mini|Gottfried Eisenmann, vor 1851Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967. mini|Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof Würzburg Johann Gottfried Eisenmann (* 20. Mai 1795 in Würzburg; † 23. März 1867 ebenda) war ein deutscher Arzt, Politiker, politischer und medizinischer Publizist und medizinischer Schriftsteller.
Leben und Werk Gottfried Eisenmann, Sohn eines Würzburger Schuhmachermeisters, begann 1810 mit dem Studium der allgemeinen Wissenschaft in der Philosophischen Fakultät an der Universität Würzburg, schloss mit Erfolg ab und widmete sich anschließend ab Herbst 1812 dem Studium der Rechtswissenschaft.
1814 trat er dem Freiwilligen Jägerbataillon bei, wurde Fourier, später im 12. Bayerischen Linien-Infanterieregiment Bataillons-Rechner. Als er Ende des Jahres 1816 wieder aus dem Heer entlassen wurde, nahm er das Studium der Heilkunde auf. 1820 schloss er sein Medizinstudium mit Promotion und Staatsexamen ab, wirkte zunächst als Assistenzarzt am Würzburger Armeninstitut und ab 1823 in eigener Praxis. In Johann Lukas Schönleins Klinik im Würzburger Juliusspital lernte Eisenmann dessen naturhistorische Lehre kennen,Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 11 und 18. schloss sich ihr an und vertrat sie zeit seines Lebens gegen andere medizinische Auffassungen, teils sogar polemisch, wie gegenüber der auf Schellings Naturphilosophie basierenden Schule, aber auch 1842/45 in seiner Auseinandersetzung mit Wilhelm Griesinger.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 69 und 91.
Für die Naturhistorische Schule (1825–1845)Johanna Bleker: Naturhistorische Schule. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1027 f. war die Beobachtung die erste und wichtigste Quelle der Nosologie. Die Waage, das Elektrometer, der Apparat der chemischen Reagenzien, das Mikroskop – all diese Dinge waren für sie von großer Bedeutung.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 72. 1830 erschien in Würzburg Eisenmanns Buch Der Tripper in allen seinen Formen und allen seinen Folgen.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 73. Das Thema ist umfassend behandelt: Eigene Erfahrungen und Werke anderer Autoren werden berücksichtigt, Symptome, Verlauf und Therapie werden dargestellt. Das Werk, mit dem Eisenmann sich einen medizinischen Ruf schuf, war Die vegetativen Krankheiten und die entgiftende Heilmethode, das er im vierten Jahr der Münchener Untersuchungshaft abschloss (Erlangen 1835). Hier legte er seine Lehre dar, die ihren besonderen Ausdruck in seinem nosologischen System und in der entgiftenden Heilmethode findet.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 74.
Eisenmann unterschied die künstlichen und die natürlichen Krankheitssysteme. Den künstlichen Systemen wurde im Allgemeinen ein einziges Merkmal als Einteilungsgrund unterlegt, z. B. a) nach der Krankheitsdauer: akut oder chronisch b) nach der Örtlichkeit, also den Körperteilen (nach ihm die für wissenschaftliche Zwecke schlechteste) c) nach chemischen Rücksichten: saure oder basische Beschaffenheit der krankhaften Absonderungen d) nach physiologischen Prinzipien: durch äußere und innere Reize bewirkt; Krankheiten der sensiblen, der irritablen und der reproduktiven Verrichtungen; als Krankheiten des Blutes oder der Vegetation.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 75.
Eisenmann war der Auffassung: Das Leben ist an sich eins und unteilbar. Der menschliche Organismus lässt drei Dimensionen erkennen: 1. eine bestimmte Gestalt, analog den Fossilien und Kristallen. 2. eine Tätigkeit, die in der Pflanzenwelt den Stoffwechsel unterhält (vegetativ). 3. Funktionen der Selbständigkeit und Freitätigkeit (sensitiv und geistig).
Analog dazu unterschied er drei Krankheitsklassen: I. Klasse: Krankheiten der Kristallisation, anatomische Krankheiten, Morphosen. II. Klasse: Krankheiten der Vegetation, Phytosen oder vegetative Krankheiten. III. Klasse: Krankheiten der Animalisation, Neurosen oder sensitive Krankheiten.
Diese Durchführung des Eisenmannschen Krankheitssystems weist die Vorzüge und Fehler jeder strengen und konsequenten Systematik auf.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 76 f. Obwohl Eisenmann noch nicht völlig frei von naturphilosophischem Gedankengut war, zeigt sich doch im Bewusstsein der Begrenztheit seines Wissens und der Möglichkeit zu irren, sowie im Beobachten und Ordnen ein Streben nach naturwissenschaftlicher Grundlage für die Medizin. 1835 betonte er auch schon eindringlich die Wichtigkeit der Auskultation und Perkussion.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 79.
In seinem Werk Die Wundfieber und die Kindbettfieber (Erlangen 1837) benannte er die Infektion der Wundfläche des Uterus als Ursache. Für weitere Folgerungen fehlte ihm die praktische Erfahrung.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 84. Schließlich wies Eisenmann auch auf die Wichtigkeit der Obduktionsbefunde hin, so z. B. in seiner Streitschrift gegen Griesinger und in seinem 1842 erschienenen Buch Die Hirnerweichung (144 Seiten, Leipzig).Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 80. Die naturhistorische Schule und mit ihr Eisenmann erkannten die Ansteckung als mit „Contagium animatum“, als einer lebenden und zur Fortpflanzung fähigen Materie verbunden.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 91. Durch Desinfektion sollten die Contagien abgetötet werden.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 95. Denn als Hauptaufgabe des Arztes erklärte Eisenmann, das Krankheitsgift (als die Krankheitsursache) aus dem Körper zu entfernen. Ihr widmete er die entgiftende Heilmethode, zu deren Ausbildung er mit seiner Schrift Hinweise geben wollte.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 92 f. Klinische Beobachtungen und Experimente waren die Wege, die er für die weitere Ausbildung seiner spezifischen Heilmethode forderte.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 97.
Eisenmann ist ein Mittler, dessen Weg von der parasitären über die nosologisch-klassifikatorische zur naturwissenschaftlich-diagnostischen Medizin führt.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 103. Während seiner über fünfzehn Jahre währenden Haftzeit unter strengen Bedingungen und bei angegriffener Gesundheit hatte Eisenmann kaum Gelegenheit zu praktizieren und auch danach wurde er nie mit einer amtsärztlichen Funktion oder Vorlesungen betraut. Nach dem Rücktritt aus der Nationalversammlung widmete Eisenmann sich, wie schon während seiner Haftzeit, der medizinischen Schriftstellerei. Unter anderem gab er von 1843 bis 1850 mit Carl Friedrich Canstatt, nach dessen Tode alleine, und seit 1853 zusammen mit Rudolf Virchow und Johann Joseph von Scherer den Jahresbericht über die Leistungen und Fortschritte der gesamten Heilkunde heraus, wofür Eisenmann auch selbst zahlreiche Artikel verfasste. Aufgrund von Krankheit musste er 1866 den Posten als verantwortlicher Herausgeber der Jahresberichte abgeben.
1848 hatte Eisenmann seine Jugendliebe Anna Maria Margarethe Eleonore Kiffert geheiratet;Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 58. die Ehe blieb kinderlos. Er starb am 23. März 1867 nachmittags und wurde auf dem Würzburger Friedhof beigesetzt.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 65.
Politische Laufbahn 1817 war Eisenmann Teilnehmer des Wartburgfestes und empfing dort den Impuls zur Gründung der ersten Würzburger Burschenschaft. Zusammen mit früheren Jenaer Burschenschaftern vertrat er in der Studentenverbindung Bavaria die burschenschaftlichen Parteien und gründete am 27. Juni 1818 die Burschenschaft Germania zu Würzburg, die zu Beginn eine Stärke von 131 Mann hatte und der sich 1818 auch der Medizinstudent Carl Friedrich von MarcusAndreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg, Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 246. anschloss. Nach deren Verbot 1819 gehörte er 1821 bis 1823 dem geheimen Jünglingsbund an, auf dessen Tagungen er sich als Sprecher für die Herbeiführung von Einheit und Freiheit Deutschlands nicht durch Gewalt, sondern auf dem Wege der Überzeugung durch Einwirkung auf das Volk mittels Rede und Schrift aussprach.Hans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 13. Infolge einer Denunziation durch den Theologiestudenten Dietz wurde Eisenmann am 19. März 1824 in Würzburg verhaftetHans Hoffmann: Johann Gottfried Eisenmann. (1795–1867). Ein fränkischer Arzt und Freiheitskämpfer (= Mainfränkische Hefte. Nr. 49), Volkach 1967, S. 14. und kam für dreizehn Monate in Untersuchungshaft nach München, bis er durch ein Gerichtsurteil freikam. Jedoch stand Eisenmann weiterhin unter Polizeiaufsicht und durfte sich ein Jahr lang nicht in Universitätsstädten aufhalten. So praktizierte er 1825 zunächst in Hammelburg und schließlich bis 1832 in Würzburg.