mini|Warburg, Kalandstraße 11, heute Hotel „Alt Warburg“ mini|hochkant|Rekonstruktion der Fassade mini|hochkant|Isometrie Kalandstraße 11 ist die heutige Bezeichnung eines um 1520 erbauten spätmittelalterlichen Fachwerkhauses in Warburg, das heute als Hotel („Hotel Alt Warburg“) genutzt wird.

Baubeschreibung

Das Haus steht direkt an der heutigen Kalandstraße, Ecke Hundegasse, und besteht aus einem dreigeschossigen spätmittelalterlichem Hauptgebäude und einem zweigeschossigen Anbau des frühen 19. Jahrhunderts entlang der Hundegasse. Bei dem Hauptgebäude handelt es sich um typisches Ackerbürgerhaus mit einer hohen in Ständerbauweise errichteten Flettdeele, einem darüberliegenden, straßenseitig über Knaggen vorkragenden Speicherstock und einer steilen, ebenfalls über Knaggen hervorkragenden Satteldachkonstruktion, die einen beim letzten Umbau 1983 noch vorhandenen Lastenaufzug beinhaltete. Die Straßenfassade hat eine Breite von 8 Fachwerkgefachen und wird dominiert durch einen zwei Gefache breiten, spitzbogigem Eingang. Die Brüstungsfelder des Speicherstockes sind giebelseitig mit einer dekorativen Reihung von gekrümmten Fußbügen geprägt. Die Aussteifung der Traufseiten erfolgt über angeblattete schräge Schwertungen.

Geschichte Nach dendrochronologischer Datierung einzelner Hölzer wurde das Haus 1520 errichtetHans Tisje, Dendrochronologisches Gutachten zu Warburg, Kalandstraße 11, Neu-Isenburg 1984. Bauherr war gem. einer gotischen Inschrift an zwei Knaggen über dem Eingangsportal ein gewisser „Joa (= Johann) Kanne“. Der Name einer später zum Teil geadelten Familie Kanne taucht seit 1320Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 5 (Kalb–Loewenthal), Friedrich Voigt’s Buchhandlung, Leipzig 1864, S. 19 f. immer wieder in Ostwestfalen auf, so 1393 in Steinheim-Breitenhaupt, wo sie noch heute begütert ist, 1400 in Löwendorf und 1550 in Bruchhausen.

1750 wurde das Haus von Carl-Georg Koch (1724–1784), dessen Großvater aus Obermarsberg zugezogen war, erworben. Dessen Sohn, der Ratsherr Johann Christian Benedikt Ignaz Koch (1758–1814) erbte das Haus. 1831 gehörte das Haus dessen Sohn, dem Licentiaten, Steuereinnehmer und Landtagsabgeordneten Carl Johann Franz Liborius Koch (1786–1855)Urkataster der Stadt Warburg von 1832Gedbas, abgerufen am 23. Mai 2026 mini|links|Anzeige Warburger Lichtspiele, Bernard Disselmeyer, Warburger Kreiskalender 2021

1886 verkauften Carls Erben das Haus an den Metzger und Gastwirt Carl Kohlschein (1844–1906), offenbar einem Verwandten der Bierbrauerfamilie Kohlschein. Die Familie Kohlschein sanierte das Haus, erweiterte es durch einen rückwärtigen Anbau, in dem ein Gesellschaftssaal untergebracht wurde und betrieb die Gastwirtschaft und Metzgerei bis 1902. Danach erwarb Friedrich Bremer aus Körbecke das Haus und bewirtschafteten es 50 Jahre lang selbst. Den rückwärtigen Saal verpachtete er seit 1917 an Bernard Disselmeyer, der dort ein Kino mit ca. 250 Plätzen, die „Warburger Lichtspiele“, einrichtete. Der Kinobetrieb wurde 1926 durch die aus Annaberg zugezogene Familie Schlinker übernommen. Der Eingang, der sich zunächst noch über die Gaststätte in der Kirchstraße führte, wurde durch einen Anbau und Neueingang in die Sternstraße verlegt, weshalb das Kino später Stern-Lichtspiele hieß. 1952 verpachtete die Familie Bremer das Haus an die Familie Klenke, die es 25 Jahre lang unter Beibehaltung des Namens Gasthof Bremer weiterführte.

1977 gab die Familie Klenke den Betrieb auf. Das Haus wurde durch den Warburger Bauunternehmer Hermann Jacobs erworben und im Rahmen der Stadtkernsanierung als zeitgemäßes Hotel mit 26 Betten, einer Gaststätte, Tagungsräumen und einer Kegelbahn durchgreifend saniert. In dem Rahmen wurden auch die ursprünglich als Sichtfachwerk konzipierten Fassaden einschließlich Giebelspitzen sowie der zweigeschossige Deelenraum innen wieder rekonstruiert. Das ehemalige Tonnengewölbe musste dabei den funktionalen Anforderungen weichen. Die Einweihung erfolgte 1981. Pächter des Hotels mit gastronomischen Betriebes war von 1980 bis 1989 Peter Rothenhäusler aus Süddeutschland mit einer traditionellen Küche.Xing, abgerufen am 23. Mai 2026 Danach wurden Hotelbetrieb und Gastronomie getrennt, und das Restaurant wird seitdem durch einen spanischen Pächter, der zusätzlich mediterrane Küche anbietet, geführt.

Im März 2023 wurde das Hotel mit dem Restaurant für 1,5 Millionen € zum Kauf angeboten.Ralf Benner: Viele Fachwerkhäuser schmücken Warburg. Eines der schönsten und bekanntesten dieser alten Gebäude, dass „Alt Warburg“ in der Kalandstraße 11, Heimat des gleichnamigen Hotels und des Restaurants „Don Pepe“, wird aktuell im Internet zum Kauf angeboten.Westfalen-Blatt Warburg, 23. März 2023

Literatur Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmäler in Westfalen, Kreis Höxter. Band 1.1.: Die Stadt Warburg. bearb. von Gotthard Kießling, Michael Christian Müller und Burkhard Wollenweber, mit Beiträgen von Peter Barthold, Hans Joachim Betzer, Daniel Bérenger, Franz-Josef Dubbi, Horst Gerbaulet, Detlef Grzegorczyk, Fred Kaspar, Hans-Werner Peine, hg. vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe und der Hansestadt Warburg, LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen. Imhof-Verlag, Petersberg 2015, ISBN 978-3-7319-0239-3. S. 246–252 Albert Kröger: Gasthof Bremer: Ein wertvolles Zeugnis der traditionsbewußten Alt-Warburger Baukultur, in Westfalen-Blatt, o. D. Elmar Nolte: Zum Profanbau der mittelalterlichen Stadt Warburg. In: Franz Mürmann (Hrsg.): Die Stadt Warburg. 1036–1986. Beiträge zur Geschichte einer Stadt. Band 2. Hermes, Warburg 1986, ISBN 3-922032-07-9, S. 164. Westfalen-Blatt: Echte Liebe zum Detail kommt hier zum Ausdruck, Warburg 4. Juli 1981

Einzelnachweise

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