mini|Marc Jan Eumann (2012) Marc Jan Eumann (* 26. Februar 1966 in Hamburg) ist ein deutscher Politiker (SPD). Er war von 2010 bis 2017 Staatssekretär für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien in der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen. Seit 1. April 2018 ist Eumann Direktor der Medienanstalt Rheinland-Pfalz. Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschafterversammlung der Medienförderung Rheinland-Pfalz sowie der LPR-Trägergesellschaft – jugendschutz.net.
Leben Studium und Promotion Eumann studierte nach dem Abitur 1985 (Hölderlin-Gymnasium, Köln) bis 1988 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn Geschichte, politische Wissenschaft und rechtswissenschaftliche Fächer (Öffentliches Recht). In den Jahren 1988 bis 1991 studierte er an der Universität zu Köln Mittlere und Neuere Geschichte, Anglo-Amerikanische Geschichte, ein rechtswissenschaftliches Teilgebiet (Völkerrecht) und Kunstgeschichte. Er schloss sein Studium 1991 mit dem Magister artium ab.
Im Februar 2011 wurde Eumann an der TU Dortmund bei Horst Pöttker zum Thema Deutscher Pressedienst promoviert. In Bezug auf diese Doktorarbeit wurden bald Vorwürfe des „Selbstplagiats“ erhoben. In einer Rezension in der Fachzeitschrift Publizistik57. Jahrgang 2012, Nr. 4, S. 470–472. befand der Medienwissenschaftler Arnulf Kutsch, Eumann habe vor allem die eigene Magisterarbeit „aufgepeppt“, ohne dies kenntlich zu machen und ohne sie konzeptionell, methodisch oder inhaltlich zu erweitern, wobei die Quellenarbeit weitgehend mangelhaft gewesen sei.Spiegel Online, 9. Januar 2013. In einer Vorbemerkung hatte Eumann jedoch offengelegt, dass er die Rechercheergebnisse seiner Magisterarbeit für die Promotion aufgriffen hatte. Nach einer internen Vorprüfung beauftragte die TU Dortmund wegen der Komplexität der Sach- und Rechtslage einen externen Juristen mit der Erstellung eines Rechtsgutachtens.Reiner Burger, Die Prüfung, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 23. Juni 2013. Am 9. April 2014 entschied der Rat der Fakultät Kulturwissenschaften gegen eine Aberkennung des Grades, da Eumann keine vorsätzliche Täuschungsabsicht habe nachgewiesen werden können. Dessen Doktorvater Pöttker zeigte sich schockiert über die Entscheidung und fühlte sich durch Eumann mehrfach getäuscht.Dissertationsaffäre des SPD-Politikers Doktorvater: Ich fühle mich von Eumann getäuscht. Horst Pöttker, interviewt von Reiner Burger. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. April 2014 (online ). Zweitgutachter Ulrich Pätzold wusste von der Vorarbeit und hatte Eumann selbst zur Wiederaufnahme des Themas ermutigt.Herrmann Horstkotte, NRW-Staatssekretär unter Plagiatsverdacht, Zeit Online vom 22. Juli 2013 . Der FAZ-Redakteur Reiner Burger kritisiert das Verfahren als „Karikatur einer Entscheidung“.Reiner Burger: Dortmunder Discount-Doktor. Die Kommunikationswissenschaft hat ihr erstes Dissertations-Desaster mit einem Politiker. In: Publizistik, 59. Jahrgang 2014, S. 241–245 (online: S. 241f. doi:10.1007/s11616-014-0206-4).
Politik Eumann ist seit 1987 Mitglied der SPD. Von 1991 bis 1994 war er Vorsitzender der Jusos im Bezirk Mittelrhein, von 1993 bis März 2007 Mitglied im Vorstand der Kölner SPD. Er ist zudem Mitglied der Gewerkschaft ver.di, der Arbeiterwohlfahrt und der SJD „Die Falken“.
Eumann war von 1995 bis zu seiner Ernennung zum Staatssekretär 2010 Abgeordneter des Landtags Nordrhein-Westfalen. In den Jahren 2000 bis 2010 war er stellvertretender Fraktionsvorsitzender der SPD-Landtagsfraktion und koordinierte die Bereiche Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Medien.
Im Jahr 2002 wurde Eumanns Verwicklung in die Kölner Spendenaffäre bekannt, bei der er unrichtige Spendenquittungen erhalten hatte. Spiegel Online, 11. März 2002 Das Verfahren stellte die Staatsanwaltschaft gegen Zahlung eines niedrigen vierstelligen Betrages an eine gemeinnützige Organisation ein.
Eumann war von 2006 bis 2018 Vorsitzender der vom Parteivorstand eingesetzten Medienkommission der SPD (seit 2014: „Medien- und netzpolitische Kommission“).Marc Jan Eumann hat Vorsitz der SPD‑Medienkommission niedergelegt. In: Medienkorrespondenz vom 6. Juni 2018, abgerufen am 26. November 2018
Von Juli 2010 bis Juni 2017 war Eumann Staatssekretär bei Angelica Schwall-Düren, Ministerin für Bundesangelegenheiten, Europa und Medien des Landes Nordrhein-Westfalen.
Im Januar 2013 wurde bekannt, dass Pöttker wenige Monate nach der Verleihung des Doktorgrades an Eumann bei der Staatskanzlei NRW die Förderung einer journalistischen Initiative beantragt und dafür 210.000 Euro Projektmittel erhalten hatte. Eumann hatte sich im Vorfeld der Entscheidung für befangen erklärt. Dies wurde durch die Innenrevision der Staatskanzlei bestätigt. Die Opposition im Landtag Nordrhein-Westfalens kritisierte deren Bericht als nicht hinreichend transparent und unabhängig.Medienkorrespondenz, 25. Januar 2013
Tätigkeit in Medien und Kommunikation In den Jahren 1985 bis 1990 arbeitete Eumann zudem als Journalist u. a. für den WDR, das Deutschlandradio und den Kölner Stadt-Anzeiger. Von 1990 bis 1992 war Eumann Referent für publizistische Aktivitäten im Büro des Oberbürgermeisters der Stadt Köln. Anschließend war er zunächst als Referent, dann bis 1995 als Leiter des Referates „Politische Kommunikation und Analysen“ im Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales in Nordrhein-Westfalen tätig.
Eumann ist seit 2006 Kuratoriumsmitglied des Landesensemble MusikFabrik. Er war von 1995 bis 2010 Mitglied im WDR-Rundfunkrat, von 2010 bis 2016 im ZDF-Fernsehrat und von 2016 bis 2017 im Deutschlandradio-Verwaltungsrat. Von 2005 bis 2017 war er Mitglied des Kuratoriums der Kunsthochschule für Medien Köln.
Am 4. Dezember 2017 wurde Eumann als einziger Kandidat und unter Ausschluss der Öffentlichkeit mit 19 von 34 Stimmen in der Versammlung der Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz zu deren neuem Direktor gewählt, während 8 Wahlberechtigte der Wahl fernblieben.siehe auch Dieses Vorgehen wurde aus mehreren Gründen kritisiert.Volker Nünning: Einfach mal gratulieren: Die umstrittene Wahl des SPD-Medienpolitikers Marc Jan Eumann zum LMK‑Direktor. In: Medienkorrespondenz vom 23. Dezember 2017, abgerufen am 26. November 2018 Unter anderem wurde die Stelle nicht ausgeschrieben, sondern Eumann von einer Findungskommission ausgewählt, die einzige Kandidatur wurde gegenüber der Öffentlichkeit bis zur Wahl geheim gehalten und zwei weitere Bewerbungen blieben unter Hinweis auf die bereits abgeschlossenen Auswahl der Findungskommission unberücksichtigt. Darüber hinaus hatte Eumann zu seiner Zeit als Staatssekretär in Nordrhein-Westfalen durchgesetzt, dass Bewerber für die Leitung der dortigen Landesmedienanstalt Volljuristen sein und mehr als 18 Monate aus der aktiven Politik ausgeschieden sein müssen (beides Kriterien, die auf ihn selbst nicht zutreffen), wodurch der Amtsinhaber in NRW Jürgen Brautmeier (CDU) nicht erneut antreten konnte, was als „Machtspiel“ kritisiert und kontrovers diskutiert wurde. Die Ernennung war Thema der Landtagsdebatte am 13. Dezember 2017. Die Juraprofessoren Hubertus Gersdorf und Hans-Werner Laubinger zweifelten die Verfassungsmäßigkeit des Verfahrens zur Besetzung der Stelle im Zusammenhang mit dem Leistungsgrundsatz aus Artikel 33 Absatz 2 des Grundgesetzes an. Am 27. Dezember 2017 scheiterte der Medienrechtsanwalt Markus Kompa – einer der beiden nicht zur Wahl zugelassenen Bewerber – beim Verwaltungsgericht Neustadt an der Weinstraße mit dem Antrag auf einstweilige Anordnung, den Anstellungsvertrag Eumanns zunächst nicht abzuschließen und die Stelle öffentlich auszuschreiben. Am 29. März 2018 blieb er beim Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz auch in zweiter Instanz erfolglos. Das OVG sah eine missbräuchliche Inanspruchnahme des vorläufigen Rechtsschutzes, da es an der Ernsthaftigkeit der Bewerbung Kompas fehle, die sich hauptsächlich damit befasse, den Mitbewerber herabzusetzen und in grotesk übersteigerter Form angebliche eigene Vorzüge hervorzuheben. Am 1. April 2018 trat Eumann sein Amt an.FAZ.net / Michael Hanfeld 2. April 2018: Demokratischer Witz im Land der Narren Als Folge der umstrittenen Wahl Eumanns sollte Rheinland-Pfalz ein neues Landesmediengesetz bekommen und die Direktorenstelle künftig öffentlich ausgeschrieben werden.
Am 20. Juni 2023 wurde Eumann nach einer öffentlichen Ausschreibung für eine zweite Amtszeit wiedergewählt, die im April 2024 beginnt. Er konnte sich im ersten Wahlgang gegen zwei Mitbewerber durchsetzen.
Vom 1. Januar 2020 bis 30. November 2025 war Eumann Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). Im September 2025 wurde Eumann zum Mitglied der Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ der Bundesregierung berufen.
Privates Eumann ist evangelisch und lebt in Köln. Er ist verheiratet mit der NRW-Landtagsabgeordneten Carolin Kirsch. Sie haben drei Töchter.
Schriften (Auswahl) Neue Medienordnung. Plädoyer für eine rasche Reform des Rechts. In: epd medien 25/2006. Fußball für Viele. Bundesliga und „Sportschau“: Ein Plädoyer auf das Recht auf mediale Teilhabe. In: Funkkorrespondenz 10/2008. Wert und Stellenwert. Anmerkungen zum Entwurf des 12. Rundfunkänderungsstaatsvertrages. In: Funkkorrespondenz 17/2008. Nichts bleibt, wie es war – Vieles verändert sich, gute Inhalte bleiben gefragt – Aspekte sozialdemokratischer Medienpolitik in der Welt zwischen 0 und 1. In: Rundfunk-Perspektiven. Festschrift für Fritz Raff. Hrsg. vom Institut für Europäisches Medienrecht. Baden-Baden 2008. Plädoyers für ein neues Zusammenwirken von Regulierung und Selbstregulierung. Hrsg. von Marc Jan Eumann und Martin Stadelmaier. Berlin 2009. Kein Aufbruch in Sicht – Anmerkungen zur NRW Medienpolitik. In: Funkkorrespondenz 28–29/2009. Guter Rat – Gremienaufsicht: notwendig, aber auch reformbedürftig. In: Professionalisierung der Medienaufsicht. Neue Aufgaben für Rundfunkräte – die Gremiendebatte. Hrsg. von Volker Lilienthal. epd-Medien, Wiesbaden 2009. Für ein Wunder in kleinen Schritten. Aktuelle Probleme in der Vielfaltsicherung. Dokumentation. In: epd medien 50/2009. Aktuelle Tendenzen und Entwicklungen in der Gesetzgebung zur Vielfaltssicherung. In: Publizistischer und ökonomischer Wettbewerb unter den Bedingungen der neuen Medienwelt. Schriftenreihe des Instituts für Rundfunkrecht an der Universität zu Köln. Bd. 103. Hrsg. von K. Stern, K.-N. Peifer und K.-E. Hain. München 2010. Mediennutzung im digitalen Zeitalter. Der digitale Konsument – Herausforderungen für Politik und Gesellschaft. In: Media Reloaded. Hrsg. von A. Picot und A. Freyberg. Heidelberg 2010. Wo bitte geht's zur Zukunft? Rezepte für Überlebensstrategien. In: Neue Wahrheiten. Wer traut wem in der vernetzten Welt?. Hrsg. von Eva Appel. Mainz 2010. Media Governance – Anreize schaffen, Vielfalt sichern. In: Vom Bau des digitalen Hauses. Festschrift für Norbert Schneider. Hrsg. vom Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht. Berlin 2010. Internet a la carte – Wer oder was bleibt zukünftig auf der Strecke? Anmerkungen zur Debatte über die Netzneutralität und die Zukunft des Internets. In: Funkkorrespondenz 47/2010. Politische Meinungsbildung und die partizipative Gesellschaft Web 2.0 – Applikationen zur Vorbereitung medienpolitischer Diskussionen?. In: Europäisches und nationales Medienrecht im Dialog. Festschrift aus Anlass des 20-jährigen Bestehens des EMR. Hrsg. vom Institut für europäisches Medienrecht e. V. Baden-Baden 2010. Journalismus am Abgrund. Wie wir in Zukunft Öffentlichkeit finanzieren. Berlin 2011. Vielfaltsicherung in Zeiten der Konvergenz – Alter Wein in neuen Schläuchen oder: Aufbruch zu neuen Ufern?. In: Die Medienordnung der Zukunft – Studien zum deutschen und europäischen Medienrecht, Band 46. Frankfurt am Main 2011.