mini|Géraldine Faladé (2021) Géraldine Faladé (* 1935 in Dahomey, heute Porto-Novo; † 16. Februar 2025 in Frankreich) war eine französisch-beninische Journalistin, Radioreporterin und Schriftstellerin. Sie arbeitete für La Vie africaine, für die Sorafom und das Office de coopération radiophonique sowie später in der Informationsarbeit des Tschad. Ihr Buch Turbulentes ! Des Africaines en avance sur leur temps… machte sie in den 2020er-Jahren als Chronistin vergessener Vorreiterinnen Afrikas bekannt.

Leben Faladé wurde 1935 in Porto-Novo im damaligen Dahomey geboren und wuchs in einer intellektuellen, antikolonial geprägten Familie auf. Nach einer journalistischen Ausbildung in Paris begann sie 1958 bei La Vie africaine und wechselte danach zur Sorafom, aus der 1962 das OCORA hervorging, ein Vorläufer von Radio France Internationale. Im Jahr 1961 berichtete sie in Paris über die Demonstrationen nach der Ermordung Patrice Lumumbas, den Putschversuch der Generäle in Algerien und das Massaker an Algeriern am 17. Oktober. In Paris lernte sie Mahamat Paul Touadé kennen, einen tschadischen Veterinärmediziner, den sie heiratete und mit dem sie zwei Kinder bekam. 1965 zog das Paar nach N’Djamena, wo Faladé an der Presse- und Informationsarbeit des tschadischen Staates mitwirkte und ein Wandzeitungsformat einführte, um Informationen breiter zugänglich zu machen. Wegen des tschadischen Bürgerkriegs kehrte sie nach Benin zurück und lebte später abwechselnd in Frankreich und Benin.

Wirken Faladé gehörte zu den wenigen afrikanischen Journalistinnen, die sich zur Zeit der Unabhängigkeitsbewegungen im stark männlich geprägten Pariser Presseumfeld durchsetzten. Nach ihrer journalistischen Laufbahn wandte sie sich stärker der Literatur und der Erinnerung an afrikanische Frauen in antikolonialen und panafrikanischen Bewegungen zu. Im Jahr 2009 veröffentlichte sie den Erzählband Regards et paroles du soir, den sie auf Anregung ihrer Schwester, der Kinderärztin und Psychoanalytikerin Solange Faladé, aus mündlich überlieferten Erzählungen zusammenstellte. Ihr 2020 erschienenes zweites Buch Turbulentes ! porträtiert siebzehn Frauen, die als Ärztinnen, Lehrerinnen, Politikerinnen, Journalistinnen oder Aktivistinnen in vormals männlich dominierten Feldern wirkten. Zu den von ihr behandelten Frauen gehören Jeanne Martin Cissé, Caroline Faye Diop, Funmilayo Ransome-Kuti, Solange Faladé und Thérèse Sita-Bella. Im Zentrum des Buches steht die Diskrepanz zwischen den Leistungen von Frauen und dem Platz, den ihnen die Geschichtsschreibung einräumt. Turbulentes ! wurde auch als Beitrag zur Erinnerung an Frauen wahrgenommen, die in ihren jeweiligen Feldern Vorreiterinnen waren leisteten und politische sowie kulturelle Emanzipationsprozesse auf dem Kontinent vorantrieben. 2021 trat Faladé beim Literaturfestival Atlantide – Les Mots du Monde in Nantes auf, wo ihr Lebensweg und ihr Einsatz für die Erinnerung an afrikanische Frauen größere Aufmerksamkeit fanden. Bis zuletzt arbeitete sie an einer Fortsetzung von Turbulentes !, mit der sie weitere Generationen afrikanischer Vorreiterinnen zeigen wollte.

Einzelnachweise

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