Ensemble Montaigne (Bau 4) 2013 ist ein Album mit Musik von Anthony Braxton, dargeboten vom Ensemble Montaigne unter Leitung von Roland Dahinden als Dirigent. Die 2013 in der Werkhalle der Firma Schaerholzbau in Altbüron entstandenen Aufnahmen erschienen am 2. September 2013 auf Leo Records.

Hintergrund Das zehnköpfige Ensemble „Montaigne“, bestehend aus fünf Streichern und fünf Holzbläsern, wird von Roland Dahinden geleitet, der nicht nur intensiv mit Braxton zusammengearbeitet hat, sondern auch zahlreiche Aufführungen und Aufnahmen von Alvin Luciers Musik realisiert hat. Getreu dem Charakter von Braxtons Schaffen in den letzten Jahrzehnten reihte Dabinden für das Ensemble mehrere seiner Kompositionen (die Nummern 174, 96, 136, 94, 193 sowie einige „Language Music“-Stücke) in einem 50-minütigen Block aneinander.

Alle vier Kompositionen hatte Braxton seit den 1980er-Jahren selbst aufgenommen; „Composition 96“ und „Composition 134“ waren Teil des Albums 4 Compositions (Ulrichsberg) 2005 Phonomanie VIII; „Composition 98“ wurde auf dem gleichnamigen Album von 1981, „Composition No. 174“ auf dem gleichnamigen Livealbum von 1994 veröffentlicht.

Titelliste Anthony Braxton: Ensemble Montaigne (Bau 4) 2013 (Leo Records CD LR 684) Composition No. 174 + 96 + 136 + 94 + 98 + Language Music 50:14

Die Kompositionen stammen von Anthony Braxton.

Rezeption Es sei immer wieder faszinierend und ermutigend zu hören, wie Braxtons Kompositionen von Musikern aufgegriffen werden, die nicht zu ihm selbst und seinem engsten Kreis gehören, meint Brian Olewnick (Squid‘s Ear). Sein Repertoire sei riesig, und seine Ideen sollten reichlich fruchtbaren Boden bieten. Doch es stelle sich auch die Frage nach der Art der Herangehensweise, und nach der Erfahrung des Autors würden Braxtons Konzepte „allzu oft durch ein übermäßig akademisches Sieb gefiltert“, das seinen Werken die wesentliche (wenn auch subtile) Rauheit und Lebendigkeit nehme. Es wäre wahrscheinlich unangebracht, sich über die Art des Idioms zu beschweren, das die Musiker hier verwenden – „die Umgangssprache“ der postseriellen (in der Non-Cage-Version) „klassischen“ Welt –, da dies offenbar der Vektor von Braxtons Bestrebungen in diesem Bereich war; doch großteils könne der Autor nicht umhin zu denken, wie viel reichhaltiger das Ganze sein könnte, wenn es entweder von Instrumentalisten angegangen würde, die zumindest einen gewissen Bezug sowohl zu Jazz- als auch zu Neue-Musik-Kreisen haben (wie etwa George Lewis, Roscoe Mitchell usw.) oder von europäischen Musikern außerhalb des akademischen Umfelds, die tief in „Post-Cage-Territorien“ vorgedrungen sind (die mit dem Wandelweiser-Kollektiv verbundenen, Christian Wolff, Jakob Ullmann usw.).

Abgesehen von diesen Vorbehalten und wenn man das Werk für sich betrachte, handle es sich zweifellos um eine äußerst gelungene Darbietung, solide und präzise, so Olewnick. Die instrumentalen Klangfarben seien vielfältig, und das Tempo (bzw. der implizierte Puls) sei durchweg abwechslungsreich, sodass keine wirklichen Längen entstünden – was vermutlich Dahinden zu verdanken sei, von dem der Autor annimmt, dass er die Übergänge und bis zu einem gewissen Grad vielleicht auch die Improvisationen gelenkt habe. Dadurch würde alles klar fokussiert bleiben, wenn auch wohl auf Kosten jener wunderbaren, spontanen Wendungen und Ausbrüche, die im Braxton-Quartett der 1980er-Jahre mit Marilyn Crispell, Mark Dresser und Gerry Hemingway zu hören waren, wo diese Strategie erstmals angewendet wurde. Interessanterweise würden zu den besten Abschnitten jene gehören, die einen gewissermaßen Penderecki-artigen, düster-romantischen Charakter aufweisen – vielleicht in gewisser Weise „konservativer“, aber auch viel reichhaltiger und wirkungsvoller. Zusammenfassend lasse sich wohl sagen, dass Hörer, die die unzähligen früheren Aufnahmen und Aufführungen der „Composition 96“ und „Composition 134“ genossen haben, auch an dieser Freude haben würden – vielleicht könnten sie diese sogar für die besten dieser Gruppe halten. Diejenigen, die diesen Aspekt von Braxtons Œuvre als problematisch empfunden haben, würden ihre Meinung hier wahrscheinlich sowieso nicht ändern.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Album (Klassische Musik) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2013 Kategorie:Livealbum Kategorie:Anthony-Braxton-Album