Ludwig Pincier (der Jüngere) (* 10. April 1624 in Lübeck; † 19. November 1702 in Lübeck) war ein deutscher Jurist und Domherr in Lübeck.
Leben Ludwig Pincier entstammte der Juristenfamilie Pincier. Er war ein Sohn des erzbischöflich-bremischen Rats und Seniors des Domkapitels in Lübeck Hermann Pincier (1591–1661) aus dessen erster Ehe mit Elisabeth, geb. Langermann, einer Tochter des Hamburger Domherrn Lorenz Langermann (der Ältere) (1556–1620). Hans Christopher Pincier (1635–1670), Domherr in Magdeburg, sowie Detlev Hinrich Pincier (1641–1701), Sekretär des Lübecker Domkapitels und Dekan des Kollegiatstifts St. Michael in Eutin, waren seine (Halb-)Brüder aus der 1634 geschlossenen zweiten Ehe seines Vaters mit Margaretha, geb. Werdmeijer.
Er besuchte das Katharineum zu Lübeck, die Fürstenschule im Kloster Bordesholm und das Gymnasium Illustre in Deventer.Lebensstationen im Wesentlichen nach Ludovicus Pincier, in: Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720 (Digitalisat), S. 95–99 Schon als Kind war er 1634 an der Universität Rostock immatrikuliert worden,Eintrag im Rostocker Matrikelportal studierte hier aber wohl nicht, sondern stattdessen an der Universität Helmstedt sowie an der Universität Leiden bei Johann Friedrich Gronovius, der schon in Deventer sein Lehrer gewesen war.
Nach seiner Rückkehr nach Lübeck kam Pincier zunächst seiner einjährigen Residenzpflicht als Domherr nach; er hatte schon im Alter von zwölf Jahren 1636 die Possession einer Präbende im Lübecker Domkapitel erhalten.Wolfgang Prange: Bischof und Domkapitel zu Lübeck: Hochstift, Fürstentum und Landesteil 1160-1937. Lübeck: Schmidt-Römhild 2014, ISBN 978-3-7950-5215-7, S. 394 Nr. 256 Mit Nachweis des Studiums, Ableistung des Residenzjahrs und mit Vollendung des 25. Lebensjahres wurde er nun stimmberechtigtes Mitglied im Kapitel.
Danach studierte er Rechtswissenschaften an der Universität Harderwijk und wurde hier 1657 mit einer Disputation De Compensationibus zum Dr. jur. promoviert. Mehrere Jahre lang lebte und praktizierte er in Frankreich, in der Schweiz und an mehreren deutschen Höfen sowie am Reichskammergericht.
Fürstbischof August Friedrich von Schleswig-Holstein-Gottorf ernannte ihn nach seiner Rückkehr 1679 zum Hof- und Kanzleirat. Im Kapitel übernahm er das Amt des Thesaurars und war zuletzt Senior des Kapitels.
Er war seit dem 24. Oktober 1659 verheiratet mit Christine, geb. Hudemann, verwitwete Lange († 1702), einer Tochter des Kremper Pastors und Schleswiger Generalsuperintendenten Johann Hudemann. Zu den Kindern des Paares zählen Johann Ludwig von Pincier, Baron von Königstein (1660–1730), der ebenfalls Domherr und später Dompropst in Lübeck wurde, Margarethe Elisabeth Pincier (1661–1731), verheiratet mit Magnus von Wedderkop, sowie Joachim Christian Pincier (1671–1708), Domherr und fürstbischöflicher Hof- und Kanzleirat.
Ludwig von Pinciers Präbende ging an seinen Enkel Friedrich Christian von Wedderkop, der später Domdekan wurde.Wolfgang Prange: Bischof und Domkapitel zu Lübeck: Hochstift, Fürstentum und Landesteil 1160-1937. Lübeck: Schmidt-Römhild 2014, ISBN 978-3-7950-5215-7, S. 404 Nr. 320
Werke De Compensationibus. Harderwijk 1657
Literatur Enoch Svantenius (der Jüngere): Memoriam Viri Per-Reverendi, Generosi, & Excellentissimi, Domini Ludovici Pincier, U. I. D. Consultissimi... Lübeck: Schmalhertz 1702 (Digitalisat, UB Göttingen) Ludovicus Pincier, in: Johann Henrich von Seelen: Athenae Lubecenses. Band 2, Lübeck 1720 (Digitalisat), S. 95–99 Wolfgang Prange: Bischof und Domkapitel zu Lübeck: Hochstift, Fürstentum und Landesteil 1160–1937. Lübeck: Schmidt-Römhild 2014, ISBN 978-3-7950-5215-7, S. 394 Nr. 256
Einzelnachweise
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