Erdélyi Párt (kurz EP, zu Deutsch Siebenbürgische Partei) war eine zwischen 1941 und 1944 bestehende Partei im Königreich Ungarn. Sie war die regionale Sammelpartei der Ungarn im 1940 zurückgegliederten Nordsiebenbürgen und vertrat insbesondere deren regionale Interessen. Ihr Programm unterstützte grundsätzlich die Regierung in Budapest und war konservativ und revisionistisch.
Geschichte Die Vorgeschichte der EP reicht bis ins Jahr 1920 zurück, als Ungarn nach dem verlorenen Ersten Weltkrieg durch den Vertrag von Trianon über zwei Drittel seines Staatsgebiets (Siebenbürgen und weitere Gebiete) mit insgesamt drei Millionen Ungarn an Rumänien und alle übrigen Nachbarstaaten abtreten musste. 1940 wurde durch den Zweiten Wiener Schiedsspruch mit Nordsiebenbürgen ein Teil (ca. 42 %) der 1920 an Rumänien verlorenen Gebiete wieder Ungarn angegliedert.
Zur parlamentarischen Vertretung der zurückgewonnenen Gebiete wurden durch Gesetz XXVI/1940 auf Vorschlag von Ministerpräsident Pál Teleki und durch Beschluss beider Kammern des Ungarischen Parlaments 50 Vertreter der Bevölkerung in das Abgeordnetenhaus in Budapest berufen. Von den 50 Personen schlossen sich im Dezember 1940 insgesamt 36 zu einer gemeinsamen politischen Gruppe zusammen, aus der später die EP entstand. Mit Dániel Bánffy stellte man seit Dezember 1940 zudem einen Ministerposten in mehreren Kabinetten. Bánffy übernahm das Ackerbauministerium und blieb bis zum 22. März 1944 auch unter den Regierungen von László Bárdossy und Miklós Kállay im Amt.
Die Partei wurde am 28. Mai 1941 in Kolozsvár auf einem Gründungskongress offiziell konstituiert. Sie verband Konservativismus, ungarischen Nationalismus, Revisionismus und Regionalismus und setzte sich für die politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Interessen Nordsiebenbürgens ein. Zugleich unterstützte sie grundsätzlich die ungarische Regierung - 1942 wurde ein Kooperationsabkommen mit der Regierungspartei Magyar Élet Pártja (MÉP) abgeschlossen. Außerdem grenzte sie sich in ihrer Gründungsphase von den politischen Extremen ab und versuchte, die ungarische Bevölkerung Nordsiebenbürgens in einer gemeinsamen politischen Organisation zusammenzufassen. Die EP baute in Nordsiebenbürgen ein dichtes Netz von Orts- und Regionalorganisationen auf und entwickelte sich zu einer Organisation mit über 200.000 Mitgliedern.
Die politische Stellung veränderte sich nach der deutschen Besetzung Ungarns (Unternehmen Margarethe) am 19. März 1944 grundlegend: Bánffy drei Tage später als Minister zurück; weitere führende Parteimitglieder gingen zunehmend auf Distanz zur Regierungspolitik. Führende Vertreter der Erdélyi Párt beteiligten sich im September 1944 an den Bemühungen, einen Waffenstillstand zu erreichen, die Kampfhandlungen in Siebenbürgen zu verhindern und Kolozsvár vor einer militärischen Verteidigung und damit verbundenen Zerstörungen zu bewahren. Zugleich forderten sie eine Aussöhnungspolitik gegenüber der rumänischen Bevölkerung. Nach der Eroberung Siebenbürgens durch die Rote Armee und des Zusammenbruchs der ungarischen Herrschaft im Oktober 1944 endete die politische Tätigkeit der Erdélyi Párt.
Literatur
Kategorie:Historische Partei (Ungarn) Kategorie:Historische konservative Partei Kategorie:Parteigründung 1940 Kategorie:Aufgelöst 1944