T. Venkanna (; * 1980 in Gajwel) ist ein indischer Künstler, dessen Werk Malerei, Druckgrafik, Zeichnung, Skulptur, Stickerei und Performance umfasst. Seine Bildwelt enthält explizite Körperdarstellungen, thematisiert Sexualität, Gender, Macht, Religion, Gewalt und Natur und greift Post-Impressionismus, Mogulminiaturen, frühe Renaissancemalerei und indische Mythologie auf.
Leben Venkanna wurde 1980 in Gajwel geboren und wuchs in einem Einzimmerhaus auf, das zugleich als Arbeitsraum seines Vaters, eines hinduistischen Priesters, diente. Schon als Kind zeichnete und malte er nackte Figuren; nach einer Ausbildung zum Zeichenlehrer kam er in Hyderabad mit der Idee eines Kunststudiums in Berührung und schrieb sich an einer Kunsthochschule ein. Mit Hilfe von Lehrenden, die ihm Materialien, Arbeit und Unterkunft verschafften, lernte er Druckgrafik, Miniaturmalerei und Eitempera; anschließend studierte er an der Maharaja Sayajirao University of Baroda, wo Kunstgeschichte und Theorie seine Auseinandersetzung mit Frida Kahlo, Henri Rousseau und dem westlichen Kanon prägten. Nach seinem Abschluss 2006 fand sein Frühwerk in Indien zunächst wenig Käufer, obschon Charles Saatchi eines seiner frühen Werke erwarb.
Wirken Venkannas frühe Einzelausstellung umfasste Kohlezeichnungen auf Papier und eine große Installation; bereits diese Arbeiten entstammte roher zeichnerischer Energie und zeigte sexualisierte Motive. Im Jahr 2011 verwandelte er die Gallery Maskara in Mumbai in ein öffentliches Atelier, in dem er mit Holzschnitt, Radierung und Schablonen arbeitete und den Produktionsprozess selbst ausstellte. In der Serie Pancha Mahabhuta untersuchte er die fünf Elemente, Umweltzerstörung und das Verhältnis von Sexualität, Natur und Schönheit; die Werkgruppe war auf der Kochi-Muziris Biennale zu sehen und wurde anschließend in Mumbai gezeigt. Für Love Me as I Am verlegte er 2022 sein Arbeitsumfeld mitsamt zwölf Stickereihandwerkern nach Mumbai und entwickelte großformatige bestickte Leinwände über Sexualität, Gender, Gewalt, Repression und Wahlfreiheit. 2025 widmete sich The Human Theatre: Prints 2002–2024 seinem druckgrafischen Werk und versammelte mehr als 140 Radierungen, Kaltnadelarbeiten, Lithografien, Holzschnitte und Linolschnitte. Im selben Jahr wurde gegen Venkanna und Abhay Maskara in Mumbai ein Polizeiverfahren wegen eines angeblich anstößigen Gemäldes eingeleitet; Venkanna erklärte, das Bild zeige eine Frau als Protagonistin gegen sexuelle Gewalt und sei keine religiöse Allegorie. Bei Frieze London 2025 wurde er im Programm Artist-to-Artist von Bharti Kher ausgewählt und präsentierte Arbeiten auf Reispapier und in Eitempera zu Gender, Sexualität und Patriarchat. 2026 zeigte Studio Voltaire in London mit Sculpture Garden seine erste institutionelle Einzelausstellung, eine neue Serie von Eitempera-Bildern auf Tafeln über Macht, Begehren, Gehorsam und Grenzüberschreitung. Die Ausstellung umfasste sakrale und körperliche Symbolik, indische Religionsmotive und europäische Kunstbezüge und basierte auf einer Bildsprache, die Venkanna als Auseinandersetzung mit religiösen Mythen und gesellschaftlicher Doppelmoral versteht.
Einzelnachweise
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