Die kosovarisch-österreichischen Beziehungen sind das zwischenstaatliche Verhältnis zwischen der Republik Kosovo und der Republik Österreich. Als einer der ersten Staaten weltweit erkannte Österreich im Februar 2008 die Unabhängigkeit des Kosovos an. Österreich beteiligt sich auch an den multinationalen Missionen UNMIK und KFOR im Kosovo. Diplomatische Beziehungen zwischen beiden Ländern bestehen seit dem 20. März 2008.

Mit der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen dem Kosovo und Österreich im März 2008 wurde das bis dahin „Österreichische Büro“ in Pristina in eine Botschaft umgewandelt. Seit Oktober 2008 führt Kosovo eine Botschaft in Wien.

Österreich ist einer der wichtigsten Investoren im Kosovo, dabei besteht ein stetiger Ausbau der Handelsbeziehungen. Die österreichische Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich vor allem auf die Bereiche Berufsbildung, Geschlechtergleichheit, Integration und Umwelt. Ein weiterer wichtiger Aspekt für die kosovarisch-österreichischen Beziehungen ist die Diasporagemeinschaft der Kosovo-Albaner in Österreich, die über 40.000 Angehörige zählt und den Großteil der Albaner in Österreich ausmacht.

Geschichte

Der Kosovo unter osmanischer Herrschaft Das Gebiet des heutigen Kosovos stand ab dem 15. Jahrhundert fast 500 Jahre lang unter der Herrschaft des Osmanischen Reiches. Daher war die Region um den Kosovo über Jahrhunderte geprägt vom Konflikt zwischen den Osmanen und der österreichischen Herrscherdynastie der Habsburger.

Während des Großen Türkenkriegs im 17. Jahrhundert drangen 1689 habsburgische Truppen bis in das heutige Kosovo vor. Die osmanische Armee konnte sie jedoch zurückschlagen. Die Christen im Kosovo begrüßten die habsburgischen Truppen als Befreier. Nach ihrem Rückzug im Jahr 1690 flohen viele Christen aus Angst vor der Rache der Osmanen. Aufstände der Albaner im Osmanischen Reich, auch auf dem Gebiet Kosovos, wurden von den Habsburgern sowohl finanziell als auch militärisch unterstützt.

Mit den Verträgen von Karlowitz (1699) und Passarowitz (1718) konnten sich die Österreicher von den Osmanen ein Protektorat über die albanischen Katholiken garantieren lassen,Hanns Christian Löhr: Die Gründung Albaniens: Wilhelm zu Wied und die Balkan-Diplomatie der Grossmächte, 1912–1914 Peter Lang, Wien 2010, ISBN 978-3-631-60117-4, S. 26. das die Habsburgermonarchie auch im Kosovo durchzusetzen suchte. Im Rahmen dieses Kultusprotektorats wurden zahlreiche Kirchenbauten und -renovationen sowie Geistliche finanziell unterstützt.

Nach dem Berliner Kongress von 1878 baute Österreich-Ungarn seinen Einfluss auf dem Balkan aus, indem es Bosnien und Herzegowina okkupierte und gleichzeitig seine diplomatischen Aktivitäten auf den Kosovo ausweitete. Österreich-Ungarn errichtete dabei Konsulate in den wichtigen Städten des osmanischen Vilayets Kosovo, darunter Prizren und Skopje. Im Bewusstsein der Gefahr eines serbischen Expansionismus unterstützte Österreich-Ungarn die albanische Nationalbewegung als Gegengewicht.

Als Albanien 1912 während des Ersten Balkankrieges seine Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich ausrief, wurde dies von Österreich-Ungarn unterstützt. Ein unabhängiger albanischer Staat war ganz im Interesse Wiens, um somit die Ausdehnung Serbiens in der Region zu verhindern. Das albanische Siedlungsgebiet war jedoch zu dieser Zeit größtenteils von griechischen, montenegrinischen und serbischen Truppen besetzt. Durch den Londoner Vertrag von 1913 wurde die Unabhängigkeit Albaniens gesichert, jedoch stand noch keine Staatsgrenze fest. Österreich-Ungarn und Russland stritten sich bei der Festlegung der albanischen Grenze praktisch um jedes einzelne Dorf. Bezüglich des Gebiets des heutigen Kosovos, konnten sich die Österreicher in der Kommission nicht durchsetzen.

Der Kosovo innerhalb Jugoslawiens und Serbiens Der Kosovo fiel darauf an das Königreich Serbien, das 1918 in Jugoslawien aufging. Die Beziehungen zwischen Österreich und dem Gebiet des heutigen Kosovos wurden daher bis zur Unabhängigkeit des Kosovo im Jahr 2008 von den jugoslawisch-österreichischen Beziehungen bestimmt.

Durch den zunehmenden serbischen Nationalismus sowie die Verschlechterung der politischen und wirtschaftlichen Situation in der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien ergriff Österreich zahlreiche Maßnahmen, um die Bedeutung der Kosovo-Frage zu internationalisieren. Österreich positionierte sich klar gegen Menschenrechtsverletzungen, die nicht nur im Kosovo, sondern auch in anderen Teilen Jugoslawiens begangen wurden.

Die Regierung des ersten kosovarischen Präsidenten Ibrahim Rugova erhielt in Österreich besondere Sympathie und Unterstützung. Österreich war das erste europäische Land, das die Vertreter der Republik Kosovo empfing, die damals international noch nicht anerkannt war. Die österreichische Regierung leistete auf vielfältige Weise Unterstützung für den Kosovo, etwa durch humanitäre Hilfe oder Asylangebote für kosovarische Flüchtlinge.

Unabhängigkeit Sowohl österreichische Diplomaten und Politiker als auch die Hauptstadt Österreichs sind eng mit der Staatsgründung des Kosovo verbunden. Im Rahmen der sogenannten Wiener Gespräche wurden in den Jahren 2006 und 2007 Verhandlungen zwischen Serbien und dem Kosovo geführt. Nach der Unabhängigkeitserklärung des Kosovo im Jahr 2008 erkannte Österreich den Staat als eines der ersten Länder an.

Wirtschaftsbeziehungen Die kosovarisch-österreichischen Wirtschaftsbeziehungen durchliefen in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung. Im Jahr 2022 investierte Österreich 337 Mio. Euro in den Kosovo. Die Exporte aus Österreich in den Kosovo betrugen einen Wert von 76 Mio. Euro und umfassten Kunststoffe, Mineralwasser, Maschinen, Mobiltelefone, Nahrungsmittel und Pharmazeutika.

Es sind über 130 österreichische Unternehmen im Kosovo tätig. Besonders im Banken- und Versicherungsbereich ist Österreich ein wichtiger Arbeitgeber.

Migration Nach dem Anwerbeabkommen zwischen Österreich und Jugoslawien im November 1965 kamen die ersten Kosovaren als Gastarbeiter nach Österreich. Mit dem Kosovokrieg von 1998 bis 1999 nahm Österreich kosovarische Flüchtlinge auf, wodurch sich die Zahl der Kosovaren im Land vergrößerte.

Im Jahr 2021 lebten in Österreich etwa 39.000 Menschen die im Kosovo geboren worden waren.

Bekannte Österreicher mit kosovarischer Herkunft sind der Basketballspieler Enis Murati und der Fußballspieler Atdhe Nuhiu.

Diplomatische Vertretungen

Kosovo hat eine Botschaft in Wien und Honorarkonsulate in Graz, Salzburg und Wien. Österreich hat eine Botschaft in Pristina und ein Honorarkonsulat in Peja.

Siehe auch

Albaner in Österreich Außenpolitik Österreichs

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Außenpolitik (Kosovo) Kategorie:Außenpolitik (Österreich) Kategorie:Zwischenstaatliche Kooperation in Europa