Chronologische Darstellung von Meilensteinen aus der Geschichte und Entwicklung der Fotografie.
Anfänge bis 18. Jahrhundert
Wichtige Entwicklungen: Camera obscura – Laterna magica – Entwicklung der optischen und chemischen Grundlagen. 1717 Johann Heinrich Schulze (1687–1744) weist als erster die Lichtempfindlichkeit von Silbernitrat experimentell nach. 1733 Es gelingt Chester Moor Hall (1703–1771), durch die Kombination einer Kron- und Flintglaslinse den ersten Achromaten zu bauen. 1760 Charles-François Tiphaigne de la Roche greift in seinem Roman Giphantie die Entdeckungen Johann Heinrich Schulzes als Möglichkeit auf, damit Photographie zu betreiben. 1770 Der schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742–1786) macht erste Versuche mit Silberchlorid und entdeckt dessen Lichtempfindlichkeit. Scheele findet auch heraus, dass geschwärztes Silberchlorid durch Ammoniak unlöslich wird; er entdeckt – ohne sich dessen bewusst zu sein – ein Fixiermittel, das die Beständigkeit des Bildes gewährleistet. 1798 Die Brüder Claude (1763–1828) und Joseph Nicéphore Niépce (1765–1833) führen erste Experimente zur chemischen Fixierung der in der Camera obscura erzeugten Bilder durch. 1799 Der Chemiestudent Thomas Wedgwood (1771–1805) versucht erfolglos, mit Hilfe lichtempfindlicher Stoffe die Bilder der Camera obscura zu fixieren. 1800 Wilhelm Herschel (1738–1822) entdeckt die Infrarotstrahlung.
19. Jahrhundert mini|Die älteste erhaltene Fotografie auf einer asphaltbeschichteten Zinnplatte von Joseph Nicéphore Niépce mit Blick aus dem Arbeitszimmer seines Gutshofs Le Gras aus dem Jahr 1826. mini|Bild auf die Westfassade der Frauenkirche in München von Franz von Kobell aus dem Jahr 1837. mini|Die erste astronomische Daguerreotypie von John William Draper zeigt den Mond und wurde im März 1840 vom Dach des Observatoriums der New York University aus aufgenommen.
Wichtige Entwicklungen: Grundlagen der Fototechnik – Erfindung der Fotografie im heutigen Verständnis. 1802 Thomas Wedgwood erfindet eine Methode, Kontaktkopien ohne Kamera herzustellen (Fotogramm) und veröffentlicht in London einen „Bericht über eine Methode, Bilder auf Glas zu kopieren und Silhouetten herzustellen durch Einwirkung von Licht auf Silbernitrat“ (An account of a method of copying paintings upon glass and of making profiles by the agency of light upon nitrate of silver). Es ist immer noch nicht möglich, die Bilder zu fixieren. Erst drei Jahrzehnte später entdeckt William Henry Fox Talbot ein geeignetes Fixiermittel. 1814 Humphry Davy entdeckt das dritte lichtempfindliche Silbersalz, das Silberiodid. 1816 Joseph Nicéphore Niépce fertigt die ersten Papierfotografien mit selbstgebauten Kameras aus dem Fenster seines Arbeitszimmers. 1817 Carl Friedrich Gauß berechnet ein Fernrohrobjektiv, das später nach ihm benannt wird. 1819 John Herschel entdeckt die Eigenschaft des Natriumthiosulfats, Silbersalze zu lösen. 1822 Die erste lichtbeständige heliografische Kopie eines grafischen Blattes fertigt Joseph Nicéphore Niépce an. Dies geschah mit Hilfe von Asphalt auf Glas. 1824 Joseph Nicéphore Niépce gelingt mit einer Camera Obscura die erste haltbare Abbildung auf einer asphaltbeschichteten Zinkplatte. 1826 Antoine-Jérôme Balard entdeckt die Lichtempfindlichkeit des Silberbromids. Joseph Nicéphore Niépce lernt den Besitzer des spektakulären Dioramas in Paris Louis J. M. Daguerre kennen. 1826 Acht Stunden lang belichtet Joseph Nicéphore Niépce den Blick aus dem Fenster seines Arbeitszimmers auf einer mit Asphalt lichtempfindlich gemachten Zinnplatte. Das Ergebnis ist ein Direktpositiv; dabei handelt es sich um die erste erhalten gebliebene lichtbeständige Fotografie. 1829 Niépce und Daguerre schließen einen Vertrag über die Verbesserung und Nutzung der auf lichtchemischem Weg gewonnenen Bilder. 1835 Das erste Negativ-Verfahren entsteht, als William Henry Fox Talbot das Fenster seiner Bibliothek von innen fotografiert. Dabei nutzt er eine nur 8 cm kleine, mit einer Linse ausgestattete Kamera. Sein Papier tränkt er mit Silbernitrat und einer Salzlösung. Erst als 1839 das Verfahren von Daguerre bekannt wird, setzt Talbot seine Versuche fort. 1837 Daguerre entdeckt die Eignung einer Kochsalzlösung als Fixiermittel. Die älteste Aufnahme aus Deutschland vom März 1837 zeigt die Frauenkirche in München, wurde von Franz von Kobell hergestellt und wird im Deutschen Museum aufbewahrt. 1838 Charles Wheatstone beschreibt das Prinzip des Stereoskopisches Sehens. 1839 Die französische Akademie der Wissenschaften (Académie des sciences) verkündet, dass es Niépce und Daguerre gelungen sei, dauerhafte Bilder mit Hilfe der Camera Obscura aufzuzeichnen und gibt die Erfindung frei zur Nutzung in aller Welt; Daguerre wird als Erfinder der Fotografie gefeiert (Daguerreotypie). Ähnliche Methoden fanden jedoch auch andere, unabhängig voneinander arbeitende Erfinder, so zum Beispiel Niépce, Talbot und Hippolyte Bayard. In einem Beitrag zu den beiden photochemischen Herstellungsverfahren mit Silbersalzen prägte der Astronom Johann Heinrich von Mädler in der Vossischen Zeitung vom 25. Februar 1839J.[Johann] M.[Mädler]: Photographie. In: Königlich privilegierte Berlinischen Zeitung von Staats- und gelehrten Sachen. Nummer 47, Beilage, 25. Februar 1839, S. [9–10] (Digitalisat, Zitat: „… , die wir hier der Kürze wegen mit den Namen Photographie oder Lichtzeichenkunst … wollen, …“) den Begriff „Photographie“.Erich Stenger: Der Ursprung des Wortes "Photographie". In: der freie Lichtbildner (Offizielles Organ des Arbeiter-Lichtbild-Bundes). Jg. 2, Nr. 2, 15. Februar 1933, S. 14f. 1840 Die Kalotypie wird durch William Henry Fox Talbot entdeckt. Dabei handelt es sich um eine positive Salzpapierkopie vom Papiernegativ, mit der man beliebig viele Kopien herstellen kann. Josef Maximilian Petzval berechnet das erste lichtstarke Objektiv von 1: 3,7, f = 100 mm für Porträtaufnahmen. In den USA wird das erste Porträt-Atelier durch Alexander S. Walcott eröffnet. 1841 Das erste europäische Porträt-Atelier in London wird eröffnet; der Inhaber ist Richard Beard (1801–1885). Noël Marie Paymal Lerebours stellt in Paris 1500 Porträts im ersten kommerziellen Atelier Frankreichs aus. William Henry Fox Talbot lässt sich das erste Negativ-Positiv-Verfahren durch ein Patent schützen. Zur Aufnahme verwendet er Jodsilberpapier, das in Gallussäure und Silbernitrat entwickelt und in Natriumthiosulfat fixiert wird. Durch Baden in Wachs wird es transparent gemacht und wiederum auf ein Jodsilberpapier zu einem Positiv umkopiert. 1842 Eine frühe Reportage entsteht, als Hermann Biow und Carl Ferdinand Stelzner die Ruinen fotografieren, die der große Brand in Hamburg hinterlassen hat. 1844–1846 Talbot veröffentlicht das erste mit Fotos illustrierte Buch, ein sogenanntes Lieferungswerk, das in insgesamt 6 Lieferungen erschien: The Pencil of Nature; die insgesamt 24 Fotografien, sogenannte Kalotypien (ein anderer Name dafür ist Talbotypie), wurden von Hand ins Buch eingeklebt. 1847 Der Engländer David Brewster erfindet die zweiäugige Stereokamera. 1851 Die Beschreibung des nassen Kollodiumverfahrens wird durch Frederick Scott Archer veröffentlicht. Bis 1880 bleibt dieses das wichtigste fotografische Verfahren. 1854 André Adolphe-Eugène Disdéri lässt ein verkleinertes Format, das er als Carte de visite bezeichnet, als Patent eintragen. Da er etwa ab 1859 in der Lage war, eine Platte mehrfach zu belichten, senkte er die Kosten der Herstellung. Diese vergleichsweise preiswerten Fotografien trugen sehr zur Beliebtheit und Verbreitung der Fotografie bei. 1862 Untersuchungen über farbfotografische Verfahren veröffentlicht der französische Pigmentdrucker Louis Ducos du Hauron. 1864 William B. Bolton (1848–1889) und B. J. Sayce (1839–1895) entwickeln die fotografische Kollodium-Bromid-Trockenplatte und bringen eine gebrauchsfertige Emulsion aus Bromsilber für Trockenplatten in den Handel, die ab 1867 industriell gefertigt wird. Joseph W. Swan entwickelt in Newcastle-upon-Tyne das Kohle-Umkopierverfahren, das die Mängel des Poitevinschen Kopierverfahrens beseitigt. Er entwickelt das mit einer Gelatineschicht überzogene Pigmentpapier. 1865 Louis-Alphonse Poitevin unternimmt erste Versuche mit farbigen Bildern auf Papier; Abhandlung für die Pariser Akademie; Probleme mit der Echtheit und Haltbarkeit der Farben. 1866 C. A. Steinheil & Söhne erfinden mit den Aplanaten und John Henry Dallmeyer mit dem Rapid Rectlinear Objektive, die aufgrund ihrer symmetrischen Bauweise mit vier Linsen praktisch keine Verzeichnung aufweisen. 1867 Cyprien Tessie Du Motay (1819–1880) und Charles R. Maréchal erfinden den Lichtdruck (auch Lichtleimdruck bzw. Photolithographie oder Phototypie). 1868 Louis Ducos du Hauron erzielt den Durchbruch in der Farbfotografie. 1871 Richard Leach Maddox veröffentlicht seine Erfindung der Gelatinetrockenplatte, für die er eine Bromsilber-Gelatine-Schicht verwendet. Gegenüber der Kollodium-Nassplatte von 1851 steigert er die Empfindlichkeit um den Faktor 100 und erreicht eine Empfindlichkeit von ca. 5 ISO. 1873 Hermann Wilhelm Vogel, Professor für Photochemie in Berlin, gibt die orthochromatische Sensibilisierung des Negativmaterials bekannt. In Japan beginnt Rokusaburo Sugiura in Kojimachi, Tokio, mit dem Handel fotografischer und lithografischer Produkte. 1877 Eadweard Muybridge fertigt die ersten Reihenaufnahmen von beweglichen Motiven an. 1878 Voigtländer stellt das lichtstarke Euryscop vor, das auf Berechnungen von Hans Sommer basiert. 1879 Die ersten industriell gefertigten Bromsilber-Gelatinetrockenplatten werden von Johann Sachs in Berlin, Friedrich Wilde (1824–1868) in Görlitz sowie Carl Haack in Wien hergestellt. 1880 Die ersten Fotos erscheinen als Illustrationen in Zeitungen, so beispielsweise ein gerastertes Halbtonfoto in einer deutschen Zeitung. 1881 Hugo Adolf von Steinheil (1832–1893) stellt das lichtstarke Antiplanet vor. 1886 Der englische Militärfotograf Willoughby Wallace Hooper reizt die kürzer werdende Belichtungszeit aus, um die Gesichter von Gefangenen in der Sekunde vor dem Erschießungstod aufzunehmen. 1888 Die erste Rollfilm-auf-Papier-Kamera, die Kodak kommt auf den Markt. Die Vision des Amerikaners George Eastman war, das Fotografieren wesentlich zu vereinfachen. 1894Celestografie (Celestography) ist eine von August Strindberg um 1893–94 entwickelte experimentelle Fototechnik, bei der lichtempfindliche Platten direkt auf den Boden gelegt wurden, um den Sternenhimmel abzubilden, ohne Kamera und Linse. Der „Bosco-Automat“ für Ferrotypien wird durch George Grantham Bain (1865–1944) gegründet. Er nennt sie „Montauk Photo Concern“.
20. Jahrhundert 1900 bis 1924 Wichtige Entwicklungen: Erfindung der Kleinbildkamera („Ur-Leica“) durch Oskar Barnack, neue, lichtstarke Objektivrechnungen. 1903 Alfred Stieglitz gründet die Zeitschrift Camera Work. 1907 Das Autochromverfahren, mit dem sich mit einer Aufnahme farbige Fotografien fertigen ließen, wird durch die Brüder Auguste und Louis Lumière an den Markt gebracht. Firma Ernemann: Ankündigung einer Panorama-Rundkamera (Panoramakamera) mit einem Bildwinkel von 360°. 1908 Die Produktion des schwer entflammbaren Sicherheitsfilmes auf der Basis von Acetatcellulose wird durch Agfa und Kodak aufgenommen. 1912 An der Königlichen Akademie der Graphischen Künste in Leipzig erhält Frank Eugene das erste in Europa eingerichtete Lehramt für „künstlerische Fotografie“. 1913 Den ersten Prototyp der „Leica“ mit dem neuen Filmformat 24 × 36 mm (Kleinbildnegativ) konstruiert Oskar Barnack. 1873–1916 Karl Schwarzschild – Nach ihm wurde der Schwarzschild-Effekt benannt. 1922 Man Ray: Champs Délicieux (Mappe mit Rayogrammen) 1924 Die Presse- und Reportagefotografie wird in Europa durch die Ermanox revolutioniert; die Kamera zeichnet sich durch das seinerzeit lichtstärkste Objektiv (größte Öffnung 1 : 2, später 1 : 1,8), das Ernostar, aus.
1925 bis 1949