Am Rande der Zeit ist der Titel eines Oratoriums für Bariton, gemischten Chor und Instrumentalensemble des Komponisten Gerhard Müller-Hornbach. Werkgeschichte Das Werk entstand zwischen 1999 und 2000 als Auftragswerk des Bachchores Mainz, des Mainzer Bachorchesters und des Dirigenten Ralf Otto, von dem auch die erste Anregung zur Komposition ausging. Der Auftrag wurde in Verbindung mit der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau anlässlich des 315. Geburtstags von Johann Sebastian Bach am 21. März 2000 vergeben. Die Uraufführung fand im Jahr 2000 in Mainz statt. Die Solopartie übernahm Klaus Mertens. Weitere Aufführungen erlebte das Werk mit der Frankfurter Kantorei gemeinsam mit dem von Gerhard Müller-Hornbach gegründeten Mutare-Ensemble und dem Solisten Berthold Possemeyer unter der Leitung von Winfried Toll sowie anlässlich der Verabschiedung des Komponisten als Professor an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst Frankfurt mit dem Chor und Orchester der Hochschule, ebenfalls unter der Leitung von Winfried Toll, im Jahr 2016. Zuletzt erklang das Oratorium 2026 in einem Konzert zum 75. Geburtstags des Komponisten mit dem Mutare-Ensemble, dem Kammerchor der Erlöserkirche Bad Homburg und dem Solisten Hans Christoph Begemann unter der Leitung von Susanne Rohn in der Erlöserkirche Bad Homburg.

Merkmale Das Oratorium fordert neben dem solistischen Bariton einen achtstimmigen gemischten Chor (SSAATTBB), welcher in 2 Chorgruppen erscheint und 8 gestimmte Kristallgläser spielt. Das Instrumentalensemble setzt sich aus 6 Violinen, 3 Violen (davon eine auch Viola d’amore), 3 Violoncelli, 2 Kontrabässen, 2 Schlagzeugern, Flöte (auch Altflöte), Klarinette (auch Bassklarinette), Horn und Posaune zusammen.

Laut Erklärung des Komponisten soll der Text verschiedenste Sichtweisen auf das Phänomen der Zeit aus unterschiedlichen kulturellen und historischen Perspektiven beleuchten und erscheint oft nur fragmentarisch. Dabei soll eine westlich geprägte Sichtweise (linear gerichtet) mit einer östlichen Deutung (zyklisch kreisend) in den Dialog treten, wobei eine Zuordnung zu je einer der Chorgruppen stattfindet. Es werden Texte von Hazrat Inayat Khan, Jeanne Hersch, Rainer Maria Rilke, Gerhard Müller-Hornbach, Max Frisch, Hermann Hesse und Rabindranath Tagore gesungen. Der Partitur stellt der Komponist diese Widmung voran:Der Vielfalt von Paradoxien und Ambivalenzen Rechnung tragend, widme ich diese Komposition allen Sternen, die für uns leuchten, obwohl sie schon erloschen sind. Die Aufführungsdauer beträgt ca. 50 Minuten. Einige der kompositorischen Strukturen (Tonhöhen, Rhythmus und Proportionen) basieren in Anklang an den 315. Geburtstag von Johann Sebastian Bach auf den Ziffern 3, 1 und 5 und ihren Kombinationsmöglichkeiten. Auch das Tonmotiv B-A-C-H findet Verwendung.

Veröffentlichung Veröffentlichung auf CD: Musik in Deutschland 1950–2000, Geistliche Oratorien. Ralf Otto, Bachchor Mainz, Bachorchester Mainz, Klaus Mertens. RCA Red Seal, 2005.

Weblinks Konzertmitschnitt Am Rande der Zeit, YouTube, Gerhard Müller-Hornbach

Einzelnachweise

Kategorie:Oratorium Kategorie:Musik 2000