mini|hochkant|Nicolò d’Arco Nicolò d’Arco auch Niccolò d’Arco, Nicola d’Arco oder Nikolaus von Arco (* 1492 oder 1493; † Oktober 1547), war ein neulateinischer Poet und Humanist der Renaissance aus dem Adelsgeschlecht derer von Arco.
Leben Nicolò d’Arco war der Sohn von Ulrich von Arco und seiner zweiten Ehefrau Susanna von Collalto-Credazzo. Er wurde Ende 1492 oder Anfang 1493 wahrscheinlich in Arco geboren.Gerhard Rill: Storia dei conti d’Arco 1487–1614. S. 143.
Unter Historikern und Biographen war lange Zeit umstritten, ob seine Mutter die 1479 verstorbene erste Ehefrau seines Vaters, Cencila Gonzaga, war oder Susanna von Collalto-Credazzo. Erst Ende der 1990er Jahre gelang es nachzuweisen, dass die kurz nach der Geburt ihres einzigen Kindes verstorbene Gonzaga nicht als seine Mutter in Frage kam. Aufschluss darüber gab der Dichter selbst, da er in einem Carmen darauf hinwies, dass seine Mutter starb, als er drei Jahre alt war.Rodolfo Signorini: Carte d’archivio per la biografia di Nicolò d’Arco. S.
Über seine Kindheit ist wenig bekannt. Um 1504 ging er in Pavia Studien nach. In dieser Zeit entstand auch sein erstes Gedicht, das allerdings verloren gegangen ist. Zu seinen ersten überlieferten Arbeiten gehören Verse an den 1510 verstorbenen Dichter Giovanni Cotta und eine 1512 verfasste Ode an Kaiser Maximilian I.
Bis zu seinem 25. Lebensjahr führte er ein unbeschwertes Leben, das von den Idealen Catulls und Horaz’ geprägt war. Gekennzeichnet war dieser Lebensabschnitt von zahlreichen Liebschaften in Pavia und Bologna, den beiden Orten, in denen er sich neben seinen Aufenthalten in der Familienvilla in Cavriana vor allem aufhielt.Gerhard Rill: Storia dei conti d’Arco 1487–1614. S. 144–145. An den Universitäten in Pavia und Bologna baute er sich einen Freundeskreis auf, zu denen einige Gelehrten gehörten, die dort lehrten oder noch studierten, wie Marcantonio Flaminio, Girolamo Fracastoro, Marco Antonio Dalla Torre, Giovanni Pontano und Pietro Bembo.Silvia Coraiola: Arco dipinta nel Quincento: Il palazzo d’Arco – Marchetti e la chiesa San Rocco a Caneve. S. 27–30.
Schriftstellerische Kontakte pflegte er im Zuge der Adrianischen Teilung des Familienerbes der Arco 1512 auch mit Kardinal Adriano Castellesi da Corneto. Im Laufe seiner Studien eignete er sich ein vielseitiges humanistisches Wissen an, auch wenn seine genauen Studienziele in Pavia und Bologna im Verborgenen liegen. Im Alter beklagte er sich später, dass er sich nicht ausreichend seinen Studien gewidmet und er sich zu sehr auf seine Liebschaften, das Glücksspiel und finanzielle Abenteuer eingelassen habe. Dennoch waren seine Studienjahre von einer umfangreichen literarischen Arbeit geprägt.Gerhard Rill: Storia dei conti d’Arco 1487–1614. S. 144–145.
Seine Heirat mit Giulia Gonzaga 1520 stellte eine erste Zäsur mit seinem bisherigen Leben dar. Nach Gerhard Rill war die Heirat mit der Gonzaga, die bis dahin bedeutendste für das Haus Arco. Als er 1521 von Karl V. zum von ihm verhassten Kriegsdienst im Krieg gegen Frankreich verpflichtet wurde, fand seine bislang unbeschwerte Jugendzeit ihr endgültiges Ende.Gerhard Rill: Storia dei conti d’Arco 1487–1614. S. 146.
Nach seiner Heirat stand er zusehends im Dienste der Gonzaga und verfasste Loblieder auf sie. Seine ghibellinische Treue zum Kaiserhaus tat dies keinen Abbruch, was sich in mehreren Lobgesängen äußerte.Silvia Coraiola: Arco dipinta nel Quincento: Il palazzo d‘Arco – Marchetti e la chiesa San Rocco a Caneve. S. 22, 25. Lobgesänge verfasste er auch für Fürstbischof Bernhard von Cles und dessen Nachfolger als Bischof von Trient, Cristoforo Madruzzo. Mit Ersterem war er seit seiner Studienzeit in Bologna befreundet. 1525 eilte er ihm mit mehreren hundert Bewaffneten zu Hilfe, als aufständische Bauern während des Bauernkrieges die Rocca di Riva belagerten, in der sich der Fürstbischof zurückgezogen hatte.
Bis zum Brand der Burg Arco 1542 verschwand Nicolò d’Arco weitgehend von der Bildfläche. Der Brand im Sommer 1542 spitzte den nach der Adrianischen Teilung ruhenden Familienstreit der Arcos wieder zu. Für das offensichtlich durch Brandstiftung ausgelöste Feuer wurde sein Bruder Geronimo verantwortlich gemacht. Auf Anordnung des Königs Ferdinand I. wurden die ihm und seinen Brüdern vom odalricischen Familienstamm zustehenden Teile der Burg seinen Cousins des andreasischen Familienstammes anvertraut. Die Anordnung kam einer Vertreibung von der bis dahin von beiden Familienzweigen als Schutzburg genutzten Burg gleich. Seine Cousins nutzten die Gelegenheit und eigneten sich zudem zahlreiche Wertgegenstände an.Gerhard Rill: Storia dei conti d’Arco 1487–1614. S. 160–166.
Das Verhalten seiner Cousins traf ihn schwer. In einem Vers beklagte er sich, dass er nun bereits vom Alter geschwächt, gezwungen sei zu sehen, wie seine Frau und seine Kinder, von allen alleine gelassen, nach Thule wandern müssten. Ein noch 1542 unternommener Vermittlungsversuch durch den Fürstbischof Cristoforo Madruzzo scheiterte. Erst Anfang 1543 kamen er und seine Brüder wieder in den Besitz ihres Burganteils, nachdem sich der Verdacht einer von seinen Cousins gesponnenen Intrige gegen den odalricischen Familienstamm verstärkt hatte. Seine Wertgegenstände sowie seine Bücher wurden jedoch nicht zurückerstattet. Auch eine von Ferdinand I. eingesetzte Vermittlungskommission änderte nichts daran.Gerhard Rill: Storia dei conti d’Arco 1487–1614. S. 167–169.
Nicolò d’Arco gab sich jedoch nicht geschlagen und reiste trotz seines angeschlagenen Gesundheitszustandes – er litt an der Gicht – im Winter 1543/44 an den Hof des Kaisers nach Köln, der sich allerdings bei seiner Ankunft dort nicht mehr aufhielt. Im Januar 1544 suchte er deshalb Ferdinand I. in Nürnberg auf, um die Rückerstattung seines Besitzes einzuklagen. Um die Gunst des Königs zu gewinnen, lieh er ihm Geld, das er aus dem Verkauf von Besitztümern an den Herzog von Mantua erzielt hatte. Dennoch änderte sich nichts an der Situation, noch im Dezember 1546 beklagte er sich, dass seine beiden Cousins ihm seinen Besitz vorenthielten.Gerhard Rill: Storia dei conti d’Arco 1487–1614. S. 169–170.
1546 waren auch seine gesammelten Verse unter dem Titel Numeri in Mantua veröffentlicht worden. Sie wurden in Auszügen mehrmals neu aufgelegt. Seine erotischen Liebesverse aus seiner Jugendzeit verstießen dabei den moralischen Vorstellungen späterer Auflagen, so dass sie der Zensur zum Opfer fielen. Ganz nach seinem Vorbild Catull, behandelte er darin Inzest und Päderastie als poetische Themen. Nicht viel besser erging es in ersten Neuauflagen mit Versen, in denen sich der ghibellinische Dichter kritisch gegenüber dem Papst geäußert hatte, wie beispielsweise in einem Julius II. gewidmeten Zweizeiler. Kirchliche und humanistische Kreise hielten ihm vor, mit seiner Lyrik die Paganisierung des christlichen geistigen Erbes voranzutreiben. Er schrieb zudem Texte zu Philosophie, Juristik, Medizin und Mathematik, und befasste sich in seinen Versen mit den Ideen von Juan Luis Vives, Johannes Calvin, Giovanni Michele Savonarola und Johannes Reuchlin. Für einen angeblich gegen ihn vorgebrachten Häresievorwurf fehlen allerdings die Beweise.Gerhard Rill: Storia dei conti d’Arco 1487–1614. S. 147–148, 156–157.
Nicolò d’Arco verstarb vermutlich Anfang Oktober 1547. Sein genauer Todestag ist nicht überliefert. In einem am 6. Oktober 1547 verfassten Brief, benachrichtigte seine Frau den Herzog von Mantua über den Tod ihres Mannes. Es kann angenommen werden, dass sie den Brief am Todestag ihres Mannes oder kurz danach schrieb.Rodolfo Signorini: Carte d’archivio per la biografia di Nicolò d’Arco. S. 15.
Literatur
Gerhard Rill: Storia dei conti d’Arco 1487–1614. Il Veltro Editrice, Rom 1982. Romano Turri: Il Palazzo di Nicolò d’Arco, o del Termine, o della Lega. In: il Sommolago: periodico di arte, storia e cultura. Jahrgang 8 – Nr. 3, Dezember 1991, S. 33–64. Rodolfo Signorini: Carte d’archivio per la biografia di Nicolò d’Arco. In: il Sommolago: periodico di arte, storia e cultura. Jahrgang 15 – Nr. 1, April 1998, S. 5–30. Elisa Podetti: Gli affreschi cinquecenteschi del Palazzo del Termine ad Arco. In: il Sommolago: periodico di arte, storia e cultura. Jahrgang 25 – Nr. 3, Dezember 2008, S. 5–114. Silvia Coraiola: Arco dipinta nel Quincento: Il palazzo d‘Arco – Marchetti e la chiesa San Rocco a Caneve. Il Sommolago – Comune di Arco, Arco 2019, ISBN 978-88-99769-116.
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