mini|Nordfront (Erweiterungsbau von 1929 am Adalbertsteinweg), 2006 mini|Westfront (Altbau von 1889 an der Kongressstraße), 2022 mini|hochkant|Eingangstor des Justizzentrums (2008) mini|hochkant|Nachtbriefkasten des Justizzentrums Aachen (2008) Das Landgericht Aachen ist ein Teil der ordentlichen Gerichtsbarkeit des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen. Ein Landgericht Aachen existiert allerdings unter diesem Namen schon seit 1820, nicht erst seit dem Inkrafttreten des Gerichtsverfassungsgesetzes 1879.
Gerichtssitz und -bezirk Das Landgericht (LG) hat seinen Sitz in Aachen; der Gerichtsbezirk umfasst die Städteregion Aachen, den Kreis Düren, den Kreis Heinsberg abzüglich der Städte Erkelenz, Hückelhoven und Wegberg sowie vom Kreis Euskirchen die Städte und Gemeinden Blankenheim, Dahlem, Hellenthal, Kall, Nettersheim und Schleiden.
Gerichtsgebäude Das Landgericht Aachen ist im historischen Gerichtsgebäude an der Kongressstraße und einem Erweiterungsbau am Adalbertsteinweg 90 in Aachen untergebracht.
Bis 2008 wurde für 78 Mio. Euro ein Erweiterungsbau (Justizzentrum) errichtet, in dem seitdem auch das Amtsgericht Aachen, die Staatsanwaltschaft Aachen, das Arbeitsgericht Aachen, das Sozialgericht Aachen und das Verwaltungsgericht Aachen untergebracht sind. Dort versehen ca. 900 Justizbedienstete ihren Dienst. Der von der Architektin Gesine Weinmiller (Weinmiller Architekten Berlin) entworfene Erweiterungsbau besteht aus drei Gebäuden (zentraler Saalbau und zwei Bürotrakten) und einem angeschlossenen Parkhaus mit ca. 400 Stellplätzen.
Geschichte Vorgeschichte Im Jahre 1794 eroberte das revolutionäre Frankreich die linksrheinischen Gebiete. Diese wurden am 4. November 1797 von Frankreich annektiert. Im Frieden von Campo Formio 1797 und final im Friede von Lunéville wurde diese Annexion von den Kriegsgegnern anerkannt. Frankreich führte in linksrheinischen Gebieten die französische Verwaltungs- und Gerichtsorganisation ein. Auf Ebene des Arrondissement Aachen wurde für Zivilrechtsfälle ein Tribunal 1. Instanz eingerichtet. Das Tribunal 1. Instanz war mit 7 Berufsrichtern, einem Kommissar, einem stellvertretenden Kommissar, einem Greffier (Gerichtsschreiber) und vier Ersatzrichtern besetzt. Für Strafrechtsfälle wurde auf Ebene des Département de la Roer ein Kriminalgericht mit Sitz in Aachen eingerichtet. Als erste Richter am Kriminalgericht fungierten Meller (Vorsitzender), Sybertz und Pellegrin (Richter), Calenberg und Zurhoven (stellv. Richter), Hanne (Regierungskommissar) und Leroy (Gerichtsschreiber). Gerichtssprache war an beiden Gerichten Französisch.Antonio Grilli: Die französische Justizorganisation am linken Rheinufer 1779–1803, 1997, ISBN 3-631-34089-3, insb. S. 205, 270
Dem Tribunal 1. Instanz unterstanden folgende Friedensgerichte:
Friedensgericht Sitz Friedensgericht Aachen Aachen Friedensgericht Burtscheid Burtscheid Friedensgericht Düren Düren Friedensgericht Eschweiler Eschweiler Friedensgericht Froitzheim Froitzheim Friedensgericht Geilenkirchen Geilenkirchen Friedensgericht Gemünd Gemünd Friedensgericht Heinsberg Heinsberg Friedensgericht Linnich Linnich Friedensgericht Montjoie Monschau Friedensgericht Sittard Sittard
1814 wurde das linke Rheinufer von den Koalitionstruppen zurückerobert und fiel an das Königreich Preußen. Preußen übernahm die französische Justizorganisation, benannte aber das Tribunal 1. Instanz in Kreisgericht um. Übergeordnetes Gericht war der Appellationshof Köln. Daneben bestand in Aachen noch das Handelsgericht Aachen. Dem Kreisgericht Aachen unterstanden nun folgende Friedensgerichte:
Friedensgericht Sitz Anmerkungen Friedensgericht Aachen Aachen Friedensgericht Burtscheid Burtscheid Friedensgericht Düren Düren Friedensgericht Eschweiler Eschweiler Friedensgericht Froitzheim Froitzheim Friedensgericht Geilenkirchen Geilenkirchen Friedensgericht Gemünd Gemünd Friedensgericht Heinsberg Heinsberg Friedensgericht Linnich Linnich Friedensgericht Montjoie Montjoie Friedensgericht Herzogenrath Herzogenrath Friedensgericht Sittard Sittard
Quelle siehe Max Bär: Die Behördenverfassung der Rheinprovinz, 1919, Nachdruck 1965, S. 381 ff. Landgericht der Rheinprovinz
Das Landgericht Aachen existiert unter diesem Namen seit 1820. In der damaligen preußischen Rheinprovinz galt die französische Gerichtsorganisation weiter. Der Appellationsgerichtshof Köln hatte dort die Funktion des Appellationsgerichtes. Die ihm untergeordneten Gerichte trugen nicht mehr die Bezeichnung Kreisgericht, sondern Landgericht. Dem Landgericht Aachen waren folgende Friedensgerichte als Gerichte erster Instanz untergeordnet:
Friedensgericht Sitz Friedensgericht Aachen I Aachen Friedensgericht Aachen II Aachen Friedensgericht Aldenhoven Aldenhoven Friedensgericht Blankenheim Blankenheim Friedensgericht Burtscheid Burtscheid Friedensgericht Düren Düren Friedensgericht Erkelenz Erkelenz Friedensgericht Eschweiler Eschweiler Friedensgericht Eupen Eupen Friedensgericht Geilenkirchen Geilenkirchen Friedensgericht Gemünd Gemünd Friedensgericht Heinsberg Heinsberg Friedensgericht Jülich Jülich Friedensgericht Malmedy Malmedy Friedensgericht Montjoie Montjoie Friedensgericht Nideggen Nideggen Friedensgericht Sankt Vith Sankt Vith Friedensgericht Wegberg Wegberg
Quelle sieheH. A. Fecht: Die Gerichts-Verfassungen der deutschen Staaten, 1868, S. 175, online
Landgericht nach dem Gerichtsverfassungsgesetz 1879
Im Zuge der Reichsjustizgesetze nahm es 1879 das bis dahin in Aachen ansässige Handelsgericht auf, das fortan die im Gerichtsverfassungsgesetz (GVG) vorgesehene Kammer für Handelssachen bildete. Die Friedensgerichte wurden aufgelöst und Amtsgerichte eingerichtet. Das königlich preußische Landgericht Düsseldorf wurde mit Wirkung zum 1. Oktober 1879 als eines von neun Landgerichten im Bezirk des Oberlandesgerichtes Cöln gebildet. Das Landgericht war danach für die Kreise Düren, Erkelenz, Eupen, Geilenkirchen, Heinsberg, Jülich, Malmedy, Montjoie und Schleiden zuständig.Gesetz, betreffend die Errichtung der Oberlandesgerichte und der Landgerichte vom 4. März 1878 (PrGS 1878, S. 109–124) Ihm waren folgende 16 Amtsgerichte zugeordnet:
Amtsgericht Sitz Bezirk Amtsgericht Aachen Aachen Stadtkreis Aachen und den Landkreis Aachen außer dem Teil, der den Amtsgerichten Eschweiler und Stolberg zugeordnet war Amtsgericht Aldenhoven Aldenhoven Aus dem Landkreis Jülich die Bürgermeistereien Aldenhoven, Barmen, Coslar, Dürwitz, Edern, Freialdenhoven, Inden, Kirchberg, Linnich, Rördorf, Siersdorf und Welz Amtsgericht Blankenheim Blankenheim Aus dem Landkreis Schleiden die Bürgermeistereien Blankenheim, Cronenburg, Dollendorf, Holzmülheim-Tondorf, Lommersdorf, Marmagen, Udenbreth und Wahlen Amtsgericht Düren Düren Landkreis Düren Amtsgericht Erkelenz Erkelenz Landkreis Erkelenz außer dem Teil, der dem Amtsgericht Wegberg zugeordnet war Amtsgericht Eschweiler Eschweiler Aus dem Landkreis Aachen die Bürgermeistereien Broich, Eschweiler, Höngen und Kinzweiler Amtsgericht Eupen Eupen Landkreis Eupen Amtsgericht Geilenkirchen Geilenkirchen Landkreis Geilenkirchen außer dem Teil, der dem Amtsgericht Heinsberg zugeordnet war Amtsgericht Gemünd Gemünd Landkreis Gemünd außer dem Teil, der dem Amtsgericht Blankenheim zugeordnet war Amtsgericht Heinsberg Heinsberg Landkreis Heinsberg außer dem Teil, der dem Amtsgericht Wegberg zugeordnet war sowie die Bürgermeisterei Randerath aus dem Landkreis Geilenkirchen Amtsgericht Jülich Jülich Landkreis Jülich außer dem Teil, der dem Amtsgericht Aldenhoven zugeordnet war Amtsgericht Malmedy Malmedy Landkreis Malmedy außer dem Teil, der dem Amtsgericht St. Vith zugeordnet war Amtsgericht Montjoie Montjoie Landkreis Montjoie außer dem Teil, der dem Amtsgericht Stolberg zugeordnet war Amtsgericht St. Vith St. Vith Aus dem Landkreis Malmedy die Bürgermeistereien Amel, Crombach, Lommersweiler, Manderfeld, Meyrode, Reuland, Schönberg und St. Vith sowie die Bürgermeisterei Recht ohne die Orte Ligneuville und Pont Amtsgericht Stolberg Stolberg Aus dem Landkreis Aachen die Bürgermeistereien Büsbach, Gressenich und Stolberg sowie die Bürgermeisterei Zweifall aus dem Landkreis Montjoie Amtsgericht Wegberg Wegberg Aus dem Landkreis Erkelenz die Bürgermeistereien Beek, Elmpt, Gerderath, Niederfrüchten, Schwanenberg und Wegberg sowie der Gemeindebezirk Arsdorf aus dem Landkreis HeinsbergVerordnung, betreffend die Bildung der Amtsgerichtsbezirke vom 5. Juli 1879, GS Nr. 30, S. 559 f., Digitalisat
Der Landgerichtsbezirk hatte 1888 zusammen 502.544 Einwohner. Am Gericht waren ein Präsident, zwei Direktoren und zehn Richter tätig. Beim Landgericht war eine Kammer für Handelssachen mit vier Handelsrichtern eingerichtet.Carl Pfafferoth: Jahrbuch der deutschen Gerichtsverfassung. 1888, S. 412 online
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Sprengel der Amtsgerichte Eupen, Malmedy und St. Vith Belgien zugeordnet und der Sprengel des Landgerichtes verkleinerte sich entsprechend.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Amtsgerichte Aldenhoven (heute zu Jülich), Blankenheim (heute zu Gemünd), Stolberg (heute zu Eschweiler) und Wegberg (heute zu Erkelenz) aufgehoben.
Seit Juni 2022 wird das LG Aachen von dem Präsidenten Ulrich Thole geleitet.
Landesarbeitsgericht Aachen Gemäß Arbeitsgerichtsgesetz vom 23. Dezember 1926RGBl. I S. 507 wurden in Deutschland Arbeitsgerichte gebildet. Diese waren nur in der ersten Instanz unabhängig, die Landesarbeitsgerichte waren den Landgerichten zugeordnet. Am Landgericht Aachen entstand so 1927 das Landesarbeitsgericht Aachen als eines von drei Landesarbeitsgerichten im Bezirk des Oberlandesgerichtes Köln. Dem Landesarbeitsgericht Aachen waren folgende Arbeitsgerichte zugeteilt: Arbeitsgericht Aachen, Arbeitsgericht Düren, Arbeitsgericht Eschweiler und Arbeitsgericht Gemünd.Verordnung über die Errichtung von Arbeitsgerichten und Landesarbeitsgerichten vom 10. Juni 1927, GS S. 97 f., Digitalisat
Im Zweiten Weltkrieg wurde Belgien besetzt und Eupen-Malmedy am 18. Mai 1940 zurück in das Deutsche Reich eingegliedert. Durch Verordnung vom 19. September 1940 wurden die Arbeitsgerichte Eupen und Malmedy errichtet und dem Landesarbeitsgericht Aachen zugeordnet.RGBl. I, S. 1332.
Nach der Besetzung Deutschlands durch die Alliierten wurden 1945 zunächst alle Gerichte geschlossen. Die ordentlichen Gerichte wurden schon bald wieder eröffnet, während die Arbeitsgerichte zunächst nicht wieder eingerichtet wurden, so dass arbeitsgerichtliche Streitigkeiten von den ordentlichen Gerichten erledigt werden mussten. Gemäß Kontrollratsgesetz 21 sollten in Deutschland Arbeitsgerichte aufgebaut werden. Anstelle der früheren Landesarbeitsgerichte wurde nur noch ein Landesarbeitsgericht Düsseldorf für das Rheinland und das Landesarbeitsgericht Hamm für Westfalen gebildet, ein Landesarbeitsgericht Aachen entstand nicht neu.
Über- und nachgeordnete Gerichte Das dem Landgericht Aachen übergeordnete Gericht ist das Oberlandesgericht Köln; nachgeordnete Gerichte sind die Amtsgerichte in Aachen, Düren, Eschweiler, Heinsberg, Jülich, Monschau, Geilenkirchen und Schleiden.
Siehe auch Liste deutscher Gerichte Liste der Gerichte des Landes Nordrhein-Westfalen
Weblinks
Internetpräsenz des Landgerichtes Aachen Übersicht der Rechtsprechung des Landgerichtes Aachen
Einzelnachweise
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