Macropoma gombessae ist eine ausgestorbene Art der Quastenflosser (Actinistia) aus der Familie der Latimeriidae. Die Art wurde im Jahr 2026 von Jack L. Norton und Kolleginnen und Kollegen anhand eines fossilen Schädels aus der südenglischen Gault-Formation wissenschaftlich beschrieben. Sie gilt als die stratigraphisch älteste bekannte Art der Gattung Macropoma und als der erste eindeutig bestimmbare Quastenflosser aus der Unterkreide. Die Entdeckung schließt damit einen bislang rund 50 Millionen Jahre umfassenden Abschnitt im Fossilbericht der Latimeriidae, aus dem zuvor keine sicher diagnostizierbaren Vertreter dieser Familie bekannt waren.

Mit Macropoma gombessae liegt erstmals ein diagnostisch verwertbares Fossil eines Quastenflossers aus der Unterkreide vor. Die Art liefert damit neue Erkenntnisse zum zeitlichen Ablauf und Ausmaß anatomischer Veränderungen am Schädel zwischen älteren, jurassischen Quastenflosser-Formen und den stärker abgeleiteten Vertretern der Oberkreide sowie der heute noch lebenden Gattung Latimeria.

Fund und Entdeckungsgeschichte Grundlage der Beschreibung ist ein einzelnes, weitgehend zusammenhängendes Schädelfossil mit Resten des vorderen Rumpfskeletts (Sammlungsnummer NHMUK PV P 36), das im Natural History Museum in London aufbewahrt wird. Das Fossil wurde bereits 1885 von dem Fossilienhändler John Starkie Gardner an das damalige British Museum verkauft und stammt von der Fundstelle Copt Point bei Folkestone in der Grafschaft Kent. Über mehr als ein Jahrhundert blieb der Fund in den Museumssammlungen, ohne dass seine Bedeutung erkannt wurde. Erst eine Untersuchung mittels Röntgencomputertomographie (XCT) ermöglichte es, feine anatomische Details des Schädels sichtbar zu machen und den Fund als bislang unbekannte Quastenflosser-Art zu identifizieren. Anhand von Nannofossilien aus der Gesteinsmatrix wurde der Fund der Biozone BC26 zugeordnet, was einem Alter im oberen Abschnitt der Kreide-Stufe Albium entspricht, umgerechnet etwa 100 bis 113 Millionen Jahre.

Fundschicht Das Fossil stammt aus der Gault-Formation, einer im flachen Meer abgelagerten, ton- und schluffreichen Gesteinseinheit, die in Südostengland sowie im nordfranzösischen Anteil des Pariser Beckens verbreitet ist. Damit unterscheidet sich der Fundort von den übrigen bekannten Vorkommen der Gattung Macropoma, die ausschließlich aus karbonatischen Ablagerungen wie der englischen Kreide-Kalkgruppe stammen. Macropoma gombessae ist somit der erste Nachweis eines Vertreters dieser Gattung aus einem siliziklastischen Ablagerungsraum.

Merkmale Der beschriebene Schädel misst rund 104 Millimeter in der Länge. Macropoma gombessae lässt sich von den jüngeren Arten Macropoma lewesiensis und Macropoma precursor sowie von der rezenten Gattung Latimeria durch mehrere Merkmale unterscheiden. Kennzeichnend sind auffällig große Poren des Sinneskanalsystems im Bereich der Augenhöhlen (Supraorbitalia) und am Unterkiefer, die deutlich größer ausgebildet sind als bei jüngeren Verwandten. Die Verzierung der Schädeldeckknochen besteht aus länglichen Leisten in Verbindung mit unregelmäßig verteilten Grübchen. Weitere Unterscheidungsmerkmale sind ein schmaler und langgestreckter hinterer Schädeldachabschnitt, ein verkürzter, nach hinten weisender Fortsatz des Dentale sowie ein dreieckig geformter Hauptcoronoid-Knochen mit gerader Oberkante. Vom übrigen Körperskelett sind nur Teile des vorderen Rumpfbereichs erhalten.

Systematik Macropoma gombessae wird der Familie Latimeriidae und dort der Unterfamilie Latimeriinae zugeordnet. In stammesgeschichtlichen Analysen anhand zweier unabhängiger Merkmalsdatensätze erscheint die Art als Schwestertaxon der übrigen Arten der Gattung Macropoma. Diese gemeinsame Gruppe steht ihrerseits, je nach zugrunde gelegtem Datensatz, in enger verwandtschaftlicher Beziehung entweder zu den Gattungen Swenzia und der rezenten Latimeria oder zu Libys und Megalocoelacanthus. Die Erstbeschreiber ordnen zugleich die bislang ebenfalls der Gattung zugerechnete Art „Macropoma “ willemoesii aus dem Oberjura Bayerns aufgrund taxonomischer Unsicherheiten nicht mehr Macropoma zu, wodurch Macropoma gombessae als älteste gesicherte Art der Gattung gilt.

Der Artname gombessae verweist auf den Beinamen „Gombessa“, mit dem Fischer auf den Komoren den rezenten Quastenflosser Latimeria chalumnae bezeichnen.

Lebensweise Nach Einschätzung der Erstbeschreiber deuten die ungewöhnlich großen Poren der Sinneskanäle am Schädel auf eine ausgeprägte Empfindlichkeit gegenüber mechanischen Reizen der Umgebung hin. Der Fundort lag vermutlich in einer Wassertiefe zwischen etwa 90 und 350 Metern über einem feinkörnigen, schlammigen Meeresboden. Die Autoren vermuten daher, dass Macropoma gombessae bei der Nahrungssuche am Grund stark auf seinen Tastsinn angewiesen war, um in dem vermutlich trüben und lichtarmen Wasser Beutetiere aufzuspüren. Direkte Nachweise über den Mageninhalt liegen für Macropoma gombessae nicht vor; bei dem verwandten oberjurassischen Quastenflosser Swenzia latimerae wurden hingegen Reste kleiner Fische und eines Krebstiers im Magenbereich nachgewiesen.

Einzelnachweise

Kategorie:Fleischflosser Kategorie:Sarcopterygii Kategorie:Ausgestorbener Knochenfisch