Sarah Sentilles ist eine US-amerikanische Autorin und Theologin. Sie ist bekannt für ihre oft autobiographisch geprägten Sachbücher, in denen sie ihre Erfahrungen im amerikanischen Bildungssystem, ihre religiöse Biographie und Fragen von Gerechtigkeit, Gewalt, Geschlecht und Glauben verarbeitet. Für ihr 2017 erschienenes Werk Draw Your Weapons erhielt sie 2018 den PEN Award in der Kategorie Creative Nonfiction.

Bachelorstudium, Schuldienst und Taught by America (2005)

Sarah Sentilles wuchs katholisch auf und erwarb 1995 einen Bachelor-Abschluss in Literatur und Kunstgeschichte an der Yale University. Nach ihrem Abschluss schloss sie sich Teach for America an, einer Organisation, die Hochschulabsolventen an benachteiligte öffentliche Schulen vermittelt, und wurde mit dem Plan, nach dieser Erfahrung in Vergleichender Literaturwissenschaft zu promovieren, Lehrerin an einer Grundschule im kalifornischen Compton.

Während der zwei Jahre ihrer Lehrtätigkeit hatte sie sich der Kirchengemeinde der episkopalen All Saints Church angeschlossen, deren Einsatz gegen Ungerechtigkeit, Rassismus und Armut sie beeindruckte. Ihre eigenen Erfahrungen mit diesen Themen, die sie im amerikanischen Schulsystem machte, verarbeitete sie zu ihrem ersten autobiographischen Buch, Taught by America (2005). Während des Schreibens fällte sie – überzeugt davon, die Kirche könne idealiter ein Instrument der Verwandlung der Welt sein – die Entscheidung, Theologie statt Literatur zu studieren und episkopale Priesterin zu werden.

Master- und Promotionsstudium und A Church of Her Own (2008)

Ab 1998 studierte sie an der Harvard Divinity School, wo sie auch ihren späteren Ehemann, Eric Toshalis, und in ihrem Dozenten Gordon D. Kaufman „das, was einem Guru am nähesten kommt“, kennenlernte. Sie erwarb 2001 einen Master of Divinity sowie 2008 einen Doktor der Theologie. In ihrer Dissertation, Just Looking: Theological Language, Ethics, and Photographs of Violence (2008), entwickelte sie eine theologische Ästhetik der Fotografie und interpretierte in diesem theoretischen Framework Bilder von Abu Ghuraib als Kreuzigungsbilder.Einzelne ihrer in der Dissertation entwickelten Thesen führte sie auch aus in den Aufsätzen Während ihres Promotionsstudiums war sie von 2003 bis 2005 Mitherausgeberin der Zeitschrift Journal of Feminist Studies in Religion.

Parallel zu ihrem Studium leitete sie eine episkopale kirchliche Schule in einer Vorstadt Bostons, organisierte dort kirchliche Jugendarbeit und bereitete sich auf ihren Priesterinnendienst vor. Da sie jedoch die Kirche als sexistisch wahrnahm und das institutionelle Gottesbild nicht zu dem ihren passte – zwei Erfahrungen, die sie später zu je einem Buch verarbeitete –, brach sie ihre Priesterinnenausbildung wieder ab und hörte auf, Gottesdienste zu besuchen; stattdessen gründete sie an der Universität mit WomenChurch ihre eigene Gemeinde, in der kirchliche Riten feministisch neu erfunden wurden.

2008 veröffentlichte sie das Werk A Church of Her Own, für das sie über 30 Priesterinnen interviewt hatte, um eine möglichst große Bandbreite an Misogynie, Sexismus und struktureller Diskriminierung in protestantischen und römisch-katholischen Kirchen zu dokumentieren.

Universitäre Lehre und Breaking Up with God (2011)

Nach ihrem Abschluss lehrte sie bis 2013 als Lecturer an der California State University und der Portland State University sowie von 2012 bis 2016 als Assistant Professor und Visiting Professor am Pacific Northwest College of Art (PNCA) der Willamette University, unter anderem als Leiterin des Master-Programms „Kritische Theorie und kreative Forschung“ am PNCA.

Während dieser Zeit erschien 2011 mit Breaking Up with God. A love story ein weiteres Buch über ihre Erfahrungen während des Studiums. Sentilles entwickelt darin eine narrative Theologie, in der sie das personale Gottesbild kritisiert, das ihr zufolge kirchlich vermittelt wird. Ausgehend von Kaufmanns Konzept von Gott als MysteriumSiehe und seiner Theologie metaphorischer Rede von Gott zeichnet sie anhand des Bildes einer Liebesbeziehung zu Gott nach, wie sich in ihrer eigenen Glaubensbiographie die Vorstellung von Gott als einem personalen Wesen, mit dem sie in Beziehung stand,Vergleiche hin zu einer Vorstellung von Gott als Mysterium jenseits der Institution Kirche entwickelt habe.Zum ersten Schritt, dem Ablegen ihres alten Glaubens, vergleiche auch ihre Kurzfassung in Diese neue Sicht auf Gott bezeichnete sie als ihren „Agnostizismus“, hier zu verstehen als Überzeugung, dass die Frage nach Gottes Existenz und konkreter Beschaffenheit zweitrangig sei. Entscheidend sei vielmehr, dass jede Gottesvorstellung transformativ im Leben von Menschen wirksam werde. Ihre persönliche Gottesvorstellung beschrieb sie abschließend so: „Ich bin nicht post-Gott. Ich habe es nur abgelegt, Gott als Wesenheit zu denken. […] Woran ich glaube, das ist: Mysterium. Wirksamkeit. Kreativität. Gerechtigkeit. Zurechenbarkeit. Liebe. Mein Glaube: eine fragile Hoffnung darauf, was Menschen zu tun vermögen, wenn sie erst aufhören, nach einem anderen zu suchen, der uns retten könnte.“Vergleiche

The Alliance of Idaho und Draw Your Weapons (2017)

2017 gründete Sentilles gemeinsam mit drei weiteren Frauen die Nonprofit-Organisation Alliance of Idaho, die Spenden sammelt und mithilfe dieser Spenden Immigranten und Asylanten günstigen Rechtsbeistand anbietet. Sentilles ist die Präsidentin der Organisation.

Im selben Jahr erschien Draw Your Weapons, eine Collage aus thematisch zu Kapiteln sortierten literarischen Vignetten, oft zum Themenkomplex „Krieg und Kunst“, bisweilen an der Grenze zu Prosagedichten. Lose zusammengehalten werden sie von zwei roten Fäden, die sich durch mehrere Vignetten ziehen, nämlich zwei Reportagen über Sentilles Recherchen zum Ursprung zweier Fotografien in den Leben von Howard Scott, einem Pazifisten und Kriegsdienstverweigerer während des Zweiten Weltkriegs, und Miles, einem ehemaligen Gefängniswärter in Abu Ghuraib und Studenten von Sentilles.

Stranger Care (2021) und Schreibkurse

Sentilles fünftes Buch, Stranger Care (2021), handelt von ihren Erfahrungen als Pflegemutter. Eingestreut sind kritische Beobachtungen zu Idahos Pflegeelternsystem und grundsätzlichere Reflexionen über das Mutter-Sein, LiebeVergleiche und Verwandtschaft, etwa: Ein Rezensent im Kirkus Review empfand diese Passagen in dem seiner Meinung nach allzu introspektiven autobiographischen Werk als Fremdkörper. Sentilles selbst begründete die Verschriftlichung dieser Gedanken über einen von Liebe und Verwandtschaft durchdrungenen Kosmos damit, dass sie einen Beitrag leisten habe wollen, die Welt für ihr Pflegekind, das nach acht Monaten wieder mit seiner biologischen Mutter vereint worden war, zu einem besseren Ort zu machen.

Kurze Fortsetzungen des Buches veröffentlichte sie in Form von Artikeln über das Gefühl des Verlusts nach der Trennung von ihrem Pflegekind und die Erfahrungen, die sie machte, nachdem sie einen Sohn adoptiert hatte.

Stand 2026 arbeitet Sentilles an ihrem ersten Roman. Neben ihrer eigenen Autorentätigkeit leitet sie Schreibworkshops, veranstaltet Autoren-Retreats und veröffentlicht auf ihrem Substack NibLit Interviews mit Autoren.

Auszeichnungen

2018: Pen Award in der Kategorie Creative Nonfiction für Draw Your Weapons 2021: Idaho Book of the Year für Stranger Care

Werke

Einzelnachweise

Kategorie:Absolvent der Harvard University Kategorie:Anglikanischer Theologe (21. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Portland, Oregon) Kategorie:Sachbuchautor Kategorie:Autobiografie Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Geboren im 20. Jahrhundert Kategorie:Frau