Johann Engbrecht (* 1. Dezember 1934 in Kleefeld bei Slawgorod, Westsibirien, Sowjetunion; † 20. Dezember 2020 in Duisburg) war ein russlanddeutscher Interessenvertreter und langjähriger Funktionär der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland (LmDR). Er war von 2001 bis 2011 Landesvorsitzender der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der LmDR und galt als einer der prägendsten Verfechter für eine bessere Integration russlanddeutscher Spätaussiedler in Deutschland.
Leben Johann Engbrechts Vorfahren stammten ursprünglich aus der mennonitischen Kolonie Molotschna (Halbstadt) im ukrainischen Gebiet Saporoschje, von wo aus sie im Jahr 1908 nach Westsibirien umsiedelten. Dort gründeten sie das Dorf Kleefeld in der Nähe von Halbstadt bei Slawgorod, in dem Engbrecht geboren wurde.
Während des Zweiten Weltkriegs wurden seine Eltern zur Zwangsarbeit in die Trudarmee (Arbeitsarmee) mobilisiert. Der damals siebenjährige Johann und seine vierjährige Schwester wuchsen zunächst bei ihrer Großmutter und nach deren Tod bei einer fremden Familie auf.
Engbrecht absolvierte in den Jahren 1953 bis 1957 die Bergbau-Fachschule in Prokopjewsk und arbeitete anschließend als Mechaniker im Kohleschacht 105 der Stadt Saran in der Nähe von Karaganda (heute Qaraghandy). Im Jahr 1964 schloss er ein Physikstudium an der Universität Karaganda ab. Danach war er fast 25 Jahre als Dozent für medizinische und biologische Physik an der Medizinischen Universität Zelinograd (heute Astana) tätig. Im Jahr 1991 wurde er promoviert. (Im September 2014 nahm er als Mitbegründer am 50-jährigen Jubiläum der Universität teil und wurde vom Rektor der Institution ausgezeichnet.) Im Jahr 1992 siedelte der zweifache Vater mit seiner Familie nach Deutschland aus.
Verbandsengagement Nach seiner Übersiedlung schloss Engbrecht sich schnell der Landsmannschaft an und wurde zum Vorsitzenden der Kreis- und Ortsgruppe Duisburg gewählt. Im Jahr 1995 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden und 2001 zum Landesvorsitzenden der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der LmDR gewählt. Er übte dieses Amt bis 2011 aus, seit 2012 war er der erste Ehrenvorsitzende der Landesgruppe.
Von 2005 bis 2012 wirkte er zudem als stellvertretender Vorsitzender der Vereinigung zur Integration der russlanddeutschen Aussiedler (VIRA e. V.). Darüber hinaus war er von 1995 bis 2012 Mitglied des Landesbeirates für Vertriebenen-, Flüchtlings- und Spätaussiedlerfragen.
Engbrecht initiierte große Projekte, darunter die seit 1995 in Kooperation mit der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus (Düsseldorf) stattfindenden Russlanddeutschen Kulturtage, die „Kulturfestivals auf dem Rhein“ (2003, 2004, 2006) sowie das Landeskulturfestival 2005 in der Rhein-Ruhr-Halle in Duisburg. Der soeben zum Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration ernannte Armin Laschet vollzog bei diesem Festival am 2. Juli 2005 seine erste öffentliche Amtshandlung. Er bezeichnete die Spätaussiedler dabei als „weitgereiste Europäer mit Erfahrungen, die wertgeschätzt werden sollten“.Vgl. Nachruf. Wir trauern um Johann Engbrecht. In: Volk auf dem Weg. Heft 2, Februar 2021, S. 40.
Über viele Jahre führte er als engagierter Sozialberater Beratungen durch und schulte ehrenamtliche Multiplikatoren für die Beratungspraxis in den Ortsgruppen. Ein zentraler Schwerpunkt seiner Arbeit lag bis zu seinem Tod in den Fragen der Familienzusammenführung und der Fremdrente. 2016 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande. Die Verleihung fand am 23. November im Mercatorzimmer des Duisburger Rathauses statt.Verdienstkreuz am Bande für Johann Engbrecht. In: Volk auf dem Weg. Nr. 12, 2016, S. 6 (Online als PDF; 5,1 MB ).
Literatur
Edgar Born: Johann Engbrecht. Persönlicher Nachruf. In: Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus (Hrsg.): West-Ost-Journal. Ausgabe 1/2021, S. 24–25.
Einzelnachweise
Weblinks
Persönlicher Nachruf auf Johann Engbrecht. In: Volk auf dem Weg. Heft 2, Februar 2021 (PDF; 5,3 MB).
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