Fritz Erpel (* 17. Juli 1929 in Potsdam; † 30. Dezember 2010 ebenda) war ein deutscher Kunsthistoriker. Mit seinen Publikationen setzte er sich stark für die Popularisierung der Kunst der „Klassischen Moderne“ in der DDR ein.

Werdegang Fritz Erpel wurde als Kind der Sekretärin Martha Erpel und des Sparkassenangestellten Walter Erpel geboren. In seinem Elternhaus war er großen musischen Einflüssen ausgesetzt. Ein prägender Einschnitt war der Tod des Vaters 1942 im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront. Sein Elternhaus und der frühe Verlust des Vaters machten aus Erpel einen ausgesprochenen Familienmenschen. 1957 beendete er sein Studium der Kunstgeschichte und wurde Mitglied des von Peter Huchel geleiteten Redaktionskollegiums der Literaturzeitschrift Sinn und Form der Akademie der Künste. Zwischen 1962 und 1990 war er als freier Autor tätig. Ein Großteil seiner Bücher wurde im Berliner Henschelverlag veröffentlicht, den sein Freund Kuno Mittelstädt leitete. Viele seiner Bücher erlebten eine hohe Auflage, allein der schon 1958 in der im selben Jahr begonnenen Sachbuchreihe Welt der Kunst erschienene Band zu Paul Cézanne erlebte in vier verschiedenen Formen bis 1988 14 Auflagen. Auch die Bände zu Michelangelo (1965, zehn Auflagen bis 1985), Rembrandt (1973, Neufassung der Erstversion von Ernst Vogel, sieben Auflagen), Max Beckmann und Marc Chagall (beide 1981) waren zum Teil überaus erfolgreich und bedienten ein großes Leserbedürfnis in der DDR. Darüber hinaus publizierte er zu den Selbstbildnissen Vincent van Goghs (mit Mittelstädt), Max Beckmanns und Rembrandts, gab Briefe und Briefwechsel van Goghs und Camille Pissaros sowie eine Zusammenstellung verschiedener Schriften Michelangelos heraus.

Erpels Stil galt als stilistisch elegant. Sein Anliegen war weniger die kunsthistorische Forschung, als die populärwissenschaftliche Horizonterweiterung seiner Leser. Dabei schaffte er es immer, die Balance zu wahren, die Autoren in der DDR brauchten. Einerseits war er nahe genug an der Sprache und der Sichtweise des Systems, um eine Druckerlaubnis für seine Werke zu bekommen, andererseits folgte er seiner persönlichen, weiter oben beschriebenen Agenda. Obwohl seine Bücher durchaus weit verbreitet waren, suchte Erpel nicht die Öffentlichkeit und war als Persönlichkeit eher unbekannt. Freundschaftlich war er indes mit verschiedenen Künstlern verbunden, darunter Joachim John, Suse Ahlgrimm, Hubert Globisch und Wolfgang Wegener. Auch nachdem es nach der Wende noch ruhiger um ihn wurde und er sich weitestgehend aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte, sorgten diese Freundschaften dafür, dass in verschiedenen Katalogen noch Texte von ihm erschienen und er etwa als Redner bei Ausstellungseröffnungen noch in Erscheinung trat, was durchaus in den lokalen Medien aufmerksam rezipiert wurde. Darüber hinaus war er eher als stiller Beobachter bekannt, der jedoch auch als bissiger Kommentator zu erleben war.

Erpel war Ehrenmitglied des Potsdamer Kunstvereins. Seine letzten Jahre waren von einer Parkinsonerkrankung getrübt. Er starb im Alter von 81 Jahren und wurde auf dem Goethe-Friedhof in Babelsberg bestattet.

Publikationen (Auswahl) In der DDR sind 15 monografische Werke Erpels publiziert worden. Viele davon erreichten mehrere Auflagen. In der Liste werden nur die Erstauflagen genannt.

Paul Cézanne (= Welt der Kunst). Henschel, Berlin 1958. auch publiziert auf Isländisch und Ungarisch Als Mensch unter Menschen. Vincent van Gogh in seinen Briefen an d. Bruder Theo. 2 Bände, Henschel, Berlin 1959. Bundesdeutsche Ausgabe bei Langen/Müller. Schweizer Ausgabe als Briefe an den Bruder Theo bei Diogenes. mit Kuno Mittelstädt: Gemalte Welt. Das Bild des Menschen und seiner Welt in der europäischen Malerei von den Felsbildern bis in die Gegenwart. Henschel, Berlin 1961. mit Kuno Mittelstädt: Die Selbstbildnisse Vincent van Goghs. Henschel, Berlin 1963. auch publiziert in Großbritannien, Rumänien, den USA und der Bundesrepublik Camille Pissarro. Der Maler in seinen Briefen an den Sohn Lucien. Henschel, Berlin 1963. Ich Michelangelo. Briefe, Dichtungen und Gespräche in einer Auswahl. Henschel, Berlin 1964. auch in Ungarn und der Bundesrepublik publiziert. Michelangelo (= Welt der Kunst). Henschel, Berlin 1965. auch publiziert auf Isländisch, Bulgarisch und Russisch. Die Selbstbildnisse Rembrandts. Henschel, Berlin 1967. Vincent van Gogh: Sämtliche Briefe. 6 Bände, Kindler, Zürich 1968. Rembrandt (= Welt der Kunst). Henschel, Berlin 1974. auch publiziert auf Ungarisch und Russisch. Max Beckmann (= Welt der Kunst). Henschel, Berlin 1974. Marc Chagall (= Welt der Kunst). Henschel, Berlin 1974. Max Beckmann. Leben im Werk. Die Selbstbildnisse. Henschel, Berlin 1985. auch Bundesdeutsche Ausgabe bei C.H. Beck. Vincent van Gogh, Lebensbilder, Lebenszeichen. Henschel, Berlin 1989, ISBN 3-362-00383-4. auch Bundesdeutsche Ausgabe bei Schirmer-Mosel, ISBN 3-88814-326-8. Vincent van Gogh. Die Rohrfederzeichnungen. Henschel, Berlin 1990, ISBN 3-362-00459-8. Michelangelo: Von Kunst und Leben. Aus Briefen und Gesprächen (= Henschel Taschenbuch, Band 3). Henschel, Berlin 1991, ISBN 3-362-00541-1. Paul Cézanne: Ein Traum von Kunst. Der Maler in seinen Briefen (= Henschel Taschenbuch, Band 16). Henschel, Berlin 1991, ISBN 3-362-00600-0. Suse Ahlgrimm (= Kunst aus Brandenburg). Strauss, Potsdam 1995, ISBN 3-929748-15-0. Vincent van Gogh: Briefe an seinen Bruder. Anaconda, Köln 2006, ISBN 3-86647-035-5.

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