Der VerbraucherService Bayern im Katholischen Deutschen Frauenbund e.V. (VSB) ist ein unabhängiger, bayerischer Verbraucherverband mit 15 Beratungsstellen und 120.000 Mitgliedern. Zweck des Verbandes ist der Verbraucherschutz, die individuelle Verbraucherberatung, die Verbraucherbildung und die politische Interessenvertretung.
Geschichte Der VerbraucherService Bayern im KDFB e.V. wurde 1956 in München unter dem Namen „Bayerische Hausfrauenvereinigung des Katholischen Deutschen Frauenbundes“ gegründet. Der Verband verstand sich zunächst als Berufsorganisation für Hausfrauen und bot Beratung zu Alltagsfragen sowie verbraucherpolitisches Engagement. Früh entstanden neben dem Sitz in München Beratungsstellen in Würzburg und Augsburg.
In den folgenden Jahrzehnten baute der Verband sein Beratungs- und Bildungsangebot in Bayern kontinuierlich aus. In den 1960er Jahren entstanden weitere Beratungsstellen, unter anderem in Regensburg und Ingolstadt. Parallel entwickelte sich die hauswirtschaftliche Berufsbildung, etwa in Würzburg mit der Ausbildung zur Meisterin der städtischen Hauswirtschaft. Ab den 1970er Jahren wurde das Netz der Beratungsstellen erweitert. Seit den 1980er Jahren kamen Energieberatung sowie juristische Beratung hinzu. 1983 richtete der Verband Schuldnerberatungsstellen ein, die 1990 an die Caritas übergingen.
In den 1990er Jahren erweiterte der Verband seine Aktivitäten um Umweltprojekte, Baufinanzierungsberatung und neue Dienstleistungen im Bereich Hauswirtschaft. 2002 nahm der Verband den heutigen Namen VerbraucherService Bayern im KDFB e.V. an. Gleichzeitig wurden die juristische, finanzielle und energetische Verbraucherberatung ausgebaut.
Aufgaben und Aktivitäten
Verbraucherbildung und Verbraucherinformation Der VerbraucherService Bayern informiert und schult Konsumenten zu alltagsrelevanten Fragen in den Bereichen Ernährung und Gesundheit, Konsum und Recht, Finanzen und Versicherungen, Umwelt, Medien sowie Hauswirtschaft.
Hierfür bietet der Verband bayernweit Vorträge, Kurse oder Workshops an und veröffentlicht Podcasts, Filme, Flyer oder Informationsbroschüren. Referenten besuchen Unternehmen und schulen Mitarbeitende und Führungskräfte beispielsweise zur betrieblichen Gesundheitsförderung. Der Verband beteiligt sich an Messen und führt Informationskampagnen durch, wie etwa 2019 zur Elementarschadenversicherung oder startet Initiativen, wie 2022 eine Handysammelaktion.
Um schon Kindern und Jugendlichen Alltagskompetenzen zu vermitteln, werden Vorträge und Workshops für Schulen angeboten, die auf die bayerische Projektwoche „Schule fürs Leben“ zugeschnitten sind. Außerdem ist der VerbraucherService Bayern Träger des Programms „Partnerschule Verbraucherbildung Bayern“, das seit dem Schuljahr 2015/16 Verbraucherbildung an allen allgemeinbildenden und beruflichen Schulen in Bayern fördert.
Verbraucherberatung und Verbraucherschutz Der VerbraucherService Bayern bietet individuelle und unabhängige Beratung in den Bereichen Recht, private Finanzen, Versicherungen, Umwelt, Energie und Ernährung. Ratsuchende wenden sich an den VSB etwa bei Forderungen von Inkassounternehmen, mit Fragen zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht oder wenn sie Unterstützung bei Riester-Verträgen und Versicherungen benötigen. Auch wer seine Heizkosten senken oder seine Ernährungsweise umstellen möchte, erhält Unterstützung beim VSB. Auf Wunsch vertritt der Verband die Verbraucherinnen und Verbraucher auch schriftlich. Die Beratung erfolgt per Telefon, Online-Chat oder persönlich in den Beratungsstellen und ist bis auf eine kurze Erstauskunft kostenpflichtig.
Der VerbraucherService Bayern ist Kooperationspartner im bundesweiten Projekt „Energieberatung der Verbraucherzentrale“, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert wird. An 65 Standorten in Bayern werden Verbraucher zu Themen wie Energiesparen, energetische Sanierung, Heizungstausch, Nutzung erneuerbarer Energien sowie zu Fördermöglichkeiten, wie der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG), neutral beraten. Ist eine Vor-Ort-Begehung erforderlich, wird ein Hausbesuch vereinbart, bei dem die individuelle Wohnsituation analysiert und Empfehlungen zur Verbesserung der Energieeffizienz gegeben werden.
Als qualifizierter Verbraucherverband im Sinne von § 4 des Unterlassungsklagengesetzes (UKlaG) ist der VSB befugt, Verstöße gegen verbraucherschützende Vorschriften außergerichtlich durch Abmahnungen und gerichtlich durch Unterlassungsklagen zu verfolgen. Er kann auch gegen wettbewerbswidriges Verhalten von Unternehmen vorgehen. Im Sommer 2024 erstritt der Verband beispielsweise ein Urteil gegen die Deutsche Post AG, mit dem die Verwendung bestimmter AGB-Klauseln zur Kündigung von Zeitschriftenabonnements sowie die konkrete Ausgestaltung des Online-Kündigungsprozesses untersagt wurden.
Hauswirtschaftliche Berufsbildung Der VerbraucherService Bayern bietet einen berufsbegleitenden Lehrgang zur Hauswirtschafterin oder zum Hauswirtschafter nach § 45 Absatz 2 BBiG mit einer Dauer von einem Jahr an. Ein weiteres Angebot ist die zweijährige, ebenfalls berufsbegleitende Online-Weiterbildung zur Meisterin oder zum Meister der Hauswirtschaft. Letztere qualifiziert für Leitungsfunktionen in hauswirtschaftlichen Einrichtungen. Die kostenpflichtigen Lehrgänge vermitteln Kenntnisse in Betriebswirtschaft, Ernährung, Vorratshaltung, der Zubereitung von Speisen, der Reinigung und Gestaltung von Wohn- und Funktionsbereichen, der Textilpflege und der bedürfnisorientierten und situationsgerechten Betreuung von Menschen.
Die Aus- und Weiterbildung bereitet auf eine Tätigkeit in Großhaushalten vor, wie etwa Seniorenheimen, Kinderheimen, Tagungsstätten oder Rehakliniken.
Politische Interessenvertretung Der VerbraucherService Bayern vertritt die Interessen der Verbraucher, indem er Anträge an die Politik einbringt, Petitionen initiiert und so Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nimmt. Der Verband wird im Lobbyregister des bayerischen Landtages geführt. 2025 forderte der Verband beispielsweise die Einführung eines Altersvorsorgedepots mit steuerlicher Begünstigung und die Begrenzung von Medikamentenrückständen in Trinkwasser sowie 2024 ein Transparenzregister mit Prüfsiegel für Finfluencer.
Finanzierung Der VSB wird vom Bayerischen Staatsministerium für Umwelt- und Verbraucherschutz und dem Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus gefördert. Außerdem erhält der Verband Zuwendungen von den Ordinariaten bayerischer Diözesen sowie von Kommunen und Institutionen. Einzelne Gemeinden stellen zudem Räumlichkeiten für die Beratungsstellen mietfrei zur Verfügung. Neben eigenen Einnahmen aus Gebühren für Kurse, Vorträgen und Beratungstätigkeiten erhält der VSB einen Anteil der Mitgliedsbeiträge des KDFB. Außerdem finanziert sich der Verband durch Spenden und wird durch die unentgeltliche Arbeit ehrenamtlicher Mitglieder unterstützt.
Organisation Die Landesvorsitzende und der ehrenamtliche Vorstand führen mit Unterstützung der Geschäftsführung die laufenden Geschäfte. Der VerbraucherService Bayern ist eine Einrichtung des Katholischen Deutschen Frauenbundes. Auf Bundesebene ist der VSB über den Bundesverband des VerbraucherService im KDFB e.V. organisiert, der Mitglied im Bundesverband der Verbraucherzentralen und Verbraucherverbände e.V. (vzbv) ist. Der VSB wird im Lobbyregister des Bundestages geführt.
Weblinks VerbraucherService Bayern im KDFB e.V.
Einzelnachweise
Kategorie:Verbraucherschutzorganisation (Deutschland) Kategorie:Verbraucherpolitik Kategorie:Vereinsgründung 1956 Kategorie:Verein (Bayern) Kategorie:Eingetragen in einem Lobbyregister