mini|Panorama von Lobeda mit dem Johannisberg mini|Altstadt von Lobeda, oberhalb Marktplatz
Lobeda ist eine ehemals selbstständige Stadt in Thüringen, die als Ortsteil Lobeda-Altstadt zu Jena gehört. Sie wurde 1946 eingemeindet, hat knapp 2000 Einwohner auf einer Fläche von 3,36 Quadratkilometern und liegt knapp 4,5 Kilometer südlich des Stadtzentrums.
Zwischen 1966 und 1986 entstand südwestlich von Lobeda die Jenaer Plattenbau-Trabantenstadt Neulobeda mit rund 20.000 Einwohnern. Zur besseren Abgrenzung gegenüber Neulobeda (ebenfalls Ortsteil von Jena) nennt sich das alte Lobeda seit dem 25. Mai 1998 Lobeda-Altstadt (Ortsteil von Jena).Amtsblatt der Stadt Jena, Nr. 21/1998, S. 225.
Geographie und Verkehr Geografische Lage Lobeda liegt im mittleren Saaletal zwischen teilweise von Mischwäldern bedeckten Muschelkalk- und Buntsandsteinhängen. Der Siedlungsbereich erstreckt sich zwischen 150 und 220 m ü. NN. oberhalb des Überschwemmungsgebietes der Saale. Die Höhen über Lobeda erheben sich etwa 220 m über der Tallage, sie erreichen auf dem Johannisberg 373 m und dem Spitzberg 374 m und bilden die saaleseitige Kante der Hochfläche Wöllmisse.
Die Gemarkung Lobeda Die Gemarkung der historischen Stadt Lobeda hat sich im Wesentlichen erhalten und überdeckt neben dem Ortsteil Lobeda-Altstadt auch große Teile von Neulobeda. Sie wird bis auf kleinere Abweichungen begrenzt durch die Saale, den Pennickenbach bis zum Fürstenbrunnen, die Sommerlinde, die Lobdeburgklause (die Lobdeburgruine gehört zur Flur Drackendorf), die südöstliche Grenze des Klinikums, den heutigen Mediamarkt und die Roda bis zur Saalemündung. Dabei bleiben die Siedlungsbereiche von Wöllnitz und Rutha ausgespart.Hauptsatzung der Stadt Jena 2003. Die benachbarten Jenaer Ortsteile sind Göschwitz, Burgau, Wöllnitz und Drackendorf sowie die Gemeinde Sulza, Ortsteil Rutha im Saale-Holzland-Kreis. Zur Gemarkung Lobeda gehört auch die Wüstung Selzdorf.Uwe Lorenz: Untersuchungen zur Besiedlung der Wüstung Selzdorf bei Jena-Lobeda. In: Ausgrabungen und Funde. Band 19 (1974), S. 280–285.
Verkehr Lobeda-Altstadt liegt an der BAB 4, 1700 m von der Ausfahrt Nr. 54 (Jena-Zentrum) entfernt und an der Bundesstraße 88. Nächster Bahnhof ist Jena-Göschwitz (1300 m) mit Anschlüssen in Richtung Erfurt, Halle, Leipzig, Gera, Saalfeld. Lobeda-Altstadt ist über den öffentlichen Personennahverkehr durch Autobuslinien mit dem Umland verbunden: Stadtroda–Tälerdörfer–Hermsdorf; Ilmnitz–Bobeck–Hermsdorf sowie Stadtroda – Neustadt/Orla und Schleiz. Der Nahverkehr nach Jena erfolgt über die Straßenbahnlinien 4 und 5.
Geschichte Politische Zugehörigkeit Lobedas Mit dem ersten urkundlichen Auftreten Lobedas im 12./13. Jahrhundert gehörte Lobeda zum Territorium des Adelsgeschlechts der Lobdeburger, das aus Süddeutschland stammte und seinen ersten Sitz in Thüringen auf der Lobdeburg hatte. Als Folge des Vogtländischen Krieges von 1354–1357 gelangte Lobeda 1358 in die Hände der Wettiner. Mit der Leipziger Teilung des wettinischen Gesamtstaates 1485 kam Lobeda zum ernestinischen Kurfürstentum Sachsen. Bei der Teilung des ernestinischen Staates von 1572 kam Lobeda zum neu gebildeten Herzogtum Sachsen-Weimar (ernestinische Linie der Wettiner). Bei einer Landesteilung des Herzogtums Sachsen-Weimar gelangte Lobeda zwischen 1672 und 1690 zum kurzzeitig existierenden Herzogtum Sachsen-Jena und kam danach zu Sachsen-Eisenach. Die Linie Sachsen-Eisenach starb 1741 aus, damit fiel das Territorium mit Lobeda an Sachsen-Weimar zurück (Sachsen-Weimar-Eisenach). Nach dem Wiener Kongress 1815 wurde das Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach Großherzogtum. Lobeda verblieb im Großherzogtum bis zur Auflösung der Territorialstaaten 1919. Ab 1920 gehörte Lobeda zum neu gebildeten Land Thüringen und war vorübergehend (1922 bis 1924) nach Jena eingemeindet. Bis 1946 gehörte Lobeda zum Landkreis Stadtroda, danach endgültig zu Jena als Vorort Jena-Lobeda (seit 1998 Lobeda-Altstadt).(1) Herbert Koch: Geschichte der Stadt Lobeda. (in zwei Teilen bis 1649), Jena 1939 und 1941; (2) Reinhard Jonscher: Von Ammerbach bis Zwätzen – Geschichte der Jenaer Vororte. Jena 2012, S. 213–248.
Vorgeschichte und Stadtgründung, Urpfarrei Anhaltspunkt für eine frühe Besiedlung sind Funde im Flurstück Steinchen (östlicher Teil des ehemaligen Schlossparkes) aus dem Jahr 1928, die der jüngeren Bronzezeit (um 1000 v. Chr.) zugeordnet wurden.Günter Eichhorn: Eine verschüttete Siedlung der jüngeren Bronzezeit auf dem Gelände des unteren Schlosses in Lobeda bei Jena. In: Mannus. Zeitschr. F. Vorgeschichte, Bd. 21. H. 3/4 (1929), S. 273–277.
1936 wurden in der Arperschen Kiesgrube Gräber vom 3. bis 4. Jahrhundert freigelegtN.N.: Gräberfunde bei Zöllnitz und Lobeda. In: Altes und Neues aus der Heimat. Beilage zum Jenaer Volksblatt, VI. Folge 1934–1936, S. 107. und 1965 bei der Erschließung von Neulobeda Gräber der Schnurkeramik (um 2500 v. Chr.) angeschnitten.
Diese Funde belegen, dass Lobeda und seine Umgebung mindestens temporär bereits frühzeitig besiedelt waren.Karl Peschel: Ausgrabungen und Funde. Band 11 (1966), S. 267–270.
Des Weiteren ist der Johannisberg für die Besiedlung Lobedas von Bedeutung. Dort befinden sich die Reste zweier bedeutender Befestigungen aus der späten Bronzezeit und dem frühen Mittelalter. Letztere wird sowohl als slawische als auch als fränkische Anlage interpretiert, die angeblich 937 mit der Entstehung der Burg Kirchberg bei Jena ihre Bedeutung verlor.Roman Grabolle: Die frühmittelalterliche Burg auf dem Johannisberg bei Jena-Lobeda. In: Zeitschrift für Burgenforschung und Denkmalpflege. Band 48, 2007, S. 135–143.
Möglicherweise setzte die Besiedlung des Lobedaer Kirchberges danach ein und der Ort und die Urpfarrei Lobeda entstanden.Reinhard Spehr: Zur spätfränkischen Burg „Kirchberg“ auf dem Johannisberg über Lobeda In: Burgen und Schlösser in Thüringen. Glaux-Verlag, Jena 1997, S. 21–38.
Weniger in Frage steht, dass die Urpfarrei Lobeda bereits im 10. Jahrhundert existierte. Dafür sprechen das 1228 in einer Papsturkunde genannte große Territorium dieser Urpfarrei, das die Filialen Ammerbach, Schlöben, Jägersdorf und Gleina (Schöngleina, das untergegangene Dorf Gleina beim heutigen Vorwerk Cospoth nahe Oßmaritz) sowie eine Kapelle Kirchberg einschloss sowie die vielen im weiten Umkreis verstreuten zinspflichtigen Orte, die wie Rothenstein zum Teil sehr viel früher urkundlich belegt sind.
Ein weiterer Aspekt war die Einrichtung eines Dekanats Lobeda innerhalb des Archidiakonats der Dompropstei Naumburg, das neben den beiden anderen Dekanaten Schkölen und Teuchern bis zur Reformation bestand. Allerdings ist der oft zitierte Schluss, dass die Kirche von Lobeda die zweite Basilika des Burgwards Kirchberg und die zugehörige Stadt Lobeda war (in einer Urkunde Ottos II. von 976: in Chirihberg basilicas duas cum villaOttogerd Mühlmann: Die tausendjährige Tradition der Kirche in Lobeda. In: Herbert von Hintzenstern (Hrsg.): Aus zwölf Jahrhunderten – Einundzwanzig Beiträge zur Thüringern Kirchengeschichte. Berlin 1971, S. 45 ff.) nicht belegbar.
Der Name Lobeda tauchte erstmals mit der Nennung von „Adalbert von Lovethe“ 1156 in einer Urkunde Albrechts des Bären auf.Otto Dobenecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. Jena 1900, Nr. 126. Er war ein Vasall des Grafen von Weimar-Orlamünde, was deutlich zeigt, dass die Flur Lobeda nicht ausschließlich in einer Hand war. Ebenfalls bedeutend ist die Nennung des Pfarrers „Hugo von Lobeda“ ab 1213 in zahlreichen Urkunden.
Im Jahr 1284 wurde Lobeda erstmals als Stadt genannt: „… Otto und Hartmann, die Herren von Lodeburch, … dass wir einen Hof, gelegen ganz am Ende der Gasse der Stadt Lobede, die in Richtung Pennicke auf dem oberen Weg führt, … dem Nonnenkloster in Butitz zu eigen gegeben haben, …“Christian Schöttgen, Georg Christoph Kreysig: Diplomataria et Scriptores Historiae Germanicae Medii Aevi : Cum Sigillis Aeri Incisis. Altenburg 1754, S. 380/381. Diese Formulierung legt die Vermutung nahe, dass Lobeda deutlich vor 1284 Stadt geworden war. Für ein genaues Datum fehlen jedoch die Belege.
Auch die Herkunft des Namens Lobeda liegt im Dunklen. Einige Historiker versuchen eine Ableitung von louba (Waldgebirge, wahrscheinlich auf die Wöllmisse bezogen), andere glauben, dass das Adelsgeschlecht von Auhausen, das sich seit 1166 von Lobdeburg nannte, den Namen von ihrem früheren Stammsitz, der Ladenburg am Neckar, ableitete. Dies ist allerdings unwahrscheinlich, da die Stadt dann auch Lobdeburg heißen und der die vorstädtische Siedlung vor 1166 einen anderen Namen getragen haben müsste.
Das Adelsgeschlecht derer von Auhausen tauchte in der Region Lobeda erstmals 1133 in einer Urkunde auf.Otto Dobenecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. 4 Bde., Jena 1896–1939, Band I, S. 1271.
Ab 1166Otto Dobenecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. 4 Bde., Jena 1896–1939, Band II, S. 330. nannte sich dieses Geschlecht Herren von Lobdeburg. In diese Zeit fiel auch der Bau der Lobdeburg als Burg und Sitz, was für 1186 belegt ist.Otto Dobenecker: Regesta diplomatica necnon epistolaria historiae Thuringiae. 4 Bde., Jena 1896–1939, Band II, S. 762. Die Lobdeburger traten als Kolonisatoren im Ostthüringer Raum auf und gründeten die Städte Jena und Lobeda sowie weitere Orte und das Kloster Roda. Lobeda wurde als planmäßige Stadt angelegt. Wahrscheinlich erfolgte die Stadtgründung Lobeda, damit die Lobdeburger ihre Herrschaft neben Jena mit einer weiteren Stadt aufwerten und Handwerker und Bedienstete am Fuße der Lobdeburg ansiedeln konnten.
Die Entwicklung der selbständigen Stadt Lobeda bis 1870 Im 14. Jahrhundert stritten sich die Grafen von Schwarzburg und das Haus Wettin um die Vorherrschaft an der mittleren Saale. Lobeda gehörte zeitweise den Schwarzburgern und ab 1358 den Wettinern. Letztere verwalteten die Region zunächst vom Amt Burgau aus, das 1478 mit Jena zum Doppelamt Jena-Burgau vergrößert wurde. 1407 lässt sich die erste Stadtsatzung nachweisen, aber erst 1593 sind zwei und 1699 vier Jahrmärkte benannt.