Schreufa ist ein Stadtteil von Frankenberg (Eder) im nordhessischen Landkreis Waldeck-Frankenberg.

Geografische Lage mini|Luftaufnahme Nuhnetal mit Schreufa im Hintergrund von Westen mini|Luftaufnahme Schreufa von Norden mini|Schreufa Sued mini|Wehr beim Fluss Nuhne in Schreufa

Schreufa liegt an der Nuhne, in die am nordwestlichen Ortsrand die Nienze einmündet. Unterhalb von Schreufa, am südöstlichen Ortsrand, mündet die Nuhne in die Eder. Zwischen etwa 1590 und etwa 1820 wurde bei Schreufa Kupfermergel abgebaut, vornehmlich wegen dessen Silbergehaltes. Der Ort liegt etwa 3 km nördlich der Kernstadt Frankenberg.

Geschichte mini|Fachwerkkirche von Schreufa (1690) Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung Schreufas erfolgte im Jahr 850 unter dem Namen Scroufi. Nach dem Historischen Ortslexikon Hessen übertrug damals ein Gozmar Besitz in Schreufa an das Kloster Fulda. Der ursprüngliche Beleg ist nicht als Originalurkunde erhalten, sondern über spätere fuldische Überlieferungen und Kopiare greifbar.

In derselben Überlieferung erscheinen auch mehrere benachbarte Orte des oberen Ederraums, darunter Affoldern, Buhlen, Gleichen, Haine, Mehlen und Viermünden. Damit gehört Schreufa zusammen mit diesen Orten zu den ältesten schriftlich nachweisbaren Siedlungen im heutigen Raum Frankenberg und im oberen Ederraum.

Ein direkter schriftlicher Beleg für Schreufa vor 850 ist bislang nicht bekannt. Der weitere obere Ederraum ist jedoch bereits früher urkundlich fassbar. Im Lorscher Codex werden Besitzungen eines Gozmar im Jahr 800 im Bereich Arahafelt an der Eder (Adrina) sowie 815 in der Harafelder marca erwähnt. Diese Belege beziehen sich nicht unmittelbar auf Schreufa, zeigen jedoch, dass der obere Ederraum bereits im frühen 9. Jahrhundert in grundherrschaftliche Besitzübertragungen eingebunden war.

Auch das benachbarte Viermünden weist auf eine frühe kirchliche Bedeutung des Raumes hin. Die dortige Petrikirche zählt zu den ältesten erhaltenen Kirchenbauten Nordhessens; Teile ihres Baukerns werden in die Frühromanik und damit in das 9. oder 10. Jahrhundert datiert. Schreufa gehörte kirchlich ursprünglich zum Kirchspiel Viermünden.

Weitere Erwähnungen Schreufas sind 1016 als Scroufin sowie 1107 als Scroife beziehungsweise Scroufe überliefert. Im Jahr 1107 schenkte Graf Kunimund Besitzungen im Raum Schreufa der Reichsabtei Hersfeld. Spätere Namensformen zeigen die Entwicklung über Scrophe, Schrofe, Obirschroyffe und Schreuff zur heutigen Form Schreufa.

Ursprünglich bestanden Ober- und Niederschreufa als zwei Siedlungskerne. Niederschreufa wurde im 16. Jahrhundert zur Wüstung; 1576 zogen die letzten Bewohner nach Oberschreufa. Oberhalb von Niederschreufa befand sich der sogenannte Nuhnehof der Herren von Nona. Im näheren Umfeld des Ortes lagen weitere mittelalterliche Hofstellen und Wüstungen, darunter Guntershausen, Breitenhain sowie die Wüstung Butzebach. Der Raum zwischen Schreufa, Viermünden, der Nuhne und den Butzmühlen gehört damit zu einer historisch besonders dichten Siedlungslandschaft des oberen Nuhne- und Edertals.

Kirchlich war Schreufa ursprünglich ein Filial von Geismar, danach von Viermünden, wo die Familie von Dersch Lehensbesitz hatte, so dass Schreufa zur Zeit der Reformation und auch noch im 17. Jahrhundert vom häufigen Konfessionswechsel der Familie Dersch und deren Willkür betroffen war, wenngleich den Dersch das Patronatsrecht in Schreufa auch versagt blieb. Aufgrund eines Rechtsstreits trat die Mehrzahl der Schreufaer Hausväter 1685 zur reformierten Religion über. 1690 erbaute die reformierte Gemeinde als Filialgemeinde von Frankenberg die heute noch erhaltene Kirche in Schreufa, während die zahlenmäßig geringeren Lutheraner die alte Butzkirche zwischen Schreufa und Sachsenberg (abgerissen 1817) zugesprochen bekamen.

Wenige Kilometer nördlich von Schreufa im Tal der Nuhne stiftete Konrad von Itter im Jahre 1242 das Nonnenkloster Butzebach, in einem abgelegenen Waldstück, dem sogenannten „Butzebach“. Schon 1249 wurde das Kloster jedoch vor die Tore der 1233/1234 vom hessischen Landgrafen Konrad von Thüringen gegründeten Stadt Frankenberg verlegt, an die Stelle der Wüstung Hadebrandsdorf.

Im Jahre 2000 beging der Ort mit einer Festwoche seine 1150-Jahr-Feier.

Hessische Gebietsreform Am 31. Dezember 1970 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Schreufa im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Stadt Frankenberg (Eder) (damalige Schreibweise Frankenberg-Eder) eingegliedert. Für den Ort Schreufa wurde, wie für die übrigen Stadtteile, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.

Bevölkerung Einwohnerentwicklung

 Quelle: Historisches Ortslexikon 1577: 14 Hausgesesse 1747: 34 Haushaltungen

Religionszugehörigkeit mini|Luftaufnahme Kirche und Wettermuseum Schreufa  Quelle: Historisches Ortslexikon • 1895: 307 evangelische (= 100 %) Einwohner • 1961: 464 evangelische (= 89,58 %), 47 katholische (= 9,07 %) Einwohner

Politik Der Ortsbezirk Schreufa besteht aus dem Gebiet der ehemaligen Gemeinde Schreufa. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Seit den Kommunalwahlen 2016 gehören ihm sieben fraktionslose Mitglieder an. Ortsvorsteher ist Stefan Müller.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Wettermuseum "Alte Schule" und Fachwerkkirche Schreufa

Alte Schule Die alte Dorfschule in Schreufa wurde in ehrenamtlicher Arbeit saniert und zum "Wettermuseum Alte Schule Schreufa" und Dorftreffpunkt für kulturelle Veranstaltungen umgestaltet. Das Museum zeigt Erinnerungsstücke an Conrad Liese, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Lehrer in Schreufa war und sich sehr darum bemühte, Elemente der Wetterkunde in den Schulunterricht einzubeziehen. Im Jahr 2016 wurde das Museum eröffnet.Wettermuseum Schreufa

Vereine In Schreufa sorgt die Freiwillige Feuerwehr für den Brandschutz und die allgemeine Hilfe. Im sportlichen Bereich besteht ein 1925 als „TSV 1925 Viermünden“ gegründeter und 1977 in „TSV Viermünden/Schreufa e. V.“ umbenannter Sportverein. Ferner besteht ein Landfrauenverein. Der Männergesangverein fusionierte im Januar 2015 mit dem MGV Frankenberg zur „Liedertafel Frankenberg 1902/Schreufa 1875“. Des Weiteren existiert ein Schützenverein, der seine Schießanlage in der Gaststätte zur Mühle hat. In der jüngsten Vergangenheit gegründet wurden der Elternverein „Nuhne-Gänse“ und die Theatergruppe "GanS anders" Schreufa.

Verkehr Der Haltepunkt Schreufa lag außerhalb des Ortes an der Bahnstrecke Korbach-Marburg. Inzwischen ist er nicht mehr in Betrieb. Nächstgelegene Station ist Frankenberg-Goßberg.

Literatur Einblicke in die Geschichte Schreufas, Schreufa 1990

Einzelnachweise

Weblinks

Stadtteil Schreufa. In: Webauftritt der Stadt Frankenberg.

Kategorie:Ort im Landkreis Waldeck-Frankenberg Kategorie:Geographie (Frankenberg (Eder)) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Waldeck-Frankenberg) Kategorie:Gemeindeauflösung 1970 Kategorie:Ersterwähnung 850