Christian Gierisch (* 6. Mai 1923 in Dresden; † 13. Oktober 1971) war ein deutscher Staats- und Parteifunktionär (SED). Er war 1963/1964 Stellvertreter des Ministers der Finanzen der DDR. Zeitweise war er 1. Sekretär der SED-Kreisleitung der Zentralen Finanz- und Bankorgane, zuletzt war er Präsident der Deutschen Außenhandelsbank AG.
Leben Als Sohn eines Maschinenschlossers (später Autoelektrikers) und einer Hausfrau in Dresden geboren, besuchte er dort sieben Jahre die Volksschule und drei Jahre eine Aufbauschule. Im April 1939 begann er als Jungmann beim Dresdener Finanzamt zu arbeiten, besuchte 1939 bis 1940 die Reichsfinanzschule in Feldkirch/Vorarlberg und war dann bis 1941 Finanzanwärter beim Dresdener Finanzamt. Im Oktober 1941 wurde er als Arbeitsmann im Reichsarbeitsdienst (RAD) verpflichtet und im April 1942 als Gefreiter bei der Infanterie in die Wehrmacht eingezogen. Im Mai 1945 geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der er im Oktober 1945 entlassen wurde.
Danach kehrte er nach Dresden zurück, wurde 1945 Mitglied der SPD und des Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes (FDGB), nach der Zwangsvereinigung von SPD und KPD im Jahr 1946 Mitglied der SED.
Bis Juni 1947 arbeitete er als Steuer- und Stadtinspektor beim Finanzamt sowie als Buchhalter für den Rat der Stadt. Dann wechselte er in das Ministerium der Finanzen der Landesregierung Sachsen, in dem er bis Februar 1950 als Steuerinspektor und Oberreferent beschäftigt war. Bis Februar 1951 arbeitete er als Oberreferent und Abteilungsleiter bei der Landesfinanzdirektion Sachsen und wechselte anschließend nach Berlin an das Ministerium der Finanzen der DDR. Dort war er zuerst als Abteilungsleiter, dann bis 1956 als Parteisekretär und ab März 1956 als Hauptabteilungsleiter beschäftigt. In dieser Zeit absolvierte er auch ein Fernstudium mit Abschluss Staatsexamen.
Im Februar 1963 wurde er zum Stellvertreter des damaligen Ministers der Finanzen, Willy Rumpf, für den Bereich Investitionen, Bau- und Wohnungswirtschaft, Geldumlauf, Kredit und Sparkassen berufen und bekleidete diese Position bis Juli 1964. Im Anschluss übernahm er eine nicht genauer bekannte leitende Parteifunktion.Die Information stammt aus der Kaderkartei des Ministerrats (DC 20) im Bundesarchiv, die bislang nicht vollständig erschlossen ist. Zeitweise war er 1. Sekretär der SED-Kreisleitung der Zentralen Finanz- und Bankorgane. 1968 löste er Georg Kulessa als Präsidenten der Deutschen Außenhandelsbank AG ab – ein Amt, das er bis zu seinem Tode innehatte. Zu seinem Nachfolger wurde als erster Präsident nach der Entmachtung von Walter Ulbricht der bisherige Vizepräsident der Staatsbank der DDR, Helmut Dietrich, ernannt.
Gierisch starb 1971 nach langer, schwerer Krankheit im Alter von nur 48 Jahren.Todesanzeigen des Ministeriums der Finanzen und des Vorstands der Deutschen Außenhandelsbank AG. In: Neues Deutschland. 15. Oktober 1971, S. 8 (dfg-viewer.de). Er war verheiratet und Vater einer Tochter.Danksagungsanzeige der Witwe. In: Neues Deutschland. 22. November 1971, S. 6 (dfg-viewer.de). Das Zentralkomitee der SED würdigte ihn durch einen Nachruf, der im Neuen Deutschland veröffentlicht wurde.
Auszeichnungen Vaterländischer Verdienstorden in Bronze (1964) Ehrentitel „Verdienter Aktivist“ (1969) Verdienstmedaille der DDR
Einzelnachweise
Kategorie:Stellvertretender Minister (DDR) Kategorie:Stellvertretender Finanzminister Kategorie:Angestellter Leiter eines Kreditinstituts Kategorie:Träger des Vaterländischen Verdienstordens in Bronze Kategorie:Träger der Verdienstmedaille der DDR Kategorie:SED-Funktionär Kategorie:SPD-Mitglied Kategorie:Deutscher Kriegsgefangener der Sowjetunion Kategorie:DDR-Bürger Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1923 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Mann Kategorie:Person (Reichsfinanzwesen)