Kan Xuan (; * 1972 in Xuancheng, Anhui) ist eine chinesische Künstlerin, deren Werk Video, Fotografie und Installation umfasst und die in Peking und Amsterdam arbeitet.

Leben Kan Xuan studierte von 1993 bis 1997 Ölmalerei an der Chinesischen Hochschule der Künste in Hangzhou und absolvierte von 2002 bis 2003 einen Aufenthalt an der Rijksakademie van beeldende kunsten in Amsterdam. Eine über viele Jahre ausgeübte Nebentätigkeit, bei der sie Werbefilme für chinesische und internationale Automobil-, Internet- und Informationstechnikunternehmen drehte, verschaffte ihr wirtschaftliche Unabhängigkeit und war für ihre Auseinandersetzung mit Marken, Technik und Konsum bedeutend.

Im Jahr 2014 erhielt sie bei den Chinesische Auszeichnungen für zeitgenössische Kunst die Auszeichnung als beste Künstlerin, 2020 wurde sie bei AAC Art China zur Künstlerin des Jahres gewählt. Zu ihren Ausstellungsbeteiligungen zählen die Biennalen von Venedig 2007 und 2013, Istanbul 2007 und Gwangju 2011; Einzelausstellungen fanden 2012 im UCCA in Peking, 2016 in der Ikon Gallery in Birmingham sowie 2019 in Guangzhou und Berlin statt.

Wirken Kan Xuans Arbeiten thematisieren das Verhältnis individueller Wahrnehmung zur Außenwelt, sprachliche Strukturen, historische Deutungsmuster sowie die Beziehungen zwischen Menschen und Dingen; häufig rücken sie unscheinbare Handlungen und Gegenstände des Alltags in den Mittelpunkt. In dem kurzen Video Kan Xuan Ai! (1999) läuft sie im Pekinger U-Bahnhof Fuxingmen gegen den anwachsenden Strom der Passanten, ruft ihren eigenen Namen und antwortet sich selbst, wodurch das Werk individuelle Selbstbehauptung und urbane Anonymität gegeneinanderstellt. Zu ihren humorvoll zugespitzten Selbstinszenierungen gehören außerdem A Happy Girl, für das sie nackt auf einem öffentlichen Sockel posierte, und Looking, Looking, Looking For… (2001), in dem eine Spinne über nackte Körper kriecht. Für die Videoinstallation Millet Mounds (大谷子堆, 2012) dokumentierte sie auf einer mehr als hunderttägigen, über 28.000 Kilometer langen Reise ausgegrabene chinesische Kaisergräber und setzte deren historische Machtsymbolik zur Gegenwart ländlicher Räume in Beziehung. Für die vom Guggenheim Museum beauftragte Multimedia-Installation Kū Lüè Er (2016) bereiste sie länger als fünf Monate entlegene Regionen Chinas, fotografierte mit dem Mobiltelefon die Überreste von 110 historischen Städten und behandelte kollektives Erinnern und Vergessen aus persönlichem Blickwinkel. Die Ausstellung Racing Gravels (2019) griff Erfahrungen aus ihrer kommerziellen Arbeit auf und deutete Konsumgesellschaft und technische Beschleunigung durch kontrollierte, direkte und oft absurde Bilder des Alltags. Mit der fünfkanaligen Installation A Slope by the Sea kartierte sie in aus Standbildern aufgebauten Videos 72 chinesische Flussmündungen entlang einer rund 18.000 Kilometer langen Küstenstrecke und ordnete subjektive Wahrnehmung in größere historische und politische Landschaftsveränderungen ein.

Einzelnachweise

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