mini|hochkant=1.3|Eingangsgebäude des U-Bahnhofs (Westfassade)
Der U-Bahnhof Wittenbergplatz ist ein U-Bahnhof im Berliner Ortsteil Schöneberg des Bezirks Tempelhof-Schöneberg. Er besitzt als einziger U-Bahnhof Berlins fünf nebeneinanderliegende Gleise und wird von den Linien U1, U2 und U3 der BVG bedient.
Geschichte mini|Eingang mit Kassenhäuschen (kurz nach 1902) mini|Blick von Südosten (um 1915) mini|Blick von Nordwesten
Erster Bahnhof (1902) Zunächst wurde der Bahnhof am Wittenbergplatz 1902 in einfacher Ausfertigung erbaut. Er gehörte zur Stammstrecke, der ersten Hochbahnstrecke der Hauptstadt des Deutschen Reichs, und wurde im Auftrag der Gesellschaft für elektrische Hoch- und Untergrundbahnen in Berlin (Hochbahngesellschaft) nach Plänen von Paul Wittig mit zwei Gleisen an zwei Seitenbahnsteigen am 11. März 1902 eröffnet. Die Eingänge mit Kassenhäuschen wurden 1902–03 nach Planen von Alfred Grenander ausgeführt.
Neubau von 1912 mini|Bahnsteige
Als am 29. Juni 1910 die Hochbahngesellschaft die Konzession erhielt, dort weitere Linien abzweigen zu lassen, erfolgte ein Architektenwettbewerb für den Ausbau des Bahnhofs. Den Zuschlag für die Gestaltung erhielt schließlich Alfred Grenander. Unter laufendem Betrieb entstand ein komplett neuer Bahnhof. Zunächst wurden die neuen Außengleise errichtet und der laufende Betrieb ab Juni 1912 auf diese verschwenkt, dann wurde der alte Bahnhof mitsamt der Bahnsteige und Außenwände abgerissen und neu gebaut. Vom alten Bahnhof Wittenbergplatz blieb nichts erhalten.Axel Mauruszat: Die zehn verschwundenen U-Bahnhöfe Berlins. In: Verkehrsgeschichtliche Blätter, Heft 3/2015, S. 90–99. (Leseprobe)
Der neue Bahnhof erhielt fünf Gleise an drei nebeneinanderliegenden Bahnsteigen und ging am 1. Dezember 1912 in Betrieb. Ein vierter Bahnsteig mit einem sechsten Gleis auf der Nordseite war eingeplant, wurde aber nie gebaut. Zunächst fuhr hier weiterhin nur eine Linie (die heutige U2), bis am 12. Oktober 1913 in Richtung Westen zeitgleich die Strecken zum Bahnhof Uhlandstraße (heute: U1) und zum Bahnhof Thielplatz (heute: U3) dazukamen. Der Bau einer zweiten Strecke in Richtung Osten wurde begonnen, 1917 wegen des Ersten Weltkriegs unterbrochen und erst 1926 fertiggestellt.
Eingangshalle mini|Eingangshalle
Zur Umgestaltung von 1913 gehörte auch ein neues Zugangsbauwerk. In der Mitte der Bahnsteige wurden Treppen angeordnet, die in eine darüberliegende Eingangshalle münden. Diese wurde, passend zum in der Nähe befindlichen KaDeWe, sehr repräsentativ erbaut und präsentierte sich als mächtiges kreuzförmiges Hallengebäude, das den Wittenbergplatz völlig beherrscht. Nach ihrer Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurde die Eingangshalle bis 1951 wieder aufgebaut. auf berliner-untergrundbahn.de Danach wurde sie durch Modernisierungsmaßnahmen weiter verändert und es dominierten vor allem Werbeflächen den Innenraum. In den Jahren 1982 und 1983 erfolgte daraufhin eine aufwendige denkmalgerechte Restaurierung. Die bis heute bestehenden Wandmalereien mit Motiven nach historischen Reklame-Vorlagen wurden bei dem Ost-Berliner Künstler Lutz Brandt in Auftrag gegeben.
Londoner U-Bahn-Schild Zum 50. Geburtstag der Berliner U-Bahn am 18. Februar 1952 schenkte die London Transport Executive, der damalige Betreiber der Londoner U-Bahn, der BVG als Zeichen der Verbundenheit ein Londoner U-Bahn-Schild. Als Ort, an dem es aufgehängt werden sollte, wählte die BVG die Station Wittenbergplatz als einen der am meisten benutzten U-Bahnhöfe im Zentrum West-Berlins aus. Am 4. Juni 1952 wurde das Schild, das, wie im Begleitschreiben betont wird, „in allen Einzelheiten denjenigen [entspricht], die seit vielen Jahren auf den Bahnhöfen der Londoner Untergrundbahnen Verwendung finden“, nach Berlin übersandt. Der Britische Stadtkommandant überreichte es der BVG im Namen der London Transport Executive am 2. Juli 1952 im Rahmen einer kleinen Feier.Dr. Walter Schneider: Der Städtische Berliner Öffentliche Nahverkehr, Band 11, Berlin o. J., S. 134–136 (dort auch eine Abbildung des Begleitschreibens). Dieses Schild ist auf dem Bahnsteig I angebracht.
Barrierefreiheit Die Bahnsteige I und II sind seit 1996 mittels Aufzug barrierefrei erreichbar. Der Bahnsteig III hingegen kann von Uhlandstraße kommend nicht barrierefrei verlassen werden. Für Fahrten Richtung Warschauer Straße steht hingegen die U3 von Bahnsteig II zur Verfügung.
Deckensanierung 2008–2009 Zwischen September 2008 und Mai 2009 wurde die Decke des U-Bahn-Tunnels auf einer Länge von rund 800 m für geplante 11,4 Millionen Euro wegen eindringenden Wassers umfassend saniert. Dazu wurden Teile des Wittenbergplatzes abgesperrt, die jeweils linken Fahrstreifen der Tauentzienstraße und die Durchfahrt zur Bayreuther Straße gesperrt sowie Grün- und Blumenanlagen entfernt, da der Zugriff auf die Decke nur von oben her möglich war.
Fassadensanierung 2019–2020 In den Jahren 2019 und 2020 wurde die Fassade des Eingangsgebäudes aufwendig saniert. Dafür mussten Teile der Fassade demontiert werden, um die darunterliegenden Stahlträger ertüchtigen zu können. Die Baukosten betrugen knapp drei Millionen Euro.
Gleise Die Gleisverbindungen erlauben verschiedenste Linienführungen, nur die Verbindung von Uhlandstraße nach Nollendorfplatz (oben) ist nicht möglich (siehe Gleisplan). Die bestehenden Streckenführungen haben den Vorteil, dass Züge der U2 und der U1/U3 gleichzeitig ausfahren können, ohne eine Flankenfahrt zu verursachen.
Von 1972 bis 1993 wurde die Strecke über Nollendorfplatz (oben) nicht befahren, da hier aufgrund der Berliner Mauer kein Bedarf bestand. In diesem Zeitraum fuhr die Linie 1 vom Schlesischen Tor über Nollendorfplatz (unten) nach Ruhleben (heute: U2), die beiden anderen Linien begannen erst am Wittenbergplatz. Die Linie 2 zur Krummen Lanke (heute: U3) kehrte auf den Gleisen nach Nollendorfplatz (oben), sodass sich jeweils nach dem Bahnsteig die Züge niveaugleich kreuzen mussten. Die Linie 3 zur Uhlandstraße (heute: U1) befuhr lediglich den südlichen Außenbahnsteig.
mini|links|hochkant=2.5|Zo = Zoologischer Garten, U = Uhlandstraße, Au = Augsburger Straße, No/Nm/Nu = Nollendorfplatz oben/Mitte/unten
Anbindung U-Bahn-Verkehr Linie Verlauf
Busverkehr Linie Verlauf S Grunewald – Taubertstr. – S Halensee – U Kurfürstendamm – U Wittenbergplatz – U Mehringdamm Roseneck – S Halensee – U Wittenbergplatz – U Hermannplatz/Urbanstr. Hertzallee – S+U Zoologischer Garten – U Wittenbergplatz – S Südkreuz – U Alt-Tempelhof – U Britz-Süd → Jugendheim Helsingforser Platz – S+U Warschauer Straße – U Wittenbergplatz – S+U Zoologischer Garten ← Hertzallee U Ruhleben → S+U Zoologischer Garten/← S+U Zoologischer Garten/Jebensstr. – U Wittenbergplatz – S Hackescher Markt – S+U Pankow – Hadlichstr. U Wittenbergplatz – S Mexikoplatz U Seestr. – U Wittenbergplatz – S+U Zoologischer Garten – Hertzallee
Literatur
Weblinks
Umgebungsplan des Bahnhofs Weitere Informationen und Fotos der Linie U1 auf berliner-untergrundbahn.de Weitere Informationen und Fotos der Linie U2 auf berliner-untergrundbahn.de
Einzelnachweise
Wittenbergplatz Wittenbergplatz Kategorie:Berlin-Schöneberg Kategorie:Baudenkmal in Berlin Kategorie:Erbaut 1902 Kategorie:Bahnhof von Alfred Grenander