Blankenau ist einer der acht Ortsteilen der Gemeinde Hosenfeld im osthessischen Landkreis Fulda. Das Dorf ist ländlich geprägt.

Geografie mini|Lage von Blankenau (Blanckenau) auf einer Kartes des Hochstifts Fulda von 1574

Geografische Lage Blankenau, dessen Zentrum sich auf Höhe befindet, liegt im Westen des Landkreises Fulda unmittelbar an der Kreisgrenze zum Vogelsbergkreis. Geographisch wird das Dorf an den östlichen Ausläufern des Vogelsberges zum Fuldaer Graben, der die Rhön und den Vogelsberg voneinander trennt, dem „Fuldaer Vogelsberg“ zugeordnet. Es ist 19 km von der Kreisstadt Fulda entfernt. Blankenau wird vom Fulda-Zufluss Lüder durchflossen. In wesentlichen Teilen liegt die Talaue der Lüder/Schwarza im Gemarkungsgebiet von Blankenau im Auenverbund der Fulda und ist teilweise als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.

Aktuelle und historische Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung Quelle: Historisches Ortslexikon Burg Blankenwald Wüstung Galgenacker Wüstung Liebel Pulvermühle Wüstung Staken Kloster der Vinzentinerinnen (Barmherzige Schwestern des heiligen Vinzenz von Paul) in Blankenau Benediktinerinnenkloster Blankenau

Ausdehnung Die Gemarkung umfasst eine Fläche von 5,71 km² und hat eine Flächenausdehnung von 4,8 km in Nord-Süd-Richtung und von 5 km in Ost-West-Richtung.

Nachbarorte Blankenau grenzt im Norden an die Gemarkung Stockhausen der (Stadt Herbstein) im Vogelsbergkreis, im Osten an die Gemarkung Hainzell, im Süden an die Gemarkungen Schletzenhausen und Hosenfeld (Landkreis Fulda) und im Westen an die Gemarkungen Zahmen der (Gemeinde Grebenhain) und Schlechtenwegen der (Stadt Herbstein) (beide ebenfalls im Vogelsbergkreis).

Ortsgeschichte mini|Blick auf Blankenau mit ehem. Klosterkirche und Hospital (links) und den Burgberg der ehem. Burg Blankenwald

Mittelalter Blankenau ist zweifelsohne der geschichtsträchtigste Ort in der Gesamtgemeinde. Geschichtlich wurde Blankenau, soweit bekannt, erstmals in einer Urkunde über die Zerstörung der Burg derer von Blankenwald im Jahre als „Blankenouwe“ 1269 erwähnt.StAm 77, Nr. 3.

Sie trug einst eine vorgeschichtliche Ringwallanlage, die wohl dem Schutze des an dieser Stelle vorbeiführenden Ortesweges, einer frühzeitlichen Handelsstraße aus der Wetterau kommend, diente. Dieser frühmittelalterliche Höhenweg führte über Herchenhain-Crainfeld-Steinfurt-Schlechtenwegen-Blankenau nach Fulda.Willi Görich: Ortesweg, Antsanvia und Fulda in neuerer Sicht. Zur Heimführung des Bonfacius vor 1200 Jahren. In: Germania, Korrespondenzblatt der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts 33 (1955). Beilage 2. S. 68–88. S. 80, doi:10.11588/ger.1955.43631. Später stand dort die Burg Blankenwald der Herren von Blankenwald, einer Seitenlinie der Herren von Schlitz. Diese Burg war im 13. Jahrhundert eines der gefürchtetsten Raubritternester des Fuldaer Landes. Die Burg wurde deshalb vom damaligen Fuldaer Fürstabt Bertho II. von Leibolz im Jahre 1264 erstürmt und geschleift. Reste der ehemaligen Burganlage sind heute noch feststellbar. 1327 fallen Anhänger des Königs Ludwig des Bayern in das Fuldaer Stiftsgebiet ein und verwüsten u. a. auch die Blankenauer Abtei. Um die daraus entstandene Not der Nonnen zu lindern, gestattet Papst Johann der XXII. dem Kloster die Einverleibung der Pfarrei Wingershausen bei Schotten. 1525 im beginnenden Bauernkrieg wird auch das Kloster Blankenau zerstört. Nur wenige Nonnen bleiben in den folgenden Jahren in Blankenau. 1656 wird das Propsteiamt Blankenau eingerichtet. Neuzeit Hessische Gebietsreform (1970–1977) Die bis dahin selbständigen Gemeinden Brandlos, Hainzell, Hosenfeld, Jossa, Pfaffenrod, Poppenrod und Schletzenhausen mit dem Weiler Gersrod gaben am 31. Dezember 1971 ihre Eigenständigkeit auf und wurden im Zuge der Gebietsreform in Hessen auf freiwilliger Basis in die Gemeinde Hosenfeld eingegliedert. Für alle nach Hosenfeld eingegliederten Gemeinden und die Kerngemeinde wurde je ein Ortsbezirk gebildet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Blankenau angehört(e):

vor 1803: Heiliges Römisches Reich, Hochstift Fulda, Propsteiamt Blankenau 1803–1806: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Oranien-Fulda,Durch den Reichsdeputationshauptschluss. Fürstentum Fulda, Amt Blankenau 1806–1810: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonischen Kriege. Fürstentum Fulda (Militärverwaltung) 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Fulda, Distrikt Großenlüder ab 1816: Kurfürstentum Hessen, Großherzogtum Fulda, Amt Großenlüder ab 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Fulda1822: Trennung zwischen Justiz, Justizamt Großenlüder und Verwaltung. ab 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fulda ab 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Fulda ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1918: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fulda ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Kurhessen, Landkreis Fulda ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fulda, Gemeinde Hosenfeld

Bevölkerung Einwohnerentwicklung • 1812: 52 Feuerstellen, 375 Seelen

Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Blankenau 729 Einwohner. Darunter waren 15 (2,1 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 150 Einwohner unter 18 Jahren, 291 zwischen 18 und 49, 129 zwischen 50 und 64 und 162 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 282 Haushalten. Davon waren 69 Singlehaushalte, 72 Paare ohne Kinder und 111 Paare mit Kindern, sowie 24 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 69 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 183 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Historische Religionszugehörigkeit • 1885: zwei evangelische (= 0,43 %), 461 katholische (= 99,57 %) Einwohner • 1961: 6 evangelische (= 1,64 %), 519 katholische (= 98,86 %) Einwohner

Kirchengeschichte / Religion Klostergründung

Hospital des Klosters mini|Hospital St. Elisabeth vom Garten aus Das im Jahre 1287 dem damaligen Kloster angeschlossene Hospital St. Elisabeth besteht noch heute im St.-Elisabethen-Weg 5. Es wurde 1919 von den Nonnen des Ordens der Vinzentinerinnen vom heiligen Vinzenz von Paul, mit seinem Mutterhaus Fulda, übernommen und bis Dezember 2012 betreut. Aufgrund der letzten nur geringen Belegungskapazität (23 Pflegeplätze) war die Wirtschaftlichkeit nicht dauerhaft gesichert. Das Mutterhaus entschloss sich für eine neue Einrichtung mit 60 Plätzen in Hosenfeld. Das Alten- und Pflegeheim St. Elisabeth Blankenau wurde im Dezember 2012 durch Umzug in den Kernort Hosenfeld verlegt und durch den Bischof von Fulda Heinz Josef Algermissen als Folgeeinrichtung am 14. Dezember 2012 feierlich eingeweiht und war infolge einer geeigneten Nachfolgenutzung bis Januar 2016 unbewohnt. Zwischenzeitlich wurde 2015 vom Orden das unter Denkmalschutz stehende Gebäude in Privatbesitz veräußert. Seit 2016 wird das ehemalige Hospital von Flüchtlingen durch zugewiesene Flüchtlingsfamilien vom Landkreis Fulda bewohnt.

mini|Innenansicht der alten Hauskapelle von St. Elisabeth ((aufgelöst))

Nachklosterzeit und Umwandlung zur Propstei Mit dem Aussterben des Klosters und den Auswirkungen des Konzil von Trient 1545 bis 1563 durften Frauenklöster nur noch in „befestigten Städten“ errichtet werden. Schon seit 1420 waren den Frauenklöstern des Fuldaer Hoheitsgebietes durch Fürstabt Johannes von Merlau Pröpste für die Verwaltung weltlicher Angelegenheiten beigegeben. So verblieb nach der Auflösung des Klosters auch in Blankenau ein Propst, um die Seelsorge und die ausgedehnten Besitzungen zu verwalten. Um 1600 wurde Blankenau in eine Propstei umgewandelt.

mini|links|Das „Amt Blankenau“, aus dem Türkersteuerregister von 1605 Im Jahre 1605 wird das „Amt Blankenau“ in der Türkensteuerregister der Fürstabtei Fulda erwähnt, welches die Zahlungen der Untertanen an die Abtei ebenfalls zum „Fuldaer Anteil“ an der Türkensteuer auflistet.

Dreißigjähriger Krieg (1618–1648) Das Gebiet des Hochstifts Fulda und Blankenau war im Dreißigjährigen Krieg nicht Hauptkriegsschauplatz. Erst drei Jahre nach Ausbruch kam er im Raum Fulda 1621 mit den protestantischen Söldnergruppen des Dudo von Knipshausen und dem "Tollen Christian" an. Diese plünderten und brandschatzten die Ländereien, zündeten Kirchen und Klöster in Neuenberg und Johannesberg an und forderten Lösegelder. Dennoch war die Region, bedingt durch ihre Lage an der Grenze von katholischen und protestantischen Ländern und als Verkehrsknoten zwischen Nord und Süd, stark vom Krieg betroffen.

Im Jahre 1622 zog der Freischarenführer, Herzog Christian von Braunschweig, genannt der "tolle Christian", mit seinem Heer von Fulda, das er nicht einnehmen konnte, über Haimbach, Rodges, Hainzell und Blankenau in Richtung der Wetterau. Hierbei hatte besonders Blankenau unter den Plünderungen des vorbeiziehenden Söldnerhaufens zu leiden.

In der Folgezeit bestiegen fünf der Pröpste Blankenaus den fürstäbtlichen Thron in Fulda, zwei davon haben die bischöfliche Würde erlangt. Bis zum Jahre 1734 wurden die Blankenauer Pröpste nach ihrem Tode in der Propsteikirche (frühere Klosterkirche) bestattet. 1960 wurden bei der Renovierung der Kirche die Grüfte aufgedeckt und die Toten „recognosciert“.

Um 1700 ließ Propst Bernard von Reinach (1699–1732) das heute noch vorhandenen Propsteischloss nach den Plänen des Franziskanerarchitekten Antonius Peyer vom Kloster Frauenberg in Fulda errichten. mini|Ostseite des Propstschlosses Blankenau mini|Eingang zum ehem. Klosterbezirk mit Klosterkirche und Propstei Blankenau

Die Pröpste von Blankenau Die Liste der Pröpste des Klosters in Blankenau ist lückenhaft und nicht mehr vollständig zu ermitteln. Bei der Urkunden- und Geschichtsrecherche des früheren Klosters sind in den unterschiedlichsten Urkunden die Namen der für das Kloster handelnden Personen genannt. Aufgrund des Fehlens genauer Aufzeichnungen vor 1565 wird in der Geschichtsforschung davon ausgegangen, dass es sich um den jeweiligen Propst des Klosters handelt. Sofern kein genauer Zeitraum der jeweiligen Amtszeit eines Propstes vorliegt handelt es sich um das Jahr der Verfassung einer Urkunde mit der jeweiligen Namensnennung. In Blankenau war das Propsteiamt Blankenau zuständig.

Ende der Propstei mini|links|Der letzte Propst von Blankenau: Joseph von Hettersdorf Propst Josef von Hettersdorf (1776–1802) musste 1802 die Aufhebung der Propstei durch Napoleon erleben. Blankenau kam daraufhin mit dem gesamten Gebiet der Fürstabtei Fulda zunächst an den Prinzen von Oranien, wechselte in der Folgezeit häufig die politische Zugehörigkeit, um zuletzt Staatsdomäne des preußischen Staates zu werden. Nach der Auflösung der Domäne 1906 wurden die weitläufigen Ländereien zu Gunsten des Staates meistbietend veräußert. Der Bischöfliche Stuhl in Fulda kaufte das Propsteigebäude zurück, das seitdem als Wohnung des jeweiligen Pfarrers und als Pfarrhaus für die Pfarrei St. Simon und Judas, genutzt wird.