 55 Floorball Verband Berlin-Brandenburg 2 American Football und Cheerleading Verband Berlin/Brandenburg 29 Berliner Taekwondo Verband 56 Forum für Sportgeschichte Fördererverein für das Sportmuseum Berlin 3 Arbeitsgemeinschaft Friedrichshainer-Kreuzberger Sportvereine 30 Berliner Tischtennis Verband 57 Gehörlosen-Sportverband Berlin-Brandenburg 4 Badminton-Verband Berlin-Brandenburg 31 Berliner Triathlon Union 58 Golfverband Berlin-Brandenburg 5 Bahnengolf-Verband Berlin-Brandenburg 32 Berliner Turn- und Freizeitsport-Bund 59 Handball-Verband Berlin 6 Baseball- und Softballverband Berlin/Brandenburg 33 Berliner Verband für Modernen Fünfkampf 60 Inline- und Rollsport-Verband Berlin 7 Behinderten-Sportverband Berlin 34 Berliner Wanderverband 61 Judo-Verband Berlin 8 Berlin-Brandenburger Kick-Box-Union 35 Betriebssportverband Berlin 62 Fachverband für Budopraktiken 9 Berlin-Brandenburger Wasserski – Verband 36 Bezirkssportbund Berlin – Mitte 63 Landes-Kanu-Verband Berlin 10 Berliner Basketball Verband 37 Bezirkssportbund Berlin-Pankow 64 Landesfachverband Berlin für Kegeln und Bowling 11 Berliner Box-Verband 38 Bezirkssportbund Charlottenburg-Wilmersdorf 65 Landesfachverband für Motorsport Berlin 12 Berliner Castingsport- und Anglerverband 39 Bezirkssportbund Lichtenberg 66 Landesruderverband Berlin 13 Berliner Eissport-Verband 40 Bezirkssportbund Marzahn-Hellersdorf 67 Landestanzsportverband Berlin 14 Berliner Fechterbund 41 Bezirkssportbund Neukölln 68 Landestauchsportverband Berlin 15 Berliner Fußball-Verband 42 Bezirkssportbund Reinickendorf 69 Landesverband Berlin des Deutschen Alpenvereins 16 Berliner Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation 43 Bezirkssportbund Spandau 70 Landesverband Freikörperkultur Berlin-Brandenburg 17 Berliner Gewichtheber- und Kraftsportverband 44 Bezirkssportbund Steglitz-Zehlendorf 71 Landesverband Pferdesport Berlin-Brandenburg 18 Berliner Hockey-Verband 45 Bezirkssportbund Tempelhof-Schöneberg 72 Motoryachtverband Berlin 19 Berliner Ju-Jutsu Verband 46 Bezirkssportbund Treptow-Köpenick 73 Schützenverband Berlin-Brandenburg 20 Berliner Karate Verband 47 Billard Verband Berlin 49/76 74 Skiverband Berlin 21 Berliner Leichtathletik-Verband 48 Dartverband Berlin-Brandenburg 75 Special Olympics Deutschland in Berlin 22 Berliner Radsport Verband 49 Deutsche Jugendkraft Landesgemeinschaft Berlin 76 Tennis-Verband Berlin-Brandenburg 23 Berliner Ringer-Verband 50 Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft, LV Berlin 77 Trägerverein des Olympiastützpunktes Berlin 24 Berliner Rugby-Verband 51 Deutsche Olympische Gesellschaft (DOG) Landesverband Berlin 78 Verband der Sportjournalisten Berlin-Brandenburg 25 Berliner Schachverband 52 Deutscher Aero-Club, Luftfahrtverband Berlin 79 Verein für Sport und Jugendsozialarbeit 26 Berliner Schwimm-Verband 53 Deutscher Sportlehrerverband, LV Berlin 80 Volleyball-Verband Berlin 27 Berliner Segler-Verband 54 Evangelische Sportarbeit Berlin – Brandenburg
Geschichte 1945–1949 Die Stadt Berlin wurde durch den Zweiten Weltkrieg weitgehend zerstört, es gab kaum funktionierende Infrastruktur oder Verwaltung und insgesamt wurden zwei Drittel der Sportstätten in Berlin zertrümmert.Weise Podeswa: Sportmetropole Berlin. 1999, S. 111–113. Bereits am 7. Juni 1945 kam es zur Gründung des „Sportamts der Stadt Berlin“ und kurz darauf konstituierte sich der „Zentrale Sportausschuss“. Mehrere Bezirkssportämter und vor allem kommunale Sportgruppen wurden auf Grundlage der Bestimmungen der Alliierten Kontrollratsdirektive Nr. 23 errichtet, die in wenigen Wochen 15.000 Sportlerinnen und Sportler registrierten. Im Zuge der Reorganisation erließ das Sportamt erste Richtlinien für den Wiederaufbau der Sportbewegung in Berlin, um so die Weichen für einen kommunal strukturierten Sport zu stellen. Zwar kam es Ende 1945 zum Beginn eines regelmäßigen Spielbetriebs von Ballsportarten, die Zulassung von Sportvereinen wurde jedoch weiterhin durch die Alliierten abgelehnt, die die bisher bestehenden kommunalen Sportgruppen unterstützten.
Bis 1949 sollte es bei diesem Verbot bleiben, jedoch kam es am 1. Oktober 1948 zur Gründung des Deutschen Sportausschusses (DS) in der sowjetischen Besatzungszone und kurz darauf zur Lizenzierung eines Sportdachverbandes im wirtschaftlich und politisch abgeschnürten Westteil Berlins, sodass auch der Ost-Berliner Sportausschuss im Januar 1949 die Gründung eines eigenen Verband durchzusetzen versuchte. Im März desselben Jahres kam es durch den Beschluss des Magistrats zur Aufhebung der städtischen Verwaltung des Sports (Kommunalsport) für den sowjetischen Sektor und so bildeten sich die ersten Sport- und Betriebssportgemeinschaften, die künftig die Grundstruktur des DDR-Sports bildeten. Eine Versammlung von mehr als 1.000 Vereinsvertretern des West-Berliner Sports am 30. März 1949 sollte zu einer grundlegenden Änderung der Sportverwaltung in Berlin führen. Ergebnis der Versammlung waren zum einen der Beschluss über Beendigung des Kommunalsports und die Unterstützung eines freien und demokratischen Vereinssports sowie der Beschluss über die Gründung eines für alle Vereine und Verbände umfassenden Gesamtverbandes.
1949 bis 1989 Am 29. Oktober 1949 kam es zur offiziellen Gründung des Sportverbandes Groß-Berlin und im Zuge dessen zur Festlegung der Hauptaufgabe des Sportverbandes, eine möglichst weite Erfassung der Jugend durch den Sport unter dem Schwergewicht der erzieherischen Werte (also nicht leistungsorientiert) des Sports insgesamt voranzutreiben. Gerhard Schlegel wurde durch 173 stimmberechtigte Vereinsvertreter zum 1. Vorsitzenden des Verbandes gewählt.Weise Podeswa: Sportmetropole Berlin. 1999, S. 114–117.
Später kam es durch den Deutschen Sportausschuß zum Beschluss der Reorganisation des Sports in der DDR durch die Bildung gewerkschaftlich strukturierter Sportvereinigungen. Immer wieder auftretende Kompetenzkämpfe zwischen dem Hauptamt für Leibesübungen des Magistrats und dem Sportverband veranlassten den für Sport zuständigen Volksbildungsstadtrat May, diesen Machtkampf im Januar 1950 zu Gunsten des organisierten Sports zu beenden und so den Dachverband zu stärken. Im Sommer 1951 wurde der Sportverband Berlin nach Auseinandersetzungen und mehreren außerordentlichen Mitgliederversammlungen von einem „Verband der Vereine“ in einen „Verband der Verbände“ umgewandelt und aufgrund der neuen Satzung kam es auf der folgenden Mitgliederversammlung zu erheblichen Veränderungen im Vorstand, sodass u. a. Werner Ruhemann mit einer Stimme Mehrheit zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt wurde.
In den folgenden Jahren blieb auch die Trennung des Sports beeinflusst durch die Trennung der BRD und DDR zwischen West und Ost bestehen, zwischenzeitlich kam es am 21. September 1952 zum Abbruch der deutsch-deutschen Sportbeziehungen, die jedoch bald darauf wieder aufgenommen wurden.Arnd Krüger: Sport und Politik. Vom Turnvater Jahn zum Staatsamateur. Fackelträger, Hannover 1975, ISBN 3-7716-2087-2. Anfang Juli 1953 verstarb der 1. Vorsitzende Ruhemann, sodass es im folgenden September zu Neuwahlen des Vorstandes kam, bei denen Christian Pfeil zum neuen Vorsitzenden des Verbandes gewählt wurde.
Später kam es zu kontroversen Diskussionen um die politische Neutralität des Sports, die nicht nur durch den Kalten Krieg zwischen Ost und West auf der Ebene des Deutschen Sportbundes ausgelöst wurden, sondern auch in den Gliederungen der Sportjugend um den Wehrbeitrag zum Aufbau der Bundeswehr. Als Zeichen für den bestehenden deutsch-deutschen Sportverkehr startete folgend erstmals eine gemeinsame deutsche Mannschaft bei den Winterspielen in Cortina (1956) und bei den Sommerspielen in Melbourne (1956). Im selben Jahr kam es zur erneuten Wahl von Gerhard Schlegel zum Präsidenten des Landessportbundes, der damit seine zweite Amtszeit antrat. Durch den Mauerbau am 13. August 1961 wurden allerdings die letzten Ost-West-Sportkontakte unterbrochen und durch den Deutschen Sportbund „eingefroren“. Sowohl in der BRD als auch in der DDR wurde der Auf- und Ausbau des Sports weiter vorangetrieben.Weise Podeswa: Sportmetropole Berlin. 1999, S. 121–124.
Ende 1965 kam es durch den Deutschen Sportbund zur Wiederaufnahme des gesamtdeutschen Sportverkehrs.