mini|George Smathers (1963)

George Armistead Smathers (* 14. November 1913 in Atlantic City, New Jersey; † 20. Januar 2007 in Miami Beach, Florida) war ein US-amerikanischer Politiker der Demokratischen Partei. Zweimal – 1946 und 1948 – wurde er als Abgeordneter der Demokratischen Partei für den 4. Wahlbezirk Floridas, Miami-Dade County, ins Repräsentantenhaus des Kongresses gewählt. Nach seinem Sieg bei der Senatswahl 1950 über Claude Pepper – der Wahlkampf gilt als einer der schmutzigsten überhaupt – vertrat er den Bundesstaat Florida im Senat der Vereinigten Staaten bis zu seinem Rückzug aus der Politik 1969 (82. bis 90. Kongress). Im Senat engagierte er sich für die Interessen der konservativen Bevölkerung und setzte sich dagegen ein, Afroamerikanern die ihnen nach der amerikanischen Verfassung zustehenden Bürgerrechte zu gewähren.

Frühe Jahre George Armistead Smathers wurde als Sohn des Bundesrichters Frank Smathers und dessen Frau Laura F. Smathers, geborene Jones, 1913 in Atlantic City, New Jersey geboren. Seine Mutter war eine Tochter von S.A. „Colonel“ Jones, dem Gründer der Tampa Times und der First Methodist Church in Bartow (Florida). Sein Onkel William Smathers vertrat den Bundesstaat New Jersey von 1937 bis 1943 im US-Senat. Smathers wuchs mit seinem Bruder Frank (* 17. Juli 1909) und seinen Schwestern Virginia (* 10. Juni 1912) und Laura (* 7. März 1920; † 2. Oktober 1930) auf. Im Januar 1920, Smathers war gerade sechs Jahre alt, zog seine Familie nach Miami, wo sein Vater mit Partnern eine Anwaltskanzlei (Smathers, Clutson, Huck) eröffnete. Smathers ging zunächst zur Buena Vista Elementary School; es folgten die Robert E. Lee Junior- und die Miami Senior High School im Miami-Dade County.senate.gov

Ausbildung Nach der Schulausbildung nahm er ein Jura-Studium an der University of Florida in Gainesville auf. Als Student engagierte er sich in verschiedenen studentischen Vereinigungen und war auch Kapitän der universitären Basketballmannschaft. Im Jahr 1936 schloss Smathers das Jurastudium ab, erlangte im Anschluss daran den Bachelor of Laws (LLB) und wurde 1938 als Rechtsanwalt zugelassen. Er kehrte nach Miami zurück und arbeitete zunächst in der Anwaltskanzlei seines Vaters, bis er 1940 zum Assistenten des Bezirksstaatsanwalts berufen wurde. Diesen Posten behielt er zwei Jahre lang bis 1942.

Familiengründung Im Sommer 1938 lernte er Rosemary Townley, eine reiche Erbin einer alteingesessenen Familie Floridas († 2002), kennen und heiratete sie am 10. März 1939. Das Paar bekam zwei Söhne: John Townley (Smathers) (* 6. Oktober 1941) und Bruce Armistead (Smathers) (* 1943). Die Ehe der beiden wurde im Jahr 1972 geschieden.

Beruflicher Aufstieg Für Smathers war die Arbeit bei der Bezirksanwaltschaft die Gelegenheit, sich durch spektakuläre Gerichtsverfahren ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu rücken. Der erste Fall, den er nutzte, um seinen Bekanntheitsgrad zu steigern, war das Verfahren gegen Alice Reid Griffin, die in Key West wegen „weißer Sklaverei“ angeklagt war, weil sie angeblich zwei junge Mädchen illegal von Georgia nach Florida eingeschleust hatte, um sie dann im Alice Reid House in Key West zu „immoral activities“ („für unmoralische Zwecke“) veranlasst zu haben. Alice Reid Griffin wurde von Bart Riley, einem angesehenen Mitglied der Anwaltskammer, verteidigt. Riley forderte Freispruch für die Angeklagte. Smathers erreichte, dass Alice Reid Griffin vom Gericht zu einer dreijährigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Dies war negativ für Alice Reid Griffin, aber positiv für George Smathers’ Publicity. Einen ähnlich gelagerten Fall wusste Smathers dann erneut für sich zu nutzen, um sich der Öffentlichkeit als „hart durchgreifenden Saubermann“ zu präsentieren. Al und Evelyn Youst wurden im Jahre 1941 angeklagt, weil sie angeblich mehrere minderjährige Mädchen illegal von Tennessee und Georgia „for immoral purposes“ in Al Yousts La Paloma-Nightclub in Miami gebracht hatten. Die Zeitungen spekulierten erwartungsgemäß eifrig über die „conditions of debauchery“ („Ausmaß der Ausschweifungen“) und verschafften Ankläger Smathers das gewünschte Forum, die angestrebten Schlagzeilen. Obwohl Evelyn Youst beteuerte, dass sie „just a country girl“ sei und ihre Tätigkeit im La Paloma-Nightclub lediglich in einer Art „muscle dance“ bestanden habe, der als Kunst zu verstehen sei („It’s art“), erreichte Anklagevertreter Smathers, dass Al und Evelyn Youst 1941 wegen „transport minors across state lines into immoral conditions“ („Einschleusung Minderjähriger über Bundesstaatsgrenzen hinweg in unmoralische Verhältnisse“) verurteilt wurden.

Spätestens mit diesem Fall hatte Smathers erreicht, dass das Büro des Bezirksstaatsanwalts, in dem er arbeitete – und damit natürlich auch er selbst – von der konservativen Bevölkerung als „embodiment of the cause of decency“ („Verkörperung des Anstands“)(Miami Herald, 25. Juli 1941) betrachtet wurde.

Einsatz im Zweiten Weltkrieg Nach dem Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg im Dezember 1941 meldete sich Smathers im Mai 1942 freiwillig zum Dienst im United States Marine Corps. Nach der Grundausbildung in Parris Island (South Carolina) beim US Marine Corps Recruit Depot und der Offiziersausbildung in Quantico bekam er als Anwalt der US Navy zunächst einen Schreibtischjob. Im November 1943 erfolgte dann doch noch sein Fronteinsatz im Südpazifik im Krieg gegen Japan und er nahm als Mitglied der Bomberstaffel Marine Bombing Squadron 413 an den Kämpfen um Bougainville und den Admiralitäts-Inseln von der Luft aus teil. Das heißt, er versah seinen Dienst am Boden, als „third command of the airfield“.Crispell, S. 10. Smathers selbst beschrieb seine Tätigkeit so: „...in charge of all the security on the ground for these various operations.“ (United States Senate / Oral History Projekt / Interviews mit George Smathers).

Ende 1944 war bereits absehbar, dass die Niederwerfung Japans nur noch eine Frage der Zeit sein würde. Gleichzeitig wurde aber auch deutlich, dass die Auseinandersetzungen umso erbitterter und damit verlustreicher werden würden, je näher die amerikanischen Streitkräfte an das japanische Kernland heranrückten – wie die Kämpfe um Iwojima (Februar/März 1945) und Okinawa (April 1945) dann auch bewiesen. Obwohl Smathers – nach eigenem Bekunden in verschiedenen Interviews – alles nur Erdenkliche dafür getan hatte, um an vorderster Front eingesetzt zu werden und ungehalten wurde („I began to get very impatient.“), begann er seltsamerweise genau zu dem Zeitpunkt, als er der Erfüllung seines so dringlichen Wunsches ganz nahe war, einflussreiche Bekannte in Florida anzuschreiben und sie zu bitten, sich für seine Entlassung aus der Armee einzusetzen. Unter anderem schrieb er an die beiden amtierenden Senatoren Floridas, Claude Pepper und Spessard Holland. Doch erst ein Schreiben an den Generalstaatsanwalt Tom C. Clark hatte den gewünschten Erfolg. Nach den Worten Smathers’ war es Clark, der seinen Einfluss geltend machte und dafür sorgte, dass Smathers – nach einem kurzen Zwischenaufenthalt in Washington, D.C. – Anfang 1945 nach Florida heimkehren konnte. Die bedingungslose Kapitulation Japans erfolgte am 9. September 1945. Für George Smathers war der Krieg jedoch bereits im Anfang 1945 beendet. „So that was my war story.“ (Smathers) Er beendete seinen aktiven Dienst bei den US-Streitkräften im Dienstrang eines Captains (Hauptmanns). Erst später, als er bereits Kongressabgeordneter und dann später Senator war, wurde er bis zum Lieutenant Colonel befördert.spartacus-educational.com

Politische Karriere Kongressabgeordneter mini|George Smathers

Nach seiner Entlassung aus der Armee ging er nach Miami zurück und bekam im August 1945 eine Anstellung beim Generalstaatsanwalt Tom C. Clark. Doch schon wenig später entschied er sich, in die Politik zu wechseln. Er liebäugelte mit einem Senatssitz, erkannte jedoch ganz realistisch, dass die beiden zu dieser Zeit amtierenden Senatoren Floridas, Claude Pepper und Spessard Holland, für ihn als Newcomer „praktisch nicht zu schlagen waren“. Daher entschloss er sich als ersten Schritt einen Abgeordnetensitz im Repräsentantenhaus für den vierten Distrikt Floridas (Miami-Dade County) in der am 5. November 1946 anstehenden Wahl zu erobern. Zunächst musste er in der Primary der Demokratischen Partei gegen den renommierten Pat Cannon gewinnen. Cannon war bis dahin insgesamt viermal für das Miami-Dade County in den Kongress gewählt worden (76. bis 79. Kongress / 3. Januar 1939 – 3. Januar 1947).

Smathers vertraute auf das Renommee seiner eigenen Familie, der Familie seiner Frau, auf seine zahlreichen Bekanntschaften, Freundschaften – insbesondere aus seiner Studentenzeit („I know them and they know me.“) – sowie seine umfangreichen beruflichen Kontakte. Er sicherte sich zudem noch die Unterstützung von John S. Knight, dem einflussreichen Herausgeber des Miami Herald und Chicago Daily News, der zugleich Präsident der American Society of Newspaper Editors war, auch der von Philip Graham, der gemeinsam mit ihm studiert hatte und mittlerweile Herausgeber der Washington Post war. Das Management seiner Wahlkampagne übertrug er dem organisatorisch versierten Richard Danner vom FBI, mit dem er schon während seiner Zeit beim Bezirksstaatsanwalt eng zusammengearbeitet hatte. Sein Wahlkampfteam bestand aus einer handverlesenen Schar von Freunden, die er bereits aus Kindertagen, seiner Studentenzeit, oder aus seiner Zeit bei der US-Army kannte. Das Team wurde schon bald von seinem Gegner Cannon mit dem Titel „Smathers’ Goon Squad“ („Smathers’ Schläger-Truppe“) belegt. Zentrale Figur dieser „Goon squad“ war ein Jugendfreund Smathers, Charles Gregory "Bebe" Rebozo. Rebozo, Sohn kubanischer Immigranten war ein Geschäftsmann in Florida, der mit verschiedenen Geschäften, so einer Wäschereikette und anderen Geschäften, zu Geld kam. Als ersten „Einstieg“ in den Wahlkampf ließ Smathers sich vom Generalstaatsanwalt die Anklagevertretung eines Gerichtsverfahrens gegen John Henry Colt zuweisen. Es ging um Korruption und es war so gut wie sicher, dass der „junge, gutaussehende, untadelige Ex-Marine-Corps-Offizier“ Smathers im Rampenlicht der Öffentlichkeit stehen würde.

Smathers ließ Cannons Abstimmungsverhalten in der vorausgegangenen Legislaturperiode anhand der Protokolle des Kongresses unter die Lupe nehmen, um in seinen Wahlkampfreden wieder und wieder hervorheben zu können, dass in den Protokollen des Jahres 1945 bei 75 Abstimmungen im Kongress 37 mal „Cannon absent“ („Cannon abwesend“) vermerkt worden war, somit sein Gegner seine Pflichten als Abgeordneter sträflich vernachlässigt, die Interessen Floridas nicht hinreichend vertreten habe:

„It looks as though he thinks he can build houses by being away from the job half the time when he should be working…“

(dt.: „Es sieht so aus, als ob er der Meinung ist, er könne Häuser bauen, auch wenn er die Hälfte der Zeit, in der er eigentlich arbeiten sollte, überhaupt nicht anwesend ist…“)

Er versicherte den Zuhörern, seine gesamte Arbeitskraft ausschließlich dem neuen Abgeordnetenposten zu widmen, und forderte sie auf:

„...give Pat Cannon a chance to devote his full time to the thing which he seems best at – being absent.“

(dt. „...gebt Pat Cannon die Chance sich vollständig der Tätigkeit zu widmen, die er scheinbar am besten kann – abwesend sein.“)

Industriellen Kreisen empfahl er sich, indem er die im Rahmen des New Deal durchgeführten Wirtschafts- und Sozialreformen, als Knebelung der Wirtschaft geißelte und versprach sich im Falle seiner Wahl für eine umfassende Lockerung dieser angeblichen „Überregulierung“ einzusetzen.

Angesichts der zunehmenden Konfrontation zwischen den USA und ihrem einstigen Alliierten, der Sowjetunion, die auf den so genannten „Kalten Krieg“ zusteuerte, trat er für ein energisches, hartes Vorgehen der USA gegen die Ausdehnung des sowjetischen Machtbereichs ein.