mini|Hammerthaler Muttergottes in der Heiliggeistkirche in München Die Hammerthaler Muttergottes, auch Hammerthaler Madonna genannt, ist eine um das Jahr 1440 entstandene Marienfigur aus Holz. Sie wurde am 24. April 1638 vom Freisinger Bischof Veit Adam von Gebeckh offiziell für wundertätig und damit zum Gnadenbild erklärt.Gerhard P. Woeckel: Pietas Bavarica. S. 147 Heute befindet sich die Skulptur in der Münchener Heilig-Geist-Kirche.

Beschreibung mini|hochkant|Andachtsbildstich: Johann Heinrich Störchlin nach I. F. Scheffler: wundertätige Maria bei den Augustinern in München Die Skulptur ist etwa einen Meter hoch. Maria, auf einer Mondsichel stehend, hält das „strampelnde Kind, das sich spielerisch den Schleier seiner Mutter über den Kopf gezogen hat“.

Geschichte Zunächst befand sich dieses Bildschnitzwerk eines unbekannten Künstlers in der Johannis-Kapelle der Benediktinerklosterkirche Tegernsee, wo es keine größere Beachtung fand. Ein Münchner Gastwirtsehepaar namens Hammerthaler veranlasste im Jahr 1624 die Versetzung der Hammerthaler Muttergottes in die Münchner Augustinerkirche auf den darin befindlichen St.-Annen-Altar.

Verschiedenen Berichten zufolge war die Weinwirtin Ursula Hammerthaler, geborene Grießenbeck von Grießenbach, auf einer durch ihre Gliederschmerzen motivierten Wallfahrt ins Kloster Tegernsee im Jahr 1620 auf die Statue aufmerksam geworden. Sie war derart fasziniert, dass sie nach ein paar Tagen das Kloster von ihrer Bitte überzeugen konnte, die Figur mit sich nehmen zu können. Demnach stellte sie die Figur in ihrer Wohnung im Tal bzw. in ihrer Weinschenke Hammerthaler Hof auf. Der Hammerthaler Hof befand sich gegenüber der Heiliggeistkirche. Nachdem ihre Gliederschmerzen verschwunden waren, stellte sie die Marienfigur in einer extra dafür errichtete kleine Hauskapelle und gewährte der Öffentlichkeit Zugang. Gerüchte verbreiteten sich. Als die Neugier und das Interesse zu groß geworden waren, übergab sie die Statue demnach im Jahr 1624 dem Augustinerkloster.https://herz-und-heimat.bayern/09-februar-2021/https://bei-uns-in-muenchen.de/heilig-geist-kirchehttps://www.stadtspuerer.de/die-hammerthaler-muttergottes-in-der-heilig-geist-kirche/https://www.merkur.de/lokales/muenchen/seit-100-jahren-schutzpatronin-patrona-bavariae-superstar-in-muenchen-ist-maria-ueberall-8262091.html

Nach der bischöflichen Weihe im Jahr 1638 wurde das Gnadenbild, begleitet von einem „regen Zulauf“, auf den Hochtabernakel gestellt.

Nicht näher erläuterte Zuwendungen sind von Maximilian I. und seiner Frau Maria Anna bezeugt. Ferdinand Maria und Henriette Adelaide stifteten einen „gestickten Ornat“, sowie einen künstlerisch golden verarbeiteten Rock.

Im Jahr 1803 im Verlauf der Säkularisation wurde die Augustinerkirche geschlossen und die im Jahr 1502 an dieser Kirche entstandene Bruderschaft des Hl. Nikolai von Tolentin und des Hl. Sebastian aufgehoben. Die Hammerthaler Muttergottes verlor ihren Status als Gnadenbild. Im Jahr 1924 wurde die Statue in die Heiliggeistkirche gebracht, allerdings ohne die einst fürstlich geschenkten Kleidungsstücke. Sie stand in der zunächst an einem Pfeiler zwischen St. Magdalenenaltar und Kanzel. Inzwischen ist ihr Aufenthaltsort ein Altar am nördlichen Seitenschiff und wurde „in den letzten Jahren“ (Stand 1982) restauriert.

In der Heiliggeistkirche befindet sich „ein interessanter Grabstein“ in Gedenken an Anna Maria Hammerthaler (* 1636 oder 1637; † 2. April 1700).

Rezeption mini|hochkant|Gemälde Hammerthaler Madonna in der Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung in Mariabrunn In der Wallfahrtskirche Mariä Verkündigung in Mariabrunn (Landkreis Dachau) befindet sich an der Seitenwand ein Gemälde der Hammerthaler Madonna.

Bereits in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde „im Sinne eines privaten Andachtsbildes“ eine mit der Hammerthaler Muttergottes in unmittelbaren Zusammenhang stehende bemalte Kleinplastik aus Holz geschaffen, die sich in der Skulpturengalerie der Staatlichen Museen Preußischer Kulturbesitz in Berlin befindet.

Des Weiteren gibt es einen sogenannten Andachtsbildstich von Johann Heinrich Störchlin nach Vorlage von I. F. Scheffler mit dem Untertitel: Wunderthätige Bildnüß Mariæ bei den PP. Augustinern in München aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Literatur Dagmar Wäscher: Servus, Madonna! Münchens Haus- und Wunder-Madonnen. Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg i. Allgäu 2025. ISBN 9783959765657. Die Hammerthaler Muttergottes in: Christopher A. Weidner: Mystische Orte in München. Pichler, 2013. S. 139–141. Grießenbach Roma, Brandl Anton, Sterflinge Rudolf: Hammerthaler Muttergottes. ISBN 3795466474. Schnell und Steiner, 2006. Hammerthaler Muttergottes: Das Gnadenbild als Sehschwelle in: Ludwig Tavernier (Hrsg.): Kunst- und Kulturwissenschaftliche Forschungen, Band 3: Georg Henkel: Rhetorik und Inszenierung des Heiligen. Verlag und Datenbank für Geisteswissenschaften, Weimar 2004. ISBN 9783958991873. S. 118–123. (Vorschau) Das Gnadenbild aus Tegernsee in: Gisela Schinzel-Penth, Heinz Schinzel Sagen und Legenden um Miesbach und Holzkirchen aus dem Gebiet des Landkreises Miesbach mit Tegernsee, Schliersee, Spitzingsee, Seehamer See. Ambro Lacus, 1995. S. 210. (Vorschau) Gerhard P. Woeckel: Pietas Bavarica. ISBN 9783874372473. Konrad-Verlag, 1992. S. 147. (Vorschau) Der Meister der Hammerthaler Madonna in: Volker Liedke: Die Münchner Tafelmalerei und Schnitzkunst der Spätgotik, Band 2: Vom Pestjahr 1430 bis zum Tod Ulrich Neunhausers 1472. 2 Teile. (= Ars Bavarica, Bände 29 und 30). Kunstbuchverlag Maria Weber, München 1981–1982. S. 84 (Vorschau) Josef Martin Forster: Das gottselige München d. i. Beschreibung und Geschichte der kath. Kirchen & Klöster Münchens in Gegenwart und Vergangenheit Hammerthaler Muttergottes in: Teil 1: Die Kirchen und Klöster im Bereich der jetzigen Frauenpfarrei. München 1895. Die ehemalige Augustiner-Kirche nebst Kloster. S. 311–314. (Volltext) Die Hammerthaler Muttergottes (vor ihrer Restaurierung) und Hammerthaler-Muttergottes(-Statue) in: Teil 3: Die übrigen Kirchen und Klöster Münchens. München 1895. Die hl. Geist-Pfarrkirche. S. 840, 859. (Volltext: Seite 840, Seite 859)

Weblinks

In der Heilig-Geist-Kirche wird aktive Marienverehrung praktiziert auf: merkur.de: Josef Ametsbichler: Patrona Bavariae Superstar: In München ist Maria überall. 2017. Die Wunder-Madonna, die Krankheiten heilt in: abendzeitung-muenchen.de. Irene Kleber: Patrona Bavariae: Die schönsten Marienfiguren Münchens. 2017 Tatjana Kerschbaumer: Die Madonna von Tegernsee auf seeseiten-tegernsee.de. 2019. Renate Winkler-Schlang: Muttergottes heilt Kreuzweh (Kolumne) in: Süddeutsche Zeitung, 2019. Herz & Heimat Stadtführungen. 2021 Hammerthaler Madonna und die »Krönung Mariens« auf bei-uns-in-muenchen.de Hammerthaler Muttergottes auf stadtgeschichte-muenchen.de Marienaltar mit der Hammertaler Muttergottes. auf heilig-geist-muenchen.de Die Hammerthaler Muttergottes in der Heilig-Geist-Kirche auf stadtspuerer.de

Einzelnachweise

Kategorie:Marienbildnis Kategorie:Tal (München) Kategorie:Gotische Skulptur Kategorie:Skulptur (15. Jahrhundert)